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M 187.

Freitag, den 19. August.

1887

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Auf nach Trier!

Wer regelmäßig die Katholiken-Versammlungen besucht, lernt allmählich alle Theile des deutschen Vaterlandes kennen, in denen katholisches Leben herrscht. Der stete Ortswechsel ist ausgleichende Gerechtigkeit. Dieselbe würde sich noch vollkom­mener gestalten losstn, wenn nicht die Wahl des Ortes an gewisse unabwcisliche Vorbedingungen ge­knüpft wäre, von denen die wichtigsten sind: Vor­handensein der ausreichenden Anzahl Altäre für die geistlichen Besucher und Beschaffung der nöthigen Räumlichkeiten zu den Berathungszwccken, insbe­sondere eines großen Saales für die öffentlichen Versammlungen. Namentlich der letztere Punkt bietet oft große Schwierigkeiten, welche zum Zurückgreifen auf einen der schon früher erprobten Versamm­lungsorte nöthigt. In Breslau half der große Schüßwerdersaal glänzend aus, in Münster zog man sich durch Ausnutzung eines zufällig disponib­len Cirkusgebäudes geschickt und gut aus der Lffaire, in Trier hat man zu einer neuen Fest­halle sich aufgerafft, welche bereits bei Gelegenheit eines Musikfestes ihre Probe bestanden hat. Man kann nur die Mahnung wiederholen, daß die lei­stungsfähigen Städte sich ein großes Versamm- lungs- und Festlokal anlegen möchten. Ein solches Unternehmen lohnt sich bei zahlreichen perio­dischen und außerordentlichen Gelegenheiten: cs lohnt sich besonders auch dadurch, daß es Versamm­lungen und festliche »-n,

treffenden Stadt zieht; denn alle größeren Ver­einigungen müssen ebenso, wie die Katholikentage, den geeigneten Räumlichkeiten nachgehen. Nebenbei bemerkt, sollte man die leidige Eifersucht der ver- schiedenen Stadttheile, welche so oft die Begrün- düng eirer neuen Anstalt hindert, doch mit etwas Gemeinsinn zu überwinden suchen. Könnte nicht im Nothfalle die Entscheidung durch das Loos her- beigcführt werden?

Bisher haben 33 General-Versammlungen der Katholrken Deutschlands stattgefunden. Davon fan- den 6 auf österreichischem Gebiete, 7 in Bayern, 3 in Baden, 2 in Frankfurt a. M., 3 in Mainz statt; die Süddeutschen können sich also gewiß nicht über Mangel an Berücksichtigung beklagen. Von den „preußischen" ^Versammlungen, abgesehen von

Dnch eigene Schild.

Roman aus der Handelswelt.

50. Fortsetzung.

„Sie wissen," hatte sie zu ihm gesagt, „aus welchem Grunde ich Ihre Bewerbung anfangs ab- gelehnt habe. Ich habe Ihnen ßtzt meine Einwil- ligung gegeben; wenn Sie aber wirklich Neigung zu mir haben, so erfüllen Sie meine Bitte; es ist die erste, welche ich an Sie richte: gönnen Sie mir Zeit, mich mit meinem Herzen zurecht zu fin­den. Treten Sie mir nicht näher, als Sie mir heute stehen, bleiben Sie derselbe gegen mich wie bisher, bis ich mich Ihnen von selbst nähere."

Letzingen hatte cs versprochen und mit erleich- tertem Herzen hatte Gabriele der Zukunft entgegen gesehen.

Es war am Vorabend des Verloburgstages, als Damken Gabriele aufsuchte. Die Vorbereitun­gen hatten seine Gedanken bis dahin völlig in An­spruch genommen — j-tzt waren sie vollendet, und er dachte an den folgenden Tag, der ja gleichsam die Entscheidung seines ganzen Lebensglückes war. Jetzt erst siel es ihm auf, daß auch Gabriele ihn während der fitzten Zeit gemieden hatte, erkannte den Grund, der sie dazu bewogen, nicht, und die Befürchtung stieg in ihm auf, daß sie ihr Wort zurücknehmen könne. Das durfte sie nicht, denn

der 82er Versammlung im annektirten Frankfurt, fällt die größere Hälfte auf das Rheinland; neben den rheinischen Städten sind nur Münster (zwei- mal( und Breslau (dreimal) mit der Versamm­lung beehrt worden. Die rheinischen Städte sind folgendermaßen betheiligt: Köln war nur ein­mal (1858), Aachen zweimal (1862 und 1879), Düsseldorf ebenfalls zweimal (1869 und 1883), Bonn einmal (1881) Sitz der Versammlung, und Trier wird jetzt zum zweitenmale die Katholiken aufnehmen, nachdem 1865 dort die 17. General­versammlung unter dem Vorsitze des verstorbenen Freiherrn v. Andlaw stattgefunden hat.

Es ist öfter der Wunsch ausgesprochen, daß die Versammlungen weniger in den Zentren des katholischen Lebens, sondern vielmehr dort statt­finden möchten, wo es gälte, Schwaches zu stärken, Zerstreutes zu sammeln. Der Wunsch ist berechtigt in Bezug auf den einen Zweck der Versamm­lung, die Erbauung und Belebung der Volks- schaaren aus der Umgebung. Es darf aber auch der andere Zweck der Versammlung, welcher in der alten Bezeichnung „Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands" seinen besonderen Ausdruck fand, nie außer Acht bleiben. Der Ort der Versammlung muß möglichst viel Anziehungskraft auf die über das ganze Reich zerstreuten Mitarbeiter au den katholischen Werken der Wohlthätigkeit, der Missions Unterstützung, der Kunstpflege, der sozialen Thäligkeit u. s. w. der' Jdecnaustausoh" unferWeh denen Gebieten der katholischen Thatkraft wirk­samen Männern war das erste Ziel der General­versammlungen und soll auch ein Hauptzweck bleibcn. Da man lieber zu einer alten, berühmten Heimstätte des katholischen Lebens pilgert, als in eine numerisch oder moralisch zur Diaspora ge­hörenden Stadt, so werden die bisher bevorzugten Städte auch künftig noch öfter ihren Vorrang bei der Auswahl des Versammlungsortes behaupten können.

Daß das altehrwürdige Trier, wo irch auf den Ruimn der heidnischen Römerherrschaft ein Spiegel der ganzen christlichen Zeit aufgerichtct hat, eine ganz besondere Anziehungskraft auf die deutschen Katholiken ausübt, bedarf keiner weiteren seine ganze Zukunft hatte er auf las eine „Ja" ans ihrem Munde gebaut.

Seine Ehre wäre vernichtet, sein Haus dem unrettbaren Verderben preisgegeben gewesen — nein, sie durfte nicht zuiücktretcn, sie mußte ihr Versprechen erfüllen, selbst wenn auch ihr Lebms- glück dadurch zu Grunde ging.

Der Gedanke, daß er vielleicht das Glück seines Kindes vernichte, hatte Damkcns Herz indeß nicht unberührt und gleichgiltig gelassen, und unwill­kürlich trieb es ihn, das, was er an Gabriele verschuldet, durch um so größere Freundlichkeit und Liebe wieder gut zu machen. Er wußte, daß sie ihm ein Opfer brachte, er wollte cs chc möglichst leicht machen und durch erhöhte Liebe v rgüten. .

Er traf sie im Park in einer stillen, schattigen Laube. Schweigend reichte er ihr die Hand zum Gruße und setzte sich neben sie., Ihr wehmüthiger, trauriger Blick griff ihm in's Herz hinein. ,

„Weshalb bist Du so traurrg, ©ähnelt? fragte er. „Ich habe Dich in der fitzten Zsit stlfin lachen sehen; Du bist eine Andere geworden, als Du früher warst." ,, .

Gabriele schwieg. Ihr Herz hatte wohl eine Antwort darauf, aber sie war nicht im jStanbe, sie auszuiprechen. Der Gedanke, daß sie ihren

Erörterung. Trier liegt freilich nicht mitten in Deutschland, aber da es nur 111 Kilometer, gut 2 Stunden Bahnfahrt, von Koblenz und dem Rheinstrome entfernt ist, so gehört kein allzu großer Wagcmuth zu der Reise. Die Besichtigung der schönsten Rheinpartien, welche den Verfammlungs- fahrern so nebenbei in den Schoß fällt, ist auch nicht zu verachten.

Da es keine außerordentlichen Fahrpreisermäßi­gungen gibt, so muß man sich an die „kombinir- baren Rundreisebillets" halten; deren Zusammen­stellung und Ausfertigung erfordert einige Zeit, so daß dringend anzurathen ist, sofort den Ent­schluß und die Vorbereitungen zur Reise zu trcffen. Bei der Reichhaltigkeit der Bahnverbindungen in dem Gebiete von Frankfurt und Köln kann sich jeder eine eigenartige Route nach seinen Neigun­gen zusammenstellen.

Es ließe sich leicht nachweisen, daß gerade die diesjährige Versammlung besonders großartig wer­den muß, weil die Gegner sich rüsten, um an dem Verlauf der Dinge in Trier die Zukunft der katholischen Bewegung in Deutschland unter, den neuen kirchenpolitischen Verhältnissen zu ermessen. Das wird sich der Leser, welcher der eigenthümlichen Zeitlage bewußt ist, wohl selbst näher ausführen. Sicher ist, daß die hervorragen­den Kräfte unserer kirchlichen und bürgerlichen Organisationen recht zahlreich in Trier vertreten sein werden, da die gegenwärtige Situation sie

Posten sein; sein Name ist schon so gut, wie ein ganzes verlockendes Programm.

Vor 39 Jahren, im Oktober 1848, trat die erste katholische Generalversammlung in Mainz zusammen. Wie schwierig war damals noch das Reisen, wie leicht ist es jetzt! Vor unsereren Vor- aängern, welche damals trotz aller Schwierigkeiten die großartige Idee der alljährlichen Vereinigung verwirklichten, würden wir uns schämen müssen, wenn wir die verhältn ßmäßig kleinen Opfer scheuen wollten, welche die Fortführung und die weitere Entwickelung dieses schönen und segens­reichen Unternehmens von uns fordern. Also alles, was kann — auf nach Trier! —

Vater und Lchingen täusche, ruhte in diesem Augen­blicke schwer und drückend auf ihr. Sie erschien sich erniedrigt, ihr Herz trieb sie, ihrem Vater, der sich ihr gegenüber j.tzt so mild und sorglos zeigte, Alles zu gestehen und ihn um Verzeihung zu bitten — aber es war zu spät, die Ver­hältnisse selbst trieben sie mit unbezwinglicher Gewalt dazu, ihr einmal gegebenes Wort zu erfüllen.

„Weshalb bist Du so traurig?" wiederholte Damken fragend. „Wird es Dir so schwer, Deinem Vater ein geringes Opfer zu bringt n? Gilt es T»r gleich, ob Du ihn errettest, oder dem Verderben preisgiebst? Bedenke, daß auch Dein Geschick an das meinige g. knüpft ist."

„Du weißt, Vater," erwiderte Gabriele, „daß ich Dir gern mein Leben zum Opfer gebracht haben würde, wenn cs mir möglich gewesen wäre, Dein Glück dadurch zu erlaufen und zu erhalten. Du hast noch mehr von mir verlangt, ich habe darein gewilligt, mehr zu thun bin ich nicht im Stande. Ich" habe nicht Kraft und Leichtsinn genug, um das mit Freuden zu thun, was mir außerordentlich schwer wird, wogegtn mein Herz und mein küssens Gefühl sich sträubt."

„Und wirst Du morgen an Deinem VerlobungS- tage auch nicht heiter g>stimmt fein?" fragte Damken weiter.