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Freitag, den 9. September.

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Deutsches Reich.

Berlin, 8. September.

* Der Reichskanzler FürstBismarck hat heute Abend Kissingen verlosten und trifft wahrscheinlich morgen früh in Berlin ein.

* Bon den australischen Kolonien hat nament» lich Südaustralien eine starke deutsche Be­völkerung aufzuweisen. Die Einwanderung Deut­scher in Südaustralien hat sich seit nunmehr 50 Jahren vollzogen. Die ältesten deutschen Ein­wanderer Südauflraliens kamen im Laufe des Jahres 1838 dorthin. Dieselben werden, soweit sie noch am Leben sind, im nächsten Jahre ihr fünfzigjähriges Einwanderungk-Jubiläum feiern. Im Jahre 1840 leisteten die ersten deutschen Ein­wanderer, über 200 an der Zahl, der Königin Viktoria den Unterthaneneid.

* Der Moniteur de Rome' veröffentlicht folgende Rote: „Eine Broschüre aus einer der autorisir- testen Federn der politischen und kirchlichen Welt wird in einigen Tagen gleichzeitig in Paris und Rom erscheinen. Diese Broschüre, ein philosophisch- diplomaiischer Kommentar zu dem Briefe Leo'sXIII. an den Kardinal - Staatssekretär, behandelt die römische Frage unter allen ihren Gesichts- punkten. Die Broschüre hat zum besonderen Zweck, die Unmöglichkeiten und die Rothwendigkeiten deut­lich hervorzuheben und die Gründe klarzuleaen, nach denen zum gemeinsamen Nutzen des h. Stuhles und Italiens die Staatsmänner die einzige Lösung annehmen muffen, welche den beiderseitigen, in diesem Konflikte engagirten großen Interessen ent­spricht. Gestützt auf die Thatsachen und auf diplo­matische Aktenstück', von denen einzelne bisher nicht veröffentlicht sind, zeigt die Broschüre, daß der Papst bei seinen Ansprüchen weder die Natio­nalität noch die Einheit Italiens zum Gegner hat; sie stützt sich auf die Geschichte, die Natur der Umstände, die Forderungen der allgemeinen Politik und den gesunden Menschenverstand bei der Be- urtheilung einer Lage, aus welcher die gegen­wärtigen Politiker Italiens keinen Ausweg finden können."

Ausland.

* Die erbitterte Stimm, ng unter der Fischer­bevölkerung in Ost en de dauert noch immerfort,

Auch eigene Schild.

Roman aus der Handelswelt.

68. Fortsetzung.

Er konnte sich nicht geirrt haben, denn das hereinbrechende Tageslicht erhellte ihn hinreichend. Ein Gedanke stieg rasch in ihm auf — ha, wenn Kleuser ihn erkannt und, um sich vor ihm zu ver­bergen, sich unter der Bank versteckt hätte! Ent- schloffen trat er in das Coupö — untersuchte den Raum unter den Sitzen, auch er war leer. Er­schrocken blieb er einen Augenblick unentschlossen stehen. Er war indessen nicht der Mann, der seine Fassung so leicht verlor, der sich durch Aufregung abhalten ließ, alle Umstände genau zu unter­suchen.

Er schritt an die an der andern Seite befind­liche Wagenthür, um sie zu untersuchen. Das Fenster war in die Höhe gezogen und die Thür fest verschloffen. Ja, sie war von innen nicht zu öffnen, ohne das Fenster herabzulaffen. Durch diese Thür konnte Kleuser den Wagen richt ver­lassen haben.

Er fuhr mit der Hand über die Stirn, um stch dadurch klar werden zu lassen, was zu beginnen fei. Daß Kleuser den Wagen nicht verlassen hatte, wußte er, denn er hatte ihn jeden Augenblick zu

und die Gährunz ist eine derartige, daß der Aus­bruch weiterer Unruhen befürchtet wird, wenngleich die Behörden energische Maßregeln dagegen er­griffen haben und die Gendarmerie im Hafen fort­während patrouillirt. Da englische Fischer nicht mehr aurzuladen im Stande sind, leidet der Fisch­markt, weil die Aufträge aus Deutschland und der Schweiz nicht zur Ausführung gelangen können. In der Nordsee kreuzen englische Schiffe zur Ver­hütung von Repressalien der englischen Fischer. Die Ruhe wird auf die Dauer aber wohl nur dann hergestellt werden, wenn für die letzteren gesetzlich ein Einfuhrzoll in Ost en de festge­setzt wird.

* Die französische Mobilmachung nimmt im Ganzen einen glatten Verlauf. An kleinen Schwierigkeiten und Konflikten mancherlei Art fihlt es natürlich nicht. Dieselben sind aber eben unausbleiblich und würden wo anders eben so gut zu verzeichnen gewesen sein. Die vorgekommenen Unzuträglichkeiten sind erheblich aufgebauscht wor­den; in Deutschland wird man gut thun, der­artigen Kritiken nicht allzu viel Gewicht beizu- legen, um nicht zu unter Umständen verhängniß- vollen Illusionen über die Schwäche der fran­zösischen Streitkräfte zu gelangen. Wunderliche Blüthen hat die Spionenriecherei zu Tage geför­dert. Das Schönste ist jedenfalls, daß man in Toulouse Pariser Geheim-Polizisten, die zur Beob­achtung der Fremden abgeschickt worden waren, für preußische Spione gehalten und dieselben zur Rettung des Vaterlandes in Bausch und Bogen festgenommen hat. Nachdem die Spionenriecherei damit den Gipfel der Lächerlichkeit erreicht hat, scheint man damit etwas vorsichtiger geworden zu sein. In den letzten Tagen haben wenigstens die Pariser Blätter neue Mittheilungen über" entdeckte Spione im Mobilisirungsgebiet nicht gebracht.

* Rom, 7. Sept. Der hl. Vater läßt das Lazareth, welches er bekanntlich für die Cholera­kranken eingerichtet und mit aller Bequemlichkeit ausgcstattet hat, in Stand setzen, damit die Pil­ger, welche zu seinem Jubiläum nach Rom kom­men, im Falle der Erkrankung darin ausgenommen werden können.

* Der ,Offervatore Romano' ist ermächtigt, die Nachrichten einiger Blätter über die von dem Vatikan in Bulgarien angeblich verfolgten

scharf im Auge gehabt, in dem Wagen selbst hatte er sich noch weniger getäuscht, und während der Fahrt konnte der Flüchtige nicht herausgesprungen sein — und doch war er nicht darin. Wo war er? Diese Frage war es, welche Polenz sich vor­legte und welche oll' seines Scharfsinns spottete. Aber er mußte seine Spur ausfinden, es stand zu viel für ihn auf dem Spiele.

Rasch sprang Polen; aus dem Wagen, und durcheilte mit spähendem Auge die sich mehr und mehr verlierenden Paflagierreihen. Den er suchte fand er nicht. Er drängte sich gewaltsam durch die Menschen hindurch, stellte sich dann an den einzigen Ausgang des Bahnhofs hinter eine Säule und ließ die Menschen an sich vorüberschreiten — Kleuser war nicht unter ihnen. Noch einmal eilte er auf den Perron zurück — er war leer, nur einige Eisenbahnbeamte waren noch auf demselben mit dem Ausladen der Güter beschäftigt.

Polenz trat zu denselben heran und erkannte ofort den Koffer Kleuser'«, er hatte ihn in H. erblickt — Kleuser'« Name stand darauf geschrieben. Eine Hoffnung stieg in ihm auf, daß Kleuser in M. ang kommen und auf eine ihm unbegreifliche Weise au« dem Wagen und dem Bahnhof getaugt ei. In seinen Mantel tief eingehüllt, verließ Potenz nun rasch den Bahnhof und schritt vor

Absichten für gänzlich unbegründet zu erklären. Dergleichen Insinuationen könnten nur der Bös­willigkeit gegen den Vatikan oder nicht schwer zu begreifenden politischen Absichten zugeschrieben werden.

* Das Gerücht von einem Attentat auf den Zaren vor seiner Abreise nach Dänemark erhält sich. Es soll ihn ein Prellschuß getroffen haben, der den linken Arm quetschte, ohne eine Blutung zu erzeugen, jedoch heftige Schmerzen verursachte.

± Die Ausstellung der fär den hl. Mater bestimmte« Geschenke

im Kaisersaale des landgräfl. Schlosses. Fulda, 9. September 1887.

Die Vorbereitungen zu dem Jubelfeste unseres ht. Vaters, Papst Leo's XIII., haben auch die ge« sammte christkatholische Frauenwelt mächtig bew> gt. Und konnte es da wohl anders sein, als daß die Töchter unserer altehrwürdigen Bonifatiusstadt ganz besonders von dem Strome dieser allgemei­nen Begeisterung erfaßt wurden — sie, die ja leben an jener auserwählten Stätte, wo aus dem Grabe des großen Glaubensapostels eine unver­siegbare Segens quelle des kirchlichen Leben« strömt ? — So trat denn hier im Anfänge dieses Jahres unter dem Vorsitze Ihrer Durchlaucht der Prin­zessin Sophie von Jsenburg-Birstein ein Diözesan- Komitee zusammen — bestehend aus den Damen: Frau von Savigny zu Hof Trages, Freiin von Amelunxen-Cassel, Frau Sekretär Ebell-Cossel, Frau Rechtsanwalt Rang-Fulda, Frau Hauptmann Schoedde-Fulda, Frau Anna Hohmann-Fulda, Frl. Maria Breitung-Fulda — und dieses Komitee beschloß, dem hl. Vater als Jubiläumsgabe die vollständige Ausstattung einer Kapelle in kirchlichen Geräthen und Paramenten für Missionszwecke dar­zubringen. Mit freudigstem Eifer ging es an die Ausführung des geplanten Unternehmens, aus allen Gemeinden der Diözese flössen Gaben und Spenden zusammen, und unermüdliche Frauen­hände regten sich, um in voller Begeisterung an dem schönen Werke zu schaffen. Nunmehr haben wir die Freude, dasselbe vollendet zu sehen, zwei hochverdienten Komiteemitgliedern sollte dies jedoch nicht mehr vergönnt sein: Ihre Durchlaucht Prin­zessin Sophie von Isenburg und Frl. Maria

dem Eingänge desselben auf und ab. Jeden Aue« tretenden beobachtete er scharf, selbst jeden Koffer, jeden Kasten, der durch einen Packträger fort- getragen wurde, fixirte er — weder Kleuser noch fein Koffer befanden sich unter ihnen.

Es wurde stiller und stiller. Die Angekommenen hatten stch bereit» entfernt, selbst die Bahnbeamten waren zum größten Theile heimgekehrt, — er wich nicht von seinem Posten. Mit hartnäckigem Ausharren schritt er noch über eine Stunde vor dem Bahnhofe auf und ab, dann begab er sich endlich in ein Wirthshau«, bis zur Erschöpfung ermüdet und durchkältet.

Er warf sich unausgekleide^ auf das Bett und fühlte fein Blut aufgeregt und stürmisch durch die Adern rinnen. Seit langer Zeit hatte er sich nicht mehr in einer solchen Aufregung befunden, noch nie in seinem ganzen Leben hatte er einen Fall erlebt, der ihm so durchaus unbegreiflich war, wie das Verschwinden Kleuser's. Unausgesetzt waren seine Gedanken hiermit beschäftigt, jede denkbare Möglichkeit zog er in Erwägung, aber er verwarf sie alle wieder al« duraus unwahr­scheinlich. Nach stundenlangem Nachsinnen befand er sich noch ganz auf demselben Standpunkt, ja, er hatte nicht einmal einen Anknüpfungspunkt ge­funden, von dem aus er die Spur des Em flohene