JK 196.
Dienstag, den 30. August.
1887
filhtr K 3titm.
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XI. Kongreß der katholischen kaufmännischen Kongregationen
und Vereine Deutschlands.*)
tr. Dortmund, 28. August 1887.
Die katholischen kaufmännischen Kongregationen und Vereine Deutschlands halten heute und morgen ihre elfte allgemeine Versammlung, nachdem die vorjährige zu Stuttgart stattgehabt, hier in Dortmund , dem hochwichtigen Mittelpunkte der westfälischen Industrie und der durch die „Dortmunder Fehde" und vor allem die mittelalterlichen Vehmgerichte geschichtlich berühmten Stätte. Schon gestern Abend trafen zahlreiche Abgeordnete von Vereinen aus allen deutschen Gauen hier ein; dieselben vereinigten sich mit den Mitgliedern des hiesigen blühenden katholischen Kaufmannsvereins zu einer Vorversammlung in dem festlich geschmückten Saale des „Kölnischen Hofes", welche gegen 8 Uhr von dem geistlichen Beirath des hiesigen Vereins, Herrn Kaplan Walter, eröffnet wurde. D-- P»:rs»« d°« F-fl. komile's, Herr Kaufmann Mathies Hierselbst, hieß darauf in einer schönen, warm empfundenen Ansprache die Gäste in der Stadt Dortmund willkommen.
Der heutige Festtag wurde nach gutem katho- lischem Brauch um 8 Uhr in der Liebsrauenkirche durch Festgottesdienst eröffnet. Sodann begannen die Verhandlungen dtr Delegirten, in welchen es sich zunächst lediglich um interne Angelegenheiten, namentlich auch um die Gründung einer besonderen Krankenkasse für den gesummten Verband der katholischen kaufmännischen Genoffenschaften handelte. Bei den Berathungen waien Korporationen aus Westfalen und Rheinland, Hannover, Heffen- Naflau, aus Großherzogthum Heffen-Darmstadt,
*) Nachdruck verboten.
Putdf eigene Mld.
Roman aus der Handetswelt.
59. Fortsetzung.
Letzingen drückte sie innig und fest, aber nicht der leiseste Gegendruck verrieth ihm, daß seine Empfindungen erwiedert wurden, und doch war dies das geringste Zeichen eines innigeren Verhält- niffes. Dies stimmte ihn unwillig und reizte ihn noch mehr, seinen Entschluß zur Ausführung zu bringen. Er beherrschte sich indeß vollkommen und ließ seinen Unwillen nicht durch das geringste Zeichen hervortreten. Indem er Gabrielens Hand rn der seinigen behielt, sah er ihr ruhig, aber zugleich halb bittend in bie Augen. „Gabriele," sprach er mit weicher, gewinnender Stimme, „wollen Sie immer noch die kalte Schranke, welche Sie zwischen uns gezogen Haden, festhalten? Soll nicht einmal das vertrauliche „Du" zwischen uns eintreten?"
Gabriele entzog ihm ruhig ihre Hand, ihre Verlegenheit verrieth indeß, daß es in ihrem Innern nicht so ruhig war. „Haben Sie die Bitte, welche ich an Sie gerichtet habe, schon so schnell vergeffen?" erwiderte Gabriele.
„Nein, neui", rief Letzingen, „Sie wissen, wie streng ich derselben nachgekommeu bin, aber Sie haben mir durch Ihre Bitte ein Opfer, eine 1
Bayern und anderen Bundesstaaten mit im ganzen 95 Stimmen vertreten. Die Berathungen sollen, da ein positives Resultat noch nicht erzielt wurde, morgen fortgesetzt werden.
Gegen 2 Uhr begann in dem Saale des „Fredenbaum", des herrlichen, reizend am Saum des weitgedehnten Stadtwaldes gelegenen Sommer- vsrgnügungsortes der Dortmunder, das Festeffen, an welchem sich 400 Personen beteiligten. Erwähnens werth ist die wirklich großartige festliche Ausstattung des Saales, dcffen Größenverhältnisse von keinem ähnlichen Raume Westfalens erreicht werden. Gleich am Eingang erhob sich eine mit farbigen Stoffen, Blumen und den in Gold- und Silberverzierung ausgeführten Emblemen des Kaufmannsstandes geschmückte Empore, auf welcher die Büsten des Papstes und des Kaisers Wilhelm inmitten herrlicher Blattgewächse eine würdige Stätte gefunden hatten. An den Wänden waren, von farbigen Flaggen und bunt gemalten Sinnsprüchen um- rahmt, die Wappen des Papstes und des deutschen Reiches, der Bundesstaaten und der wichtigsten Handelsstädte, Berlin, Köln, Frankfurt, Leipzig u. a. angebracht. Die Stimmung der Festgenossen, die ja ein doppeltes Band, Gemeinsamkeit des irdischen Berufs, wie der höchsten und idealsten Interessen, umschlang, war eine begeisterte; sie erreichte ihren Gipfelpunkt, als von berufener Seite in schönen Trinksprüchen die Bedeutung des Tages dargelegt wurde.
Zunächst hieß Herr Dr med. Bickhoff, Ehren- Milt
lischen Kaufleute Dortmunds, Namens desselben die Gäste willkommen; „ehrlich im Handel, christlich im Wandel", so heiße die Devise der Vereine und gerade die Ehrlichkeit und die Bethätigung christlicher Gesinnung seien unserem wirthschast- lichen Leben in so furchtbarem Maße abhanden gekommen. Der Verband habe hier — mit vorläufig noch geringen Mitteln und Kräften — die große Aufgabe der Mitwirkung an der fittlichen Gesundung und der Wiedergeburt des Volkslebens zu erfüllen. Ec (Redner) hoffe, daß auch der gegenwärtige Kongreß au seinem Theile hierzu beitragen werde. Kaplan Walter von hier theilt darauf mit, daß die eingeladenen Reichs- und Landtagsabgeordneten, Dr. Windthorst, Dr. Lieber, Dr. Freiherr v. Schorlemer-Alst u. A., und eben«
Entsagung auferlegt, die für mich von Tag zu Tag schwerer wird. Sie sagten mir damals, daß Sie sich selbst mir nähern würden, bis jetzt find Sie mir auch nicht im mindesten näher getreten. Wann soll dies enden?"
Gabriele war in sichtbarer Verlegenheit. „Lassen Sie mir Zeit", erwiderte sie, denn von der Zeit hing ja ihre einzige Rettung ab. „Sie verlieren ja nichts dadurch und mir erweisen Sie einen großen Dienst."
„Ich verliere nichts dadurch?" rief Letzingen: „ich verliere unendlich viel, weil ich Sie in Wirklichkeit nicht eher besitze. Ihr Versprechen, die Meine sein zu wollen, kann allein mich noch nicht glücklich machen; nicht die Hoffnung, sondern der Besitz macht glücklich!"
Ec legte seinen Arm um Gabriele und zog sie sanft an sich heran. Gabriele erzitterte heftig, aber sie faßte sich schnell und schob seinen Arm ruhig, aber auch bestimmt zurück. Dies reizte Letzingen noch mehr und erweckte seine Leidenschaftlichkeit.
„Nein, Sie gehören mir, Sie sind meine Verlobte!" ruf er, schlang seinen Arm um ihre Schulter, und versuchte einen Kuß auf ihre Lippen zu drücken.
Gewaltsam, mit einer ungestümen Hast wand
so die deutschen Bischöfe durch anderweitige Geschäfte am Ko gresse theil zu nehmen verhindert seien; indeß haben die Bischöfe von Paderborn, Münster, Köln, Trier, Hildesheim, Ermeland, Fulda, Posen-Gnesen, Osnabrück, Rottenburg, Speier huldvolle Schreiben mit ihrem Glückwunsch für den gedeihlichen Verlauf der Verhandlungen und dem bischöflichen Segen übersandt. Kaplan Dr. Elz von Mainz überbringt persönlich die freundlichen Wünsche des Bischofs Dr. Paulus Haffner, der schon als Domkapitular bei dem eisten zu Mainz abgehaltenen Kongresse durch seine gehaltvollen, von inniger Theilnahme zeugenden Reden sich das Anrecht auf die Verehrung des Verbandes gesichert habe. Dr. Elz bringt den Bischöfin Deutschlands zum Dank für ihre wohlwollenden Gesinnungen ein Hoch aus, in welches die Anwesenden jubelnd einstimmten. Der gleichfalls anwesende Probst der katholischen Pfarrei Dortmund, Herr Löhers, brachte das Hach auf den Papst, das Haupt der Christenheit, dem frommen und weisen Leiter der Kirche, der erst kürzlich in seinen verwunderungswürdigen Encyc- lieen dem wirthschaftlichen, wie dem sozialen und geistigen Leben der Welt die rechten Wege in die dunkle Zukunft gewiesen habe, und auf den Kaiser Wilhelm aus. Wie dem Papste, so sei es auch dem Kaiser dafür zu danken, daß die Wiederherstellung des religiösen Friedens in unserem Vater- laude nunmehr angebahnt fei; hoffentlich werde der Friede ein vollständiger und dauerhafter wer- giewnH« NnMerg
am Abend seines Lebens die Worte sprechen könne: „Es gereicht mir zu großer Genugthuung die Verhältnisse der kath. Kirche geregelt zu sehen durch Gesetz und Verfassung." Als die stürmischen Hochrufe verklungen waren, sprach Herr Berg- assessor Tillmann von hier einen schönen Trinkspruch auf den deutschen Klerus. Am Nachmittag folgte ein Festconeert. (Forts, folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin, 29. August.
• Die Wiedereröffnung der vertriebenen Klöster« und Ordensniederlassungen in Preußen verursacht den „Kulturkampfblättern" jetzt allge-
sich Gabriele aus seinem Arm und trat einen Schritt zurück. Ihre Wangen waren geröthet, ihr ganzer Körper erzitterte. Sie dachte nicht daran, daß Letzingen dem Namen nach ihr Verlobter war und nun von seinem Rechte Gebrauch gemacht hatte, sie fühlte in diesem Augenblicke nur die Umarmung eines ihrem Herzen fremd gegenüberstehenden Mannes, sie empfand nur eine Entweihung ihre Liebe zu Hermann, einen gewaltsamen Eintritt in das Heiligihum ihres Herzens. „Herr von Letzingen", rief sie, indem ihre Augen flammten und sie vor ihm dastand mit stolzer Zurückweisung. „Herr von Letzingen, wir sind für immer geschieden, wenn sie zum zweiten Male wagen . . ."
Sie stockte, denn erst jetzt dachte sie daran, daß er ihr Bei lobter war, daß er ihr Wort zum Unterpfande besaß und einen Anspruch auf ihre Zärtlichkeit hatte. Dieser Gedanke brach auch ihre Fassung und Kraft. Sie vermochte ihre Worte nicht zu vollenden, sondern brach in ein heftiges Weinen aus.
Letzingen stand überrascht, erschrocken und zugleich verlegen da. Für ihn war Gabrielers Benehmen ein völliges Räthiel. Er trat an sie heran, um sie zu beruhigen, ober sie wehrte ihn mit der Hand zurück. „Gabriele, ich begreife