HL 212.
Sonnabend, den 17. September.
1887
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Zeitunz
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Zweites Blatt.
■ Die landwirthschaftlichen Düngemittel.
X. (Schluß.)
7. Das Knochenmehl.
Da» aus den Knochen der Thiere hergestellte Knochenmehl enthält etwa 4% Stickstoff, 24°/0 Phosphorsäure und 31°/o Kalk. Dar Mehl soll möglichst fein sein. Einige Tage vor dem Ausstreuen mischt man es so, daß auf einen Gentner gute feine Erde 1 Gentner Knochenmehl und 10 Pfund GypSpulver kommen, feuchtet es mit Wasser oder Jauche an und schlägt es an einem trockenen Orte zu einem Haufen zusammen. Auch empfiehlt es stch, Sägemehl ober feinen Pferde« oder Schaff mist beizumengen.
Man streut 1 bis 3 Gentner Knochenmehl auf den Morgen Landes mit der Hand und diese wirken auf mehrere Jahre, denn im Knochenmehl lösen sich die Nährstoffe langsamer, wie in den oben aufgeführten Düngemitteln. Am besten bringt man es schon längere Zeit vor der Einsaat durch flaches Unterackern ober tiefes Eineggen in den Boden, zu den Sommersaaten düngt man sogar schon am besten im Herbste. Am besten wirkt es auf das Wintergetreide. Bei Klee zeigt das Knochenmehl dann einen Erfolg, wenn die voraufgegangene Frucht bereits mit ihm gedüngt worden ist. Zur Wiesendüngung eignet sich das Knochenmehl am besten, wenn man es erst im Kompost-Haufen verarbeitet und dann im Winter oder zeitig im Frühjahr soviel Kompost auf den Morgen Wiesenfläche streut, daß es diesem etwa einen Gentner Knochenmehl in diesem Komposte trägt. Auch kann man das Knochenmehl schon auf der Miststätte dem Stallmiste beimengen, doch geht das selbstverständlich nur bann, wenn eine gute Düngerstätte vorhanden ist unb ber Mist gut behanbelt wirb. Anbernfalls ist es auch räthlich, bas Knochenmehl auf betn Felde auf bett gebreiteten Mist zu streuen unb mit bemselben unterzuackern. Der Mist wirkt anregenb auf bie ver* hältnißmäßig schwer löslichen Nährstoffe bes Knochenmehls unb basselbe kommt baher rascher zur Wirkung. Niemanb wirb aber bann mit Knochenmehl büngen, wenn er sofort nach ber Düngung eine rasche Wirkung erzielen will. Dafür ist baS Superphosphat ba. Daher empfiehlt sich Knochenmehl mehr für bie Winter- und Superphosphat mehr für bie Sommersaaten.
8. Die Kalisalze.
Nächst der Phosphorsäure fehlt es unserem Boden bei Mangel an hinreichendem Ersatz zuerst an dem meistens in geringer Menge vorhandenen Kali und daher ist ein Ersatz desselben durch ein Kalisalz zuweilen dringend nöthig, besonders nach starken Kartoffel-, Rüben- und Klee-Ernten. Daß ein Boden noch reich an Kali ist, erkennt man an einzelnen, auf demselben üppig wachsenden Pflanzen, die zu ihrem Gedeihen viel Kali erfordern. Solche Pflanzen sind z. B. das garre«traut, der Schachtelhalm und die Binse. Diese kalireichen Pflanzen können deshalb, wenn sie gesammelt und im Komposthaufen zersetzt werden, der Wirtschaft eine Menge Kali zuführen.
Nachdem vor etwa 25 Jahren an der preußisch- anhaltischen Grenze in nicht großer Entfernung von Magdeburg die gewaltigen Salzlager von Staßfurt und Leopoldshall mit ihrem Reichthum grade an Kalisalzen entdeckt worden sind, wird es nun wohl Niemandem mehr einfallen, die vorge- |
nannten Kalipflanzen zu sammeln unb int Kompost zu verarbeiten, ber Arbeitslohn würde ihm zu hoch kommen, wenn nicht ganz besondere Verhältnisse vorliegen. Das Kali in ber Holzasche ober ber aus ihr gewonnenen Pottasche ist schon ganz recht, jeboch steht uns bas Pfunb Kali in bett kalireichen Staßfurter Salzen schließlich boch billiger, besonbers wenn man, um Transportkosten zu sparen, in Bezug auf Kali recht kon- zentrirte Kalisalze kauft, bie einen hohen Prozent- gehalt an Kali besitzen, z. B. bas breifach- ober bas fünffach konzentrirte Kalisalz mit 30 bezw. 48 Prozent Kali.
Auf Moor- unb Sandböden zeigen bie Kalisalz- Düngungen bett besten Erfolg, besonbers wenn Kalkgehalt ba ist. Viele Leute haben besonbers auf besseren Böden keinen Erfolg mit Kalidüngung erzielt, weil es den Böden gleichzeitig an den anderen Stoffen, den Stickstoffverbindungen und der Phosphorsäure, fehlte. — Sie boten eben dem armen Manne, dem ein Stück Brod den Hunger gestillt haben würde, einen Löffel voll Salz. — Daher wird es bei Düngungsversuchen mit Kalisalzen gut sein, wenn einmal etwa ein Beet nur mit Kalisalz, das andere mit Ghilisalpeter, das dritte mit Super Phosphat und die folgenden mit Gemengen dieser Stoffe gedüngt werden. Woran es fehlt, wird man schon bei Vergleichung der einzelnen Beete erkennen können, wenn sie von der Frucht in verschiedenem Entwickelungszustande bedeckt sind.
Da der Boden des Kali unter allen Pflanzennährstoffen am stärksten festhält, so darf man schon stark mit Kalisalzen düngen; von den oben genannten concentrirten Salzen kann man auf den Morgen 1-3 Gentner nehmen, die man mit dem doppelten bis vierfachen Gewichte feiner Erde vor dem Ausstreuen innig mischt, nach dem Ausstreuen unterpflügt oder tief eineggt. Das ©treuen und Unterpflügen soll ziemlich lange vor der Einsaat geschehen, für die Sommerfrüchte also schon im voraufgehenden Herbste oder Winter. Hierbei kommt es nun wieder auf den Boden, die gedüngte Pflanze und das zur Düngung benutzte Salz' an. Auf leichtem Sand- unb Kalkboden wendet man am besten schwache Düngungen erst im Frühjahre an, bei schwerem Boden starke Düngungen im Herbste.
Professor E. Wolff in Hohenheim, dessen Werk „Praktische Düngerlehre" wir bei diesen Angaben im Wesentlichen gefolgt sind, empfiehlt von allen Kalisalzen immer diejenigen zu kaufen, in denen uns das Pfund Kali am billigsten stehe. Das Billigste ist nicht immer das Beste unb mit Rücksicht auf Güte unb Preis vortheilhasteste, aber bie Düngungsversuche mit Kalisalzen haben doch bar» gethan, daß gerade bie billigen Salze, bie beshalb billiger sind, weil sie weniger Prozent bes gewünschten Kali's, bafür aber anbere Nebensalze enthalten, burch biefe mit Unrecht unterschätzten Nebensalze gerabe eine günstigere Wirkung ausüben können unb auch ausüben. So beschleunigt bas mit anwesende Ehlornatrium (unser gewöhnliches Kochsalz) bie Ausbilbung ber Körner unb ihre Reife, ja biefe Nebensalze wirken oft kräftiger, als bas Kalisalz, bem vielleicht bann bie Hauptwirkung irrtümlich zugeschrieben wirb.
Bei Kartoffeln unb Zuckerrüben muß man mit Kalibüngung sehr vorsichtig fein, ba bie Gute ber Ernte, ber Stärke- bezw. Zuckergehalt leicht babei leiben.
Ueberhaupt ist es auch bei ber Anwenbung ber Kalisalze roieber zu empfehlen, baß man an ben Spruch denkt: „Du sollst bas Eine thun, bas Anbere aber nicht lassen." Du sollst also nicht bloß an bas Kali denken, foitbern auch fragen: „Wie ist es mit Stickstoff unb Phosphorsäure?
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Sollte ich auch gleich einmal Etwas bavon mitgeben?" Unb wenn man klug ist, fo probirt man es erst im Kleinen. Auf biefem Beet bloß Kali, auf biefem Kali mit etwas Ghilisalpeter u. f. w. „Probiren geht eben über ©tubiren."
Bei ben Kalisalzen empfiehlt es sich ebenso, wie bei bem Knochenmehl, daß man sie dem Stallmist schon auf ber Düngerstälte beimengt. Dazu ist besonbers der Kainit, die rohe Kali-Magnesia, der Kieserit unb ber GarnaUit zu empfehlen. Diefe Salze wirken wie ber auf den Mist gebrachte Gyp» auf deffen gute Erhaltung. Auch Aetzkalkpulver gleichzeitig mit Kalisalzen gestreut wirkt günstig auf deren Erfolg ein.
9. Der gebrannte Kalk.
Der gebrannte Kalk wird vor bem Gebrauche erst vorsichtig so gelöscht, daß er zu einem feinen Palver zerfällt ober man bringt ihn in kleinen Haufen auf bas Laub, bebeckt ihn mit Erbe, in ber er sich mit ber Zeit löscht, worauf er ausge- streut wirb. Dies thut man am besten im Herbst auf bie Stoppel, mit ber man den Kalk unter* pflügt, ober im zeitigen Frühjahr zeitig vor ber Saat, wenn ber Boden abgetrocknet ist. Man gibt 5 bis 10 Gentner auf ben Morgen, auf zähem Thonboben mehr, auf leichtem Bsben weniger. Wenn Wegerich, Schachtelhalm unb Sauerampfer auf bem Lande unb Moose, auf ben Wiesen gern wachsen, bann ist eine Kalkbüngung angebracht, bas Vorhanbensein ber genannten Pflanzen zeigt das Bebürfniß nach Kalk an. Es ist ganz gut, wenn man öfter unb bann jebesmal mit wenig Kalk büngt. Da Kalk ein starkes Reizmittel ist, so barf er auf keinen ausgesogenen Boben gebracht werben, er muß immer noch anbere Pflanzennahrung vorfinben, ebensogut, wie ber Mergel. Wenn Kalk- unb Mistdüngung ziemlich gleichzeitig auf einem Felde vorgenommen werben faßen, so muß bie Kalkdüngung ber Mistdüngung etwas voraufgehen. Auf Wiesen bringt man den Kalk am besten im Kompost. Klee und Hülsenfrüchte entwickeln sich durch Kalkdüngung am besten, besonders wenn ihre Vorfrucht mit Kalk gedüngt worden ist.
10. Der Gyps.
Der Gyps wird in rohem, ungebranntem, fein- pulverigem Zustande zur Konfervirung des Düngers ober zur Düngung ber Kleearten unb Hülsenfrüchte angeroenbet, in welchem Falle 2—3 Gentner auf ben Morgen genügen. Man streut ihn Ende April ober Anfang Mai bei warmfeuchter Witterung auf ben Klee unb zwar zu einer Zeit, in welcher bie Kleeblättchen schon so stark entwickelt sinb, baß sie sich im Winbe bewegen und den auf sie gefallenen Gyps auf den Boden von sich abfchütteln können.
Vermischtes.
[Neugierig.] „Sie waren in Afrika, Herr Doktor?" — „Gewiß, gnädig- Frau." — „Run sagen Sie doch einmal, ist es denn wirklich so gefährlich, den Leu tu wecken, wie Schiller behauptet?" 1
lHöchstes Selbstbewußtsein.j Der Unteroffizier: " -geht mir nicht so schlapp; immer stramm, auch außer Dienst; immer Kopf hoch, als wenn jeder 3 Mark m der Tasche hätte."
b/r Sch lach t.j Unteroffizier: Memme, warum zitterst Du? — Soldat: Mir schaudert vor dem Blutbad, das ich anrichten werde.