178. Montag, den 8. August. 1887
fii|hni‘r SÄ Ifihinii
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Die Stimmung des katholischen Volkes ans der diesjährigen katholischen Generalversammlung.
Nachdem vor einigen Jahren Staatsminister Herr v. Puttkamer im preußischen Abgeordnetenhause die Hoffnung ausgesprochen, die C e n t r u in s - fraktion werde verduften, haben unsere Gegner stch um die Wette bemüht, den Zeitpunkt fest- zustellcn, an welchem diese Verduftung geschehen oder doch wenigstens beginnen solle. Der neuestens f.stgestellte Termin war der 21. Februar d. Js., der Tag der berühmten Reichstagswahl. Allein trotz des heftigsten Mitrailleusen-FeuerS, da« unsere gesammte Gegnerschaft auf die Wähler losließ, trotz des Versuches, durch die Ausbeutung der Briefe des Kardinals Jakobini eine Verwirrung bei uns anzustiften, blieb die Wählerschaft dem Centrum treu. Nachdem das Centrum diese Feuerprobe , die ihres Gleichen in der Weltgeschichte vergeblich sucht, glänzend bestanden hat, wird wohl Niemand mehr auf die Verduftung des CentrumS fpekuliren; denn Diamant zerschneidet man nicht mit Mefferklingen von Blech.
Es haben darum auch unsere Gegner sich in der letzten Zeit weniger mit den Prophezeihungen über das Ende des Centrums befaßt. Nur einige Sanguiniker meinen, das letzte kirchenpolitische Gesetz vom 29. April d. I«. werde das Centrum in's G^ab senken. Sie hoffen, der Klerus sei jetzt gezwungen, sich der Wahlagitation zu enthalten, und in Folge dessen werde das Centrum nicht mehr wiedergewählt; ferner hoffen sie, die getroffenen kleinen Abänderungen der Maigesetze hätten eite vollkommene Befriedigung des katholischen Volkes mit der heutigen Lage der Kirche in Preußen herbeigesührt.
Wir wollen zugeben, daß vielleicht mancher aus dem Klerus weniger als bisher für die Wahlen thun wird, und auch aus diesem Grunde hat ja die katholische Preffe sich stets gegen das Einspruchsrecht ausgesprochen, indem sie ausführte, es liege im Interesse der Kirche, daß auch die bloße Gefahr einer Verminderung des Centrums vermieden werde, da ja ganz sicher sofort nach Ein- tritt dieser Verminverung die preußische Regierung alle gemachten Konzessionen zurückziehen werde. Es ist aber Pflicht des katholischen Klerus, der
Durch rietet Schuld.
Roman aus der Handelswelt.
42. Fortsetzung.
Und welchen Gewinn hatte er bis jetzt durch Kleuser gehabt? Er war durch ihn aus einer Verlegenheit befreit, nur um bald darauf in eine neue und noch größere gebracht zu werden. War ihm der alte Steider auch verhaßt gewesen, weil er ihn stets in feinen Verschwendungen zu beschränken suchte, das mußte er sich offen einge- stehen, daß er eS nie nöthig gehabt hatte, um den redlichen Willen und die strengste Treue des Alten besorgt zu sein. Rleurer traute er nicht mehr. Der Gedanke lag zu nahe und war zu natürlich, daß Kleuser das Vermögen, welches er in das Geschäft gesteckt hatte, auf jede mögliche Weise sich zu erretten suchen, daß er stets vorzugsweise sein Jntereffe im Auge haben werde.
Dies Alles würde Damken mit feinem leichtfertigen Sinne übersehen ober zum wenigsten nicht beachtet haben, wenn er selbst in seinem Leben und in seinen Ausgaben völlig ungenirt und ungestört geblieben wäre. Das war er keineswegs und das stimmte ihn unwillig.
Obenein war ihm die bedrängte und gefährdete Sage feines Haufe» gerade jtzt im höchsten Grade
katholischen Preffe und des katholischen Volkes, diese Gefahr möglichst zu vermindern. Uebrigens haben unsere Gegner selber durch den 15jährigen Kulturkampf schon sehr eifrig dafür gesorgt, daß das katholische Volk nicht an die Entbehrlichkeit des CentrumS glauben kann. Was wir in diesen 15 Jahren erlebt haben, hat sich nicht oft in der Weltgeschichte ereignet; das Alles wird mit un- cuslöschlichen Zügen im Gedächtniffe des kathol. Volkes eingegraben bleiben; wer eine Rückkehr diests offenen Kulturkampfes verhindern will, ist verpflichtet, für die Fortdauer des CentrumS zu wirken.
Aber schon der noch vorhandene große und gefährliche Rest der Maigesctz- zwingt jeden treuen Katholiken, für den Fortbestand des Centrums zu arbeiten. Wer könnte mit der heutigen Lage zufrieden fein? Es bestehen noch ungeändert das Jefuiten-Gesetz, der Kanzelparagraph, das Alt- katholikengefetz; das Einspruchsrecht ist im letzten Gesetze sogar verschärft worden; daß die Bischöfe aller Diözesen Seminare errichten dürfen, ist noch nicht anerkannt; die Orden sind noch mit unangenehmen Bestimmungen belästigt. Das Alles muß noch beseitigt werden! Fordert die protestantische englische Regierung das Einspruchsrecht ? Hebt die nordamerikanische, übt die belgische Regierung das Einspruchsrecht aus? Keineswegs. Und doch werden die genannten Länder gut regiert. Warum soll denn nun Preußen nicht gut regiert werden können, auch wenn die Regierung nicht ein Recht des Einspruchs gegen die Ernennung der Geistlichen hat? Sind aus den genannten Ländern die Jesuiten ausgewiesen? Nein; warum denn aus dem Deutschen Reiche? Diese Fragen werden wir so lange stellen, bis sie nicht mehr nöthig find.
Die bevorstehende Katholiken - Versammlung in Trier ist eine vortreffliche Gegelegenheit, die Stimmung im katholischen Klerus und Volk zu beobachten. Wir wiflen aus bester Quelle, daß unsere Gegner diese Beobachtung schon vorbereitet haben, und zwar in ausgiebigerer Weise als bisher. Es kann uns nur angenehm fein, daß man an der richtigen Quelle fein Urtheil über die Stimmung des katholischen Volkes schöpft; man wird bann ein ganz anderes Bild erhalten, als das bisher von der liberalen Preffe gegebene.
unangenehm, weil ste einen Plan durchkreuzte, auf den er so große Hoffnungen gebaut. Um Setzingen zu gewinnen, mußte er ihm die Krisis seines Ge- schästes durchaus verbergen, um dies zu können, mußte er Geld von ihm entleihen. Und lief er nicht gerade hierdurch wieder in Gefahr, feilte Verlegenheit zu verrathen.
Er sah sich in eine so peinliche Sage gedrängt, wie er sie noch nie in seinem Leben kennen gelernt hatte. Zum erstenmale stiegen ernstliche Bedenken an die Zukunft in ihm auf und erfüllten ihn mit Bangigkeit. Setzingen konnte ihn retten, wenn Gabriele ihm ihre Hand reichte. Er wußte wie abgeneigt sie ihm war, und wenn er hoffte, daß sie endlich feinem Wunsche nachgeben werde, so konnte er dies nur von der Zeit erwarten. Er hatte keine Zeit zu verlieren, wenn er nicht Alles verlieren wollte. Langsam schritt er durch den Park hin. Finstere Bilder zogen durch seine Gedanken hin. Er wollte sie gewaltsam verscheuchen, wollte mit leichtsinnigem Auge der Zukunft entgegenschauen, aber et war es nicht im Stande. Was den Menschen einmal tief und gewaltig ergreift, zieht auch nicht wie ein Hauch an ihm vorüber. Ein schwacher Wind zieht wohl durch die Bäume hin und läßt sie rauschen und läßt ihre Blätter rauschen und läßt ihre Zweige sich
Einer der Jrrthümer unserer Gegner besteht darin, daß sie glauben, wenn Windthorst beseitigt sei, würde das Centrum vernichtet werden. Allerdings würde der Verlust des Führers uns überaus schmerzlich berühren; aber verloren wäre das Centrum auch dann noch nicht, denn nicht durch ihn ist das Centrum geschaffen, sondern durch die Ideen, die das katholische Volk beseelen, und diese Ideen der Begeisterung für Recht und Freiheit der katholischen Kirche und des kathol. Volkes sterben nicht durch den Tod eines einzigen Mannes aus; übrigens ist im Centrum sehr zahlreicher Nachwuchs an tüchtigen Kräften vorhanden. Trotzdem aber muß Windthorst bleiben, so lange Gott es gefällt, uns diesen erprobten Führer am Leben zu erhalten. Windthorst wird nicht feinen Abschied nehmen; auf dem erhabenen Posten, auf welchen Golt und das katholische Volk ihn gestellt haben, wird er, wie er öffentlich versprochen hat, bis zum letzten Athemzuge seines Lebens ausharren, und wenn ihn einst der Tod ereilt, so wirb der Führer fallen auf bem Kampfplatze, bie Fahne in ber Hanb. Unb das katholische Volk wirb sich seinen Führer nicht rauben lassen, mögen gewisse Soldschreiber auch noch so oft versichern, daß er allein bie Ursache des Beginnes und der Fortdauer des Kulturkampfes fei; wenn das katholische Volk noch nicht den Werth seines Führers kännte, so würde es denselben ermeffen können aus der Lebhaftigkeit und der Beharrlichkeit, mit welcher bk Segnet ber katholischen Kirche die Beseitigung deffelben wünschen. Dieselben bekunden daher recht deutlich, wie groß die Verdienste Windthorst's um die katholische Sache find, und in dieser Beurtheilung find unsere Gegner durchaus zuverlässige Zeugen: sie verspürten die Wucht ber*©d)läge seiner Beredsamkeit.
Die Parole bes gegenwärtigen Kampfes lautet nicht: „Für ober wider Windthorst!" — son« bem: „Für ober gegen bie Freiheit der katholischen Kirche in Preußen i" Aber Windhorst steht an der Spitze der Kämpfer für diese Freiheit und darum richten die Gegner alle ihre Angriffe auf Windthorst, und darum gibt sich auch die Begeisterung, welche Klerus und Volk für die Kirche im Herzen tragen, nach außen kund durch Erweise der Hochachtung gegen Windthorst. Der Erfolg der von der katholischen Preffe au6gegangenen An
biegen, ist er aber vorbeigezogen, so bezeichnet nichts mehr, daß er dagewesen. Ruhig und still stehen die Bäume wieder da, und hat der Wind auch ein trockenes Blatt von ihnen logelöst, so hat er es auch spielend mit sich fortgeführt. Anders ist es, wenn ein Sturm die Bäume rüttelt und ihre Wipfel beugt. Auch er zieht vorüber und bie Bäume stehen roieber ruhig ba, aber gebrochene Stämme unb Aeste, geknickte Wipfel bezeichnen seine Spur.
Auf einer Bank ließ sich der Handelsherr endlich erschöpft nieder. Er suchte Ruhe und fand sie nicht. Der Abend war still. In den hohen Bäumen regte sich kaum ein leichter Lufthauch. Die Mond- fcheinstrahlen drängten sich zwischen den dicht belaubten Zweigen der Bäume hindurch unb zitterten auf bem grünen Rasen, auf bem bie Schatten der Bäume in gewaltigen Umriffen gezeichnet waren. Alles erschien weit größer unb riesiger als am Tage. Einzelne Statuen aus weißem Marmor schimmerten zwischen ben Bäumen hindurch und in der Ferne erblickte man die weiße Fatzrde der Villa, an welcher sich die Mondscheinstrahlen brachen.
Das Alles gewährte einen imposante:', großartigen Anblick. Süll ruhte des Handelsherrn Auge darauf. Er war nicht blind gegen diese