Einzelbild herunterladen
 

M 195.

Montag, den 29. August.

1887

F»Iiwr

Zeitung.

®i' «Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Bierteljährlicher NbonnementSpreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 o mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen^ in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M 75 Pf

Inserate: Die einspaltig- Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Für den Monat September werden Abon­nements auf die

Fuldaer Zeitung von allen Postanstalten, Landbriefboten, ZkitungS- träger und von der Expedition (Buttermarkt) zum Preise von 50 Pfg. (nebst Bestellgeld) jeder­zeit entgegengenommen.

❖ Die 34. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands

ist heute in Trier zusammengetreten. Tausende von katholischen Männern werden in diesen Tagen in der alten Bischofstadt versammelt sein, um in innigem Verein von ihrer echt katholischen Ge­sinnung Zeugniß abzulegen, um in katholischer Treue den Vorsatz unentwegten Festhaltens an den hohen Principien ihrer heiligen Sache zu erneuern, um mit katholischer Offenheit ihre Meinungen aus- zutauschen über die wichtigsten Fragen des kirch- lichen und des christlich socialen Lebens in Deutsch­land, um endlich in katholischer Begeisterung sich gegenseitig zu entflammen, aufzumuntern und an­zuspornen zu rüstigem Weiterschreiten auf dem, wenn auch dornenvollen Weg,, der schließlich zum ersehnten Ziele führen muß. zum vollen Siege der katholischen Sache über alle ihre Widersacher. Mit besonderer Aufmerksamkeit schaut in diesem Jahre das katholische Volk nach Trier hin; die diesjährige Katholikenversammlung ist die erste nach folgenschweren kirchenpolitischen Vorgängen in Preußen und Hessen, nach einer wichtigen Periode nicht nur in der kirchlichen Entwicklung Deutsch­lands, sondern auch in seinen Beziehungen zum heiligen Stuhle. Wir wollen hier die bezüglichen Punkte nur kurz angedeutet haben, aber diese An­deutung genügt, um die eigenartige Konstellation zu kennzeichnen. Während aber das große In« tereffe des katholischen Volkes und der katholischen Welt am diesjährigen deutschen Katholikentage mit dem Gefühle vollster Sicherheit und unbedingten Vertrauen« verbunden ist, schwankt die Spannung, mit der unsere Gegner der Katholikenversammlung entgegenwarten, unbestimmt zwischen Furcht und Hoffnung. Das Interesse, welche» sie uns dies-

Durch eigene Schi».

Roman aus der Handelswelt.

58. Fortsetzung.

„Ja, mein lieber Herr Kleuser," entgegnete Potenz mit einem verschmitzten Lächeln, „das ist eine sehr schwierige Frage, denn ich will durchaus nicht unbescheiden erscheinen. Sie wissen, von dem Gelbe, welches Sie flch durch Wechsel verschafft haben, bekomme ich so viel wie nichts, weil die Wechsel dazu dienen sollen, meinen Plan gegen Buchmann zur Ausführung zu bringen; mit dem Geloe, welches Sie durch Damken erhalten, ist e» indeß ein ganz anderer Fall. Geben Sie mir zehntausend Thaler, so behalten Sie für sich noch mnfzehntausend.

„Zehntausend Thaler!" rief Kleuser erstaunt und erschrocken, denn daß der Agent so viel ver­langen werde, hatte er nicht erwartet. „Zehn­tausend Thaler!" wiederholte er, „ich will Ihnen fünftausend geben.

» Polenz lächelte ruhig. „Ich handle in solchen Süllen nicht, Herr Kleuser," erwiderte er. „Ent- Ader zehntausend oder gar nichts, ein» von beiden. Wählen Sie. Ich will nicht leugnen, daß die Arhältnisse für mich sehr günstig sind, aber auch Ste dürfen nicht verkennen, daß ,ch Sie bei weitem

mal in höherem Maße, al» sonsi, zuwenden, ent­spricht keinem edlen Motiv. Was sie bewegt, ist die unedle Spekulation auf die etwaige Uneinig­keit der Katholiken, sie haben schon seit Wochen Berechnungen angestellt, welche „Richtung" die Oberhand gewinnen könnte, ob die „gemäßigte" oder die entschiedene, die sog. „intransigente". Selbstredend hängt ihr Herz an der sog. „ge­mäßigten" Strömung, weil sie unter der Herr­schaft einer solchen „Mäßigung", wie sie sich die­selbe vorstellen, besser als bisher im Trüben fischen könnten. Aber wir dürfen den Zwietrachts-Speku­lanten heute schon die bündige Verstcherung geben, daß ste vergeblich auf einen Widerstreit der Meinungen warten werden. Der Geist der Ein­tracht und Harmonie, welcher über den bisherigen Erfolgen der Katholiken in Preußen und anderswo schwebte, wird auch fernerhin über dem deutschen Katholizismus walten, er wird selbst große und kleine Mißverständnisse, wenn ste hier oder dort vorkommen, siegreich überdauern und den Feinden des Katholizismus niemals den Triumph gönnen, den sie so beharrlich mit allen Mitteln zu er­streben suchen. Die katholische Einigkeit wird in Trier aufs Neue besiegelt werden, Papst und Bischöfe werden dem Katholikentage ihren Segen spenden, und Klerus und Volk werden durch Wort und That ihren innigen Zusammenhang mit den kirchlichen Obrigkeiten bekunden, in Liebe und Ver­ehrung, in Treue und Gehorsam die alten Ge- lübde erneuern. Gebe der Himmel, daß reicher Segen die Arbeiten der 34. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands begleite, daß sie nicht den Feinden, sondern nur den echten, wahren Freunden unserer heiligen katholischen Sache, die auf der ganzen Welt die gleiche ist, zur Freude und Genugthuung gereichen möge. In diesem Sinne rufen wir den in Trier versammelten Glaubens- und Gesinnungsgenossen aus vollen Herzen zu: „Mit Gott an's Werk!"

Deutsches Reich.

Berlin, 28. August.

* Man kann den Bestrebungen des menschlichen Verstandes, die in der empirischen Wissen­schaft zum Au« druck gelangen, da« vollste In­teresse zuwenden und dabei gleichzeitig da ein nicht in dem Maße auszubeuten suche, al« es mir möglich wäre."

Kleuser schwieg. Er kämpfte mit einem Ent- schlusse. Er wollte die zehntausend Thaler nicht hergeben, und doch wußte er nur zu gut, daß, wenn er es nicht that, sein ganzes Unternehmen durch den Agenten vernichtet würde.

Der Gedanke hieran ließ ihn endlich einen ent­scheidenden Entschluß fassen. „Sie sollen die zehn- tausend Thaler haben," erwiderte er endlich, aber sein Gesicht und seine Stimme verriethen deutlich, wie ungern er sich dazu entschlossen hatte. „Wün- schen Sie noch etwa»?"

„Nein, nein, ich danke Ihnen," erwiderte Po- lenz. „Doch noch Ein«. Ich glaube, Sie Haden den geheimen Entschluß gefaßt, sobald Sie da« Geld von Damken erhalten haben, sofort zu ent­fliehen. Thun Sie da« nicht, Damken würde so- fort ihre Absicht errathen. — So, nun will ich ihre Zeit nicht länger in Anspruch nehmen."

Er reichte Kleuser mit vertraulichem Lächeln pum Abschied die Hand, und so sehr es diesem auch widerstrebte, er konnte sie nicht zurückweisen.

Lächelnd und leise verließ der Agent das Zimmer. Kleuser stand regungslos da und horchte ms jener das Hau» verlassen hatte, dann vermochte er seine gewaltsame Aufregung nicht länger zu-

I heftiger Gegner sein, wo sie sich überhebt. Bei Lichte besehen besteht diese Wissenschaft auf vielen Ge­bieten aus nichts wie einem Hypothesenbau, den morgen eine „neue" Erfahrung oder eine „bessere" Hypothese umbläst. Es ist häufig nur ein zeitlich und räumlich beschränktes Wissenwollen, was da als „unwiderstehliche Wahrheit" ausge­boten wird. Gerade unser Jahrhundert bietet dafür die schlagensten Beispiele. Nachdem der .Reichsbote' mehrere solcher Beispiele angeführt, fährt er fort: Noch heute steht es bei dem rechten „Gebildeten" des 19. Jahrhunderts fest, daß der Mensch vom Affen abstamme. Das haben ja ihrer Zeit die Descendenz-Theoretiker Darwin und Häjckel, letzterer trotz seiner Tafel- | fälschungen „unwiderleglich" bewiesen, und auf i dem Antropologenkongreß in Brüssel im Jahre ' 1885 führte Professor Albrecht die Abstammung des Menschen auf die Insektenfresser zuück! Und nun kommt auf dem in Nürnberg abgehal­tenen Anthropologenkongreß ein anderer Gelehrter und erklärt, „es habe sich- unwiderleg­lich herauszestellt, daß keine Race vor der andern große allgemeine Vorzüge in Bezug auf den Knochenbau habe. Die Mängel auf einem Gebiet würden durch Vorzüge auf einem andern stets wieder aufgewogen. Ganz unrichtig fei auch die noch vielfach herrschende Annahme, daß der Körper­bau des Negers am nächsten mit dem des Affen verwandt sei. Im Gegentheil biete gerade der Körper des Europäer» mehr Aehnlichkeften nach dieser Richtung hin dar. Nirgends aber sei, was Virchow auch schon bei verschiedenen feierlichen Gelegenheiten heroorgehoben, ein Beweis darüber erbracht worden, daß in irgend welcher Zeit ein Uebergang vom Affen zum Menschen stattgefunden habe. So spricht die Wissenschaft gegenüber ge­wissen populär gewordenen und leider noch immer wiederholten Behauptungen, die weder Grund noch Inhalt haben." „So spricht die Wissen­schaft!" und wir freuen un», daß sie endlich wieder einmal so spricht. Aber wie sprach sie vor 10 bis 15 Jahren? Damals galt die Darwin'- sche Descedenz-Theorie als das Dogma der Wissen­schaft, und jeder, der es nicht unbefehens annahm, wurde als Ignorant verachtet.

* Kreuznach, 22. Aug. Die Sammlungen für da» Denkmal de» Raubritterpaare» Hutten»

rückzuhalten. In der heftigsten Erbitterung ballte ! er die Hand und drohte dem Geschiedenen mit erhobenem Arme. „Elender, feiger Betrüger", rief er mit gedämpfter Stimme und gänzlich ver­gessend, daß er diesen Namen weit eher verdiente als Polenz. „Feiger Betrüger!" wiederholte er, „nicht einen Pfennig sollst Du von mir erhalten; Du bist auch nicht allwissend, ich will all' Deinen Berechnungen zuoorkommen, dann magst Du mir nach Amerika folgen, wenn Du Lust hast, Deine Ansprüche mir gegenüber geltend zu machen."

Ec ging aufgeregt im Zimmer auf und ab. Seine ganze Erbitterung war nur die Wuth der Ohnmacht, denn ohnmächtig fühlte er sich diesem Manne gegenüber und mochte es sich nicht selbst eingestehen. Da« ruhig lächelnde Gesicht de« Agen­ten schwand nicht au« seinen Augen, er glaubte e« noch vor sich zu erblicken und all' sein Muth war wieder gebrochen. Ec fühlte alle seine Kräfte, ja selbst seine Gedanken durch ihn gefesselt und er krümmte sich unter diesen F sseln, die drückend schwer auf ihm lagen. Ec schalt sich einen Thor, daß er sich durch Polenz hatte bestechen lassen, daß er ihn in seine Geheimnisse eingeweiht, uno zugleich mußte er sich wieder gestehen, daß jener ihm un­begreifliche und unheimliche Mann sie errathen ha' e. Wle ein unüberwindliche« Geschick stand ihm Polen;