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M 183.

Sonnabend, den 13. August.

1887

Fuldaer W 3titimg.

Die «Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenieilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Erstes Blatt.

Bit- Wegen des Festes „Mariä Himmelfahrt" wird die nächste Nummer ds. Bl. erst am Dienstag erscheinen.

Anzeigepfiicht und Einspruchsrecht.

(Schluß.)

Aus dem im I. Theil dieses Artikels Gesagten geht nun von selbst die Vorbedingung hervor, welche eintreffen muß, wenn das Gesetz des Ein­spruchsrechtes seinen Giftzahn nicht tief in's Fleisch der Kirche einsetzen soll. Sie ist: jede auf die Ausübung politischer Rechte sich stützende Einsprache dürfte, weil sie den offen ausge­sprochenen Intentionen des h. Vaters und dem Uebereinkommen unserer Bischöfe widerspricht und die staatsbürgerlichen Rechte des Klerus willkürlich beschränkt, nie als zu Recht bestehend anerkannt werden. Und wenn die Regierung auf ihrem Ein­spruch bestehen und aus dem angeführten Grunde eine» Priester zu einer Stelle nicht zulaffen wollte, für welche ihn seine geistliche Behörde als geeignet erachtet, so wäre von einer definitiven Be- setzung Abstand zu nehmen. Dies Ver­fahren verstößt auch nicht gegen das neue Gesetz, da dasselbe die provisorisä e Uebertragung eines Kirchen-Amtes auf unbestimmte Zeit zuläßt. Wir glauben sicher, daß ein solches Verfahren von dem ganzen Klerus mit Freuden begrüßt werden und das ganze Volk für sich haben würde, und dann allerdings wäre nicht daran zu zweifeln, daß alle Priester wie Ein Mann fest und geschlossen zu­sammenständen und der so gefährlichen Waffe, welche die Anzeigepflicht dem Staate gegen die Kirche in die Hände gibt, die Spitze abbräche. Die Gehaltssperre, welche provisorisch angestellte Priester etwa treffen würde, wäre Ein geringes Nebel gegenüber dem unschätzbaren Gute der kirch­lichen Freiheit. Als dem h. Franz von Sales die Stadtbehörde ein Mal mit Gehaltssperre drohte, meinte er, an dem Rothwendigen werde es ihm niemals fehlen; jene Maßregel sei aber ganz danach angethan, sein Ansehen zu heben und seine Wirksamkeit zu vermehren. Daß dem wirklich so ist, davon konnten wir uns überzeugen bei der General-Sperre, die über den Gefammt-Kleru« Preußens jahrelang verhängt war. Wir meinen, die Regierung habe an den Erfahrungen, die sie damals machte, genug, um zu wissen, daß dieses Zuchtmittel gegen die katholischen Geist­lichen seine Wirkung verfehlt, ja eher nützt als schadet.

Geht aber diese Vorbedingung nicht in Erfüllung, erkennt man jeden Einspruch, der von der Aus­übung bürgerlicher ober staatsbürgerlicher Rechte hergenommen ist, als zu Recht bestehend an und gibt ihm Folge, dann ist es, so scheint un», um die Freiheit der Kirche und die Unabhängigkeit des Klerus geschehen. Es scheint uns in Wahr­heit eine naive Auffassung der durch das neue Aprilgesetz geschaffenen Lage de» Kleru», wenn man annimmt, derselbe werde wie Ein Mann fest­stehen und das Gesetz ignoriren. Die Priester­weihe kehrt die Natur de» Menschen nicht um und erhebt die, welche sie empfangen, nicht zu Heiligen; auch die Erziehung, und wenn sie die beste wäre, macht nicht lauter Helden der Tugend — Herois­mus ist nur das Vorrecht Weniger. Ebenso wirkt Gott nicht immer Wunder, um die schlimmen Wirkungen einer bestehenden bösen Ursache zu ver­hindern. Unsere» Erachten» müßte aber die mensch­liche Natur stch umkehren, alle Priester müßten Heilige und Helden der Tugend werden, oder Gott müßte an dem Kleru» Preußen» ein Wunder

wirken, wie es die verflossenen 18 Jahrhunderte der Kirche nicht aufzuweisen haben, wenn die un­heilvollen Wirkungen des Einspruchsrechtes dadurch verhütet werden sollten, daß jeder Priester bereit sei, eher seine ganze Lebensstellung zu gefährden, als in seiner Thätigkeit sich durch jenes Gesetz beirren zu lassen. Hr. Dr. Porsch hielt den Klerus dieses Heroismus fähig auf Grund des Heldenmuthes, den er im Kulturkampf bewiesen hat. Wir bitten den verehrten Herren, zu be­denken, daß die Lage sich total geändert hat. Damals war die Unterwerfung unter die Staats­gesetze gleichbedeutend mit dem Abfall vom Glauben. Das Aprilgesetz fordert nur eine im eigenen In­teresse verbotene Zurückhaltung. Das Augsburger Pastoralblatt stützt seine Hoffnung darauf, daß es „keine absolute Nothwendigkeit sei, daß die Demo­ralisation des Klerus kommen müsse". Allerdings, eine absolute Nothwendigkeit ist es nicht; allein folgt daraus, daß es dennoch nicht wahrschein­lich sei? Eine absolute Nothwendigkeit ist es auch nicht, daß die Christen im Allgemeinen mit einer gewöhnlichen Tugend sich begnügen; allein folgt daraus die Wahrscheinlichkeit, daß sie alle Heilige werden? Für uns steht es fest: wenn man der seitherigen Einmüthigkeit und Standhaftigkeit des Klerus von oben keinen festen Halt bietet, wenn vielmehr bei der definitiven Besetzung der Pfarr­stellen jeder Priester, gegen den die Regierung den Einspruch wegen Ausübung eines bürgerlichen oder staatsbürgerlichen Rechtes geltend machte, fallen gelassen würde, um die Pfarrei einem Andern zu übertragen, der sich „rein" zu halten ver­standen hat, oder wenn gar dem Klerus „um des lieben Friedens willen" nahe gelegt würde, er solle „vorsichtig" sein und in staatsbürgerliche An­gelegenheiten sich nicht einmischen — dann sehen wir auch in Preußen das Staatskirchenthum mit seinem vergiftenden Streberthum und Servilismus mit Riesenschritten näher kommen. Die« wäre aber das traurigste Ende, das der unselige Kultur­kampf nehmen könnte. Möge Gott solch' Unheil von uns abwenden! Erst jüngst sagte der h. Vater in einem Schreiben an den Kardinal-Staatssekretär, „das Theuerste und Kostbarste, was die Päpste besäßen, sei die Freiheit in der Leitung der Kirche." Was der h. Vater hier von der Leitung der ganzen Kirche sagt, gilt in ähnlicher Weise von den einzelnen Theilen, wir meinen von der Verwaltung der Diöcesen; ihr kostbarstes und theuerstes Recht ist die Freiheit in der Leitung. Daß diese Freiheit auch bei uns bewahrt bleiben solle und müsse, hat der h. Vater wiederholt un­zweideutig ausgesprochen. Gebe Gott, daß sie auch erhalten bleibe! Die deutsche Kirche hat es wahrlich nicht verdient, daß sie aus einem sechs­zehnjährigen Bekennerthum, in dem Klerus und Volk die Treue bewahrt, hervorgehe mit der Sklavenbinde um die Stirne und Sklavenketten an den Händen tragend.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. August.

* Schon längst ist den französischen Chauvinisten da» deutsche Bier ein Dorn im Auge. Trotz­dem die französische Presse dem Publikum tagtäg­lich vorredet, daß da» deutsche Bier Gift sei — ein Journalist Charlie hat sogar ein Buch über da« „deutsche Gift" geschrieben — findet dasselbe doch, daß ihm da» deutsche Bier gut mundet und gut bekommt. Die Zahl der Angstmeier, welche sich durch die Verdächtigung der deutschen Biere abhalten lassen, solche zu konsumiren, ist vrrhält- nißmäßig gering und man wird sich nicht täusche«, wenn man annimmt, daß selbst die, welch« unau»-

gesetzt vor dem Genuß deutscher Biere warnen, sich hin und wieder bei dem unpatriotischen Thun, d. h. beim Genüsse deutschen Biere» ertappen lassen. Die Franzosen brauen auch Bier, es scheint aber auch danach zu sein; wenigstens zieht das Publi­kum das teutonische Gebräu vor. Um die Pariser nun mit Gewalt davon zu überzeugen, daß auch die französischen Biere genießbar sind, findet am 29. August in Paris eine Ausstellung fran­zösischer Brauereien statt. Gleichzeitig sollen Proben verschiedener deutscher Biere ausge­stellt werden, um das Publikum in die Lage zu setzen, eine Entscheidung über franzöfische und deutsche Biere abgeben zu können. Was da-wohl als deutsches Bier präsentirt werden mag! Wenn es den Franzosen wirklich daran gelegen wäre, zu einem unbefangenen Urtheil zu kommen, so hätten sie deutsche Brauereien auffordern müssen, Proben einzusenden, und sie hätten gleichzeitig die Garantie dafiir geben müssen, daß diese Proben unverändert und unvermanscht dem Publikum zugängig gemacht werden. Wir zweifeln nicht, daß das franzö­sische Bier bei dem jetzt eingeschlagenen Verfah­ren aus der Konkurrenz siegreich hervorgehen wird; aber dieser Sieg hat nichts zu bedeuten, er ist künstlich gemacht.

• Bei dem diesjährigen Kaisermanöver in Ostpreußen werden, der ,Danz. Ztg.' zufolge, alle Einrichtungen der Neuzeit in Bezug auf die Verpflegung der Truppen auf dem Manöverterrain selbst in Anwendung kommen, namentlich Koch- und Backöfen und Feld-Schlächtereien. Ebenso werden Versuche mit Konserven im um­fassendsten Maße gemacht werden.

* Aus Breslau meldet die ,Schles. Vztg.': Wir haben bereits unseren Zweifel darüber an­gedeutet, daß Herr Dompropst Dr. Kayser in Berlin über die Neuordnung der katholischen Militärseelsorge Verhandlungen an leitender Stelle gepflogen habe und können diese Nachricht dahin ergänzen, daß das diesbezügliche Gerücht leere Zeitungskombination ist und jeder positiven Grundlage entbehrt. Herr Dompropst Dr. Kayser hat bei seiner neulichen kurzen An­wesenheit in Berlin nicht einmal eine Besprechung mit dem Kultusminister noch mit irgend einem anderen der anwesenden Minister gehabt, sondern sein Besuch galt lediglich seinem langjährigen Freunde, dem aus Westfalen stammenden und leider seit längerer Zeit ernstlich erkrankten Geh. Ober- Regierungsrath Linhoff.

* Unmittelbar nach der Trierer Katholikenver­sammlung findet in dem von Trier au» leicht zu erreichenden Lüttich der zweite sociale Kongreß der belgischen Katholiken statt. Vor­aussichtlich wird deshalb der letztere noch zahl­reicher von deutschen Katholiken besucht sein, wie der vorjährige. Das Interesse, welche» Papst Leo der socialen Frage zuwendet, spricht auch wieder aus dem Breve, welches er kürzlich an dm Bischof von Lüttich gerichtet hat.

* Au» Bad Kis sing en'wird gemeldet: „Die Ankunft de» Fürsten Bismarck ist für Sonn­abend Abend hier angemeldet. Der österreichische Minister de» Aeußern, Graf Kalnoky und Graf Schuwalow werden kurze Zeit nach dem Kanzler hier eintreffen. Die .Köln. Ztg.' bestätigt, daß Fürst Bismarck in Kisfingen den Besuch de» Grafen Kalnoky empfangen wird. Der Fürst selbst werde drei Wochen dort bleiben und dann nach Varzin zurückkehren.

Anslarrd.

• Widdin, 11. Aug. Die Rede, mit welcher Stambulow den Prinzen von Koburg bewillkomm­nete, lautet: