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M 177. Sonnabend, den 6. August.

1887

Muer K Zeitung.

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Zweites Blatt.

W Ueber die Grundstoffe, welche den Körper der Pflanze bilden.

y (Nachdruck verboten.)

5. Der Phosphor.

Der Phosphor kommt in der Natur nur in Verbindungen vor, er ist jedoch ein sehr allgemein verbreiteter Körper, wenn er auch an vielen, ja den meisten Stellen des Erdbodens nur in sehr geringen Mengen vorkommt. In jedem Thier« und Pflanzenkörper ist er zu finden, besonders in den Knochen. Das Skelett eines ausgewachsenen Mannes wiegt etwa 12 bis 15 Pfund und enthält etwa 65 bis 75 Loth Phosphor. Ein Regiment Soldaten von 3000 Mann trägt demnach an 40 Beniner Phosphor allein in den Knochen mit sich herum, natürlich in gebundenem Zustande.

In freiem Zustande ist der Phosphor ein wachs­glänzender fester Körper und wohl Jedermann bekannt. Ec wirkt sowohl direkt in's Blut als auch in den Magen gebracht giftig. Da er schon bei gewöhnlicher Temperatur sich mit dem Sauerstoff der Luft verbindet, so bewahrt man ihn unter Wasser auf und das nützt nicht vollständig. Wenn man den Phosphor durch Erhitzen oder Reiben anzündet, fo verbrennt er an der Luft, indem er sich mit dem Sauerstoff der Luft zu Phosphor­säure-Anhydrit verbindet. Dieses ist eine weiße, geruchlose und flockige Maffe, welche sehr begierig Wasser aus der Luft ausnimmt und mit dessen Elementen weitere Verbindungen eingeht.

Phosphorsäure-Anhydrit besteht zu 62/142 aus Phosphor und zu 8J/U2 aus Sauerstoff. Nehmen wir nun einmal, um uns die Vorstellung zu er­leichtern, eine bestimmte Gewichtsmenge dieses An­hydrits an und zwar 142 Loth. Je nachdem wir dieser Masse gestatten, 54 oder 36 oder 18 Loth Wasser aufzunehmen, entstehen drei neue Säuren, nämlich 1. die gewöhnliche oder dreibasische Phosphorsäure, 2. die P y r o- oder z w e i b a s i s ch e und 3. die Meta- oder einbasische Phosphor, säure, und wir erhalten von allen dreien bezw. 196 Loth oder 178 Loth oder 160 Loth.

Diese verschiedenen Phosphorsäuren bilden mit den Metallen Salze, von denen später die Rede fein wird.

6. Der Schwefel.

Der Jedermann bekannte Schwefel findet sich in der Natur zuweilen in freiem Zustande, z. B. auf der Insel.Sizilien und sonst an den Krater­wänden von feuerspeienden Bergen. Dann kommt er mit Metallen verbunden in den sogen. Glanz- und Kieserzen und in Salzen vor. Selbstverständ- lich findet er sich auch in den Thier- und Pflanzen­körpern, sonst hätten wir hier mit ihm ja nichts zu thun.

Der Schwefel brennt und bildet dabei mit dem der Luft entzogenen Sauerstoff die schweflige Säure, indem ganz gleiche Gewichtsmengen von Schwefel und Sauerstoff zusammentreten. Diese Säure ist das bekannte, beim Verbrennen des Schwefels austretende stechende Gas, in dem alle brennenden Körper erlöschen oder athmende Körper erstickt werden. Die schweflige Säure bleicht viele aus der Pflanzenwelt stammenden Farbstoffe und zerstört so die Farben.

Die schweflige Säure entzieht anderen sauer- stoffreichen Substanzen gern diesen Sauerstoff, um die bekannte SchwefelsäureoderdasVitriolöl zu bilden.

Die Schwefelsäure enthält stets auf 2 Gewichts- theile Wasserstoff 32 Gewichtstheile Schwefel und 64 Gewichtstheile Sauerstoff. Sie ist eine der stärksten Säuren, welche die meisten organischen, d. h. Pflanzen- und Thierstoffe zerstört, indem sie ihnen das Wasser entzieht, denn nach Wasser ist sie sehr gierig, sie nimmt es, wenn sie in offenen Gefäßen steht, sogar aus der Luft auf.

Die Schwefelsäure findet sich in der Natur in Salzen, d. h. Verbindungen mit Metallen, von denen bei den betreffenden Metallen erst die Rede fein wird.

Mit blosem Wasserstoff geht der Schwefel auch eine Verbindung ein. Es entsteht der zu 2/34 aus Wasserstoff und zu 32/S4 aus Schwefel bestehende Schwefelwasserstoff, ein giftiges, äußerst übel riechendes Gas. Dieses entwickelt sich beim Faulen von schwefelhaltigen thierischen und pflanz­lichen Stoffen; der üble Geruch faulender Eier und Zwiebeln beruht auf dem Vorhandensein der sich beim Faulen derselben bildenden Schwefel« Wasserstoffs.

7. Das Kalium.

Das Kalium ist ein Metall, welches in der Natur nur an andere Stoffe gebunden vorkommt. Wenn man es in freiem Zustande hergestellt hat und frei behalten will, muß man es unter Steinöl aufbewahren, das keinen Sauerstoff besitzt, um es vor dem Sauerstoff der Luft zu schützen. Unter Wasser es aufzubewahren, was man doch beim Phosphor thut, geht nicht an, denn nach dem Sauerstoff des Wassers ist es noch viel lüsterner, wie nach demjenigen der Luft.

Das Kalium bildet mit dem Sauerstoff zu­nächst das Kalinmoxyd oder Kali (78 Theile Kalium, 16 Theile Sauerstoff). Dieses bildet wieder mit Wasser das Aetzkali (39 Th. Kalium, 1 Th. Wasserstoff, 16 Th. Sauerstoff). Dieses löst sich im Wasser zu einer seifig sich anfühlenden Flüssigkeit, der Kalilauge.

Mit Säuren bildet das Kalium Salze. Wir führen hier die für uns wichtigsten Salze auf:

a. das kohlensaure Kali oder die Pott­asche (78 Th. Kalium, 12 Th. Kohlenstoff, 48 Th. Sauerstoff). Der Pflanzensast enthält unter anderem auch oxalsaures und weinsteinsaures Kali, woraus beim Verbrennen der Pflanzen die Pottasche entsteht. Schon lange wird die Pott­asche deßhalb aus der Holzasche durch Auslaugung gewonnen, neuerdings gewinnt man sie aus der Schlempekohle der Zuckerfabriken in großer Menge.

b. das doppeltkohlensaure Kali (39 Th. Kalium, 1 Th. Wasserstoff, 12 Th. Kohlenstoff, 48 Th. Sauerstoff) wird wieder aus der Pott­asche gewonnen.

c. das salpetersaure Kali oder der Kali­salpeter, (39 Th. Kalium, 14 Th. Stickstoff, 48 Th. Sauerstoff). Ec kommt vielfach in der Erde vor, besonders in Indien, wsßhalb man ihn auch indischen Salpeter nennt. Er entsteht durch die Verwesung von thierischen und pflanz­lichen (sog. organischen) Stoffen im Boden, in­dem sich zuerst Ammoniak und aus diesem Sal­petersäure bildet, die mit dem Kalium dann den Salpeter bildet. Boden und Wände der Viehsiälle werden auf diese Weise auch salpeterhaltig.

d. Das schwefelsaure Kali (78 Th. Kalium, 32 Th. Schwefel, 64 Th. Sauerstoff). Es findet sich unter Anderm in vielen Pflanzenaschen, ist aber im Wasser verhältnißmäßig schwer löslich. Setzt man jedoch Schwefelsäure hinzu, so entsteht

e. das saure schwefelsaureKali (39Th. Kalium, 1 Th. Wasserstoff, 32 Th. Schwefel, 64 Th. Sauerstoff), und dieses löst sich im Wasser leicht, was für die Aufnahme durch die Pflanzen- wurzeln wesentlich ist.

8. Das Calcium.

Dieses Metall findet sich in der Natur nur in Verbindungen, in Salzen. Frei dargestellt ist es ein weißer Körper, der leicht oxydirt, d. h. Sauer­stoff aufnimmt, und in Wasser geworfen dieses Wasser zersetzt, indem er ihm den Sauerfloff raubt. Das thun auch die Metalle Kalium und Natrium.

Seine einfachste Verbindung ist das Calcium­oxyd, die Kalkerde, der gebrannte Kalk (40 Th. Calcium, 16 Th. Sauerstoff). Was man im gewöhnlichen Leben schlechtweg Kalk nennt, ist das später aufgeführte, gewöhnlich durch andere Stoffe verunreinigte Salz, das als Verbindung der Kohlensäure mit dem Calcium den Namen kohlensauren Kalk in der Chemie führt.

Als Salze des Calciums sind hier zu nennen: a) Der kohlensaureKalk (40 Th.Calcium, 12 Th. Kohlenstoff, 48 Th. Sauerstoff). Ec kommt in verschiedener äußerer Gestalt als Kalkspath, Arragonit und Marmor in der Natur vor, ferner in den Pflanzen und besonders in den Muscheln und Knochen der Thiers. Verunreinigt mit anderen Stoffen ist er der Hauptbestandtheil unseres ge­wöhnlichen Kalksteins und der Kreide. Ec löst sich nur im kohlensäurehaltigen Wasser, woraus wir wieder die schon hervorgehobene lösende und dadurch Pflanzennahrung bildende Wirkung der Kohlensäure erkennen können.

Der gewöhnlichste, wenn auch unreine kohlen­saure Kalk, der Kalkstein, wird in den Kalköfen gebrannt, wodurch das oben erwähnte Calciumoxyd, der gebrannte Kalk, entsteht, indem die Kohlensäure durch die Hitze ausgetrieben wird. Dieser verwan­delt sich beim Zutritt von Wasser unter starker Wärmeentwickelung bekanntlich in den Aetzkalk oder gelöschten Kalk (40 Th. Calcium, 2 Th. Wasserstoff, 32 Th. Sauerstoff). Dieser gelöschte Kalk dient als Mörtel bei unserem Mauern und wird zu diesem Zwecke mit Sand vermengt, nicht etwa, um Kalk zu sparen, nein, sondern weil diese Mörtelmasse deshalb, weil Sand und Kalk sich nicht innig mengen, sehr locker ist, so erlaubt sie der Kohlensäure, der Luft, in den Mörtel nach und nach einzudringen und ihn mit der Zeit wie­der in den alten kohlensauren Kalkstein zu verwan­deln. Daher sind alte Mauern so fest, nicht weil die Alten einen besseren Mörtel gehabt hätten, wenn sie auch mehr Kalk nahmen, weil zu ihrer Zeit das Holz und damit der gebrannte Kalk bil­liger waren, sondern auch, weil ihre Mauern um so vieles älter sind als unsere und daher länger Zeit hatten, damit der Mörtel sich wieder voll­ständig in Kalkstein verwandelte.

b) Der schwefelsaure Kalk. Ec kommt in der Natur als Anhydrit (40 Th. Calcium, 32 Th. Schwefel, 64 Th. Sauerstoff), oder als G y p s, Marienglas, Alabaster vor, in welchem Falle er noch 36 Gewichtstheile Wasser enthält.

c) DerphosphorsaureKalk ist der wesent­lichste Bestandtheil der Knochen und kommt als Geflein unter dem Namen A,patit und Phos­phorit in mächtigen Lagern vor. Aus ihm wer­den vielfach Superphosphate hergestellt, die durch ihren Phosphorsäuregehalt als Düngemittel dienen.

d) Der salpetersaure Kalk ist dec in Viehställen im Mörtel der Wände sich bildende sogenannte Mauersalpeter.

9. Das Magnesium.

Dieses Metall kommt in der Natur ebenfalls nur in Verbindungen vor und ist ein gewöhnlicher Begleiter des Calciums. Es ist in freiem Zustande silberglänzend, brennt erhitzt an der Luft mit sehr Heller Flamme und zersetzt siedendes Wasser.

Mit Sauerstoff bildet cs dis gebrannte Magnesia, die Bitter erde (24 Th. Magne-