Einzelbild herunterladen
 

M 200.

Sonnabend, den 3. September.

1887

tilher K Jtiliig.

Die »Fuldaer Zeitung" erscheint tSglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Sbonnementgpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 R. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen" in Fulda 1 M. 70 Pf.» auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zweites Blatt.

34. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

* Trier, 31. August.

Heute Vormittag fand zunächst die Wallfahrt zum Grabe des h. Apostels Matthias statt, an der 2000 Männer Theil nahmen. Die Theil- nehmer der Wallfahrt, welche nach Weife einer Prozession gehalten ward, sammelten sich vor 7 Uhr in der Hohen Domkirche. Punkt 7 Uhr setzte sich die Prozession nach Absingung eines Liedes in Bewegung. Die Kreuzfahnen des Hohen Domes wurden der Prozession vorangetragen, in­mitten der Prozession in möglichst regelmäßigem Abstand von einander bewegten sich die Fahnen der einzelnen Pfarrkirchen und Zünfte. Die Pro­zession ward geführt von der hochw. Pfarrgeistlich­keit der Stadt, welche sich durch die Prozession hindurch vertheilte. An der Spitze der Prozession gingen die Mitglieder der Marianischen Bürger- sodalität. Inmitten der Prozession ging der große Gesangchor, welcher aus den verschiedenen Kirchen­chören der Stadt gebildet war. Hinter demselben folgten: 1. die auswärtigen Geistlichen ohne Röckel, 2. die Alumnen des bischöflichen Priesterserminars, 3. die auswärtigen Geistlichen int Röckel, 4. die hochwürdigen Herren Professoren de» Priester­seminars, 5. das hochwürdige Domkapitel, 6. die hochwürdigsten Herren Bischöfe, 7. der Vorstand der Generalversammlung, 8. der übrige Theil der Prozession. Die Prozession bewegte sich unter Ge­bet und Gesang durch die Sternstraßr über den Hauptmarkt, durch die Graben-, Brod-, Neu- und Saarstraße nach der Kirche von St. Matthias. Bischof Vanghan von Salford in England ponti- ficirte, Bischof Dr. Kor um hielt eine zündende Predigt, indem er für die Katholiken am Apostel­grabe um Stärke im Glauben und den Opfer- muth der Märtyrer erbrtete.

Nach der Rückkehr von der Wallfahrt hielten die verschiedenen Ausschüfle Sitzungen. Zu gleicher Zeit fanden die Generalversammlungen des St. Raphaelvereins zum Schutze der Auswan­derer und Palästinavereins statt.

Die dritte gefchlofsene General-Versamm- lung wird um 11 Uhr durch den Präsidenten Grafen Ballestrem eröffnet. Der Besuch ist ein

Puch tigtnt Schild.

Roman aus der Handelswelt.

63. Fortsetzung.

Von all' den Jntriguen, welche die Festigkeit des Hauses Damken untergraben sollten und es endlich zum Falle bringen mußten, hatte der alte Steider keine Ahnung. Und wohl ihm, daß er nichts davon wußte! Sein altes Herz, welches mit so unendlich viel Liebe an diesem Hause hing, würde noch schmerzlicher dadurch berührt worden sein. Aus der Idee der Handelsherrn, Letzingen zur Vorstreckung einer hinlänglichen Summe zu bewegen, hatte er neue Hoffnungen geschöpft. Es wurde dem bedrohten Geschäfte dadurch Vorschub geleistet und weiter wollte er nichts. Er wünschte nur Zeit zu gewinnen, bis Hermann glücklich zurückgekehrt war, um dann mit dem mühevollen Erwerbe seines langen Lebens vor Damken hin- rutteten und e» ihm zur Rettung feine» Hause» anzubieten.

Kummer und Sorgen hatten an dem schwachen und stark ablaufenden Lebensfaden des alten Mannes in der letzten Zeit stark genagt und feine Kräfte fast gänzlich erschöpft. Er hatte sein Zim­mer nur selten verlaffen, denn das Gehen wurde

zahlreicher. Herr Vonderbank bringt Grüße von den beiden ältesten katholischen Gesellschaften der Stadt Aachen. Hofrath Lienbacher aus Salzburg überbringt die Grüße der nordböhmischen Katholiken-Versammlung in Warnsdorf, deren Präsident er gewesen, und außerdem die Grüße des Salzburger Universitätsvereins, dessen Vor­sitzender er ist. Auf der Warnsdorfer Katholiken- Versammlung, der ersten in Oesterreich nach zehn­jähriger Pause, ist wiederholt während der General­versammlungen der Katholiken Deutschlands gedacht worden. Wir Oesterreicher sind über­haupt voll Bewunderung fürJhre vor­treffliche Organisation, Ihr vortreff­liches Centrum (Beifall) und dessen vor­zügliche Leitung (Beifall). Wenn ich statt des vielen Schönen und Edlen nur das Eine hier erlebt hätte, Ihren Führer Windthorst zu schauen und mit ihm ein paar Worte zu wech­seln, so wäre meine Reise nach Trier schon reich­lich belohnt (Beifall). Ich habe Ihnen aber auch den Dank der nordböhmischen Katholikenver­sammlung auszusprechen, denn aufrichtig gestan­den, Ihr Vorgehen hat uns erst den Muth zu zu dieser Versammlung eingeflößt. Wir achten gewiß in unwandelbarer Treue unser Vaterland und unfern Landesfürsten, aber wir Katholiken haben noch ein darüber hinausreichendes Vater­land: die katholische Kirche und einen gemein­samen Fürsten: den hl. Vater in Rom. Deßhalb hoffe ich, daß wir in nicht zu ferner Zukunft uns wieder zu gemeinsamem katholischen Handeln zu- sammenfinden werden. Schon auf der gemein­schaftlichen Generalversammlung in Salzburg im Jahre 1857 ist die Gründung einer katholischen Hochschule beschlossen worden. Da» Projekt kam damals nicht zu Stande. Neuerdings, nachdem wir im Salzburger Landtage eine katholische Majorität haben, haben wir das Projekt wieder ausgenom­men und beschlossen, die Wiedererrichtung resp. Neuerrichtung einer katholischen Universität in Salzburg anzustreben. Zu diesem Verhalten ist uns seitens des hl. Vaters durch Breve von 1885 nicht bloß der päpstliche Segen ertheilt, sondern auch warme Unterstützung versprochen worden. Ich bitte auch Sie, das Unternehmen moralisch zu unterstützen und danke zugleich allen denjenigen deutschen Katholiken, welche das Unternehmen bis­her gefördert haben.

ihm schwer, und was sollte er, der alleinstehende Greis, unter den Menschen! Er sehnte sich nicht nach Vergnügungen, nur nach Ruhe, und die fand er nirgends besser, als auf seinem Zimmer. Ihn verlangte nicht nach Unterhaltung — es lag eine lange Vergangenheit hinter ihm, die seiner Erin­nerung einen reichen, schwer zu erschöpfenden Stoff darbot.

Der alte Steider war an diesem Tage außer­ordentlich Hefter. In allen seinen Unternehmungen lag eine freudige Aufregung und Unruhe, welche er nicht zu verbergen vermochte. Er ließ sich in seinen Sessel nieder, in dem er oft stundenlang saß und seine Gedanken in der Vergangenheit weilen ließ, aber heute hatte er keine Ruhe dazu. Er erhob sich wieder, schrttt an» Fenster und blickte durch dasselbe auf die Straße hinab. Aber auch die» schien ihn nur auf kurze Zeit zu be- riedigen, denn bald trat er wieder in da» Zimmer ürück und nahm von seinem Schreibttsch einen Brief zur Hand, den er schon zu wiederholten Malm gelesen hatte.

Sein Auge nahm einen heitem Glanz an, um einen Mund spiette ein freundliche» Lächeln, wäh­rend er diesen Brief la» — und dieser Brief, er war ja die Ursache all seiner Freude und hetteren

Präsident Graf Ballestrem: Um einerseits der Hochachtung für die verdienstvolle Persönlich­keit de» Vorredners, andererseits aber auch der Sympathie Ausdruck zu geben, welche die Katho­liken Deutschlands für die Gründung einer katho­lischen Universität in dem engverbündeten Nach- barstaate Oesterreich-Ungarn haben, bitte ich die Versammlung, sich von den Plätzen zu erheben. (Geschieht.) Es folgen verschiedene geschäftliche Mittheilungen, in deren Verlauf Präsident von Ballestrem folgende Mitlheilung macht: E» scheinen nicht nur gute Katholiken nach Trier gepilgert zu sei«, sondern auch andere Leute, um die guten Katholiken zu erleichtern, nicht von Gewissenslasten, sondern von ihrem Gelde. (Heiterkeit.) Es scheint eine Anzahl Taschendiebe hier zu sein, denn es ist wiederholt vorgekommen, daß Theilnehmer der Generalversammlung besonders bei kirchlichen Feierlichkeiten, wo ein gewisses Gedränge statt­findet, bestohlen worden find. Ich wollte dies zur Kenntniß aller Versammelten bringen, damit sich Jeder in Acht nimmt. Uebrigens ist Hoffnung vorhandm, daß die betreffenden Tqschendiebe ent­larvt werden. Unter Beifall nimmt die Ver­sammlung ein Begrüßungstelegramm des katho­lischen Kasinos in Stolberg zur Kenntniß.

Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Zwei Anträge, betreffend die Unterstützung der beiden serbischen Missionen in Risch und Kraguje« watz und der „Herz-Jesu-Mission der Südsee" zur Bekehrung der Kanibalen im deutschen Westen des Stillen Oceans werden auf Vorschlag des Aus­schusses für Mission der Unterstützung des St. Franziskus-Xaverius-Vereins empfohlen, und zwar durch Vermittelung des Kommissars der General- Versammlung. Auf Antrag des Dr. Lingen« wird die eifrige Unterstützung des auf der General- Versammlung in Aachen 1862 gegründeten St. Josephs.Missionsvereins zur Aushilfe für die seelsorglichen Bedürfnisse der katholischen Landsleute im Auslande befürwortet und auf An­trag des Frhrn. v. Böselager (Bonn) die Für­sorge für die gefährdete weibliche Jugend, sowie für die durch Verführung Gefallenen, insbesondere durch Gründung und Unterstützung von Mägde- Herbergen, Anstalten vom guten Hirten, Asyle u. dergl. den Katholiken Deutschlands, insbe­sondere den Vincenz - und Elisabethenvereinen empfohlen.

Stimmung. Er war von Hermann und enthielt die Nachricht, daß er bald heimkehren werde. Er lautete:

Mein guter, lieber Onkel!

Wenn mich nicht schon mein eigene» Herz, das sich nach Gabriele und nach Dir sehnt, getrieben hätte, meine Geschäfte hier sobald als möglich zu beenden, um zu Euch zurückkehren zu können, so würde Dein letzter Brief gewiß der kräftigste Sporn gewesen sein. Die arme Gabriele! Ich vermag mir zu denken, was sie unter solchen Verhältnissen erduldet, ich kenne sie, um zu wissen, wie schwer ihr diese» Opfer sein muß. Doppelt hoch achte ich sie aber auch deshalb, und meine Liebe soll sie reichlich für dieses Opfer lohnen, das sie mir gebracht. — Ob ich es billige? fragst Du. Ich weiß, daß Du ihr den Rath gegeben hast, mein guter Onkel — darin liegt meine Antwort. Weder Du, noch Gabriele, könntet ein Unrecht thun.

Ich kann Gabriele nicht schreiben, ich kann e« nicht. Meine Hand zittert vor freudiger Unge­duld, mein ganzer Körper ist in der heftigsten Aufregung — denn — denn in einigen Tagen fahre ich von hier fort, obschon ich erst vor wenigen Tagen hier angekommen bin. Was mein Herz