Dienstag, den 16. August.
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1887
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Krirf Sr. tzrUlgKejt Papst Leo XIII. au den Pischof von Lüttich, betreffend
den zweiten christlich.sozialen Kongreß. An Unseren ehrwürdigen Bruder
Viktor Joseph, Bischof von Lüttich.
Leo XIII., Papst.
Ehrwürdiger Bruder, Gruß u. Apostolischen Segen!
Der Brief, den Du so aufmerksam warst, Uns in den letzten Tagen des Monats Mai zu senden, hat Uns einen neuen Beweis von dem so bemer« kenswerthen Eifer gegeben, der Dich für das allgemeine Wohl beseelt. Er hat Uns belehrt, daß Du den Entschluß gefaßt, im Verein mit hervor- ragenden Katholiken Belgiens und des Auslandes im Monat September in Lüttich einen zweiten Kongreß zu versammeln, gleich dem des letzten Jahres, um die Fragen zu studiren, die sich auf die Lage und Bedürfniffe der Gesellschaft beziehen.
Da die im ersten Kongresie erzielten Resultate die Lobsprüche klarblickender Leute sich erworben haben, und da noch eine große Anzahl wichtiger Fragen dieser Art zu behandeln bleibt, so billigen Wir laut Eueren Entschluß, versichern Euch Unseres Wohlwollens und begleiten Euere Arbeiten mit Unseren Wünschen.
Wir begreifen übrigens, daß die auf der Ta« gesordnung dieser Versammlungen stehenden Fragen nicht allein würdig sind, die Fähigkeiten ernster und weiser Männer in Anspruch zu nehmen, son« bern auch, daß sie ganz besonders die Aufmerksamkeit und den Eifer der Katholiken wecken muffen, da die christliche Liebe sie drängt, nach Maßgabe ihrer Kräfte am gemeinsamen Wohle zu arbeiten und in erster Linie jener Klasse von Menschen Hilfe und Erleichterung zu bringen, die in den Anstrengungen der täglichen Arbeit ein armes Dasein führen.
Das ist in Wirklichkeit der Zweck, der anzu- streben ist: zunächst ausfindig zu machen, welches die geeignetsten Mittel sind — unter Berücksichti- gung der lokalen Verhältniffe — die auf die Arbeiter drückenden Uebel zu mindern und die Gefahren zu beseitigen, welche ihre Zahl und das Elend ihrer Sage für die Regierungen und die Sicherheit der Bürger schaffen; sodann — damit diese Untersuchungen nicht resultatlos bleiben — entschlossen und thätig die Mittel anzuwenden, die
Dmch tigtnt Schuld.
Roman aus der Handelswelt.
47. Fortsetzung.
„Ich glaube wahrhaftig, er ist verliebt," fuhr er fort. „Dann fängt die Sache an, ernstlich zu werden. Ist in solch' einen alten Junggesellen erst einmal die Liebe hineingefahren, so gibt er eine possirliche Figur ab, die keinen Spaß mehr versteht, weil sie Anderen genug macht. Es soll also wirklich eine Herrin und Frau von Lctzingen hier geben! Dann Adieu ihr schönen Tage mit dem Nebenverdienst! Der Diener und Sekretär darf wohl bleiben, aber der Vertraute wird adgeschafft. Da muß die Frau dessen Stelle einnehmen, und zwar ohne Gratifikation. Das ist wohlfeiler und Herr von Letzingen hat einen verteufelt praktischen Sinn. Ehe es indessen dahin kommt, will ich meine Stellung würdig vertreten und nach besten Kräften ausbeuten. Und zwar j tzt sogleich. Betrunkene und Verliebte können schlecht zählen, beide geben zuweilen mehr, als ihnen nachher lieb ist."
„Verliebt ist der gnädige Herr bis über die Vatermörder hinaus," 'fuhr K'rl in seinem Selbstgespräche fort. „Halt, dort kommt er zurück. Mein Glücksstern führt ihn mir entgegen und ich will
man als die geeignetsten gegen dieses doppelte Uebel erkannt hat.
Diese Gegenmittel können aber nur von denen gründlich erkannt und gleichzeitig mit Liebe und Eifer angewendet werden, welche die souveräne Bedeutung der Hülfsmittel zu schätzen wissen, welche die christliche Religion bietet, nur von denen, die sich an ihrem himmlischen Lichte erleuchten und mit ihrer göttlichen Kraft ausrüsten.
Indem Wir nicht zweifeln, daß Ihr von diesen Gefühlen durchdrungen seid, haben Wir die feste Hoffnung, daß Euere Berathungen und Euere Arbeiten heilsame und überreiche Früchte tragen werden. Fahret also mit Muth und Vertrauen in dem von Euch unternommenen Werke fort. Möge der Geist des Herrn Eueren Versammlungen prä- sidiren, möge er Eueren Verstand mit den Strahlen seiner Weisheit erleuchten und Euer Aller Willen in einer heiligen Uebereinstimmung vereinen!
Als Unterpfand dieser göttlichen Gnaden empfanget den Apostol. Segen, den Wir mit aller Liebe Unseres Herzens Euch gewähren, Dir, ehrwürdiger Bruder, sowie allen Unseren theueren Söhnen, welche Theil an den Arbeiten des nächsten Kon- grefles nehmen werden.
Gegeben zu Rom bei St. Peter, den 30. Juli 1887, im 10. Jahre Unseres Pontifikates.
Deutsches Reich.
Berlin, 15. August.
* Die Kaiserin ist heute früh von Homburg v. d. H. nach Eis enach abgereist. Die hohe Frau erhielt gestern Abend noch den Besuch des Prinzen von Wales, welcher zur Kur in Homburg eingetroffen ist.
* Bei Besprechung der abenteuerlichen Kron- fahrt des Prinzen Ferdinand von Koburg macht dis ,Rat.-Ztg.' auf ein bisher nicht betontes Moment anfmersam. „Auch fein katholisches Be- kenntniß", so schreibt das kulturkämpferische Organ, „macht den Prinzen angesichts der thäti- gen katholischen Propaganda im Donaugebiete der orthodoxen Geistlichkeit ungleich verdächtiger, als dies ein protestantischer Fürst sein könnte." Diese Bemerkung illustrirt die Findigkeit des Katholiken- haffes der ,Nat.-Ztq.' In der That werden die russischen und ruffenfreundlichen Demagogen sich wohl nicht scheuen, das orthodoxe Volk gegen den mich ihm in den Weg pflanzen, daß mich ein Blinder ohne Brille s.hen muß."
Er stellte sich in der That mitten auf den Weg, so daß es eine Unmöglichkeit war, daß Letzingen an ihm vorüberschreiten konnte, ohne ihn zu bemerken. Erstaunt blickte der Gutsbesitzer ihn an, als ob er sich ihm genähert hatte.
„Willst Du etwas von mir, Karl?" fragte der Gutsbesitzer.
Der Gefragte verzog das Gesicht zu einem schlauen Lächeln.
„Das kommt ganz auf Sie an," erwiederte er. „Ich habe nur eine Nachricht, die Ihnen vielleicht nicht gleichgültig ist und Ihnen nützen kann."
„Nun?" fragte Lutzingen.
„Auf der Villa dort drüben ist etwas vorgefallen," fuhr der Diener fort, fügte aber weiter nichts hinzu, da er an diesem Tage Lust zu haben schien, sich Alles abfragen zu lassen.
„Sprich, was ist es?" fragte Letzingen weiter.
„Herr Damken Hal sich mehrere Tage lang auf feinem Zimmer eingefdjloffen, hat keinen Besuch angenommen und N emand zu sich gelaffen."
„Und weshalb nicht?" drängte Letzingen weiter. Der Diener zuckle mit den Achseln.
katholischen Fürsten aufzuhetzen. Die „thätille katholische Propaganda", d. h. die mühseligen Bestrebungen zur Rettung der Reste katholischen Lebens, werden sich freilich auf die Unterstützung des Prinzen Ferdinand nicht verlaffen. Er hat vorläufig mit sich selbst mehr als genug zu thun. Ueberbies muß jeder vourtheilsfreie Deutsche nichts dringender wünschen, als daß alle Südslaven katholisch wären; denn darin läge die beste Sicherheit für die Fortdauer des Widerstandes für Rußland. Auch die,Nat.-Ztg.' gesteht ja indirekt ein, daß dem Protestantismus eine solche Kraft zur Einwirkung auf das öffentliche Leben nicht innewohnt.
* Ein gestern hier eingetroffenes Telegramm meldet, daß am Sonnabend in Cowes auf der Insel Wight eine Französin verhaftet wurde, die in dem Verdachte steht, daß sie beabsichtigt habe, das Restdenzschloß der Königin Viktoria Osborne in die Luft zu sprengen. Die Verhaftete war von Havre aus nach England gekommen, nennt sich Dupuint und will eine Putzmacherin fein. Das Schloß Osborne wird augenblicklich von der deutschen Kronprinzessin nebst Prinzessinnen Töchtern bewohnt.
* Ein Konsortium unter Führung der Deutschen Bank beabsichtigt die Gründung einer Spiritus- Monopol-Bank mit 30 Millionen Mark Kapital, welche die gefammte Spiritus-Produktion den Brennern abkaufen will, und zwar den inländischen Konsum-Spiritus für 120 M., während die Export-Waare in Kommission genommen wird. Eine bedeutende Anzahl Brennerei-Besitzer haben dem Projekt zugestimmt, für welches die Unterstützung durch die Seehandlung in Aussicht genommen ist.
* Die Genehmigung zu den Niederlaffungen der Franziskaner ist nunmehr auch für die früheren Klöster auf dem St. Apollinarisberge bei Remagen, auf dem St. Annaberge und zu Neustadt in Ober- fchlesien eingetroffen.
* Am 12. d. M. hatteExcellenz Windthorst seine vierwöchentliche Kur in Ems beendet. Wie man der ,Kobl. Vztg.' meldet, hat die Kur unserem allverehrten Führer sehr wohl bekommen. Einer der ersten Emser Aerzte konnte Dr. Windthorst die Versicherung geben, daß, wenn auch bei ihm — wie es bei einem 76jährigen begreiflich — zuweilen das Alter sich melde, doch feine
„Das weiß ich nicht. Ich meine indessen, daß er es nicht ohne Grund gethan haben wird, denn Herr Damken scheint wenig Anlage und Neigung zum Einsiedler zu haben."
„Natürlich hat er es nicht ohne Grund gethan, rief Letzingen unwillig. „Was soll mir dies aber nützen, wenn ich diesen Grund nicht kenne?"
„Es ist meine Schuld nicht, daß Herr Damken mit seinen Angelegenheiten so geheimnißvoll ist," entgegnete der Diener ziemlich dreist. „Ich glaube indeflen, es ließe sich manche Vermuthung daran knüpfen und darauf bauen,' und ich will mich schlecht auf Vermuthungen verstehen, wenn ich richt das Richtige getroffen habe."
„Sprich 1" rief bet Gutsbesitzer ungebulbig und unwillig. „Ich habe nicht Lust, Dich wie ein Schulknabe auszufragen. Deine Zunge spricht bei anderen Gelegenheiten mehr, als sie verantworten kann und als Dein Kopf weiß: weshalbst bist Du heute so schweigsam?"
„Ich wollte mich bemühen, jene Untugend ab- zulegen," erwiederte der Gefragte lächelnd. — „Ehe Herr Damken sich eingeschloffen, hat er mit Fräulein Gabriele eine längere Unterredung auf seinem Zimmer gehabt, und da denke ich ich weiß es wirklich nicht — daß es sich um Ihre