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M 192.

Donnerstag, den 25. August.

1887

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Die Fuldaer Leitung' erscheint täc-lich, Sonn-"und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bnngerbohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf. 2)te -Fuldaer Rettung ^lleMMchen Woch^beilage .Sterne und Blumen- in Fulda IM. 70 Psi. auswärts IM. 75 Pf.

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* Ein Blick in die Zukunft.

Alle Welt ist darüber einig, daß über kurz oder lang der längst gefürchtete Krieg ausbrechen wird, von dem Proudhon am 3. Mai 1860 ge­schrieben hat: „Wir gehen einer Bildung von 5 bis 6 großen Reichen entgegen. Die kleinern Staaten sind schon im Vornhinein zu Opfern ge­weiht, wie es einst Polen war. Es wird dann in Europa weder Recht, noch Sittlichkeit geben, und dann wird der große Krieg beginnen. Da« schuldige Europa wird gezüchtigt werden durch das bewaffnete Europa! Möge die Vollstreckung dieser Züchtigung recht bald erfolgen, aber auch bald überstanden sein!" Und vor wenigen Monaten haben Moltke und Bismarck dem deutschen Volke offen und unumwunden den unabwendbaren großen Krieg in traurige Aussicht gestellt. „Der Friede unserer Zeit macht den Krieg durch sich selber unvermeidlich," erklärte Jener, und der Mann von „Blut und Eisen" bat uns die furchtbare Perspektive eröffnet: „Früher oder später, es mag im nächsten Augenblicke oder nach Jahren eintreten, muß der Krieg zwischen Deutschland und Frank­reich aurbrechen; wenn er aber kommt, dann wird er so furchtbar sein, daß selbst die Schrecken von 1870 und 1871 ihm gegenüber nur als Kinder­spiel erscheinen — es wird ein Vernichtungskrieg werden." Welche Gestalt und welchen Charakter dieser kommende große Krieg annehmen wird, da­rüber haben sich bereits verschiedene Sachverstän­dige ausgesprochen. Man kann nur mit Schrecken an die Stunde denken, in der das jetzt „in Waffen starrende Europa" sich in Bewegung setzen, und diese vielen Millionen Soldaten mit den modernen Mitteln der Zerstörung und der Vernichtung ihr blutiges Werk beginnen, und diese ungeheuren sorg- sättigst vorbereitetenMachtfaktoren aneinanderprallen werden. Man wird da unwillkürlich an gewiffe alte deutsche Sagen von gräulichen und schreck- lichen Schlachten erinnert, bei denen „das Blut vom Fußboden den Streitenden in die Schuhe rinnt." Als der Kronprinz Rudolph von Oesterreich im heurigen Frühjahr den Exercitien des ersten Bataillons des ersten G^rde- Regiment« in Pots- dam beiwohnte, ließ er sich das Laden des Ma­gazingewehres und die Verfeuerung deffelbcn mit Salven zeigen, dann von der dritten Compagnie

Dinh eigene Schuld.

Roman aus der Handelswelt.

55. Fortsetzung.

Buchmsnn war zwar sehr schlau und auch zu wohl unterrichtet, um dieser Erzählung und der Uebertreibung des Dieners vollen Glauben beizu- meffen, er zw.ifelte an der Wahrheit, aber schon der Umstand, daß er zweifelte, verlieh feinem Werke eine gew ff- Unsicherheit. Er sah jetzt ein, daß Hintze nicht der Mann war, um ihm in solchen Fällen zu nützen, weil sein Scharfblick ein zu ge- ringer war. Er bereute, ihm diefen Auftrag ge­geben zu haben, aber jetzt war es zu spät, um es wieder gut zu machen.

Mit um so größerer Ruhe und Sicherheit blickte jetzt Polenz dem Gelingen seines Plane« entgegen. Er konnte jetzt mit klarem Auge die Verhältnisse und Schwierigkeiten, welche sich ihm entgegen­stellten, überschauen, und da er sie früh genug er- kannte, war er auch nicht in Verlegenheit, um sie zu überwinden. Er war über Klewer und dessen geheimes Vorhaben überrascht, und er gestand sich offen ein, daß er sich in ihm geirrt habe, denn er hatte nicht geglaudi, daß er fähg sei, einen solch' großen Betrug, wie er im Sinne hatte, mit so viel Ruhe uüd Ueberlegung auszuführen. Er

das Schnellfeuer aus dem Magazin produciren. Das Magazinfeuer kam so zum ersten Male vor das öffentliche Urtheil. Militärische Persönlich­keiten, welche bei Gravelotte, St. Privat und anderwärts mitgekämpft haben, schütteln die Köpfe bei dem furchtbaren Geraffel der Schüsse, welches sich nur mit dem Geräusch einer schnell gedrehten Kaffeemühle vergleichen läßt, und meinten: „Mit einer solchen Waffe werde es nicht mehr schön sein im Kriege!" Ja, es wird „nicht mehr schön," sondern über alle Maßen schrecklich werden, und zwar hüben und trüben, für Freund und Feind; denn auch die anderen Völker haben mit äußer­ster Anspannung all ihrer Kräfte sich in furcht­bare Armatur geworfen und zum großen „männer­mordenden" und Alles zerstörenden Kriege sich gerüstet. Aus dem Schlachtfelde der Zukunft wird das Blut wahrhaft in Strömen fließen und werden mehr Tobte und Verwundete und Sterbende liegen, als je auf den Schlachtfeldern eines ganzen Jahrhunderts zusammen gelegen. Die geistliche und leibliche Pflege der Verwundeten und Sterbenden wird an die christliche Charitas die höchsten An­forderungen stellen und die vergrößerte Zahl jener Opfer des Krieges auch eine entsprechend vermehrte Zahl der „Engel auf dem Schlachtfelde" und in den Spitälern verlangen. Ist auch nach dieser Richtung hin Alles bereit und geordnet und fertig? Wir fürchten, es werden die zu Gebote stehenden Mittel den Ansprüchen des Elendes nicht entsprechen und in den Reihen der Kranken­pfleger aus den katholischen Orden viele schmerz­lich vermißt werden, die im letzten Kriege auf den Schlachtfeldern und in den Militärlazarethen unzähligen verwundeten und kranken und sterbenden Soldaten geistliche und leibliche Hülse geleistet haben.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. August.

* Der Zweifel, ob es dem Fürsten Ferdin and gelingen werde, in Bulgarien festen Fuß zu fassen, wird hier allgemein getheilt. Verschiedene Blätter äußern die Vermuthung, daß der russische Rubel sich bald wieder aus die Reise nach Bul­garien begeben werde.

* Die am Zustandekommen des Spiritus« ring es Jnterefsirten halten trotz aller für sie un- hatte ihn freilich durchschaut, aber er glaubte immerhin noch nöthig zu haben, sich vor ihm zu hüten, denn seine eigene Stellung sollte eine durch­aus gesicherte bleiben. Um Kleuser gegenüber vollständig gesichert zu sein, mußte er ihn in seiner Gewalt haben, mußte ihn mit einem Worte ver­nichten können, und dazu hatte er ein neues Mittel in der Hand. Durch einen Brief hatte er ihn um eine Unterredung gebeten, und zwar wie früher in dem kleinen Zimmer des Geschäftsführers im Haufe Damken.

Kleuser halte diesen Brief nicht ohne ein ge­wisses banges Gefühl gelesen. Er vermochte sich nicht zu erklären, was Polenz ihm wiederum mit- zutheilen habe. Es war ihm unangenehm, jetzt mit ihm zusammenzukommen, denn mehr und mehr nahte sich sein geheimes Vorhaben der Ausführung, und mußte er nicht befürchten, daß Polenz, der ihm in so vieler Beziehung unbegreiflich war, d.ssen überlegenes W-ssen, dessen Vertrautsein mit den geheimsten Verhältnissen für ihn etwas über- natürlich Unheimliches, ja etwas Dämonisches batte, seine geheimsten Gedanken auf seiner Stirn lesen werde. Und doch konnte er sein Verlangen einer Unterredung nicht abschlagen, weil er sich bereit» zu sehr in seine Hand ge­geben hatte.

günstigen Nachrichten an der Hoffnung fest, das Projekt in kurzer Zeit verwirklicht zu sehen, und suchen inzwischen auf die noch unentschlossenen Brenner durch Flugschriften und öffentliche Ec» Hütungen einzuwirken.

* Aus Königsberg wird gemeldet, daß be­reits Pioniere mit dem Aufbau eines großen Feld­lagers für die Manöver der zweiten Division bei Quadr.au beschäftigt sind. Das Lager soll auch ein großes Zelt für den Kaiser erhalten, zu welchem die Materialien von Berlin bereit« in Königsberg eingetroffen sind. Es gilt als wahr­scheinlich, daß die Kaiserin sowie die Prinzessin Wilhelm den Kaiser zu den Manöver» nach dort begleiten werden. Auch Prinz Albrecht wird in Königsberg erwartet.

* Die Kommission zur Ausarbeitung des Ent­wurf» eines deutschen bürgerlichen Gesetz­buchs tritt dem Vernehmen nach am 9. Septem­ber zur Fortsetzung ihrer Arbeiten wieder zusammen.

* Die Vorstände sämmtlicher deutscher Mili­tärvereinsverbände treten am 2. Oktober in Eisenach zusammen, um über die schon lange erstrebte Vereinigung aller deutschen Militär- und Kriegervereinsverbände zu berathen.

* Nordhausen, 23. Aug. Die in Heiligen- stadt erscheinende .Eichsfeldia' berichtet, daß dort die Nachricht eingetroffen, daß von der Regierung den Franziskaner-Patres die Erlaubniß er- theilt worden ist, in ihre Klöster zu Dingelstädt auf dem Kalvarienberg und auf dem Hilfensberg wieder zurückzukehren. Welche Patres in die ein­zelnen Klöster verfctzt werden, sei vom Ordens- kapitel bereits bestimmt worden.

* Gießen, 24. Aug. Auf Veranlassung des Vorstandes des Hess. Zweigvereins des Verbandes deutscher Liquerfabrikanten hat heute eine Sitzung stattgefunden, in welcher von den Anwesenden ein­stimmig beschlossen wurde, eine entschiedene Stel­lung gegen den Spiritus-Ring einzunehmen und nichts von den der Koalition beilretenben Brennereien zu kaufen. (Fr. Z )

* München, 23. Aug. Nach dem heute aus« gegebenen Programm findet die feierliche Eröff­nung des Landtages mit Eidesleistung am 14. September um 2 Uhr im Thronsaale durch den Prinzregenten statt. Em Gottesdienst geht voran, woran der Regent Theil nimmt. — Der

In einer solchen Stimmung empfing Kleuser am Abend den Agenten. Er wollte ihm durch- au« sorglos und mit einer harmlosen offenen Freundlichkeit entgegentreten, aber er war in der feineren Verstellung noch ungeübt. Den scharfen Blick dieses Mannes vermochte er nicht zu täuschen.

Polenz erkannte sofort, daß ihn Kleuser ungern empfing, denn seine Freundlichkeit hatte etwas Erzwungenes und Verlegene». „Ich komme Ihnen heute nicht recht gelegen, sprechen Sie sich offen aus, ich bin auch zu einer anderen Zeit bereit, sprach er unverhohlen.

„Nein, nein," entgegnete Kleuser, „ich freue mich im Gegentheil sehr, daß Sie .gekommen sind; Ihr Besuch kommt mir stet» gelegen."

Polen; blickte ihm einen Augenblick schweigend aber scharf fixirend in die Augen. Kleuser ertrug diesen Blick zwar, aber nicht ohne ein seine innere Unruhe verrathende» Zucken in seinem Gesichte.

„Dann wissen Sie nicht» davon, daß Ihr Ge­sicht gerade da» Gegentheil von Ihren Worten ausdrückt," sprach er ruhig und ohne da» Auge von Kleuser» Gesicht abzuwenden.

„Da» Gegentheil?" wiederholte Kleuser mit