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M 211.

Freitag, den 16. September.

1887

Ml-ker AM JCUUUH.

Die .Fuldaer Bettung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Brertehahrltcher Abonnementsprers ohne Bnngerlohn und Bestellgeld. 1 M. 50 Pf. mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts I M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. September.

* Der österreichische Minister Graf Kaluoky ist heute Mittag in Berlin eingetroffen und setzte Nachmittags 51/* Uhr seine Reise nach Friedrichs- ruh fort.

* Der Staatssekretär des auswärtigen Amtes Graf Herbert Bismarck ist in Friedrichsruh eingetrrffen, derselbe wird noch vor Ablauf der Woche Vie Geschäfte des auswärtigen Amts in Berlin wieder übernehmen.

* Die Trierer Katholikenversamm­lung hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Sie ist, wie jetzt auch vom .Moniteur de Rome' an­erkannt wird, eine der großartigsten Kundgebungen des Geistes, der Eintracht, Opferwilligkeit und hin- gebender Treue, der die Katholiken beseelt. Wer da glaubte, daß Verwirrung, Zwiespalt und Ent- muthigung in die Reihen der Katholiken Eingang gefunden habe, den hat die Trierer Katholrken- versammlung ganz gründlich eines befferen belehrt. Es ist darum nicht anders denkbar, als daß ste aufklärend, anregend und ermuthigend auf die katholischen Kreise wirkt. Sie hat aber auch An­laß gegeben, daß noch ein anderer Geist sich kund­gab : der Geist des fanatischen Haffes und der ge- wissenlosesten Verleumdung, der in den Reihen der Kulturkämpfer umgeht und im Kampfe gegen die Katholiken eine so große Rolle spielt. Ec hat in der nationalliberalen Presse wahre Orgien ge­feiert und so uns Katholiken den höchst werth­vollen Beweis dafür geliefert, daß wir noch immer die gleichen Kulturkämpfer gegen uns stehen haben, wie in den allerschlimmsten Epochen der 70er Jahre. Rach wie vor finden sie es unerträglich, wenn wir uns nicht als Heloten fühlen und schon die einfache Betonung unserer katholischen Interessen und Rechte wird von ihnen als konfessionelle Hetze verschrien. Selbst das ist der Trierer Katholtken- versammlung nachgesagt worden, obwohl sie sich gerade nach dieser Richtung ganz wesentlich in vortheilhaftester Weise von der Versammlung des „Evangelischen Bundes" in Frankfurt unter­schieden hat. — Wie die Bischöfe, so fühlt auch der Klerus Preußens die Gefahr, melde das staatliche Einspruchsrecht bei Besetzung der

Dinh eigene Sdjulö.

Roman aus der Handelswelt.

74. Fortsetzung.

Es war bereits Mitternacht vorüber. Rasch fuhr der Wagen dahin, in dessen Ecke der Handels­herr bleich und regungslos dasaß. Es war keine stürmische Nacht, aber dennoch hatte sie etwas unheimlich wildes. Der Mond war aufgegangen, aber er wurde von dunklen Wolken verhüllt, und die Schatten dieser vom Winde gejagten Wolken stürmten rasch wie Gespenster über die Eide dahin. Dieß Alles paßie zu Damkens Stimmung. Er wußte, daß er verloren war und daß er selbst sein Unglück verschuldet hatte, aber keine Reue erfüllte ihn und öffnete ihm mit dem Entschluss- der Besserung zugleich die Hoffnung auf die Zu­kunft. Ha, Besserung I Er wollte sich nicht ändern, er wollte und konnte nicht anders leben, als er bisher gelebt. Sein Leben hatte keinen Reiz mehr für ihn, wenn er es mit Arbeit und Sorgen fristen sollte.

Ein unendlich bitteres Gefühl hatte ihn erfaßt. Er war erbittert über sein unglückseliges Geschick, über sich, über die ganze Welt. Als der Wagen in seinen Park einbog, als er die Umrisse d-r hohen schattigen Bäume vom Monde erhellt fick am Himmel abzeichnen sah, als er daran dachte,

Pfarreien für den Klerus und die Kirche in sich schließt. In Schlesien sind die Geistlichen des- halb mit dem Plane umgegangen, die Gefahr in einfacher und wirksamer Weise zu beseitigen. Sie wollten sich gegenseitig verpflichten, um keine Pfarrei sich zu bewerben, von der ein Amtsbruder durch staatliche Einsprache fern gehalten wurde, nachdem der Bischof sie ihm übertragen wollte. Das wäre ein einfaches und wirksames Mittel, wenn nur die Pfarrer und nicht auch die Pfar­reien in Betracht kämen, die eben doch nicht ständig blos provisorisch verwaltet werden können. Ein noch einfacheres und wirksameres Mittel bestände darin, daß die Geistlichen alle den gleichen Eifer in Betheiligung am öffentlichen Leben an den Tag legten, so daß die Regierung in dieser Beziehung keinen Unterschied fände und nicht zu dem Glauben gebracht würde,-daß ein Geistlicher ergebener und willfähriger sei als der andere. Freilich sollten zu diesem Zwecke auch alle Geistlichen gleich un­abhängig sein und wahre Helden an Charakter und Tugend.

* Bremen, 15. Sept. Der Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd „Adler", welcher am 7. September 10 Uhr Vormittags von Newyork abging, ist nach einer außerordentlich schnellen Reise gestern Nachmittag 8 Uhr 30 Minuten in Southampton angekommen. Die Dauer der Reise beträgt 7 Tage 4 Stunden, die durchlaufene Di- stance 3058 Meilen, und die durchschnittliche Ge­schwindigkeit 178/4 Meilen per Stunde. Es ist dies die schnellste Fahrt, die bisher zwischen Newyork und Southampton gemacht worden ist.

* München, 15. Sept. Die bairische zweite Kammer hat heute den Freiherrn v. Ow mit 155 Stimmen zum Präsidenten und den Ober­amtsrichter Alwens (lib.) mit 154 Stimmen zum Vizepräsidenten gewählt. Zu Schriftführern wurden Landgerichtsrath Geiger (Centr.) und Dr. Buhl (lib.) gewählt.

* Stuttgart, 15. Sept. Die württem- bergische Kammern der Standesherren genehmigte heute das Branntweinsteuergesetz, worauf der Landtag wieder vertagt wurde.

Ausland.

* Auf dem zweiten katholischen sozialpoli- rote oft er diesen Weg gefahren war als der reiche mächtige Handelsherr — da zuckte ein spöttisches Lächeln über sein Gesicht, wilder und wilder wurden seine Züge und endlich brach er in ein höhnisches Lachen aus.

Kennt ihr ein solches Lachen? Es schallt nicht lustig in die Welt hinein, es klingt nicht wie der Ausbruch eines heitern Herzens, sondern es tönt wie eine Stimme, wie ein Hohn tief aus dem Grabe herauf. Es erschüttert die Nerven und läßt einen kalten Schauer durch unseren Körper rieseln — es ist das wilde Lachen der Verzweiflung, die nichts glaubt und hofft, die nur mit diesem Lachen den tausend und aber tausend Höllengeistern in der Brust antwortet.

Ais er endlich auf seinem Zimincr angelangt war, wi.S er den Diener, der ihm vocangeleuchtet, schweigend aber mit hastiger Bewegung zurück. Er verschloß die Thür hinter ihm, warf sich auf emen Sessel und barg das Gesicht in den Händen. Er saß regungslos da, kein Glied seines Körpers rewegte sich, nur seine Brust holte tief und schwer Atbem.

Von der Ankunft des Buchhalters auf der Villa, von der umgehenden Fahrt ihres Vaters nach der Stadt durch ihre Dienerin benachrichtigt, Nutte Gabriele mit ungeduldigem Bangen seine Ruckk.hr erwartet. Ihr ahnte was vorgcsallen

tischen Kongreß in Lüttich sind auch dieses Mal wieder die deutschen sozialpolitischen An­schauungen im Wesentlichen durchfchlagend gewesen. Die Hauptarbeiten fanden in den Sektionen statt, bereit Berathungen zeigten, mit welchem Ernst die belgischen Katholiken der brennenden Frage der Gegenwart näher treten, und sich die Erfahrungen der deutschen Glaubensgenossen zu Nutze machen. Hier wurde den höheren Ständen ans Herz gelegt, in religiöser Hinsicht ihren Arbeitern ein gutes Beispiel zu geben; dem Klerus wurde das Stu­dium der sozialen Frage empfohlen, das Vereins­wesen, insbesondere die Arbeiter- und Lehrlings- vereine einer wirksamen Unterstützung empfohlen. Die Lütticher Lehrlingsvereine zählen bereits 1800 Mitglieder. Besonders wurde die Nothwendigkeit der Erhaltung des Mittelstandes betont. Bemer« kenswerth ist, .daß Minister a. D. Woeste sich hinsichtlich der sozialpolitischen Gesetzgebung jetzt ganz auf dir Seite der deutschen katholischen Sc- zialpolitiker in staatlicher Initiative stellt. Es wur­den folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Der Kongreß erklärt sich gegen die Verwendung von Frauen jeglichen Alters bei unterirdischen Arbeiten. 2. Kinder können in Fabriken und Bergwerken nicht unter vollendetem 12. Lebensjahre verwandt wer­den. 3. Kinder im Alter von 12—16 Jahren dürfen micht länger als 12 Stunden beschäftigt werden.' 4. Während der Nacht dürfen Frauen und Kinder überhaupt nicht zur Arbeit herangc- zogen werden, außer in den Fällen, welche das Gesetz als Ausnahme näher bestimmt. Ueber das Vettlerunwesen wurde längere Zeit debättirt, und die Sektion kam zu folgenden Wünschen: 1. Reform der Jnhaftirungsanstalten. Trennung der Jnhaftirten in die verschiedenen Gruppen; Bettler (Gelegenheit- und Gewohnheitsbettler), Vagabun­den, Säufer, Landstreicher rc. — Entwickelung der Aktivität der Geistlichkeit in diesen Fragen. 2. Modifikation des bestehenden Gesetzes; Unterdrück­ung der obligatorischen Jnhaftirung der Bettler. 3. Ausdehnung der Freiheitsentziehung für Ge- wohnheilsbettler. Ferner empfahl der Kongreß Konsumvereine, aber nur nach vorheriger Ver­ständigung mit den Geschäftsleuten des Ortes. Hinsichtlich der Arbeiterversicherung wurde beschlossen, daß die Unfallkassen korporativ von war und Schrecken erfaßte sie. Als ihr Vater zu­rückgekehrt war, eilte sie zu seinem Zemmer, sie fand die Thür verschlossen. Sie pochte laut und heftig an, aber der Unglückliche drinnen hörte es nicht. Der Diener sagte ihr, daß ihr Vater allein zu sein wünsche, und mit schwerem Herzen ging sie auf ihc Z-mmer zurück.

Herr von Letzingen saß an dem folgenden Morgen in seinem Zimmer mit dem Schreiben eines Briefes beschäftigt. Er sprang mehrere Male mit einer ihm ungewöhnlichen Heftigkeit und Auf­regung vom Schreibtische auf, durchschritt das Zimmer und setzte sich dann wieder nieder, um den Brief zu vollenden. Man sah es ihm an, daß dieser Brief eine unangenehme Aufgabe für ihn war, die er rasch zu beenden strebte nnd daß sie gleichwohl seine ganze Aufnierksamkeit und Be­sonnenheit in Anspruch nahm.

Endlich hatte er ihn vollendet, faltete ihn rasch, schrieb die Adresse daraus und schellte dann un- geduldig und heftig, indem er selbst unruhig vom Stuhle emporsprang.

Sein Diener erschien und war über die Heftig­keit und Aufregung seines Herrn, welche er nur dann an ihm kannte, wenn es sich um wichtige Fragen handelte, nicht wenig erstaunt.

Letzingen hielt den Brief in der Hand, der Diener stand vor ihm, aber er schien einen Augen-