M 197.
Mittwoch, den 31. August.
1887
iiltatt
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XI. Kongreß der katholischen kaufmännischen Kongregationen
und Vereine Deutschlands. *)
tr. Dortmund, 29. August 1887.
II.
Nach Beendigung des Festconcerts, welches gestern Nachmittag in den paikartigen Gartenan- lagen des „Fredenbaum" die Festtbeilnehmer und zahlreiche katholische Bürger und Büraeifamilien Dortmunds vereinte, begann Abends 7 Uhr die erste allgemeine Festverianimlung in dem säst überfüllten Saale; der Verlauf derselben war programmmäßig so geordnet, daß mit Concertvor- trägen der Merkert'schen Stadtkapelle und mehrstimmigen Liedern, die der Männerchor des Gesangvereins „Sodalität" mustergültig und mit hinreißender Wirkung sang, passenve Reden wechselten. Zunächst entbot Kaplan Walter Namens des hiesigen kaufmännischen Vereins den Gästen Gruß und Willkomm, und legte dann in klarer, stsselnder Ausführung die Bedeutung -des Verbandes und des gegenwärtigen Congreffes dar. Der Verband umfaßt 9 Congregationen und 49 Vereine mit 5—6000 Mitgliedern; seine Wirksamkeit erstreckt sich über alle deutschen Gaue von Danzig bis Freiburg im schönen Breisgau, von München bis Münster. In erster Linie bezweckt er die Förderung des religiösen Lebens und des katholischen Bewußtseins in den Mitgliedern. Offenes Bekenntniß b<S Glaubens thut gerade in unseren verwirrten, glaubenslosen Zeiten mehr als jemals noth, und unsere Congreffe sollen es aller Welt laut verkünden: „Wir sind und bleiben katholische Kaufleute!" (Lebhafter Beifall.) Aber der Verband wirkt auch auf die Hebung der Fachbildung und Fachtüchtigkeit hin; die wichtigsten fremden Idiome, Buchführung, Stenographie, ic. werden in den einzelnen Vereinen gelehrt und eifrig gelernt. Nicht umsonst hat unser allverehrter Abge- ordneter Dr. Windthorst vor zwei Jahren auf der Effener Versammlung die Wichtigkeit gerade dieses Theiles unseres Programms auf das entschiedenste betont. Endlich sollen der Verband und seine Kon- gnffe zur Pflege der Freundschaft, der Freude und Geselligkeit dienen, denn mehr als einer bedarf der
*) Nachdruck verboten.
Kaufmann heutzutage in seinem die höchste Anspannung geistiger und körperlicher Kraft erfordernden Berufsstreben der Erholung, und wenn diese sich dem jungen Manne nicht in guter Form, im Freundeskreise bietet, wie leicht geräth er dann nach traurigen Erfahrungen auf jäh abschüssige Wege. (Sehr wahr!) Redner sprach dann noch einmal seinen herzlichen Willkommgruß aus und erntete den verdienten ungetheilten Beifall durch seine in der Thal beherzigenswerlhen Worte. Nach ihm führte der zu allgemeiner Freude im Laufe des Tages eingetroffene Landtagsabgeordnete Fuchs aus Köln aus, wie unsere vom Materialismus und Egoismus regierte Zeit nur durch die Rückkehr zu Gott ihr Heil und die Rettung aus furchtbar drohenden Gefahren finden könne. Wenn der erste Satz im Katechismus: „Wozu sind wir auf der Welt? Daß wir Gott lieben und ihm allein dienen!" wahr ist — und wir wiffen, daß er wahr ist —, dann muß der Glaube an Gott und die Liebe wieder das Fundament des öffentlichen und wüthschaftlichen Lebens, dann muß die Religion wieder die Achse des Weltgetriebes werden. (Stürmische Zustimmung.) Und die katholischen Kauf- mannsvereine zählen zu den Pionieren, die ein- müthig und tapfer vordringend, für die höchsten menschlichen Ideen w.eder die Welt erobern sollen. Dazu wirken ste vor Allem durch das offene und reine Bekenntniß dis Glaubens in Wort und Werk. Aber nicht nur der Verband und die Vereine im Ganzen, sondern jeder Einzelne soll dies Bekenntniß freimüthtg übsn. Sßw oft ist mir, so Wtwttt der Vortragende, auf meinen geschäftlichen Reisen an den Gasthoftafeln die Schamröthe in's Gesicht gestiegen, wenn von den katholischen Reisenden auch keiner das hl. Kreuzzeichen zu machen wagte 1 (Sehr wahr!) Redner führt weiter aus, wie der Katholik auf seine Kirche und ihre Vorsteher, und auf die Führer des katholischen Volkes in der deutschen Centrumspartei stolz zu sein Ursache habe und schließt mit einem Hoch auf Papst und Kaiser. Die Festgenoffen sangen darauf stehend ein zu Ehren des Papstes gedichtetes weihevolles Festlied und das „Herl Dir im Siegerkranz!"
Herr Kaplan Walter bestieg nun abermals die Rednerbühne, um Folgendes im Auftrage Sr. Heiligkeit von Monsignore de Waal, Rektor am Campo Santo in Rom, gesandte Telegramm zu
| verlesen: „Der Kongreß der katholischen Kaufleute erweckt bei Sr. Heiligkeit das lebhafteste Jntereffe. Seine Heiligkeit spendet daher väterlichen Herzens den apostolischen Segen und wünscht die segensreichsten Erfolge seinen treuen Söhnen in ihren großen Aufgaben." Von zahlreichen Vorkämpfern der katholischen Sache waren ebenfalls freundliche und glückwünschende Begrüßungsschreiben eingegangen, so noch außer den schon genannten von den Bischöfen zu Regensburg, Kulm, dem Weihbischof und dem Generalvikar in Paderborn, dem Apostolischen Vikar in Dresden, ferner von den Abgeordneten Dr. Windthorst, Dr. Freiherr von Schorlemer-Alst, Frhr. zu Frankenstein, Dr. Lieber, Bachem, Letocha, Dr. Lingens, Graf von Balle- strem, Evers, Frhr. von Heeremann, Graf von Praschina, Dr. Wuermeling, Dr. Porsch, Dr. Perger, Lucius, Kochann, Rinteln, Timmermann, Menken, Hesse, Frhr. von Landsberg-Steinfurt, von der Acht. Die Versammlung nahm diese Mit- theilungen mit lautem Jubel entgegen, und das Hoch, welches Herr Lensina, Vertreter der hiesigen Zeitung ,Tremonia', dem Centrum widmete, weckte ein fast nicht endenwollendcs Echo. Es zeigte sich auch hier wieder auf'ü glänzendste, wie innige Herzensbande da« katholische Volk und seine parlamentarischen Vertreter umschließen, und daß die Hoffnungen der Gegner auf das „Verduften" des Centrums, wie Minister von Puttkamer sich im Jahre 1880 ausdrückte, auf Flugsand gebaut sind. Herr Kaplan Kaiser aus Hannover, geistlicher Präso« dortigen SGi«inS. [egt« darauf in markiger und mit gesundem Humor gewürzter Rede den Verbandsgenossen ans Herz, mit der Frömmigkeit und dem Gebets auch die Arbeit hochzuhalten und zu pflegen. „Des Kaufmanns irdischer Beruf ist es reich zu w-roen, und ich persönlich möchte wünschen, daß jeder Genosse es zum Millionär brächte. (Heiterkeit.) Für unsere Sache ist es von hohem Werth, daß wir gelten in der Welt, und zu dieser Geltung bedarf cs zu unseren guten Grundsätzen noch des Substrats entsprechenden Reichtbums." Herr Kaiser widmete sein Glas der Stadt Dortmund und dem Dortmunder Verein. Ein junger Kaufmann aus München überbrachte Grüße vom dortigen katholischen Kauf- mannsverein „Hansa", der auf dem gegenwärtigen Kongresse als neues Glied in den Verband auf-
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da er rm Geiste schon Alles als sein Eigenthum betrachtete.
Vorzugsweise hatte er Letzingen erzählt, daß er beabsichtige, ein bedeutendes Exportgeschäft zu errichten, und er hatte ihn auf die großen Vortheile, welche seinem Hause dadurch erwachsen, aufmerksam gemacht und ihm auseinander gesetzt, wie viel neue Verbindungen er dadurch sowohl im Auslande wie im Inlands erhalte, und daß ein Kaufmann nur gute Geschäfte machen könne, wenn er in den verschiedenen Ländern solide Verbindungen habe. Ec war in dieser Beziehung Kaufmann genug, um Alles möglichst plausibel darzustellen, und Lchingen wurde dadurch geblendet und gefesselt. Auch in diesem Augenblicke lenkte er mit Gewandtheit und feinem Takte das Gespräch hierauf und er fand in feinem Begleiter einen aufmerksamen Zuhörer.
„Ich habe die sicherste Zuversicht, ja Gewißheit, daß diese neuen Unternehmungen glücklich einschlagen und mir einen bedeutenden Gewinn bringen werden", sprach er. „Sie sind in keiner Weise übereilt, sondern nach allen Stilen hin reiflich überlegt und gut vorbereitet, so daß an ein Fehlschlägen gar nicht zu denken ist. Aber, mein lieber Freund, sie glauben auch nicht, mit wie unendlich viel Mühe sie verbunden sind. Ich
M eigene Mult.
Roman aus der Handelswelt.
60. Fortsetzung.
,, Damken lachte laut auf, um seine wirkliche Stimmung zu verbergen.
„Mein lieber Freund", rief er, „zu welchen Gedanken haben Sie sich verleiten lassen, thun Sie doch wahrhaftig, als wenn Gabriele Lust hätte, ihr Wort wieder zurückzunehmen! Ha, ha, Sie kennen die Mädchen zu wenig, daran liegt es. Sehen Sie, ist ein Mädchen noch nicht verlobt, so stellt sie sich nur so, als ob sie sich niemals verheira.hen könnte. Sie schwärmt in himm- llschen Idealen und Träumen, spricht von ewiger sreiheit und der Refrain solchen Gesprächs ist in der Regel: Ich verlobe und verheirathe mich nie, '4 ziehe es weit lieber vor, ledig zu bleiben. Sie behauptet mit Hartnäckigkeit, daß dies ihr voller Ernst sei, und im schlimmsten Falle wird $ gegen ihre Ueberzeugung, aus reiner mädchenhafter Obstination, beschworen. Verlobt ste sich dennoch, so thut sie, als ob sie nie an die Ehe ^uke, sondern immer und ewig in ihrem Brautstände verbleiben wollte. Und schließlich ^rden solche Mädchen die zärtlichsten Gattinnen Un‘) liebevollsten Mütter, welche stolz darauf sind,
wenn sie dem Menschengeschlecht eine Anzahl gesunder Sprößlinge gut und fromm erziehm können. — Sie müssen sich hieran gewöhnen, lieber Freund, das find die Launen und Schwächen des weiblichen Geschlechts. Seien Sie indcß lug und lassen Sie Gabriele nie empfinden, daß olche Launen Ihnen unangenehm sind, geben Sie hr noch einige Zeit Ruhe und Sie werden ehen, wie sie allmählich ihr Betragen ändert. Glauben Sie mir, ich babe in dieser Beziehung einige Erfahrung. Lassen Sie solche Grillen ähren, kommen Sie, ich hoffe, wir Beide werben uns besser vertragen."
Damken legte seine Hand in Letzingen's Arm und zog ihn mit sich fort. Lutzingen folgte ihm willig, er war jedoch nicht im Stande, die un» muthige Stimmung, welche ihn einmal erfaßt hatte, sobald wieder zu verscheuchen.
Damken gab iich alle Mühe, ihn anders zu timmen, und er wählte das richtige Mittel dazu, ndem er seine Gedanken auf Gegenstände lenkte, welche sein Interesse zu ftfseln 'm Stande waren. Schon mehrere Male hatte er von bedeutenden loternehmen, welche er im Sinne habe, um sein Heus noch zu vergrößern, gesprochen, und er )a,te bemerkt, daß derselbe das lebhafteste In- trefft daran nahm. Dies war auch natürlich,