M 186.
Donnerstag, den 18. August.
1887
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beachten, daß dieser neueste Versuch, dem Groß' grundbesitz besonderen Vortheil zuzuwenden, zu' sammenfällt mit den Vorbereitungen zur Erhöhung der Getreidezölle, welche ebenfalls ein Interesse des Großgrundbesitzes verfolgt. Man soll freilich das Eisen schmieden, wenn es warm ist; aber man darf doch nicht so stürmisch mit allen Hämmern zugleich schlagen, daß der Ambos in Gefahr kommt. Nicht allein in politischen, sondern auch in den wirthschaftlichen Jntereffenkämpfen läßt sich die Er- fahrung machen, daß der schlimmste Feind nicht die Kraft der Gegenseite, sondern der Mangel an Mäßigung und Besonnenheit auf der eigenen Seite ist.
Letzingen erkannte Damkens Plan nicht. Er hatte keine Ahnung, daß er getäuscht wurde und selbst täuschte, er hatte deshalb auch keine Ur- fache, den Handelsherrn aufmerksam und scharf zu beobachten. Er erkannte wohl, daß er sehr erfreut war, doch glaubte er hierin nur die Freude, seinen bürgerlichen Namen mit einem adeligen verbinden zu können, zu erblicken.
Als Damken endlich heimkehrte, war er voller Pläne für die Zukunft und für die Verlobungsfeier. Diese wollte er möglichst glänzend und prachtvoll begehen. Er sollte viel davon gesprochen werden, und durch sie sollte der Glanz von dem außerordentlichen Reichthum des Hauses Damken noch weiter verbreitet werden. Ec hielt dies durchaus für nolhwendig, und in dieser Beziehung hatte er recht. Es würde ausgefallen sein, wenn er, dessen Verschwendung und Prunksucht bekannt war, die Verlobung seines einzigen Kindes still und einfach gefeiert hätte.
Zugleich hatte er aber auch noch die Absicht, Letzingen durch den Glanz dieser Festlichkeiten zu blenden. Auch hierin irrte er nicht, denn je mehr er verbrauchte, auf einen um so größeren Kredit konnte er rechnen. Auch dies wußte er. Seinen Fähigkeiten nach hätte Damken einen ausgezeichneten Kaufmann nach neuerem Zuschnitt ab-
* Ein Privatmonopol der Spiritusbrenner
steht jetzt in Sicht. Die starke Preissteigerung in Spiritus, welche neuerdings an der Börse herrschte, erklärt sich jetzt; die starke Nachfrage ging von denen aus, welche von dem neuen Projekt wußten. Mit 30 Millionen Kapital soll eine Spiritusmonopolbank gegründet werden, welche das Produkt sämmtlicher kontingentirter Brennereien über- nehmen will. Das für den inländischen Ver- brauch bestimmte Quantum wird zu einem festen Preise übernommen: 50 Mark für das Hektoliter, für denjenigen Theil, welcher die volle Steuer von 70 Mark tragen muß, 70 Mark für denjenigen Theil, welcher bloß mit der niederen Steuer von 50 M. belastet ist. Die Bank zahlt also die Konsumsteuer für den Produzenten, sodaß ihr jedes Hektoliter auf 120 Mark zu stehen kommt. Die Reinigung des Rohspiritus übernimmt die Bank, nicht in eigener Regie, sondern mittelst Verträge mit den Raffineuren. Den für das Ausland bestimmten Spiritus übernimmt die Bank ebenfalls zur Aufbewahrung, zum Transport, jedoch nicht für einen bestimmten Preis, sondern aus Rechnung der Produzenten in Kommission. Der erste Erfolg dieser Konzentration des Spiritusgeschäfts ist die Sicherung des vollen Vortheils ber ©teuer» differenz von 20 Mark für die kontingentirten Brennereien, was ja den Intentionen des Gesetzes entspricht. Die zweite Folge ist die Lahmlegung des gegenwärtigen Großhandels in Spiritus, wa» un» zunächst nichts angeht. Der Pferdefuß aber steckt in der dritten Folge, daß die Spiritusbank wenn sie wirklich, wie es heißt, 9/10 der Produktion sich gesichert hat, den Preis für den inländischen Gebrauchsbranntwein eigenmächtig feststellen. Es ist das Privatmonopol, welches bereits bei Gelegenheit der letzten Reichsmonopolvorlage in Anträgen von beteiligter Seite auftauchte und damals im Reichstage entschiedene Ablehnung sand. Preirkoalition gab und gibt es auf manchen Gebieten; so lange sie bloß mit privaten Hilfsmitteln arbeiten, muß man sie ertragen. Aber diese Ver- einigung zur Erhöhung des Spirituspreises nutzt gesetzliche Einrichtungen in einer Weise au?, welche der Gesetzgeber nicht gewollt hat. Das Branntweinsteuergesetz bietet den bestehenden Bren-
Dnch cigkiik Schild.
Roman aus der Handelswelt.
49. Fortsetzung.
„Ich füge mich allen Ihren Wünschen, lieber Freund, wenn ich diesen Ausdruck noch gebrauchen darf", erwiderte Letzingen.
,,Natürlich, natürlich," rief Damken lebhaft. „Gerade weil Sie mein Schwiegersohn werden, hoffe ich, werden wir um so bessere und treuere Freunde sein."
Noch eine geraume Zeit schritten Beide in dem Garten auf und ab und waren bemüht, sich einander durch Freundlichkeit und Zuvorkommenheit zu gewinnen, zugleich aber die Absichten, welche sie im Hintergründe hatten, zu verbergen. Es war gleichsam ein Wettkampf zwischen der ruhigen Ueberlegung Letzingen» und der feinen Schlauheit Damken».
Damken trug endlich den Sieg davon. Er durchschaute Letzingen durchaus und wußte, daß er es auf sein Vermögen abgesehen hatte. Kein Zug, selbst nicht das geringste Lächeln der Freude Atzing seinem scharf beobachtenden Auge und Auerlich jube'te er, daß e« ihm gelungen war, Vi zu täuschen und zu betrügen.
nereien große Vortheile, welche Manche für zu groß hielten. Das Gesetz wollte durch Hemmung der wilden Konkurrenz die Erhaltung einer leidlichen Preislage unterstützen, aber es wollte nicht den bestehenden Brennereien die Mittel zu einer willkürlichen Preisfestsetzung zur Ausbeutung des Publikums geben. Die Veranstalter der Monopolbank haben selbst gefühlt, daß sie über die von der Gesetzgebung gewollte Grenze hinausgehen; darum haben sie sich entschloffen, der Regierung „eine dauernde Einflußnahme auf die Verwaltung", also insbesondere auf die Fest- setzung des Verkaufspreises einzuräumen. Wir sind nicht entzückt von einer solchen neuen Vollmacht der Regierung auf dem wirthschaftlichen Gebiete. Und zwar um so weniger, als die Monopolisten für diese Artigkeit sofort eine sehr be< d e nkliche Gegenleistung verlangen, nämlich die Mitwirkung der Regierung zur Realisirung des Projekts, „j. B. durch die königliche See- handlungs-Societät". Die Unternehmer sprechen die Hoffnung aus, daß die großen Vortheile den Beitritt sämmtlicher Brennereibesitzer herbeiführen würden, „besonders, wenn durch Betheiligung der königlichen Seehandlung dem Vorurtheil agrarischer Kreise gegenüber dem sog. Kapitalismus die Spitze abgebrochen wird". Es wird also die Regierung die Rolle als Treiber bei diefer kapitalistffch-agrarischen Jagd zugemuthetl Wird die Regierung sich darauf eintaffen ? Zweifellos würde sich eine starke Reaktion im Lande dagegen erheben. Allzu scharf macht schartig! Da» Brannt- weinsteuergesetz ist ein Experiment, welches zwar diesmal eine beträchtliche Mehrheit gefunden hat, aber doch keineswegs die Garantie ewiger Dauer hat. Wenn die fchnapsbrennenden Großgrundbesitzer im Verein mit dem Kapital gar zu viel faf- sen wollen und die kritischen Punkte dieser Gesetzgebung in ein gar zu grelles Licht rücken, dann wird bald ein zugkräftiger Ruf nach Abschaffung einer zu solchen Mißbräuchen führenden Gesetzgebung sich erheben. Wollen die Spiritusproduzenten sich durchaus genosienschafllich betätigen, so mögen sie den Export centralisiren; dagegen wird kein deutscher Wähler etwas einzuwenden haben. Aber eine monopolistische Preistreiberei im Znlande ist nicht I erträglich; dem gegenüber wäre ja das Reichs- Monopol ein kleineres Uebel. Es ist ferner zu
Deutsches Reich.
Berlin, 17. August.
* Ein Berliner Lokalblatt schreibt: Gerüchtweise verlautete heute Nachmittag, General-Feldmarschall Moltke sei plötzlich verstorben. Auf unsere Anfrage bei dem „Wolff'schen Telegraphen- | Bureau" wurde uns die Mittheilung, daß auch | dorthin das Gerücht gedrungen und bereit» an den Generalstab Anfrage gerichtet worden sei. Hoffen wir, daß da» Gerücht sich nicht bestätigt.
* Die Deutsche Landwirthschaf ts-Gefell» schäft hat bekannt gemacht, daß sie in den Tagen vom 7. bis 11. Juni 1888 in Breslau eine allgemeine landwirlhschaftliche Ausstellung veran- | statten wird. Die Gesellschaft wird also ihrem I Programm, alljährlich eine solche Ausstellung ab- ! zuhalten, gemäß, auf die Frankfurter Ausstellung i von 1887 eine Breslauer Ausstellung von 1888 I folgen lasten. Die Erfolge, welche die Gesellschaft mit der Frankfurter Schau errungen hat, erleichtern derselben das Festhalten des Planes jährlicher Ausstellungen. Die junge Gesellschaft hat in Frankfurt nicht nur gezeigt, daß sie in der Lage ist, eine Schau zu organisiren, sondern | die landwirlhschaftliche Bevölkerung hat auch das Unternehmen aufs freudigste begrüßt. Man hat erkannt, daß planmäßige Ausstellungen wohl ein Mittel sind, in dieser schweren Zeit da» land- wirthschaftliche Gewerbe zu heben und zu fördern.
I Für die süddeutsche Rindviehzucht war die Frankfurter Schau geradezu epochemachend, weniger
I bedeutsam war sie für die Pferde- und Merino- gegeben, es fehlte ihm indeß jede Lust und jeder Ernst dazu.
Die Villa und der Park des Handelsherrn wurden nun der Schauplatz der großartigsten und prachtvollsten Vorbereitungen zum Verlobungsfeste Gabrielens. Damken entwarf selbst alle Pläne dazu und leitete mit rastlosem Eifer deren Ausführung. Und das Verdienst mußte ihm ein Jeder lassen, daß er in dieser Beziehung einen feinen Geschmack und feine Anlagen, Alles leicht und gefällig zu arrangiren besaß.
„Ich will," sagte er, „hier ein kleines Feenreich schaffen," und er that es. Die großen Ge» wächshäufer mußten all' ihren Reichthum an Orangenbäumen, Myrthen, Palmen und Blumen hergeben, um die Villa und den schönsten Theil des Parkes, den, der sie umgab, gleichsam in ein südliches Land zu verwandeln. Zahlreiche Lauben- gänge und Baumgruppen wurden von Orangenbäumen und Palmen gebildet, und exotische Blumen dufteten und glänzten ringsum.
Die größte Pracht hatte Damken für den Abend berechnet, weil ihm dann mehr künstlerische Mittel zu Gebote standen, einen zauberischen Effekt hervor- zurusen. Die Villa und der Park sollten in glänzender Weise erleuchtet werden. Das schattige Grün der Bäume und Gebüsche ließ sich durch