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Jß. 185.

Mittwoch, den 17. August.

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1887

___________—--------—---------------------- ~ Ri-rt?ttäbrli-ber Nbonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., Die «Fuldaer Zeitung' erscheint t äg lr -- ' Sonn- und Fer^tage ausgenommen^ B ^ i h 9 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. August.

• Die Kaiserin ist heute Abend in Potsdam eingetroffen und hat sich sofort nach Schloß Babelsberg begeben, woselbst sie gemeinsam mit dem Kaiser für die nächste Zeit verbleiben wirb.

» Die ,Nordd. Allg. Ztg/ bringt heute folgende hochossiziöse Auslastung über den Stand der bnl- aa risch en Angelegenheit: „Nach den aus Tirnowa hier eingegangenen telegraphischen Nachrichten hat der Prinz Ferdinand von Koburg am 14. d. M. den Eid auf die Verfastung geleistet und demnächst eine Proklamation an das bulgarische Volk er. lasten in der er sich „Von Gottes Gnaden" nennt, zu seinem „freien Volke" spricht und anzeigt, daß er „den Thron der hochherühmten bulgarischen Zaren" bestiegen habe. Die Proklamation schließt mit den Worten: „Es lebe das freie und unab- hängige Bulgarien!" Der Mächte und des Sm- tans geschieht in jener Kundgebung keine Erwäh­nung, und der ganze Zusammenhang derselben er- weckt den Anschein, als ob ihr die Bedeutung einer Unabhängigkeitserklärung Bulgariens berge- mesten werden solle. Es unterliegt keinem Zweifel, daß schon die Reise des Prinzen Ferdinand von Koburg nach Bulgarien und die Uebernahme der Regierung durch ihn eine Verletzung des Art. 3 des Berliner Vertrages involvirte, wonach die Wahl des Fürsten erst nach erfolgter Bestätigung des- selben seitens der Pforte und der Mächte perfekt wird. -Sollten obige telegraphische Nachrichten sich in ihrem ganzen Umfange bestätigen, so würde damit ein verstärkter Bruch des bestehenden Ver- tragsrechts konstatirt sein, den die deutsche Politik nicht gutheißen könnte. Die Thatsache, daß dies der dritte Sommer ist, in dem rechtswidrige Vor­gänge in Bulgarien die Ruhe und die Friedens- aussichten, deren Befestigung allen Großmächten am Herzen liegt, in Frage stellen, kann dem bub garischen Volke und seinen Führern die Sympa- thieen der Mächte, welche für die Erhaltung des Friedens thätig sind, unmöglich erwerben." Dieser Artikel, so bemerkt dazu die .Fekf.Ztg.', verdient, abgesehen davon, daß damit die Haltung der beut» scheu Politik in der bulgarischen Frage autori­tativ kundgegeben wird, auch Beachtung wegen des Schlußpassus, in welchem es he ßt, daß die

Durch eizcue Schuld.

Roman aus der Handetswelt.

48. Fortsetzung.

„Herr von Li tzingen läßt sich bei mir nicht mehr blicken," rief Damken, „deshalb muß ich ihn auf­suchen. Ich hoffe nicht ungelegen zu kommen, sonst . .

„Keine Komplimente, Herr Damken," unterbrach ihn L-tzingen, indem er ihm die Hand zum Gruß entgegenstreckte, „Sie wissen recht gut, wie will» kommen sie jederzeit hier sind."

Ich bin davon überzeugt," erwiederte Damken. Er"legte seine Hand in den Arm des Gutsbesitzers und zog ihn mit sich fort. „Wenn cs Ihnen recht ist, machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch Ihren Garten."

„Wie Sie wünschen, ganz wie Sie befehlen," rief L tzingen. „Ich befürchte nur, daß Sie durch Ihren herrlichen Park zu sehr verwöhnt sind, um an meinem geringen Garten Vergnügen zu finden. Hier ist überall die praktische Seite vertreten. Ich will aus meinem Garten auch Nutzen zi-hen."

„Halten Sie mich für so verwöhnt, daß ich an dem Praktischen kein Vergnügen mehr finde?" fragte Damken lächelnd. „Es würde Ihnen freilich schwer

Ruhe und die Friedensaussichten allen Großmächten am Herzen liegen. Man sollte meinen, daß damit die chauvrmstrschen Hetze­reien und Kriegsartikel gewisser gouvernemcntaler und konservativen Organe ihrer Unterlage beraubt würden, die doch in der Annahme besteht, daß mindestens Rußland und Frankreich unausgefitzt auf den Moment lauerten, über uns herzufallen.

• Der Verein deutscher Spritfabrikanten (Rcctificateurc) trat heute im Centralhotel zu einer Sitzung zusammen behufs Stellungnahme zum Projekt der Gründung einer Gesellschaft für Spiritusverwerthung. Die Verhandlungen wur­den vertraulich geführt. Es werden noch weitere Vorbesprechungen stattfinden, von deren Ergebmß die Anberaumung einer öffentlichen Versammlung abhängig gemacht werden soll. .

* Das angebliche Attentat auf das Schloß Osborne auf der Insel Wight scheint sich in nichts aufzulösen. Die für Dynamit gehaltene Musse, welche bei der in ConveS verhafteten Französin aufgefunden worden war, hat sich bei der amtlichen Untersuchung als ein unschädlicher Stoff herausgestellt. ,

* Trier, 14. Ang. Die Zahl der Theil- nehmer an der Katholiken-Versammlung wird überaus groß sein. Da nun dieselben fast alle zu derselben Zeit in Trier anlangen und alle gleichzeitig mit Mitgliederkal te n und Wohnungs­anweisungen versehen werden muffen, so wird diese Arbeit nicht leicht bewältigt werden können. Darum empfiehlt es sich dringend, daß doch Alle, welche an der Versammlung Theil nehmen wollen, vorher durch Einsendung des Mitglieder-Beitrages sich anmelden und sich eine Wohnung im Voraus angeben lasten. Es ist das auch schon darum zu empfehlen, damit rechtzeitig die nöthige Anzahl der Wohnungen beschafft werden kann. Es ist ja auch für jeden Teilnehmer der Ver- sammlung sehr angenehm, schon bei der Abfahrt zu w sten, wo er in Trier absteigen wird. Da­rum rathen wir dringend, daß doch jeder Theil­nehmer sich schleunigst unter Einsendung des Bei­trags (7 M. 75 Pf. für Karte, Bestellgeld und Rückporto) und mit der Bitte um Angabe einer Wohnung anmeld-.

* Münster, 14. Aug. Den Franziskanern ist nunmehr auch die Wiedereröffnung des Klosteis werden, in der Anlage meines Parkes eine prak­tische Seite herauszofinden, das will ich offen ein- gestehen, zugleich kann ich aber nicht leugnen, daß, wenn ich ihn heute anzulegen hätte, ich der prak­tischen Seite einen großen Theil eingeräumt haben würde. In Allem, was ausschließlich zum Ver- gnügen bestimmt ist, liegt etwas Langweiliges, wenn man es täglich und immer hat. Die schönste Blumen- und Baumgruppe wird zuletzt völlig gleichgilüg und man bemerkt das Schöne daran endlich gar nicht mehr. Ein ganz anderes Inter- esse nimmt man an einem Kornfelde oder Gemüse­garten; beides wird jährlich erneut, bringt jährlich Nutzen und f fielt schon dadurch das Interne."

,Da sprechen Sie ganz meine Ansicht aus!" rief' L tzingen lebhaft. „Nur des Nützliche ist in- tereflant. Ich bin sogar in meinen Ansichten über Schönheit sehr realistisch und materiell. Ich finde nur das wirklich schön, was auch zugleich nützlich ist, und zwar speziell für mich, denn sonst vermag es mir auch kein Interesse abzugewinnen. Ha, ha, Herr Damken, das ist eine ganz neue Schönheits­lehre, nicht wahr? Aber sie ist praktisch und des- halb interessant!"

Damken hatte das Gespräch selbst auf diesen Gegenstand geleitet. Er mochte es jedoch nicht noch weiter ausdehnen, da es bereits ansing, ihn

W a r e n d o r f, ihres größten im Bisthum Münster' gestattet worden und zwar, wie es in dem mini­steriellen Erlasse heißt, ausschließlich zum Zwecke der Aushilfe in der Seelsorge. Die Rückkehr der Mönche wird erfolgen, sobald die erforderlichen Reparaturen der Gebäulichkeiten beendet sind, jeden­falls noch im Laufe des nächsten Monats.

* Hildesheim, 14. Aug. Am 12. d. starb plötzlich Herr Domvikar Laufköther, Professor und Dr. theol., am Herzschlag. Auf eine De- nunciation hin wurde er 1870 verhaftet und nach Hannover überführt, aber bald darauf, nachdem die Jntrigne enthüllt war, vom Gen.ral Vogel v. Falkenstein ehrenvoll entlassen. Trotzdem hatte der biedere Herr, dem nichts ferner lag als poli­tische Agitation, diese Affaire sich sehr zu Herzen genommen. „ m

* Beuron, 14. Aug. Die ministerielle Ge­nehmigung zur Wiederbeziehung des Bene- diktiner-KlosterS Beuron ist gestern dem Erzabte Dr. Maurus Wolt r durch die k. Re­gierung zu Sigmaringen zngcstellt worden. Das Dokument enthält nichts von einer Beschränkung der Mitgliederzahl. Die Benediktiner werden im Laufe der Woche in Beuron eintreffen und Sams­tag, den 20. d, mit der Pontifikal-Vesper den Gottesdienst in der Abteikirche eröffnen.

Ausland.

• Prinz Ferdinand von Koburg erließ an die bulgarische Sobranje nachstehende Proklamation:

„Wir Ferdinand I., durch Gottes Gnade und den Willen der Nation Fürst von Bulgarien, erklären, nach­dem wir den feierlichen Eid vor der großen Nationalver­sammlung in der alten Hauptstadt Bulgariens geleistet haben, unserem geliebten Volke, daß wir die Zügel der Regierung in die Hand nehmen und dieselbe gemäß der Verfassung führen werden. Entschlossen, alle Bemühungen für das Gedeihen, die Größe und den Ruhm des Landes aufzuwenden und bereit, seinem Glück unser Leben zu weihen, halten wir es in dem Augenblicke, wo wir den Thron der glorreichen Könige Bulgariens besteigen, für unsere geheiligte Pflicht, dem braven und muthvollen Volke Bulgariens unfern Dank auszusprechen, sowohl für das Vertrauen, welches es uns bezeugte, indem es uns zum Fürsten wählte, als auch für die patriotische und weise Haltung während der schwierigen Zeit, die das Land durchzumachen hatte. Die heroischen Bemühungen, welche das Volk gemacht hat, um seine Rechte, seine Ehre und seine Interessen zu wahren, haben ihm die Sympa­thien der gesammten civilisirten Welt verschafft und Allen den Glauben an seine Lebenskraft sowie die Gew tz-

zu langweilen und ihn dem Zwecke seines Besuchs nicht näherte. r , ,,

„Seit mehreren Tagen", sprach er, „habe ich Sie jeden Tag bei mir erwartet. Ich habe Ihnen etwas mitzutheilen, was ich Ihnen am liebsten in meinem Hause gesagt hätte; — nun ich glaube, Sie werden es auch hier nicht ungern hören: Gabriele hat sich endlich entschlossen, ihre thörichte Leidenschaft zu vergessen und Ihren ehrenden An- trag anzunehmen." ,

„Gabriele hat ihre Zustimmung gegeben? tief Lützingen freudig überrascht, und er trug biefe Freude offener zur Schau, als in feiner Absicht laa. „Und das haben Sie mir so lange verschwor- gen können?" fügte er hinzu, indem er feine Hand ergriff und schüttelte. „Ha, hätte ich das ahnen können, ich wäre in derselben Stunde, tn welcher Gabriele das Jawort gegeben, zu Ihnen gekommen.

„Sie erfahren es noch nicht zu spät, mein lieber Freund," erwiderte Damken lächelnd. „Sie dürfen nicht hoffen, baß Sie jetzt schon oicht am Ziele Ihrer Wünsche stehen, benn Gabriele hat sich nur unter einer Bedingung entschlossen, ^hnen anzugehören, nämlich unter der, daß Sie ihr noch ein Jahr gönnen, ehe sie Ihnen zum AÜar folgt.

Diese Worte schienen für den GutLbefitze^. weniger erfreulich zu fein, er beruhigte sich inb°^