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Dienstag, dm 23. August.

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0 Die Generalversammlung des Evangelischen Bundes.*)

Wir haben mit einiger Spannung den Verlauf her eben in Frankfurt a. M. abgehaltenen kon- stituirenden Generalversammlung des sog. „Evan­gelischen Bundes" verfolgt. Wenn wir jetzt das Schluß-Facit ziehen, so müssen wir offen gestehen, daß wir von unserem Standpunkte aus int Großen Md Ganzen mit einiger Befriedigung auf die erste Kraftprobe des Evangelischen Bundes zurückblicken. Bor dem Gegner ist uns vorläufig noch nicht bange, und wenn wir auch die verhetzende, frieden- Meide Thätigkeit, welche er namentlich durch die Preßpropaganda (Broschüren, Flugblätter u. Zeitungsartikel) in die protestantische deutsche Bevölkerung tragen wird, keineswegs unterschätzen, so vermissen wir doch bisher wenigstens in dem ganzen Austreten des Evangelischen Bundes jene trfolg versprechende, EinmüthigkeitderGefinnungen, ene aus gleicher Ueberzeugung und Herzensdrang entspringende Begeisterung und endlich jene ohne Lußere Nöthigung ficher funktionirende Organi­sation, ohne welche eine solche über ein ganzes Reich verzweigte Propaganda keine großartigen Rissige erzielen kann. Die Mitgliederzahl des Bunde« ist nach all' den Anstrengungen, welche gemacht worden sind, eine relativ geringfügige. Kaum 10,000 deutsche Protestanten, darunter so- gar einige hundert Frauen und eine nicht spezifirte Anzahl unreifer Jünglings bilden bisher das Kontingent int ganzen deutschen Reiche. Eine ihnlicbe katholische Vereinigung, die ihr Netz über ganz Deutschland erstreckte, würde mit Einschluß der Frauen alsbald nach Hunderttausenden ge­zahlt werden können. Indessen gelüstet es uns gar nicht, die Probe zu machen durch Gegengrün- bung eines Katholischen Bundes, denn nach den gemachten Erfahrungen würde ein solcher Bund, von Katholiken gegründet, alsbald die gesetzliche Auflösung erfahren, wenn er auch nur den dritten Theil derjenigen friedensstörenden, konfessions« hetzerischen Thätigkeit entfaltete, wie wir sie int Evangelischen Bunde sich breit machen sehen. Daß er übrigens auch staatliche Behörden gibt, welche dm Bund keineswegs für so harmlos halten, be-

*) Nachdruck verboten.

Durch rigkuk Schild.

Roman aus der Handelswelt.

53. Fortsetzung.

„Die Verlegenheit des Geschäfts steigert sich von Tag zu Tag," sprach Kleuser. „Ich kann eS mit all' meinen Kräften nicht halten, wenn Sie nicht bald eine namhafte Unterstützung herbei­schaffen."

„Woher, woher ?" rief Damken ungeduldig und unwillig.

»Ich habe Ihnen den Weg, auf dem es mög- "4 ist, bereits früher bemerkt," entgegnete Kleuser. „Herr von Setzingen ist sitzt öffentlich mit Ihrer Tochter verlobt, er ist reich, suchen Sie ihn unter ttgenb einem Vorwande dahm zu bringen, daß er hergiebt; er kann es, er kann durch seinen Aukier in wenigen Tagen fünfundzwanzig Tausend Mer mit leichter Mühe disponibel machen. Tamit find wir gedeckt und kein Mensch erfährt davon."

. »Glauben Sie, daß L.tzingen da» Geld sofort ^geben wird?" warf Damken ein. „Unter welchem ^onvande soll ich es von ihm verlangen. Ich ®6tf ihn nicht im geringsten ahnen lassen, daß

Geschäft in Verlegenheit ist."

»Nein, nein, dann könnte leicht Alle» dadurch

weist die Meinungsäußerung des Breslauer Po­lizeipräsidiums, welches ihn nach seinen Statuten und Kundgebungen als einen politischen betrachtet.

Die in Frankfurt versammelten Herren haben es für nöthig gehalten, fast von Stunde zu Stunde immer wieder nachdrücklich zu versichern, sie wollten nur den „Frieden", sie seien bei Leibe keine „Friedensstörer", sie suchten sich nur gegen „römische Uebergriffe" zu wahren und zu ver- theidigen. Die leitenden Kreise hatten wohl her- ausgefühlt, daß dieser Vorwurf die Achillesverse des Evangelischen Bundes ist, dcßhalb suchten sie den wunden Punkt mit besonderer Lebhaftigkeit zu verdecken und abzuleugnen. Aber eS ist ihnen auch gelungen, konnte es ihnen überhaupt ge­lingen, wenn nicht die Verhandlnngen schaal, kraft- und saftlos sich dahinschleppen sollten ? Der konfessionelle Haß bildet ja das einzige belebende Element, er ist auch der einzige Kitt für die in ihrer eigenen religiösen Anschauungen so haltlos zersplitterte evangelische Gesellschaft.

Wie es mit den „friedensstiftenden" Absichten des Evangelischen Bundes beschaffen ist, das hat am besten Konsistorialrath Leuschner (Merseburg) in der konstituirenden Versammlung bewiesen, als er rund heraus erklärte, „die Stunde werde doch schlagen, wo die deutschen protestantischen Staaten, vor allem Preußen, wo auch das neue deutsche Reich den Kampf seinerseits wieder aufnehmen müssen gegen den römischen E.bfeind; dann solle es sich nicht wiederholen, was sitzt diesem Kampfe die Kraft nahm, daß den Führern im Kampf fehlte das hinter ihnen stehende Volk. Dann werde auch der Sieg nicht fehlen." Das sind in der That sonderbare „Friedensstifter", welche so offen und ohne Scheu die dereinstige Wiederauf­nahme de» protestantischen Kulturkampfes gegen den „römischen Erbfeind" ankündigen, gegen den­selben Erbfeind, mit dem eben erst Kaiser und Kanzler Frieden geschloffen haben, mit dem der deutsche Kaiser liebenswürdige Briefe wechselt. Ob man dem deutschen Kaiser, als man ihm ein Huldigungstelegramm des Evangelischen Bundes übersandte, auch die Leuschner'sche Rede mitge­schickt hat? Wir bezweifeln das. Ein anderer Redner, Kirchenrath Dr. Fricke (Leipzig) illustrirte das programmatische Wort von der bloßen Ab­wehr gegen römische Uebergriffe durch die Hervor­

verloren werden," rief Kleuser. „Ich habe daran gedacht. Wie wäre es, wenn Sie ihm im Ver­trauen mittheilen, daß Sie int Sinne hätten, in M. eine Commandite Ihre» Hauses zu errichten und zwar bald, um einer Konkurrenz von anderer Seite zuvorzukommen. Sie stellen ihm das als außerordentlich gewinnbringend vor und fordern ihn auf, sich mit einem hinreichenden Kapital daran zu beteiligen. Kontraktliche und gerichtliche Sicherheit versprechen sie ihm zu geben, sobald Sie diesen geheimen Plan in» Werk gesetzt und bekannt gemacht haben. Da» Geld muß er sofort hergeben, weil von vornherein ein Vertrauen er­weckender und Sicherheit gewährender Baarfond da sein muß. War meinen Sre hierzu?"

„Ich werde es mir Überlegen," erwiderte Damken.

„Vergessen Sie aber nicht, wie viel für uns beide davon abhängt, daß es bald in'» Werk ge­fetzt wird," bemerkte Kleuser.

Damken schwieg nachsinnend einen Augenblick.

„Heute ist nicht die Zeit dazu," sprach er bann. „Kommen Sie zur Gesellschaft zurück. Morgen werde ich die Sache sofort in Ueberlegung ziehen. Kommen Sie."

Beide kehrten zur Villa zurück.

Wieder zuckte über da» Gesicht de» Agenten ein '

Hebung, daß der Evangelische Bund im Gegensatz zum Gustav-Adolf-Verein, dem er int Uebrigen freundnachbarlich gesinnt sei, von der Defensive zur Offensive übergehen müsse. Wir dächten, da» sei deutlich gesprochen, und wenn man uns näch­stens mit der Phrase kommt, der Evangelische Bund sei keine auf konfessionelle Friedensstörung hinzielende Association, so brauchen wir nur auf die unleugbar feststehenden Aussprüche zweier Hauptsäulen des Bundes, Leuschner und Frick, hinzuweisen. (Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 22. August.

* Fürst Bismarck wird am 23. September d.I. sein 25jährige»Jubiläum als preußischer Minister-Präsident feiern. Wo sind sie (fragt die ,Weser-Ztg.'), die damals seine Kollegen waren? Aus dem kurzlebigen Ministerium Hohen­lohe hatte er im Amte belassen: den Herrn v. Holz- brinck als Handelsminister, aber nur bis zum 9. Dezember 1862; dann übernahm das Handels­ministerium der bisherige landwirthschaftliche Mi­nister Graf Jtzenplitz, der im Jahre 1873 durch Achenbach avgelöst wurde. Ferner blieben vorn Minsterium Hohenlohe: v. Mühler als Kultus­minister bis zum 17. Januar 1872, Gras Lippe als Justizminister bis zum 5. Dezember 1867, v. Roon als Kriegsminister bis zum 9. November 1873. Mit dem neuen Minister - Präsidenten v. Bismarck traten am 3. bezw. 9. Dezember 1862 in's Ministerium ein: Herr v. Bodelfchwingh als Finanzminister, der aber schon am 1. Juni 1866 durch den Freiherrn o. d. Heydt ersetzt wurde. Graf Eulenburg als Minister des Innern bis zum Jahre 1878 und Herr v. Selchow als landwirth- schaftlicher Minister bi» zum 14. Januar 1873. Außer dem Grasen zur Lippe, der nur 14 Tage älter ist als Fürst Bismarck selbst, ist auch nicht ein einziger dieser „Kollegen" mehr am Leben. Und wie haben in den 25 Jahren ihre Aemter die Inhaber gewechselt! Im Kriegsministerium folgten auf Roon Kameke, Bronsart v. Schellen- boiff, im Ministerium des Innern auf Eulenburg Graf Eulenburg II, Puttkamer, im Kultusmini­sterium auf Mühler Falk, Puttkamer, Goßler, im Finanzministerium auf Bodelfchwingh v. d. Heydt,

rasches Lächeln. Kein Wort de« Gespräch» war ihm entgangen, und er hatte seine Absicht dadurch vollständiger erreicht, als er gehofft hatte.

„Das ist ein glücklicher Tag," sprach er zu sich selbst. „Leichter und bequemer konnte ich es nicht haben, um Kleuser« Geheimniß auszuforschen, er selbst hat es mit klaren Worten erzählt."

„Ha, ich habe mich nicht in ihm geirrt," fuhr Polenz in seinem Selbstgespräche fort, „wie ich e« vermuthet habe, so ist es. Er will au» dieser Verbindung den Nutzen ziehen. Der arme Guts­besitzer soll das Opfer werden, er soll das Geld hergeben — und für wen? Ha, ha, für eine zu errichtende Commandite! Da» ist, mit einer grö­ßeren Schlauheit ausgesonnen und angelegt, al» ich Kleuser zugetraut hatte. Gelingt es ihm, und ich zweifle nUt mehr daran, so begreife ich Dam­ken nicht, er scheint gänzlich geblendet zu sein — doch ich will seinem Geschick nicht oorgreifen. Dam­ken hatte e» selbstverschuldet, mag er e« büßen."

Vorläufig folgte Polenz dem Abgesandten Buch­mann'«, ohne selbst von diesem bemerkt zu werden. Ec traf ihn mit einem andern, ihm unbekannten Manne irn Gespräch, e» war ihm jedoch unmöglich, fich ihm so weit zu nähern, um ihn zu belauschen, so gern er die« auch gethan hätte, denn ohne Zweifel würde er dadurch erfahren haben, worauf