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1887

Sonnabend, den 20. August.

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Erstes Blatt.

Der V. allgemeine deutsche Hand- werkertag,

welcher nach Dortmund zusammenberufen war, hielt am 14. und 15. d. M. seine Sitzungen ab.

Als Vertreter von Innungen waren 350 De« legirte aus allen Theilen Deutschlands erschienen; von Parlamentariern erschien Freiherr Dr. von Schorlemer-Alst, Biehl und Pleß (Mülheim). Begrüßungs- bezw. Entschuldigungsschreiben wegen Nichterscheinens hatten u. A. gesendet: Fürst zu Löwenstein, Frhr. v. Fechenbach-Laudenbach, Abg. Letocha. Nachdem Fabrikant Billing (München) zum ersten und Gelbgießermeister Schmidt (Dort­mund) zum zweiten Vorsitzenden gewählt worden waren, erhielt Abg. v. Schorlemer - Alst das Wort. Derselbe führte ungefähr Folgendes aus:

Ich habe mit Freuden der Einladung zu dieser Ver­sammlung Folge geleistet. Ich habe aber auch das volle Recht, Ihren Verhandlungen beiwohnen zu dürfen, seit­dem mir die unverdiente Ehre zu Theil geworden, vom Allgemeinen Deutschen Handwerkerbunde u. dem Bayerischen Handwerkerbunde zum Ehrenmitglied ernannt worden zu sein. (Bravo.) Seit dieser Zeit habe ich das volle Recht, mich nicht nur geistig, sondern auch leiblich zu Ihnen zu zählen. (Beifall.) Ich bin nämlich auch Hand­werker. Mit einer gewissen Beschämung muß ich jedoch bekennen: ich übte und übe mein Handwerk gewissermaßen auf der Basis der modernen Gewerbefreiheit und Ge­werbeordnung aus, das heißt, ich betrieb und betreibe Handwerke, ohne dieselben ordnungsmäßig erlernt zu haben. Zunächst war ich Zimmermann. Ich half die groben Klötze zimmern, die auf den groben Keil gehörten, der sich den berechtigten Forderungen der Handwerker entgegen­stellte. Alsdann war ich Schuhmacher; ich versohlte gründlich alle Diejenigen, die den Handwerkern ihre Rechte vorenthalten wollten. (Heiterkeit und Beifall.) Jetzt, m. H., bin ich Schneider und bei diesem Handwerk will ich bleiben. Ich bin bemüht, die dem Handwerk ver­loren gegangenen Rechte wieder zusammenzuflicken und den alten Rock auszubessern, damit endlich wieder obligatorische Innungen eingeführt werden. (Lebhaftes Bravo.) M. H. Die moderne Gewerbefreiheit und Gewerbeordnung sind ein Kind der französischen Revolution von 1789. Die moderne Gewerbefreiheit ist nur eine Freiheit für Ein­zelne und verurtheilt die große Mehrzahl zu schlecht be­zahlten Lohnarbeitern. Für eine solche Freiheit danken wir. Die freie Konkurrenz, m. H., ist eine Lüge. Ein Mann, gelähmt an den Füßen, das heißt mit leerem Geld­beutel, kann mit einem Menschen, der gesunde Glieder hat, einem Schnellläufer, das heißt einem Großkapitalisten nicht den Wettlauf aushalten. Die freie Konkurrenz be-

Durch tigtnt Schuld.

Roman aus der Handelswelt.

51. Fortsetzung.

Damken war über die Glöße des Geschenkes ebenso überrascht als erfreut. Nun durfte er auf das Gelingen seines Planes mit der größten Zu­versicht hoffen. Wenn Setzingen seiner Braut einen Schmuck zum Geschenke machte, der mindestens vier« bis fünftausend Thaler gekostet haben mußte, so konnte er noch weniger Anstand nehmen, seinen Schwiegervater durch eine Summe von fünfund­zwanzigtausend in der Ausführung eines neuen Un­ternehmens, welches er ihm einreden wollte, zu unterstützen, da er dafür ja die Aussicht hatte, als Theilnehmer dieses Unternehmens zu gelten, und fein Geld mit hohen Prozenten verzinst zu sehen.

Letzingen nahm sowohl den Dank Gabrielens als auch die außerordentlichen Lobeserhebungen DamkenS mit einer Miene hin, als seien sie ein Tribut, den er zu fordern das größte Recht habe. Gabriele wie ihr Vater würden indesien in ihren Empfindungen herabgestimmt worden fein, wären sie im Stande gewesen, den wirklichen Werth die- ses Geschenkes zu erkennen und zu berechnen. Der scheinbar große Werth des Schmuckes bestand näm­lich vorzugsweise in den kostbaren Edelsteinen, mit

deutet Kampf zwischen dem wirthschaftlich Starken und dem wirthschaftlich Schwachen, wobei der Letztere selbstver­ständlich unterliegen muß. Die freie Konkurrenz vernichtet mit unerbittlicher Konsequenz den gesunden Mittelstand. (Rufe: Sehr richtig!) Es ist eigenthümlich, daß die Besitzenden, die mit Recht das Anwachsen der Socialdemokratie fürchten, die freie Kon­kurrenz vertheidigen; durch die freie Konkurrenz werden die Socialdemokraten geradezu gezüchtet. Ich freue mich deshalb über die Bestrebungen der Handwerksmeister, ich wünsche nur, daß dieselben das häßliche Wort „Arbeit­geber" ausmerzen und sich wieder wie früher „Hand­werksmeister" nennen. Wir Landwirthe haben es in dieser Beziehung ebenso gemacht. Wir nennen uns ein­fach „Bauern" und jetzt sind Grafen und Herzöge stolz darauf, Mitglieder von Bauernvereinen zu sein. Das Schlimme bei der Handwerkerbewegung ist, daß so viele Doktoren an der Aufbesserung des Handwerks herum­pfuschen und Vorschläge machen, die lebhaft an den be­kannten Doktor Eisenbarth erinnern. M. H., wenn dem Handwerk wieder aufgeholfen werden soll, dann müssen die Handwerker sich von aller Doktoren-Weisheit fern halten, und ihre Angelegenheit selbst in die Hand nehmen. Auch ich bin nicht hierher gekommen, um Ihnen Weisheit zu predigen, sondern um von Ihnen zu lernen. Man sagt: Sie verlangen Vorrechte, indem Sie den Be­fähigungsnachweis verlangen. M. H., der Befähigungs­nachweis ist für eine ganze Reihe wissenschaftlicher Stände gesetzlich vorgeschrieben. Sie müssen an der Forderung der obligatorischen Innung u. des Befähigungs­nachweises unverbrüchlich festhalten. Wenn Sie auch noch nicht viel erlangt haben, so haben Sie durch Ihre Organisation doch erreicht, daß man mit Ihnen rechnen muß, und das immerhin wenn auch nur bescheidene An­fänge zur Aufbesserung des deutschen Handwerks gemacht worden sind. Viel, sehr viel ist noch zu erreichen, wenn das Handwerk wieder zu Ehren kommen soll. Ich er­innere u. A. an das Submissionswesen, das sowohl dem Staate und der Kommune, als auch dem Handwerk un­gemein schadet und dem Princip: „Billig und schlecht" Vorschub leistet. Sie dürfen umsoweniger in Ihrer Agi­tation Nachlassen, da unser allverehrter Kaiser in Aller­höchstseiner bekannten Thronrede gesagt hat: „Dem Hand­werk muß sein Recht werden." Mithin, m. H., arbeiten Sie auf dem Boden einer kaiserlichen Verheißung. Vor Allem, m. H., müssen Sie sich aber von jeder kon­fessionellen Hetze fernhalten, die man jetzt in künst­licher Weise wieder in die weitesten Volkskreise zu tragen bemüht ist. Die deutschen Handwerker haben alle Ursache, sich von jeder konfessionellen Streitigkeit fernzuhalten. Die deutschen Handwerker der beiden christlichen Kon­fessionen müssen in friedlicher Weise zusammenarbeiten, aller konfessionelle Unterschied muß zwischen ihnen schwinden. Rur wenn die deutschen Handwerker in Einigkeit Zusammenarbeiten, dann werden sie das sich gesteckte Ziel erreichen. (Stürmischer Beifall.)

Zu dem ersten Gegenstand der Tagesordnung: „Die allgemeine deutsche Handwerker, bewegung, deren bisherige Erfolge und

denen er so reich besetzt war. Diese Steine waren falsche, aber so täuschend nachgemacht, daß sie nur ein Kennerauge bei genauerer Untersuchung zu er­kennen vermochte.

Letzingen hatte keineswegs die Absicht gehabt, Gabriele mit diesem Schmucks zu betrügen. Es hatte eine eigene Bewandtniß damit. Als nach dem Tode seiner Tante deren ganzes Vermögen in seine Hände gefallen war, hatte er auch diesen Schmuck, ein Erbstück ihrer Familie, mit erhalten. Anfangs hatte er ihm nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt, als er aber später, bei genauerer Be« trachtung, sich von dem großen Werth seiner Steine überzeugte, ärgerte es seinen praktischen Sinn, daß diese als ein werthloses Kapital daliegen sollten. Da es ein Familienerbstück war, konnte er den Schmuck, der für ihn völlig intereffelos war, nicht verkaufen, es kam ihm aber der, wie er glaubte, glückliche Gedanke, die werthvollen Steins durch unechte ersetzen zu laffen, die echten zu verkaufen, und das daraus gewonnene Kapital so anzulegen, daß cs ihm Zinsen trug. Einen Betrug erblickte er hierin nicht. Er war wirklicher Besitzer des Schmuckes. Niemand konnte ihm wehren, mit seinem Eigenthum zu schalten und zu walten, wie es ihm gefiel, und darin hatte er jedenfalls recht, daß der Schmuck, der ohnehin unbenutzt dalag,

Ziele" sprach Tischlermeister Euler (Bensberg) ; derselbe gab ein Bild der bisherigen Arbeiterbe« wegung und plaidirte am Schluffe für Einführung obligatorischer Innungen und den Be­fähigungsnachweis. Ihm schloffen sich Schnei­dermeister Möller (Dortmund) und Tischlermei­ster Heinze (Hannover) an. Einen unliebsamen Zwischenfall veranlaßte ein Herr Bettle aus Ham­burg, ein noch junger Mann. Es war nicht klar zu erkennen, ob aus ihm der Sozialdemokrat, oder der Schwärmer für Gewerbefreiheit sprach. Zu seiner Widerlegung sprachen Abg. v. Schorlemer- Alst und Pleß (Mülheim).

Zum Befähigungsnachweise ergriff das Wort Reichstags - Abgeordneter Biehl (München), nach ihm sprachen Euler (Bensberg) und Möller (Dortmund), welche sich sämmtlich für den Be­fähigungsnachweis erkäcten, während Schmidt (Dort­mund) sich für freie Innungen, aber auch für den Befähigungsnachweis aussprach, aber aus beson­deren Widerspruch stieß, als er ausführte, er fürchte, daß in den Zwangsinnungen es leicht ein­treten könne, daß Prüfungsmeister sich bestechen ließen. Herr Biehl und Frhr. v. Schorlemer-Alst widerlegten denselben. Zum Schluffe wurde fol­gende Resolution angenommen:

Der 5. Allgem. deutsche Handwerkertag zu Dortmund empfiehlt zur Erreichung des vorgesteckten Zieles allerorts in ganz Deutschland sobald wie möglich Innungen zu grün­den, und zwar womöglich Fachinnungen, wo nicht möglich, Gesammtinnungen. Besonders empfiehlt der Allgemeine deutsche Handwerkertag allen selbstständigen Handwerksmei­stern den Beitritt zum Allgem. deutschen Handwerkerbunde, als dem bis jetzt allein richtigen Faktor zur Vertretung der sozialpolitischen Interessen des deutschen Handwerker­standes. Alle gutgesinnten Handwerker und Staatsbürger müssen die Bestrebungen des Handwerkerbundes unterstützen, damit der ausgleichende Mittelstand wieder zu seinem Rechte gelange und den sich immer mehr breit machenden Um­sturzparteien die Spitze abgebrochen werde.

Ferner wurde beschloffen, eine Denkschrift an den Fürsten Reichskanzler um Einführung des Be­fähigungsnachweises für alle Gewerbe zu richten.

Ueber den zweiten Sitzungstag in der nächsten Nummer d. Bl.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. August.

• Die Beobachtung der heutigen totalen Sonnenfinsterniß war in Berlin nur in mit den unechten Steinen seinen Zweck ebenso gut erfülle, als mit den echten.

Er hatte die Verwandlung von einem geschickten Goldschmied vornehmen lasten und so geheim ge­halten, daß, wie er glaubte, Niemand darum wußte. Sollte es ihm später daran gelegen sein, den Schmuck wieder Herstellen zu lassen, wie er gewesen war, so konnte er dies leicht thun, ohne die Zinsen, welche ihm das Kapital bis dahin ein­gebracht hatte, einzubüßen.

Damals hatte er noch nie daran gedacht, je seine Freiheit aufzugeben und ein Ehejoch über sich zu nehmen, denn er hatte Gabriele noch nicht kennen gelernt. Jetzt trug er kein Bedenken, seiner Braut den Schmuck von unechten Steinen zu schenken. Es wußte ja Niemand darum, und js weniger hier Jemand eine Täuschung vermuthen konnte, um so weniger hatte er zu befürchten, daß die Unechtheit der Steine entdeckt werden könnte.

In dieser Beziehung hatte er ganz richtig spe« kulirt, nut in einer Sache hatte er sich verrechnet. Er glaubte allein u:n das Gcheimniß zu wissen; darin täuscht- er sich. Auch sein Sekretär und Diener wußten darum. Er hatte _ ihn mit dem Schmuck zu einem Goldschmied gesandt, um sich Über den wirklichen Werth der Steine Gewißheit zu verschaffen. Weiter hatte er seinen Diener nicht