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M 194.

Sonnabend, den 27 August.

1887

Jilhtr W jleitmin.

fca |£®ie .Fuldaer Zeitung" erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Vf., k mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen" in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zweites Blatt.

* Die Residenz des Fürstbischofs von Breslau.

Das gegenwärtige bischöfliche Palais auf dem Dome ist, nachdem das alte mit dem großen Dombrande im Jahre 1768 zerstört worden, gegen Ende des 18. Jahr­hunderts durch den damaligen Bischof von Breslau Fürsten von Hohenlohe-Waldenburg Bartenstein erbaut. Wie an der Westseite des südlichen, dem fürstbischöflichen Garten zugekehrten Flügels deutlich erkennbar, ist der im ge­schloffenen Viereck projektirte Bau nach der Süd- und der Westseite unvollendet geblieben, so daß dem schönen Palaishofe nach dieser Seite hin der architektonische Ab­schluß fehlt. Das Gebäude ist in dem Zopfstile erbaut, wie er fich gegen Ende des 18. Jahrhunderts nach dem Geschmack der letzen Bourbonen modisizirte. In demselben Stile ist das Innere angelegt und ausgestattet, wiewohl hier und dort moderne Modifikationen in die Akkorde des Ganzen disharmonisch eingreifen. Wenn man das nach der Domstraße gelegene den Büreaus der Diözesanverwaliung dienende Gebäude durch das Portal passirt hat, betritt man dltkch ein Arkadenportal den östlichen Flügel des Palastes und in demselben die Empfangsräume des Fürst­bischofs. Ein geräumiges Vestibüle führt zunächst in das Gobelinzimmer, dessen Wände mit prächtigen Gobelins — idyllische Szenen im Geschmack der erwähnten Zeit auf reich mit Baumflora ausgestattetem landwirthschaft- lichen Hintergründe darstellend — vollständig bedeckt sind. Alsbald gelangt man in die fürstbischöfliche Hauskapelle, wo die Leiche des Fürstbischofs Robert ausgestellt war. Die Kapelle ist vom Kardinal Melchior v. Diepenbrock eingerichtet. Das Altarbild, von B. Pope 1852 gemalt, zeigt die Anbetung der heiligen drei Könige — Melchior. — Außerdem schmückt die Kapelle ein großes Bild „Madonna mit dem Kinde" von Hammacher, welcher vom Fürstbischof Heinrich Förster viel beschäftigt wurde. Neu­ausmalung der Kapelle ist in Aussicht genommen. Mit Fenstern nach Osten verläuft ferner in dem in Rede stehenden Flügel eine Reihe von größeren Empfangs- Salons, die mit modernen Tapeten ausgestattet sind. Das südlichste derselben, mit einer wenig geschmackvollen, röthlichblauen Tapete bedeckt, läßt an seinen Wänden deutliche Spuren einer plastischen Flächentheilung wahr­nehmen, deren Restitution sich empfehlen würde. Die Oefen sind — einen modernen Kachelofen im Renaisance- stile, den „Pilatus im Credo", ausgenommen — rund und im Stile des Ganzen, von gefälliger Form. Die mobilen Ausstattungsgegenstände, theils zum eisernen Inventar gehörend, theils Nachlaß einzelner Fürstbischöfe an die Nachfolger, bilden eine reiche und kunsthistorisch interessante Sammlung. Möbel-Garnituren stilrein, theils mit Damasten in schönen Mustern überzogen, schöne Spiegel, Kandelaber rc. sind sehr sehenswerthe Aus­stattungs-Stücke. Nicht minder ansprechend berühren kleinere Dekorationsgegenstände von sehr gefälligen Formen, wie Stuckuhren, Vasen, Broncen mit gemalten Glas und Porzellan rc. Von besonders zierlichen Formen sind die aus Krystallglas-Prismen und Rauten zusammengesetzten Kron­leuchter. Die Gemäldesammlung, nicht minder schätzbar, setzt sich aus modernen Landschaften, zumeist von Düffel- dorfer Künstlern, welche Fürstbischof Heinrich erworben, aus Porträts, Idyllen und Historien zusammen. Unter den Porträts interessiren die des Papstes, Pius IX., des Kardinals v. Diepenbrock, Fürstbischofs Förster, König Friedrich Wilhelm IV., des Kaisers Wilhelm als Prinz­regent von Preußen, des Kronprinzen in jüngeren Jahren. Aus dem oben erwähnten rothblauen Zimmer gelangt man in den südlichen Flügel, dessen mächtigster und interes­santester Raum der große Speisesaal ist. Derselbe ist ganz in Stucco-Marmor ausgestattet; dm oberen Theil um­schließt ringsum eine elyptische Estrade. Mehrere plastische Stucco-Ausstellungsgegenfiände hier sind beachtenswerth. Die den nach dem Garten und der Oder gerichteten Fenstern gegenüber gelegene Wand zeigt in Stucco-Um- rahmung die lebensgroßen Bilder der fünf ersten Könige von Preußen in ganzer Figur in chronologischer Reihen­folge: Friedrich I., Friedrich Wilhelm I., Friedrich II., Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. Diese Gemälde sind wahre Kunstwerke der Porträtmalerei. Die Technik des nicht genannten Meisters zeigt außer vorzüg­licher Farbengebung eine fesselnde Modifikation; die er­habenen Theile des Fleisches sind nämlich mechanisch ent­sprechend herausgepreßt, wodurch eine eigene plastische Wirkung erzielt ist. Ganz meisterhaft ist Friedrich der Große behandelt. Erwähnenswerth ist noch daß in diesem Saale früher die Leichen der verstorbenen Fürstbischöfe aufgebahrt zu werden pflegten. Gegenwärtig ist hier das Modell zu dem Grabmonument für Fürstbischof Heinrich Förster zu sehen, welches Monument in der zu erbauenden Heinrichskirche Aufstellung finden soll. Ter südliche Flügel enthält außerdem noch di« Geschäftsräume der fürst­

bischöflichen Geheimkanzlei, zu denen der Fürstbischof über die Saalgalerie aus seiner im ersten Stock des östlichen Flügels gelegenen Privatwohnung gelangt, und an der Westseite mehrere Zimmer ohne besondere Bestimmung. Im östlichen Flügel liegen noch nach dem Hofe zu die beiden Gastzimmer für einkehrende Bischöfe. Im Anschluß an die Notiz über die fürstbischöfliche Kapelle sei noch nach einem chronistischen Manuskript der Dombibliothek er­wähnt, daß vor dem großen Dombrande die fürstbischöf­liche Kapelle, gestiftet von dem Bischof Andreas Jerin, in der ersten Etage des südlichen Thurmes der Domkirche gelegen hat. Dieselbe war dem hl. Andreas geweiht und mit der fürstbischöfl. Wohnung durch einen Schwiebbogen verbunden. Von der Kapelle aus führte ein — jetzt ver­mauerter, aber noch vorhandener — Gang durch den nördlichen Thurm zu der der Kanzel gegenüber gelegenen bischöflichen Loge. Nach dem Brande ist die Andreaskapelle nicht mehr restaurirt worden. Spuren von Maßwerken deuten noch die Stellen an, wo die Fenster angebracht waren.

WW Die landwirthschaftlichen Düngemittel.

j (Nachdruck verboten.)

Die Betrachtung der landwirthschaftlichen Dünge­mittel, ihrer Zusammensetzung, Behandlung, Ver­wendung und Wirkung war die eigentliche Aufgabe, die wir von vornherein uns gestellt hatten und auf die sich die voraufgegangenen Artikel zuspitzen sollten. Hat es Dich, lieber Leser (Du erlaubst doch wohl, daß ich Dich mit dem biederen alten „Du" anrede, breite HösiichkeitsauSdrücke würden Weitläufigkeiten Hervorrufen, Du darfst mich auch wieder duzen, wenn Du, wie ich hoffe, Deine prak­tischen Erfahrungen uns demnächst gelegentlich in dieser Zeitung miktheilst, und wir bitten um solche Mittheilungen von Männern aus der Praxis, denn unser Altmeister der deutschen Dichter, Goethe, sagt schon: „Grau, Freund, ist alle Theorie, doch grün des Lebens gold'ner Baum") — hat es Dich also, lieber Leser, vielleicht ge­wundert, daß wir so viel graue Theorie bis j-tz> brachten, bevor wir auf die grüne Lebenspraxs kamen, so hat der Herr Redakteur den Grund da­von in dieser Zeitung in seiner einleitenden Be merkung im ersten Blatte der Nummer 171 vom 30. Juli er. bereits angegeben.

Wir haben zuerst von den Nährelementen, dann von den au« diesen chemisch zusammengesetz­ten Nährstoffen gesprochen und kommen nun auf die Nährmittel der Pflanzen, welche diese Nährstoffe in Verbindungen oder Gemengen ent­halten.

1. Der Stallmist.

Der gut produzirte und gut behan­delte Stallmist ist der beste und vor- theilhafteste Dünger.

Diese goldene Regel der Landwirthschaft, die nuc in besonderen Ausnahmefällen vielleicht einmal nicht gilt, sollte ein jeder Landwicth in großen Buch­staben auf seine Stallthür schreiben lassen, damit er jeden Tag öfters an sie erinnert wird.

Der beste Dünger ist der Stallmist deshalb, weil er der vielseitigste ist, denn er leistet Alles, was der Landwirth durch die Düngung zu erzielen beabsichtigen kann. Der Mist erzeugt durch seinen Zersitzungsprozeß viel Wärme, besonders wenn er noch frisch ist und viele verbrennliche Be- standtheile und Stroh enthält. Er lockert dadurch auch den Boden, wirkt anregend und reizend auf bie schon im Boden vorhandenen Nährstoffe ein und führt dem Boden alle für die Pflanze nötigen Nährstoffe zu, denn er enthält alle diese Stoffe in genügender Menge und im richtigen Verhäitniß, wenn nicht ganz außergewöhnliche Kulturen betrie­ben werden oder ganz besondere Verhältnisse im Boden und in der Viehhaltung obwalten. Weiter­

hin wirkt der Mist auf längere Zeit, so daß man für gewöhnlich annehmen darf, daß in einem mitt­leren, nicht zu thonigen und auch nicht zu sandigen Boden im ersten Jahre die Hälfte, im zweiten Jahre der dritte Theil und im dritten Jahre das Rest gebliebene Sechstel des in den Boden gebrach­ten Mistes verbraucht wird.

Die oben aufgestellte Regel gilt jedoch nur dann, wenn durch eine gute Fütterung mit gutem und reichlichem Futter der Mist von vornherein gut ist und durch richtige Behandlung in gutem Zustande erhalten wird. Eine gute und reichliche Fütterung erfordert zunächst allerdings, wenn man sich nicht auf den Zukauf von konzentrirten Futtermitteln verlegt, einen stärkeren Futterbau, so daß der Kör­nerbau in Bezug auf die ihm gewährte Fläche allerdings eingeschränkt werden muß. Bei richtiger Abmessung der Verhältnisse entsteht dadurch jedoch kein Ausfall in der Menge und Güte der Körner­ernte. Da durch den reichlichen und guten Mist und das Heraufholen von Nahrung aus dem Un­tergrund durch die Kleeernten die Fruchtbarkeit des Bodens vermehrt wird, so kann man jetzt auf einer kleineren Fläche diefelbe, ja vielfach eine größere Menge und Güte der Körner erzielen, wie früher bei spärlicher Düngung mit schlechterem Mist. Neben der Produktion von gutem Mist ist aber, wie schon gesagt, eine gute Behandlung desselben nöthig, sonst verliert er an Güte und Menge derartig, daß er doch nicht zu einer ge­nügenden Düngung ausreicht.

Der vortheilhafteste Dünger ist der Stall­mist deshalb, weil der Landwirth ihn nicht beson­ders zu kaufen braucht, weil andere WirthschaftS- zweige ihn erzeugen, und wenn er ihn dabei auch nicht umsonst hat, so steht in ihm das Pfund Stick­stoff, Phosphorsäure und Kali, von anderen Nähr­stoffen zu schweigen, dennoch verhältnißmäßig bil­liger, als in den käuflichen, sogenannten konzen­trirten Düngemitteln.

Es fragt sich nun, ob unter Ausschluß von be­sonderen Verhältnissen in einer Wirthschaft mit gutem Viehstand und gutem Nahrungszustand des Bodens die blose Düngung mit Stallmist genügend sein kann, oder ob stets ein Zukauf der rasch und kräftig wirkenden, aber Geld erfordernden eoncen- trirten Hilfsdüngemittel nöthig ist. So sehr wir den Werth der letzteren schätzen und bei außerge­wöhnlichen Verhältnissen dieselben anempfehlen, so bitten wir doch stet« zu beachten, daß sie Hilfsdüngemittel sind. Einen Helfer braucht man aber nur dann, wenn Hilfe Nolh thut, frei­lich thut sie oft nur allzusehr Noth, dann brauche man sie eben. Aber immer thut diese Hilfe nicht Noth und man kann sich, immer die oben ange­gebenen Bedingungen vorausgesetzt, sehr oft auf die bloße Mistdüngung beschränken, wenigstens auf einige Zeit, wenn gleichzeitig alle Abfälle zu Rache gehalten und etwa zur Kompostbereitung verwendet werden.

Nehmen wir einmal ein Gut an, dessen Acker­boden durch sorgfältige Kultur und aufgespeicherte alte Kraft in einem recht fruchtbaren Zustande sich befindet. Der Vi hstand ist gut, der erzeugte Dünger gut und reichlich. Aus den Abfällen jeglicher Art wird guter Kompost auch für die Wiesen bereitet, und auch diese sind durch Düng­ung mit Kompost und gut'M WäflerungSwaffer in gutem Ertragszustande. Die Bodenkraft erlei­det nun alljährlich zunächst durch das Ve sickern starke Einbußen. So sihr die Bodentheilchen auch bestrebt sind, die löslichen Nährstoffe festzuhalten, ganz gelingt das ihnen doch nicht, das Regen- wasser schwemmt doch manche in den Untergrund, in die Bäche und Flüsse, weniger das mehr fest­gehaltene Ammoniak, die Phosphorsäure und das