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M 201.

Montag, den 5. September.

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188

Durch kigkne Zchxld.

Roman ans der Handelswelt.

64. Fortsetzung.

Anfang» schrack er selbst vor den Gedanken zu­rück, weil er ihm zu plötzlich kam, aber immer und immer wieder kam er darauf zurück, und je mehr er ihn überlegte, desto mehr fand er, daß dieser Gedanke viel für sich hatte.

Er konnte im Geschäft eine Geschäftsreise von zwei Tagen vorschützen und während dieser beiden Tage war er gewiß, daß Damken nicht nach ihm fragen werde, er war durch da» Rennvergnügen allzusehr beschäftigt. Damken war an diesem Tage im Geschäft gewesen, er tonnte also dem Personal gegenüber leicht angeben, daß jener von seiner Reise bereit« unterrichtet fei.

Alle diese Umstände waren so günstig, daß er sie nicht bester wünschen konnte. Dazu kam noch ein besonderer Umstand. An diesem Tage nun wurden zwei bedeutende Wechsel fällig, deren Deckung er in Händen hatte, da er entschlosten gewesen war, sie zu zahlen, — floh er noch an diesem Tage, so konnte er auch diese Summe mit sich nehmen.

In heftig aufgeregter Stimmung schritt Kleuser in dem kleinen Zimmer de« Geschäftsführer« auf

werden! (Lebhafter Beifall.) Es wird viele Mühe machen, aber der Kulturkampf hat auch Mühe gemacht, und doch haben wir viel dabei erreicht. Das Recht der Familie muß auch respektirt werden. Wir muffen schleunig als dringende Forderung die alleinige Uebertragung des Religions-Unterrichts an die Kirche erheben. (Lebhafter Beifall.) Nicht dem Staat hat Christus Auftrag gegeben die Völker zu lehren, sondern der Kirche. Das ist einfach und unbestreitbar. Ich werde im nächsten Landtag be­stimmte Forderungen stellen. (Wiederholter Beifall.) Und wenn ein Religionslehrer Anstoß gibt, so gebührt die Remedur dem Bischof, und nicht der Regierung. Unsere Forderungen sind aber nicht leicht durchzuführen. Wir müffen ein beständiges Organ dafür haben. Jetzt hängen wir überall von der Gnade der Majoritäten ab. In England wurde langsam die Emancipation der Katholiken durgesetzt; so müssen wir hier die Emancipation der Schule durchsetzen. Aber lernen müssen wir mehr als Andere, wenn wir vorwärts kommen wollen. Ich habe es den Studenten hier gesagt: arbeiten müßt ihr, sonst werdet ihr nichts. Manches Stündchen, das jetzt verplau­dert oder zum Frühschoppen benutzt wird, kann b-ffer ver­wendet werden. Es ist nicht leicht, eine Familie zu un­terhalten; also heißt es arbeiten, aber auch beten. Sorgen wir, daß das ererbte Gut in der Familie bleibt. Ich gehe in meiner Heimath gern auf Hochzeiten und freue mich dann, wenn die Braut hundertjährigen Schmuck trägt. Heute mache ich mir Vorwürfe, daß ich einmal eme Samm­lung solcher Gegenstände nach England besorgte. Dieser Rath gilt noch mehr vom Grundbesitz. Der Sohn soll nicht Haus und Hof des Vaters verkaufen. Sehen wir hin auf Frankreich; es leidet schwer unter dem Mangel konservativen Familiensinnes. Das Gute gedeiht unter dem Drucke. Darum sind unsere Vereine im Kultur­kämpfe gediehen. Ich empfehle wärmstens die Missions- Vereine. Wir haben viele Kolonien, aber noch wenig Mis­sionäre und Missionsa-rstalten. Deshalb müffen wir sehr eifrig die deutschen katholischen Missionen unterstützen. Der Episkopat steht im Begriff, hier weitere Fürsorge zu tref­fen. Ich mache aufmerksam auf die Limburger Missions­anstalt der Oblaten. Gerade Männer von solcher Opfer­willigkeit verdienen die größte Anerkennung. Damit hängt zusammen der „Verein vom heiligen Grabe" und der „Pa- läüina-Verein", Wir dürfen nicht Anderen die heiligen Stätten überlassen. Eine Art Mission auch «st an den Auswanderern zu üben. Ein braver Auswanderer ist selbst ein vortrefflicher Missionär. Ich habe jetzt in Ems mit großer Freude treffliche amerikanische Geistliche getrof­fen, die als einfache Arbeiter hinübergingen. Also empfehle ich, den Raphaels-Verein nach Möglichkeit zu unterstützen. Auch der Verband „Arbeiterwohl" weist ein großes Verdienst auf sozialem Gebiete auf. Ich empfehle ferne Schriften, besonders den Frauen, sein Buch: „Das häus­liche Glück". Der Präsident unterbricht hier den Redner, da viele Herren aus dem Reichslande abreisen müffen. Windthorst verabschiedet sie sehr herzlich. Wir betrachten Sie als Brüder; reisen Sie mit Gott, kommen Sie bald wieder und vergeffen Sie uns nicht. (Wiederholter Beifall.) Volle Aufmerksamkeit verdient .die Lagedes hl. Vaters. Der Papst befindet sich wahrlich in trauriger Lage, an

um ihm die nöthigen Instruktionen zu geben und ihm da« Hauptbuch für diese Tage zu über« liefern, während er da» Geheimbuch in den Schrank verschloß.

„Ich muß heute nach M. reisen und werde erst in zwei Tagen zurückkommen," sprach er. „Am Abend de« zweiten Tage« kehre ich zuverlässig zu­rück. Am dritten sind zwei Wechsel auszuzahlen — doch bin ich dann wieder hier und brauche Ihnen deshalb den Schlüffel zur Hauptkaste nicht zurückzulasten. Größere Zahlungen können in den beiden Tagen nicht vorkommen. Mit Herrn Damken habe ich die Reise bereit« be­sprochen."

Er gab dem Buchführer noch einige besondere Instruktionen und bat ihn schließlich, seinen Reisekoffer durch den Hausknecht aus seiner Wohnung holen und zum Bahnhof befördern zu lasten. , , ,

Unruhig schritt er im Zimmer auf und ab. Die ganze bedeutende Summe, welche er mit sich nehmen wollte, ruhte in Papieren und grien Wechseln in einer Brieftasche sicher auf feiner Beust. Aker sein Herz schlug ihm bange und unruhig darunter, al« ob eine schwere Last da.auf gethürmt wäre. Es war nicht da« Gefühl, daß er einen Betrug, einen Diebstahl begangen hatte;

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34. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

• Trier, 31. August.

(Schluß.)

Die letzte öffentliche Versammlung wird in der überfüllten Festhalle vom Präsidenten Grafen von Ballestrem kurz nach 11 Uhr eröffnet. Sie macht einen imposanten Eindruck. Anwesend ist Erzbischof Meurin von Mauritius, ferner dre Bischöfe von Trier und Luxemburg. Ein unge­nannter Wohlthäter hat 2000 Mark für dre Arbeiter- und Vincenz-Vererne geschickt. Rach Be- arüßunq eines Gaste» au» Chicago erhält zunächst Reichstags-Abgeordneter Racke (Mainz) da» Wort. Rach einer köstlichen Persiflage de» Hetz- berichtes der .Köln. Ztg.' und einer furchtbaren Verhöhnung des Kulturkampfes hält er eine herr­liche Ansprache über die Aufgaben des katholrschen Mannes. Er schließt unter gewaltiger Apostrophe an den Klerus und betont die herrliche Eimgkert zwischen Papst, Bischöfen, Geistlichkeit und Volk. (Begeisterter Beifall.) Run folgt eine schöne Dank­rede des hochw. Bischofs Koppe» von Luxem- bürg an die G-neral-Versammlung und die Stadt Trier. Er bittet sehr bewegt seinen hochw. Amts­bruder Bischof Korum um Ausstellung des unge- nähten Rockes des Heilandes in nächster Zett. (Brausende Zustimmung.)

Abq. Dr. Windthost beginnt nut dem christ­lichen Gruße und dankt für den wiederholten freundlichen Empfang Namens des Centrums. Dieser Empfang war die Antwort auf die Frage, ob das Centrum noch lebe, ob e» noch Wurzel habe im Lande, und ob der alte Windthorst ab- gethan sei. Aber wir leben noch allesammt! (Leb­hafter Beifall.) Dann fährt Dr. Windthorst laut Bericht der ,Köl. Vztg.' in seiner Rede fort:

Die diesjährige General Versammlung hat sehr viel Erhebendes und Ersreuliches gezeigt. Hohe Befriedigung gewährte die Anwesenheit einiger und die sympathischen Briefe vieler Bischöfe. (Windthost dankt in liebenswürdigster Weise den anwesenden Bischöfen im Einzelnen.) Dieses Beispiel wird auch beitragen, gewiffe Illusionen zu zer­stören. Wie steht's nun mit der Kirchen p olrtrk? D,e Antwort hiirauf hat schon die Einleitungs-Rede unseres verehrten Präsidenten, des Grafen Ballestrem, gegeben: Wir haben jetzt einen „Präliminar-Vertrag mit Waffen­stillstand und Demarcationslinie", welchem das „Reta- bliffement" folgen muß. Vieles ist erreicht. Alle Mit-

wirkenden verdienen großen Dank. In erster Lime der Papst, der unermüdlich den Frieden vorbereitete, der stets eifrig im Gebet der deutschen Katholiken gedenkt, der in einem entscheidenden Augenblick um Mitternacht füc uns betete; die Standhaftigkeit, Einigkeit und der Märtyrer- Sinn der Bischöfe und der g-sammten Geistlichkeit, die größte Uneigennützigkeit beim Sperr-Gesetz und der grüßte Opfermuth — alles das verdient unfern höchsten Dank. Der Klerus hat uns gerettet. Er wird uns auch künftig zeigen, daß er neue Opfer bringen kann und nach solchen Opfern durch keinerlei Machinationen zu brechen ist. Mit- gewirkt hat das katholische Volk, und s--n-Vertreter haben sich bemüht, ihre Pflicht zu erfüllen. Wir Alle, vereint unter dem h. Vater, find unüberwindlich (Brausender Beifall.) Noch ist nicht alles erreicht. E'n springender Punkt, die Einspruchs-Frage, ist noch nicht erledigt. Ich werde nicht eher befriedigt sein, bis der frühere Zu­stand wieder vollständig hergestellt ist. Und bei der Fort­setzung unserer bisherigen gemeinsamen Bemühungen wird die Herstellung erfolgen! (Lebhaftes Bravo ) Zweifellos dauern die Verhandlungen des h. Stuhles über das Ein­spruchsrecht noch fort. Eine Deklaration desselben ist bereits erreicht. Danach ist es unzulässig, Untersuchungen über die Haltung der Geistlichen bei den Wahlen, die za auch zum staatsbürgerlichen Recht gehören, zu veranlassen; auch aus der Erfüllung ihrer priesterlichen Pflichten können keine Schwierigkeiten mehr erhoben werden. Aber ich wiederhole: die Wiederherstellung des früheren Zustandes muß erreicht werden. Unablässig muß dre katholische Presse unser- Forderung wiederholen (Bravo!) Unsere Presse hat sich in diesem Kampfe sehr verdient gemacht. Man tadelt Manches, aber wer die Arbeit an der Presse kennt, der weiß, wie vorsichtig man nn Tadel

; sein muß. In kürzester Frist hat die katholische Preffe sich zu einer Macht entwickelt. Vielleicht sind schon zu viele katholische Blätter da, und beim Ausscheiden von Preß- vsteranen erscheinenLombinirungen räthlich. Allen Blattern aber gebührt unser Dank und großer Respekt. (Lebhafter Beifall.) Auch -in Aufschwung der sonstigen katholischen Literatur ist zu verzeichnen. Besondere Unterstützung durch Mitgliedschaft und Beiträge verdient die Gorres- Gesellschaft. Mögen die Katholiken namentlich di« Lektüre und das Studium der Geschichte pflegen. Es ist dies noth- wendiger, als jemals, wie die Vorgänge m Göttingen und Frankfurt zeigen. Nehmen wir uns em Beispiel an Janssen, dessen Werk das verdienstvollste Buch dieses Jahrhunderts ist. (Bravo!) Durch wahre Ge-

I schichte werden wir unsere Gegner am besten entwaffnen. Die S chulfrag e ist mindestens so bedeutungsvoll als der durchgemacht- Kulturkampf. Ohne Aenderung des bestehenden Zustandes ist die Aufrechterhaltung des kirch­lichen Sinnes unmöglich. Unsere Gegner verlassen sich auf die Schule als auf eine exclusive Staats-Anstalt. Wir dürfen aber den Gegnern nicht die allemrge Dispo­sition überlaffen. U-b-rall entscheidet jetzt schließlich der Staat; die kirchliche Thätigkeit ist nur zugestanden, was ein durchaus verkehrter Zustand ist. Die Kirche hat die Schule groß gezogen und ist dann von ihr hmausgeworfen worden. (Sehr wahr!) Das Schulaufsichts-Gesetz ist eine Frucht des Kulturkampfes; es muß aufgehoben

und ab. Seine Gedanken fuhren wild durchein- ander. Run der Augenblick, in dem er seine Ab- ficht zur Ausführung bringen sollte, so nahe ge- kommen war, ließ e» ihm doch nicht so ruhig, al» er fich gedacht hatte. Er dachte an fern Weib, an den Abschied und an die Trennung von ihr. t m ..

Als Kleuser nach Hause kam und Pauline nut- theilte, daß er in Geschäftsangelegenheiten nach M. verreisen muffe, bat fie ihn, doch die Reffe zum andern Tage zu verschieben, da sie gerade heute eine kleine Abendunterhaltung arrangrrt habe und die Einladungen, die bereits er­gangen waren, doch nicht zurückgenommen werden konnten. , , . c

„Ich fahre erst um zehn Uhr mit der Eisenbahn fort," sprach er. „Bis dahin können wir noch lustig sein und dann gehe ich heimlich fort, ohne daß dadurch auch nur die geringste Störung her- vorgerufen wird."

Pauline gab seinem Verlangen nach. Eurg packte Kleuser einige Reisebedürfniffe in einen Koffer und eilte dann wieder in da» Geschäft zurück, um auch dort die nöthigen Vorkehrungen für seine angeblich zweitägige Abwesenhett zu

I ^Er"'ließ den ersten Buchführer zu sich kommen,