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Sonnabend, den 20. August.

M 188.

fiiliner W 3tiliig.

1887

Zweites Blatt

hältniffen niemals fehlen. Es sind dieses die Chlor-,'Natrium-, Kieselsäure- und Eisenverbind­ungen, meistens auch die Magnesiumverbindungen, z. B. die Bittererde. Aber drei Verbindungen gibt es noch, welche dem Boden öfters oder doch zuweilen fehlen, besonders wenn einzelne Pflanzen­arten, die auf sie in höherem Grade Anspruch machen, in großen Mengen zum Verkauf gebaut werden. Es sind diese die Phosphorfäure, das Kali und der Kalk. Die Phosphorsäure ist im Boden in verhältnißmäßig geringer Menge vorhanden, sie wird dem Acker besonders durch den Anbau von Getreide und Hülsenfrüchten ent­zogen und bedarf dann des Ersatzes durch Mist oder einen phosphorfäurehaltigen Stoff, z. B. das Superphorphat.

Das Kali wird besonders von Kartoffeln, Runkeln und Zuckerrüben in Anspruch genommen und muß bei starkem Verkauf wieder durch Zu­kauf von Kalisalzen ersetzt werden. Der Kalk ist meist reichlich vorhanden, da der lösliche Kalk jedoch durch das stets kohlensäurehaltige Waffer leicht weggewaschen wird, so ist eine Kalkzufuhr besonders bei Klee oft nöthig, wenn nicht durch die Behandlung des Mistes mit Gyps, von der später die Rede sein wird, der Kalk dem Boden zur Genüge ersetzt wird.

Fasten wir nun zur praktischen Verwendung das Gesagte zum Schluffe kurz zusammen, so wisten wir jetzt, daß der Landwirth unter gewöhnlichen Verhältniffen blos für den Ersatz von Stickstoff, Phosphorsäure, Kali und auch zuweilen von Kalk zu sorgen hat. Dieses thut er durch Düngung mit Mist, der in gutem Zustand meist alle Stoffe zur Genüge enthält, oder durch Düngung mit salpetersauren, phosphorsauren und Kalisalzen, schließlich mit gelöschtem Kalk, Gyps, Asche u. s. w. Nur der gute Mist kann allein alle erforder­lichen Stoffe auf die Dauer, von besonderen Ver- hältniffen abgesehen, liefern.

lieber die Düngerarten, ihre Zusammensetzung, Behandlung und Anwendung das nächstemal.

O Die Petition um Herstellung einer Haltestelle Rupsroth

an der Eisenbahnlinie Fulda-Tann, welche, wie bereits in der gestrigen Nummer ds. Bl. mitgetheilt wurde, der Centralausschub des „Rhönclub" im Auftrage der zu Schweinfur abgehaltenen Jahresversammlung an Se. Excellenz den Königlich Preußischen Staatsminister und Mi­nister der öffentlichen Arbeiten Herrn Maybach in Berlin richtete, hat nachstehenden Wortlaut:

Hochgebietender Herr Staatsminister! Ew. Excellenz Hochmögender Fürsorge verdankt ein bedeutender Theil unserer Rhön durch die Meliorationsbahnen Fulda- Gerefeld und Fulda-Tann den Aufschluß sowohl in nationalökonomischer Hinsicht für ihre Bewohner selbst, als insbesondere den Aufschluß der großartigen Ratur- schönheit dieser Gegend für die Menschheit überhaupt. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß in Kü ze, wenn das geflügelte Rad Euer Excellenz die Berge und Thäler der Rhön durcheilt, das Rhöngebirge nicht nur den In­sassen naher kleinerer Städte und entfernterer Großstädte wie Frankfurt und Wiesbaden Gelegenheit geben wird, mit geringen Opfern an Zeit und Geld den er­mattenden Geist in den erfrischenden Strömen der Rhön- lüft zu baden, sondern daß auch-dem Welttouristenverkehr hierdurch ein Stück heimischer Erde erschlossen wird, das sich ebenbürtig an die schönsten Gegenden Deutschlands anreihen dürfte. Gehoben von innigem Dankgefühl und getragen von den bisherigen Beweisen eines hohen Wohl­wollens gestattet sich die heute tagende Generalversamm­lung des Rhönklubs Euer Excellenz von dem Fuße des Rhöngebirgs im bayerischen Nachbarland- aus einen tiefempfundenen Wunsch bezüglich einer Haltestelle dieser Meliorationsbahnen ehrerbietig zu Füßen zu legen.

Nachdem die Bahn Fulda-Tann in dem lrelichen Bieberthal sich bis zum Fuße des reizenden B i e b e r st e i n § emporgeschlängelt und von da das Innere der kupven-

roieber zu.

Wenn wir auch in dem aus dem Miste sich entwickelnden Ammoniak, das sich im Boden in Salpetersäure umfetzt, dem Acker Stickstoff in Menge zusühren, so bringen wir den Stickstoff dennoch zuweilen auch durch direkte Zufuhr von Salpeter oder in besonderen salpeter- sauren Salzen den Pflanz-nwurzeln bei, be- sonders im Chilisalpeter. Im Salpeter ist die stick­stoffhaltige Nahrung in der am leichtesten aufnehm­baren Form vorhanden, daher seine rasche und, kräftige Wirkung.

Unter den weiteren Pflanzennährfloffen finden sich nun solche, welche der Boden entweder stets in genügender Menge in löslicher Form besitzt oder welche in so geringer Menge nöthig sind, daß sie deßhalb schon unter gewöhnlichen Ver-

5M Die Nährstoffe der Pflanzen, v.

Wir wollen nun unser Wasierthema verlassen und uns einem zweiten Nährstoff zuwenden, näm­lich der auch schon als Luftnahrung genannten Kohlensäure.

Bei dieser Kohlensäure können wrr uns kurz fassen. So wichtig sie sogar als Hauptnahrung der Pflanzen ist, so braucht der Landwirth für ihre Zufuhr als Nahrungsstoff nicht zu sorgen. Als Lösungsstoff ist eine besondere Zufuhr der- selben auch nicht nöthig, so wichtig sie sonst auch als Lösungsmittelist, denn Kalk löst sich nur in kohlensäurehaltigem Wasser. Durch die Natur und die gewöhnlichste übliche Düngung kommt sie in genügender Menge in den Boden, das ist in früher Gesagtem schon in genügendem Grade hervorgehoben worden.

Mit dem auch bereits als nebensä^liche Luft­nahrung genannten Ammoniak ist es bei der Bodennahrung jedoch anders. Der Boden erhält es mit dem Regenwaffer aus der Lust, ferner durch Verwesung der in thin vorhandenen tobten thierischen unb pflanzlichen Stoffe, besonbers bes Düngers, und sein wirkendes Element ist der Stickstoff.

Damit das Ammoniak im Boden als Nährstoff dienen kann, muß es sich erst durch Ausnahme von Sauerstoff in Salpetersäure und Wasser um­toben. Die gebildete Salpetersäure verbindet sich mit Metallen zu Salzen und diese werden leicht in den Untergrund gewaschen, wo eine Rückbil- düng in Ammoniak des daselbst herrschenden Mangels an freiem Sauerstoff wegen stattfindet. Daher ist Tiefpflügen oder wenigstens Lockern des Unter­grundes ohne Heraufholen der Erde desselben, was mit dem Untergrundpflug bewerkstelligt werden kann, so nützlich. Tiefwurzelnde Pflanzen, wie Lupinen und die Kleearten holen durch ihren Lebensprozeß die in den Untergrund versenkte Nahrung wieder herauf, weßhalb der Kleebau die obere Ackerkrume nicht nur nicht ärmer macht, sondern sogar bereichert. Da aber der Klee im Gegensatz besonders zu den Getreidearten seine Nahrung vorzugsweise aus der Tiefe holt, so er­klärt sich die Erscheinung, daß der Kleebau erst wieder nach längerer Zeit auf derselben Fläche betrieben werden kann, wenn die Sickerwasser erst wieder genügend Nahrung in den Untergrund ge- waschen haben. Auch die andere Erscheinung, daß weniger tief wurzelnde Pflanz n nach Klee ein oft so freudiges Wachsthum zeigen, findet hier­durch ihre Erklärung. Die oberen starken Theile der Kleewurzeln verwesen und führen dem Boden die aus der Tiefe heraufgeholten Nährstoffe

reichen Rhön durchbohrend die Wasserscheide auf de« Bahnhof unserer Rhönperle Milsebur g bei Oberbern- Ha r d s erreicht hat, eilt sie Angesichts des AuersbergS und unter den Augen der idyllischen Ruine Auersburg hinab in das alte Rhönstädtchen Hilders, um von da in dem bisher so stillen Ulsterthal nach ihrem einst­weiligen Endziel Tann, dem alten Stammsitz unseres Heerftihrers von der Tann zu gelangen. Auf dem etwa 9 Kilometer betragenden Wege vom Bahnhof Milse­bur g bis Hilders liegen ungefähr 3 Kilometer von einan­der entfernt die Ortschaften Rupsroth und Eckweis­bach während die gleichfalls etwa 9 Kilometer lange Strecke Hilders-Tann durch die Ortschaften Neuschwam­bach und Lahrbach auch in je ungefähr 3 Kilometer große Abschnitte getheilt wird.

Nun verlautet, daß die Königliche Eisenbahnverwaltung aus Rücksichten der Sparsamkeit wenig geneigt sei, in dem Zwischenraum zwischen den Bahnhöfen Milseburg und Eckw eisb ach eine weitere Haltestelle bei Rups­roth anzulegen und daß sie nur die andern aufgeführten Ortschaften mit Haltestellen bedacht habe.

Eine sonstige Gelegenheit zur Aeußerung über die An­lage der Bahn hat sich für die Interessentenkreise bisher nicht ergeben und wenden wir uns deßhalb auf die Ge­fahr hin, daß unser Wunsch sich auch mit den Intentionen dir Königlichen Eisenbahnverwaltung decken und das Vor­liegende hierdurch gegenstandslos werde, vertrauensvoll noch vor Einsichtnahme des fertiggestellten Projekts bezw. dessen Bekanntwerden bei der landespolizeilichen Prüfung in einer Petition an Euer Excellenz mit der aufrichtigen Bitte, die Gründe, welche uns bewegen, für eine Halte­stelle Rupsroth einzutreten, prüfen zu lassen und daS gleiche Wohlwollen, welches Euer Excellenz der ja keines­wegs billigen Bahnlinie überhaupt entgegen gebracht haben, auch noch dem verhältnißmäßig geringfügigen Ob­jekt einer Haltestelle Rupsroth, wenn sie bislang nicht vorgesehen sein sollte, zuzuwenden:

Senkrecht zur Richtung der Bahnlinie Milseburg- Eckweisbach mündet bei Rupsroth ein von dem Dorfe Dietges, dem Knotenpunkte dreier Kreisstraßen, aus­gehendes Thal ein, welches die kürzeste Verbindung der Bahnlinie Fulda-Tann mit der Wasserkuppe, dem höchsten Rhönberg, bildet. Es liegt uns nun so sehr daran, in dem durch die beiden Bahnen Fulda-Gersfeld und Fulda-Hilders erschlossenen Gebiete der Rhön nicht zu anstrengende, auch für Damen überwindbare Fußtouren innerhalb eines Tages unter Benutzung der Eisenbahn möglich zu machen. Bedenkt man, daß der Ausgangspunkt zu einer Gebirgstour von Frankfurt aus mit der Bahn in 3 Stunden zu erreichen sein wird, so dürfte es auch begreiflich erscheinen, daß von der Ankunft in der Rhön mit dem ersten Zuge bis zum Abgang aus der Rhön mit dem letzten Zuge alles Augenmerk bei der kurzen zu Gebote stehenden Zeit darauf zu richten sein wird, un­nötige Verlängerungen der Wege und unnöthige Steig­ungen aus den voraussichtlich beliebten Routen von dem Bahnhof der einen nach einem solchen der anderen Bahn­linie vermeiden zu lassen. Für den Besuch der Wasser­kuppe von Gersfeld aus dürfte aber eine Haltestelle Rupsroth eine wesentliche Zeitersparniß gegenüber dem Bahnhof Milseburg oder Eckweisbach erzielen, da die Horizontalentfernung etwa 2 Kilometer kürzer wird und dem Touristen ein sanftes Gefälle von Abtsroda bis Rupsroth zu Gute kommt, während von Abts­roda bis Bahnhof Milseburg immerhin 200 Fuß Steigung mehr von ihm zu überwinden ist. Jedoch auch für die Besucher derGruppe Milseburg-Maulkuppe— Steinwand-Teufelstein—G rab enhöfchen und für die der W eiherb erg gruppe vom Bahnhof Milse- bürg aus ist das angenehme Gesälle der Verbindung Grabenhöschen-Rupsroth verbunden mit der Ab­wechselung eines lieblichen Wiesenthals eine wesentliche Erleichterung, ebenso wie für den direkten Aufstieg von der Bahnlinie Fulda-Tann aus zur Wasserkuppe mit Abstieg nach Gersfeld die Haltestelle Rupsroth nicht zu verkennende Vortheile bieten wird.

Obgleich nun ein reger Touristenverkehr der Gegend gewiß auch in nationalökonomischer Hinsicht zu Gute kommt, sprechen doch gerade in diesem Punkte noch andere schwerwiegende Gründe für eine Haltestelle Rupsroth:

Der Bau einer Straße von der Vereinigung der Kreis­straßen Abtsroda-Dietges und Grabenhöfchen- Dietges bis nach Rupsroth zum Anschluß an die ent­lang der Bahnlinie Oberbernhards-Eckweisbach vorhandene Kreisstraße ist eine schon längst bei dem Lan­desdirektorium der Provinz Hessen beschlossene Sache, deren Inangriffnahme nur durch den Ausbau der Bahnlinie ver­zögert ist, um die Lage der Straße auch der zukünftigen Bahnhofslage anzupaffen. Der Nordfuß der Wasser- kuppe mit den Ortschaften Sieblos, Abtsroda und Reulbach, in zweiter Linie Dietges und Brand ist aber von Natur reich mit Gütern gesegnet, welche nur darauf warten, durch die Möglichkeit einer rationellen Ab­fuhr zu einer Eisenbahnstation Handel und Wandel zu

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