Einzelbild herunterladen
 

M 206.

Sonnabend, den 10. September.

1887

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zweites Blatt.

W Die landwirthschaftlichen Düngemittel.

VI.

Der Nutzen der käuflichen Düngemittel ist bereits hervorgehoben worden und braucht wohl nicht noch einmal betont zu werden. Ihre Wirkung ist eine einseitigere, wie die des Stallmistes, da sie nicht alle Nährstoffs enthalten oder doch nicht alle Nähr­stoffs in genügender Menge. Wenn also Jemand eines dieser künstlichen Düngemittel anwenden will, so muß er wiffen, welchen Nährstoff er in demselben in den Boden bringt, oder welcher Nähr­stoff in der größten Menge in demselben vertreten ist, wenn cs mehr als einen Nährstoff enthält. Daher soll er auch solche Düngemittel aus den­jenigen Handlungen beziehen, die ihm den Prozent- gehalt der Düngemittel an Nährstoffen garantiren, die unter der Kontrole einer landwirthschaftlichen Versuchsstation stehen und eine Konventionalstrafe zu zahlen verpflichtet sind, wenn das von ihnen gelieferte Düngemittel den versprochenen Prozent- gehalt nicht hat, was man immer ermitteln kann, wenn man eine Probe an die Versuchsstation zur Untersuchung sendet. Diese Untersuchung kostet nicht viel, die Mitglieder der landwirthschaftlichen Vereine genießen dabei eine Preisermäßigung. Unsere hessische Versuchsstation befindet sich in Marburg unter der Leitung des sehr verdienten Herrn Professor Doktor Dietrich. Daselbst kann man auch die Bodenarten und Lebensmittel auf ihren Gehalt, sowie die Sämereien auf ihre Reinheit und Keimfähigkeit, überhaupt Alles in Bezug auf etwaige Verfälschungen hin unter­suchen lassen.

Ebenso, wie der Landwirth wissen muß, was er in seinem Düngemittel hat, muß er auch wissen, was für Nährstoffs seinem Boden fehlen. Die Güte und Menge der geernteten Produkte hängt stets von demjenigen Nährstoffe im Boden ab, der in verhältnißmäßig geringster Menge in löslicher und für die Pflanzen ausnehmbarer Form im Boden vorhanden ist. Dieser Nährstoff muß hin­zugebracht werden und es würde eine Thorheit sein, wenn man das unterlassen und dafür einen anderen überreichlich vorhandenen Nährstoff noch hinzubringen wollte.

Graf zur Lippe-Weißenfeld sagt in Bezug auf das Vorstehende Folgendes:

„Wie oft haben wir gehört, wenn wir uns mit einem Landwirth besprachen und wir ihn fragten, ob er neben dem Stallmist auch noch Knochenmehl oder Guano anwende: „Nein, Knochenmehl und Guano kaufe ich nicht, — aber ich kaufe alle Jahre Kalk." — Will cs nicht scheinen, daß der­jenige, der so spricht, dcr Meinung ist, Kalk könne Knochenmehl und Guano ersetzen? Was würde man zu Einem sagen, der uns erzählt, er wolle heute Mittag nichts essen, aber — er werde einen tüchtigen Eßlöffel Kochsalz genießen und denke, er werde auch damit seinen Hunger stillen. — Bei Licht besehen ist beides sehr ähnlich. Das Koch­salz ist durchaus nöthig für unseren Körper, für unser Wohlbefinden, es ist ein Stoff, der in unseren Speisen nicht fehlen darf, ebensowenig wie der Kalk in der Pflanzenkost, aber wollten wir unfern Hunger mit Kochsalz stillen, soll es uns andere unentbehrliche Nährmittel ersetzen, so würde man mit Recht fragen, ob wir nicht unter ärztliche Aufsicht gestellt werden müßten."

Um zu erfahren, wrlche Nährstoffe unser Boden reichlich hat und welche ihm durch Düngung zuge­führt werden müssen, dazu dienen uns Düngungs- versuche in kleinem Maßstabe. Oft sieht man das

auch an dem Verhalten der Pflanzen. Ist z. B. der Körnerertrag bei reichlicher Strohbildung schlecht, so ist Stickstoff genug da, die Phosphor­säure fehlt aber, wenn nicht besonders üble Wit- terungsverhältniffe, z. B. Frost in der Blüthezeit die Schuld tragen.

Wenn die Düngung, besonders mit käuflichen Düngemitteln, einen Vortheil bringen soll, so muß man auch auf die Pflanzenart Rücksicht nehmen, die man bauen will, da die eine Pflanzenart, wie schon gesagt wurde, mehr von dem einen, die andere mehr von dem anderen Nährstoffs bean­sprucht. Ferner soll der Boden möglichst unkraut­frei und tief gelockert und mürbe sein; er darf auch nicht in Folge stockender Nässe an dem soge­nannten sauren Humus leiden, wenn die Düngung uns einen Nutzen bringen soll.

Von der Art der Düngemittel und der ge­düngten Pflanzen hängt es auch noch ab, wann und wie wir den Dünger in den Boden bringen, ob im Herbst oder im Frühjahr, ob durch Unter­ackern oder Ueberstreuen. Auch die Witterungs- Verhältnisse sprechen hierbei mit.

Der mit käuflichen Düngemitteln gedüngte Boden soll nicht ausgesogen sein, sondern noch alte Kraft besitzen. Der Lehmboden verwerthet diese Dünge­mittel am besten, weniger der Sandboden, am wenigsten der zähe Thonboden.

Wir unterscheiden die Düngemittel nach ihrem Gehalt in stickstoffceiche, phosphorsäurereiche, kali­reiche und kalkreiche Düngemittel.

Viel Stickstoff enthalten der Chilisalpeter und die Ammoniaksalze.

An Phosphcrsäure reich sind die Superphos- phate und das Thomasschlackenmehl.

Kali enthalten die Staßfurter Kalisalze und die Pottasche.

Stickstoff neben Phosphorsäure besitzt der Peru­guano, Phosphorsäure neben Stickstoff das Knochen­mehl, Kali und Phosphorsäure die Holzasche, Kali und Stickstoff die Mistjauche und der gewöhnliche oder Kalisalpeter.

Die Anzahl der käuflichen Düngemittel ist eine außerordentlich große und ihre Zusammensetzung ist eine sehr verschiedene. Wir können uns deshalb nur bei einigen der bet uns gegen­wärtig üblichsten aus eine eingehendere Besprechung einlassen.

3. Der Chilisalpeter.

Etwa in der Mitte der Westküste Südamerikas, da wo die Staaten Chile, Bolivia und Peru zu­sammengrenzen, liegt die Atakama-Wüsts. Dieser Landstrich ist deshalb so schrecklich öde, weil es dort nie regnet, trotzdem die Wüste an dem großen Ozean liegt. Die herrschende Windrichtung, welche Regen bringt, ist auf der südlichen Halbkugel die Richtung von Südosten nach Nordwesten. Bevor die Regenwolken in die Atakama gelangen können, stoßen sie auf das ungeheure Andengebirge, dessen höchste Gipfel die unseres höchsten europäischen Ge­birges, der Alpen, um das anderthalbfache über­treffen. In dieser Gebirgsregion regnet der Wassergehalt der Luft nieder und das von den Gebirgen herabkommende Wasser findet am West­abhang einen Boden, der es schnell versickern läßt und in große Tiefe führt, so daß cs nicht in Bächen und Flüssen zum Meere gelangen kann. In den Hafenstädten der Atakamaküste hat man nur Wasser zum Trinken und Kochen, das man durch Destillation des Meerwassers brauchbar ge­macht hat. Jeder Tropfen muß daher dort mit schwerem Gelbe gekauft werden. Früher mußts das Wasser auf Maulthieren, welche den Salpeter auf ihrem Rücken an die Küsts brachten, in Leder­schläuchen weit in das Innere gebracht werden und kam so da sehr theuer, weshalb der Salpeter

früher viel theurer war, als jetzt. Man hat nun aber Eisenbahnen gebaut, welche den Transport besorgen, und man hat im Innern auch für Wasser durch tiefgehende Brunnenschächte gesorgt, deshalb ist der Salpeter billiger geworden.

So werthlos die Atakama sonst ist, so birgt sie doch einen großen Schatz, das sind die gewaltigen Lager einer Verbindung der Salpetersäure mit dem Metall Natrium, des sogenannten salpetersauren Natrons, welches nach dem Staate Chile den Namen Chilisalpeter führt und in reinem Zustande aus 23 Theilen Natrium, 14 Theilen Stickstoff und 48 Theilen Sauerstoff besteht. Da er durch er­dige Bestandtheile etwas verunreinigt ist, so ent­hält er außer dem Tungsioff Natrium etwa 15 bis 16 Prozent, also im Centner etwa 15 bis 16 Pfund des werthvollen Stickstoffs, dessentwegen er als Düngemittel angewendet wird. Der Stickstoff ist in ihm in der denkbar günstigsten Verbindung vorhanden, so daß er leicht und rasch von den Pflanzen ausgenommen wird. Freilich wird der Chilisalprter seiner außerordentlich leichten Lös- lichkeit im Wasser wegen von letzterem rasch in den Untergrund geschwemmt, weshalb man ihn auf einmal nur in verhältnißmäßig kleiner Menge dem Boden erst dann geben soll, wenn schon eine hinreichende Wurzelbildung zur schleunigen Auf­nahme da ist. Andernfalls geht viel unbenutzt ver­loren oder verbrennt in allzustarker Lösung die Pflanzenwurzeln.

In den Jahren 1880 und 1881 entbrannte zwischen den drei genannten südamerikanischen Staaten, Chile auf der einen und Bolivia und Peru auf der andern Seite, ein blutiger Krieg um den Besitz der sonst werthlosen, der Salpeterlager wegen aber werthvollen Atakamawüste, in welchem nach schwankendem Kriegsglück und furchtbaren Menschenverlusten in jenen so schon menschenarmen Ländern die Chilenen Sieger blieben und den Be­sitz der Atakama behaupteten. Zur Deckung der Kriegskosten sind den Chilenen noch heute die sonst peruanischen Chinchas-Jnseln, die auch in einem regenlosen Strich liegen und von denen der Peru- Guano, ein Vogelmist, herkommt, verpfändet. Der Krieg verhinderte damals die Ausfuhr von Sal­peter und Guano so sehr, daß die Preise für beide Düngemittel außerordentlich hinaufgingen. Wenn sie bis jetzt auch wieder bedeutend gefallen sind, so ist ihr Preis doch immerhin noch hoch. Das liegt einmal an der durch die Naturverhältnisse hervorgerufenen Schwierigkeit der Gewinnung, ferner an den hohen, durch Menschenarmuth er­zeugten Arbeitslöhnen und an dem großen Um­weg, den die Schiffs heute noch durch Umschiffung der weit nach Süden reichenden Südspitze Ame- rika's machen müssen. Wenn es dem Franzosen Lesseps, dem berühmten Erbauer des Suezkanals gelingen sollte, den von ihm seit Jahren be­gonnenen Panamakanal über die schmälste Stelle Mittelamerika's fertig zu stellen, dann wird der Transportweg für Chilisalpeter und Peru-Guano so außerordentlich abgekürzt werden, daß beide wichtige Düngemittel uns viel billiger geliefert werden können.___________________________________

Vermischtes.

* Dem .Echo', Berliner Wochenschrift, welche vor Kur­zem einen Ehrensold von 20 Mark für Denjenigen aus­gesetzt hat, welcher in acht gereimten Druckzeilen am schla­gendsten den Werth der so oft und so viel geschmähten Schwiegermütter preist, sind u. A. folgende Lobverse zuge­sandt worden:

„Glücklich, wem ein gutes Weib beschieden, Glücklich, der, der gute Nachbarn hat.

Glücklich, wer im Stillen ist zufrieden, Wenn vollbracht er eine gute That. Glücklich, wer erfreut sich an des Nächsten Glücke, Glücklich, wem sein Brod schmeckt ohne Butter, Doch am glücklichsten, schaut nur in seine Blicke, Ist, wer da besitzt 'ne gute Schwiegermutter."