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1887

Freitag, den 26. August.

Jß. 193.

Mier W 3fitng.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Brerteliahrlrcher Abonnementspreis ohne Bnngerbohn und Bestellgeld. 1 M. SO Pf. mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 2R. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

j-C. Deutschland aus der vatika­nischen Ausstellung.

Die zum Jubiläum des hl. Vater» geplante Ausstellung im Vatikans verspricht nach den hier- über in den Zeitungen gegebenen Notizen sehr reich beschickt zu werden; in österreichischen und italie­nischen Blättern finden sich seit längerer Zeit Mit- lheilungen über die Gaben, welche in einzelnen Ländern für die Ausstellung vorbereitet werden. Au» Deutschland sind bislang solche Mittheilungen nicht erfolgt. Durch die in Deutschland von vorn­herein festgehaltene Eentralisation der ganzen In- büäumsvorbereitungen ist es indeß ermöglicht, jetzt nachdem die meisten Anmeldungen für die Aus­stellung eingegangen sind, ein nahezu .vollendetes Gefammtbild über die von hier aus zu erwarten­den Geschenke zu geben. Wenn wir sagen, ein nahezu vollendetes, so geschieht es deshalb, weil aus einigen Diözesen die Anmeldungen noch im Rückstände sind; es steht zu hoffen, daß die Mit- theilung deffen, was in anderen Diözesen geschieht, eine Veranlaffung giebt, dort, wo vielleicht nicht die Anmeldung allein im Rückstände ist, den Wett­eifer anzuspornen.

Da die vatikanische Ausstellung nur Geschenke enthalten wird, welche dem hl. Vater zu Füßen gelegt werden, so hat man in Deutschland Seitens des Damenkomitos von vornherein Werth darauf gelegt, daß die Geschenke, insoweit sie dem Kirchen­dienste gewidmet sind, den hl. Vater in den Stand setzen sollen, mit ihnen die ihrer am bedürftigsten Kirchen des katholischen Erdkreises zu beschenken. Demnach wird dieser Theil der deutschen Abthei- lung der vatikanischen Ausstellung nicht so sehr den Charakter der Prachtentfaltung und auch nicht ein Bild der kirchlichen Kunstentwickelung in Deutschland zeigen. Dagegen wird diese Abthei- hing so recht den Stempel der großen katholischen Liebe tragen, in welcher wir mit dm ärmsten Gemeinden der ganzen Welt verbunden sind. Andererseits wird kein Zweig der kirchlichen In- dustrie unvertreten sein, denn neben Paramenten und kirchlichen Gefäßen werden mehrere gemalte Fenster die hohe Entwickelung diese» Kunstzweiges in Deutschland zur Anschauung bringen; es wird eine kleine Orgel Zeugniß für die Fortschritte auf diesem Gebiete ablegen; ein ganzes Geläute

wird den hl. Vater in den Stand setzen, eine chinesische oder afrikanische Missionsgemeinde mit deutschen Glocken zur Kirche rufen zu laffen, auf deren Altar Kerzen von deutscher Herkunft brennen; denn auch die Wachsindustrie wird ihre Erzeug- niffe einsenden. Mehrere Altarbilder und zahl­reiche Stiche werden die deutsche Kunst vertreten, während reiche Gaben an liturgischen Werken die Fortschritte auf dem Gebiete der Typographie zeigen werden. Wenn auch die meisten Gaben durch die Paramentenvereine gesammelt werden, so haben doch auch zahlreiche Industrielle von sich aus Gaben angemeldet, oft unter Mittheilung rührender Motive. So hat ein Gürtler ein Altarkreuz angefertigt, um damit dem hl. Vater für den ihm bei der letzten Wallfahrt der Deutschen nach Rom gespendeten Segen zu danken; ein Wachswaarenfabrikant wünscht, daß von seinen eingesandten Kerzen zwei auf dem Altäre brennen, an welchem der hl. Vater die Jubelmeffe feiert u. s. w.

Was nun die Geschenke betrifft, welche in den einzelnen Diözesen gesammelt werden, so findet sich darunter Alles, was zum hl. Dienste erforderlich ist, vom vollständigen Pontifikalornate des Missions­bischofs angefangen, bis hinab zu den Kleidern der Mcßdiener. Mehrere tragbare Missionsaltäre mit voller Einrichtung werden besondere Zierden der Ausstellung bilden. Darunter einer aus der Diözese Würzburg mit höchst prachtvollen Stickereien ver­sehen. N^en zwei vollen Pontisikalornaten nebst Kelchen, Aquamanilen u. s. w. für Missionsbischöfe sind 9 ganze Kapellen (Pluviale, Meßkleid, zwei Levitenkleider) angemeldet; darunter mehrere sehr kostbare mit Goldstickereien, 11 Pluviale und über 250 Meßkleider, unter welchen ganz hervorragende Stickereiarbeiten sind, werden die Kunst der deut­schen Frauenwelt, die sich so gern in den Dienst der kirchlichen Armuth stellt, zeigen. Hunderte von Alben und ebensoviele Dutzende der kleinen Wäsche werden für viele arme Gemeinden gar willkommene Gaben sein; 70 Stolen und ebensoviele Chor­röcke, mehrere hundert Altar« und Kommunion- tüchter, Krankenbursen, Knabenchorröcke, Lesepulte, Fahnen, gekickte und gemalte Teppiche, Canon­tafeln, Meßbücher, kurz alles was zum Dienste des Altars erforderlich ist, wird in reichem Maße die deutsche Abtheilung zieren. Die Gold- unb

Silberschmiedekunst wird durch 7 Monstranzen, an hundert Kelche, er. 12 Speisekelche, mehrere Altar- kreuze mit Leuchtern, viele Meßkännchen, Rauch- fäffer und ewige Lampen vertreten sein. Besonders hervorragend sind die Anmeldungen aus der Erz- diözese Freiburg, ihnen am nächsten kommen die aus Breslau und Münster; die Erzdiözese Köln ragt hervor durch die Größe der einzelnen Gaben, indem abgesehen von zwei Missionsaltären von dort aus ganze Ausstattungen in allen Kirchen­farben mit den dazu gehörigen Leinen zusammen­gestellt sind; Würzburg und Dresden thun sich ourch die kostbare Ausführung der Gaben hervor, während Osnabrück durch die besondere Bevor­zugung des Leinens die heimische Industrie zu repräsentiren sucht. In einigen Diözesen, so in München, Mainz, Köln werden die Gaben vor ihrer Absendung zur Ausstellung kommen.

Eine ganz besonders charakteristische Sektion in der deutschen Abtheilung wird die sein, welche die deutsche Wissenschaft in der Festbibliothek vertreten wird, lieber diese in einem nächsten Artikel.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. August.

* Die ,Nordd. Allgem. Zeitung' veröffentlicht folgende hochoffiziöse Erklärung: „Wir sind in der Lage, die Mittheilung der .Agence Hava»' zu be­stätigen, wonach die türkische Regierung eine tele­graphische Erklärung an den Prinzen von Koburg gesandt hat des Inhalts, die Pforte und die Mächte seien einig, sein Vorgehen in Bulgarien als illegal und gesetzwidrig anzusehen." — Der.Nationalztg.' wird aus Konstantinopel telegraphirt: Prinz Fer­dinand von Koburg erhielt die Aufforderung des Sultans zugestellt, Bulgarien zu verlassen. Die Aufforderung wurde von Seiten des Prinzen igno- rirt. Gleichzeitig geht der .Kreuzzeitung' aus-Sofia folgendes Telegramm zu: Eine Note der Pforte fordert den Prinzen von Koburg auf, Bulgarien zu verlassen. Der Ministerrath beschloß, dies nicht zu berücksichtigen.

* Der Prozeß wider den evangelischen Pfarrer THümmel wird der ,Barm. Zig.' zufolge noch einmal die Gerichte beschäftigen, da das Reichs­gericht der Revision stattgegeben und die Sache an ein andere» Landgericht, nach Düsseldorf, ver­wiesen hat.

Durch eigene Schild.

Roman aus der Handelswelt.

56. Fortsetzung.

Kleuser hatte Zeit gehabt, sich vollständig wieder in sammeln und zu fassen, und erwiederte deshalb mit ruhiger Stimme:

„Darüber habe ich allerdings mit Damken nicht sefprochen, so weit ich aber Setzingen kenne, ist derselbe ebenso zurückhaltend wie vorsichtig mit seinem Gelde. Ich glaube sogar, daß er diese Verbindung nur eingegangen ist, weil er dadurch kin großes Vermögen zu erlangen hofft; würde er den bedenklichen Zustand des Hauses erfahren, so bin ich fest überzeugt, daß er zurücktreten und die Verlobung wieder auflösen wird."

„Ich kenne Letzingen allerdings.nicht," warf Menz ein, „aber auf seine Zurückhaltung und Erficht rechne ich nicht zu fest. Damken ist schlau, ist es einmal seine Absicht, von ihm Gelo zu Langen, so wird er er auch so fein anfangen, er Letzingen über den Zweck des Geldes voll- "«ldig täuscht. Er braucht ihn ja zum Beispiel als Teilnehmer für irgend ein neues Unter- nc9men zu gewinnen suchen, welches ihm einen Elchen Gewinn abwerfen würde — damit könnte et ihn leicht fangen."

Kleuser stutzte, als Polenz dies berührte, aber er wurde sogleich wieder vollständig ruhig, weil er es für unmöglich hielt, daß er von seinem Ge­spräche mit Damken etwas wissen könne.

„Ich glaube nicht, daß Damken dies thun wird," erwiederte er. „Es scheint vielmehr, als ob er in L-tzingen einen Hinterhalt sucht, in den er sich im schlimmsten Falle, wenn bereits Alles verloren ist, zu flüchten gedenkt."!

Der Agent schüttelte ungläubig mit dem Kopfe.

„Nein, nein," rief er, „dazu ist Damken zu schlau. Sollte Letzingen wirklich nur des erhofften Geldes wegen diese Verbindung eingegangen sein, so ist Damken auch klug genug die» zu bemerken, und er kann sich bann unmöglich verhehlen, daß er von der Freundlichkeit Letzingen'» nicht viel zu erwarten hat, wenn dieser statt eine» großen Ver­mögen» nicht» erhalten würde. Ich glaube auch nicht, daß Damken fest davon überzeugt ist, daß der Stand seine» Geschäft» so schlecht sei: weiß er dies aber, so ist e» zu natürlich, daß er e» durch seine rechtzeitige Unterstützung zu erhalten strebt. Und die» erscheint mir auch als das Wahr­scheinlichere."

Polenz fuhr fort: „Dieser Fall würde aber am unmittelbarsten und störendsten in unsere Berath- ungen eingreifen. Setzen Sie den Fall, Damken

würde unter irgend einem Vorwande zwanzig oder fünfundzwanzig Tausend Thaler von Letzingen er­halten und Ihnen Übergeben, um der augenblick­lichen Verlegenheit des Geschäfts damit abzuhelfen, wozu sie auch ausreichen würden — was würden Sie wohl dann thun? Würden Sie trotzdem an Ihrem Vorhaben festhalten, ober einen neuen Ver­such machen, das Haus zu retten? Sprechen Sie offen, denn hiervon hängt Alles ab."

Wiederum erröthete Kleuser, weil er befürch­tete, daß Polenz ihn durchschaut habe, und wieder beruhigte er sich mit dem Gedanken, daß dies eine Unmöglichkeit fei.

„Hierüber habe ich in der That noch nicht nachgedacht", erwiderte er.

„Wirklich nicht!"

„Auf Ehre nicht!" versicherte Kleuser.

Polenz faßte ihn jetzt scharf ins Auge, daß Kleuser unwillkürlich innerlich erbebte und von einem bangen Gefühle erfaßt wurve.

„Auf Ehre nicht," erwiderte er mit Nachdruck; „auf dieses Wort darf ich natürlich nicht wider­sprechen. Aoer gestatten Sie mir noch eine Frage: Was gedenken Sie mit den zwanzig bi» fünfund­zwanzig Tausend Thalern zu b q nnen, die Damken Ihnen von L tzingen verschaffen soll um imat unter dem von Ihnen ganz fein durchdachien Vor