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Deutsches Reich.

Berlin, 8. August.

* Das Dankschreiben des Papstes an den deutschen Kaiser in Erwiderung auf besten durch Hrn. v. Schlözer überreichtes Geschenk und Schrei­ben ist auf dem Wege der preußischen Gesandt­schaft am Vatican nach Gastein abgegangen. Das Dankschreiben ist ein längerer, französisch ge­schriebener Brief, der mit großer Herzlichkeit und Hochachtung für die persönlichen Tugenden des Kaisers abgefaßt ist. Der Papst betont darin, er miste, daß der persönliche Einfluß des Kaisers das Friedenswerk gefördert habe; ihm (dem Papst) fei der Friede mit aller Welt am Herzen gelegen gewesen, ganz besonders aber der Friede mit dem Kaiser; der Papst sei ver­sichert, das vollste Einvernehmen zwischen dem Kaiser und Papste werde auch in Zukunft den Frieden erhalten; er bete stets für das Wohl des Kaisers und weitere glorreiche Tage desselben; er sei überzeugt, daß mit Gottes Gnade die Regierung des Kaisers bisher so ruhmvoll gewesen sei.

• Der preußische Gesandte beim Vatican Dr. von S ch l ö z e r hat sich gestern zum Reichskanzler nach Varzin begeben, von wo er wahrscheinlich morgen zurückkehrt. Wie es heißt trifft Fürst Bismarck noch vor der Ankunft des Kaisers in Berlin ein und wird sich erst nach der Ankunft nach Kifstngen begeben.

* Der britische Botschafter am Berliner Hofe Sir Malet wird englischen Berichten zufolge in gleicher Eigenschaft nach Paris versetzt, während Lord Lytton den Berliner Posten erhalten soll. Falls Lord Lytton ablehnt, ist der jetzige eng­lische Gesandte in Brüstel, Lord Vivian, für den Berliner Posten in Aussicht genommen.

* Die .Köln. Volkszeitung' bespricht in ihrer letzten Wochen - Rundschau auch das päpstliche Schreiben an den Kardinal Rampolla und sagt am Schluffe destelben: Was unsere (die preu­ßische) Regierung anlangt, so hat dieselbe vor Ausbruch des Kultuskampfes in der Frage der unabhängigen Stellung des Apostolischen Stuhles eine Stellung eingenommen, wonach sie diese Frage unmöglich als eine ausschließlich italienische be- trachten kann. Eine Rote (aus dem Oktober

Auch eigene Schuld.

Roman aus der Handelswelt.

43. Fortsetzung.

Mit solchen Gedanken beschäftigt, schritt sie durch den Park und trat fast erschrocken zurück, als sie plötzlich vor ihrem Vater stand, den sie zuvor nicht bemerkt hatte. Sie erkannte ihn so­fort, aber gerade weil sie eben an ihn gedacht, hatte sein plötzliches, unerwartetes Erscheinen etwas Unheimliches für sie.

Auch Damken war durch Gabrielens Erscheinen überrascht. „Wohin willst Du, Gabriele?" fragte er. „Komm, setze Dich neben mich auf die Bank. Der Abend ist schön, Alles ist ruhig."

Schweigend nahm Gabriele neben ihm Platz.

„Warum bist Du so still und schweigsam?" fuhr Damken nach einiger Zeit fort. „Ich bin nicht gewohnt, Dich so ernst und nachdenklich zu sehen, deshalb fällt es mir doppelt auf. Was fehlt Dir?"

„Muß mir etwas fehlen um ernst gestimmt zu sein?" warf Gabriele ein, indem sie sich mühsam zu einem Lächeln zwang. „Ich habe Dich in letzterer Zeit auch häufiger als früher ernst und verstimmt gesehen."

„Das ist wohl möglich, Krnd," entgegnete

und

für den

er- daß und

1867) des Grafen Bismarck an den preußischen Gesandten in Florenz, Hrn. v. Usedom, enthält folgende Sätze: „Die katholische Bevölkerung Deutschlands hat denselben Anspruch wie die evangelische auf Berücksichtigung ihrer religiösen Ueberzeugungen. Diese Rücksicht verbietet einem Staate mit gemischter Bevölkerung, gegen das Oberhaupt der katholischen Kirche in einer Weise vorzugehen, welche die Herzen der gläubigen Ka­tholiken verletzen würde. Eine der Vorbedingungen, um uns zum Einnehmen einer festen Stellung zur Sache zu befähigen, würde daher die Verge- wifferung über die Frage sein, ob dem Papstthum, nach der italienischen oder der beiden Regierungen gemeinsamen Auffassung seiner Zukunft, eine Stellung bleibt, welche auch von den Katholiken deutscher Nationalität in ihrer Mehrheit als eine würdige anerkannt werden würde." In dem­selben Sinne äußerte sich der König in der Thron­rede bei Eröffnung des preuß. Landtages am 15. November 1867: „Den schwierigen Fragen gegen­über , welche dort (in Italien) einer Lösung harren, wird das Bestreben Meiner Regierung darauf gerichtet sein, einerseits dem Anspruch meiner katholischen Unterthemen auf Meine Für­sorge für die Würde und Unabhängigkeit des Oberhauptes ihrer Kirche gerecht zu werden, anderseits den Pflichten zu genügen, welche Preußen aus den politischen Jntereffen und internationalen Beziehungen Deutschlands

wachsen." Man muß hiernach erwarten, den Bemühungen des Papstes, seine Würde Unabhängigkeit zu sichern, die Unter- stützung auch des Berliner Kabinets nicht

1870 in Metz gestorbenen 283 deutschen Kriegern auf dem Militärfriedhofe errichtet haben. Alle Mili­tär- und Civilbehörden wohnten der Feier bei.

* Münster, 7. Aug. Die jüngst gerüchtweise gemeldete landesherrliche Designirung eines Prie­sters aus der Erzdiözese Köln für die, erledigte Domcapitular-Stelle an der hiesigen Ka­thedrale hat sich nicht bestätigt. Da das hiesige Bisthum sehr viele tüchtige und verdiente Priester zählt, so hegt man hier die Erwartung, daß, nachdem in der letzten Zeit mehrere auswärtige Geistliche durch landesherrliche Designirung in unser Domcapitel berufen wurden, dieses Mal der eigene Diöcesan-Clerus billiger Weise Berück­sichtigung finden wird.

• Eisenach, 8. Aug. Unsere Kaiserin trifft am 15. d. M. hier ein und wird einige Tage in Wilhelmsthal, wo sie so gern in ihrer Jugendzeit verweilte, als Gast ihres Bruders, unseres Groß- Herzogs, sich aushalten. Zu ihrem Empfange in Wilhelmsthal sind laut der ,E. T.' bereits alle Vorbereitungen getroffen.

Ausland.

* Wien, 8. August. Die Abreise des Prinzen Ferdinand von Coburg nach Bulgarien steht unmittelbar bevor. Er reist über Pest und Orsowa nach Tirnowa, wo ein mehrtägiger Aufenthalt projektirt ist und von dort nach Sofia. Sämmt- liche bulgarische Minister erwarten ihn in Som­patanta.

* Budapest, 8. August. Der Marstall des Prinzen Ferdinand von Coburg passirte Budapest, um nach Turnseverin verbracht zu werden. Von dort wird er mit der bulgarischen Yacht nach Rustschuk befördert. (Fr. Z.)

* Paris, 7. Aug. Aus die Katkow-Begerste- rung der französischen Republikaner fällt doch einiger Mchlthau. Ja einer Journalistenversammlung, in welcher über die Betheiligung an Katkow's Leichen- feier berathen wurde, ließ sich ein Mitglied dec hiesigen russischen Kolonie, Michael Achkinasi, an­melden und bat um die Erlaubniß, einige Worte über Katkow sagen zu dürfen. Sie wurde ihm ertheilt und nun schilderte erden unheilvollen Einfluß Katkow's auf die innere Politck Ruß- lands und führte aus, daß derselbe sich jeder Zeit mit Geringschätzung über die republika- gleichgültig und kann mir nie näher treten," rief Gabriele nicht ohne Aufregung.

„Halt, Gabriele!" unterbrach sie Damken, „kem Wort weiter in diesem Tone! Du kennst meine Ansicht und meinen Entschluß in dieser Angelegen- heit, aber Du ahnst noch nicht, wie unendlich mel für Dich und mich von dieser Verbindung ab- hängt. Ja, Du weißt es nicht, Kind," setzte er mit milderer und weicher Stimme hinzu, „sonst würdest Du Dich nimmer weigern, meinem Wunsche nachzukommen. Die Gründe, weshalb ich es wünsche, die Gründe, welche diese Verbindung für uns beide zur Nothwendigkeit machen, habe ich Dir verschwiegen, weil ich Deine Ruhe nicht stören wollte, weil ich glaubte, eyt Wunsch Deines Vater» habe ein offenes Ohr bei Dir gefunden."

„Ich bin stets bemüht gewesen, Deine Wünsche zu erfüllen," erwiderte Gabriele, „aber hier, wo es sich um mein ganzes Lebensglück handelt, hier kann ich nur allein meinem Herzen folgen."

„Nein, Gabriele, Du darfst es nicht!" rief Damken. „Es ist nicht ein bloßer Wunsch, eine Laune von mir, Dein und mein Lebensglück hängt davon ab, daß L-tzingen der Deine wird, und war so bald als möglich."

„Ich verstehe Dich nicht," unterbrach rhn Ga- briele erstaunt.

fehlen werde.

• Zum Reichskommiffar für das Togogebiet ist der Kanzler von Kamerun-Jesko von Putt- kamer ausersehen, der damit gleichzeitig Conful für die unter fremder Hoheit stehenden Gebiete an der Gold - Sklavenküste wird.

* Aus Straßburg wird gemeldet, daß der Firma Weisbach die Wiedereröffnung ihrer Puppenfabrik in Embermsnil (Arrondiffemen! Luneville) von den französischen Behörden gestattet worden sei.

* Metz, 8. Aug. Gestern Abend 6 Uhr sand die feierliche Einweihung des Denkmals statt, das der Turn- und der Kriegerverein den im Jahre Damken, „aber nie ohne Grund — nie ohne Sorgen."

„Was sollten das für Sorgen sein, die Dich so ernst stimmen können?" bemerkte Gabriele. „Du hast Alles was Du Dir wünschen kannst."

Um den Mund des Handelsherrn zuckte jetzt ein bitteres Lächeln.

„Ich wünsche, Du hättest die Wahrheit ge­sprochen," erwiderte er. „Ich habe mehr Sorgen, als Du ahnst. Ja, bange und schwere Sorgen, und Du vermehrst sie noch, Gabriele."

„Ich?" fragte Gabriele erstaunt.

„Ja, Du," entgegnete Damken. „Ich habe Dich gebeten, Du möchtest Herrn von Letzingen freundlicher entgegenkommen, Du hast es nicht gethan."

„Ich verdiene diesen Vorwurf nicht," ent­gegnete Gabriele, „ich bin stets freundlich gegen ihn gewesen."

„Ja, gerade in Deiner so kalten und abge­messenen Artigkeit liegt die offenste Zurückweisung," rief Damken. „Durch sie zeigst Du ihm, daß Du ihn noch stets als einen Fremden betrachtest, daß er Dir gleichgültig, daß er Dir noch keinen Schritt näher getreten ist."

„Das ist er auch nicht, er ist mir mehr als