1887
Sonnabend, den 6. August.
M 177.
Zeitung
Meer
Erstes Blatt.
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* Zum Parteifrieden der Katholiken in Baden.
(Aus dem .Badischen Beobachter'.)
Karlsruhe, 4. August.
Heute sind genau fünf Wochen verflosien, seit der Landesausschuß der katholischen Volkspartei in Karlsruhe getagt hat, um die vorbereitenden Schritte zu den demnächst bevorstehenden Kammerwahlen zu berathen. Fragt man heute, ob die so nothwendige Vorbe- reitung für die Wahlen auch nur um einen einzigen wesentlichen Schritt weitergediehen ist, so wird jeder ehrliche Parteimann mit einem offenen „Nein" antworten müßen. Wir wollen auf die theilweise höchst unerquicklichen Zeitungsdiskussionen, welche seitdem hüben und drüben geführt wurden, heute nicht weiter zurückkommen, sondern nur fest- stellen, daß die überwiegende Mehrzahl der Parteiblätter sich in einem Gedanken einig gezeigt hat, und das ist der dringende Wunsch: es möge unter allen Umständen auf diese oder jene Weise die Versöhnung undEinigung aller Parteiglieder bewirkt werden. Mit Ausnahme des .Lahrer Anzeiger' haben nun sämmtliche badische Centrumsblätter das Verlangen nach einer allgemeinen Landesversammlung der Ge* sammtpartei geäußert, und, wie wir bestimmt versichern können, hat man auch in einigen dem .Lahrer Anzeiger' sonst nahe stehenden Kreisen diesen Plan keineswegs von der Hand gewiesen. Wenn die Abhaltung einer solchen Landesver- fammlung im Interesse der Partei und der Wieder- sammlung aller ihrer Kräfte geboten erscheint, wenn die Volksstimme nach einer solchen ein* müthigen Parteikundgebung verlangt, so darf unseres Erachten» ein etwa entgegenstehender Beschluß der schwach besuchten und sogar in ihrer Kompetenz angezweifelten Landesausschußsitzung nicht als zwingendes Hinderniß betrachtet werden. Denn es ist sicher anzunehmen, daß der Landes- ausschuß, wenn er in vollständiger Zusammen- setzung abermals Berathung abhielte, unter dem Eindruck des allgemeinen Wunsches zu einem anderen Beschlüsse kommen würde.
Dich tigrat Schild.
Roman aus der Handelswelt.
41. Fortsetzung.
„Sollte sich kein anderer Ausweg zeigen?" fragte Damken mit unerschütterlicher Ruhe. „Ich habe das beste Zutrauen zu Ihrer Klugheit und werde mir dasselbe nicht nehmen lassen. Der Kredit meines Hauses gestattet viel."
„Es muß zusammenbrechen, wenn er noch mehr angestrengt wird," lautete KleuserS Antwort.
„Und einen andern Ausweg wissen sie nicht?"
„Nein."
„Wie groß würde die Summe sein müssen, um mein Haus zu retten, wie Sie sagen?" fragte der Handelsherr weiter.
„Mindestens 25000 Thaler."
„Und bis zu welcher Zeit wären dieselben erforderlich?"
„Sobald als möglich," erwiderte Kleufer. „Es werden bald Wechsel fällig, für welche ich keine Deckung habe und schaffen kann."
„Und wenn ich Ihnen wirklich diese Summe besorgte," fuhr Damken fort, „würden Sie mir Gewißheit verfchaffen können, daß Sie nicht auch durch eine unglückliche Spekulation verloren gehen würden? Ich will Ihnen mit diesen Worten
Höher aber als diese gewiß sehr brennende praktische Frage steht ohne Zweifel die Frage der Versöhnung und Einigung selbst. Daß letztere dringendes Bedürfniß, ja daß sie die nothwendige Voraussetzung eines etwa zu erhoffenden Erfolges der katholischen Sache in Baden ist, kann nicht bestritten werden; daß dieses Friedensbe* dürfniß auch allerseits erkannt wird, ist nicht minder zweifellos. Aber wo hapert's denn, wo sitzt der tiefste Grund des Uebels, weshalb ist nicht schon längst die Eintracht hergestellt? Sagen wir es gerade heraus: Er liegt nicht so sehr in sachlichen Differenzen — obgleich wir auch diese nicht unterschätzen wollen — als vielmehr in persönlichen. Diese persönlichen Mißklänge mögen ihren ersten Grund in sachlicher Disharmonie gehabt haben, aber jetzt scheint uns das persönliche Moment das fachliche hier und dort zu überwiegen und den Ausschlag zu geben. Dem muß ein Ende gemacht werden, wenn überhaupt wieder auf ein kräftiges Zusammenwirken der Gesammtpartei gerechnet werden will.
Der .Pfälzer Bote' hat vor einiger Zeit den richtigen Gedanken ausgesprochen, daß wir in jetziger Stunde keinen von denen, welche in der Wahlagitation Hervorragendes geleistet haben, entbehren können. Wir sehen hier davon ab, Namen zu nennen, aber wir hoffen und wünschen, daß alle die Namen, welche das katholische Volk im langjährigen Kampfe für die gute Sache der Kirche schätzen, ehren und lieben gelernt hat, demnächst wieder treu vereint unter den Kund- gelungen der katholischen Volkspartei prangen werden. Fort mit den kleinlichen Bedenken, fort mit den persönlichen Reservationen! Nur die Sache allein, die gute katholische Sache möge unser Aller Leitstern sein! Oder wird auch nur Einer von denen, welche sich bisher in dieser oder jener Weise um die Centrumssache in Baden verdient gemacht haben, die Verantwortung übernehmen wollen, wenn durch seine Schuld oder Mitschuld ein günstiger Augenblick für die gedeihliche Fortentwickelung der kirchlichen Frage verpaßt würde?
lieber die Intentionen unserer Hauptgegner, der Nationalliberaten, haben wir mittlerweile gründliche Klarheit erhalten. Sie werden bei den Wahlen auf der ganzen Linie das intransigente keinen Vorwurf über Verluste machen, welche mein Haus unter Ihrer Leitung betroffen haben. Es waren Börsenspekulationen, deren Ausgang der beste Kopf nicht mit Bestimmtheit vorherzusehen vermag.
„Ich weiß, daß Sie früher in solchen Specu- lationen viel Glück hatten, ich weiß, daß es wiederkehren wird, dennoch würde e» für mich selbst zur Beruhigung dienen, wenn Sie mir offen die Versicherung geben könnten, daß Sie im Stande wären, unser Haus damit zu retten und zu seiner alten Größe und Sicherheit zurückzuführen."
„Sie vergessen, Herr Damken," entgegnete Kleu'er „daß es zugleich mein eigenes Interesse, ja meine Existenz ist, für welche ich arbeite."
„Das Glück läßt sich nie berechnen," fuhr Kleufer zu dem Handelsherrn gewendet fort, „aber ich weiß, was Arbeit und Mühen vermögen. Sie würden durch einen Concurs einen herben Schlag bekommen — ich würde Alles verlieren; hierin wird für Sie schon eine Bürgschaft liegen, daß ich vorsichtiger und mühevoller arbeite al» irgend Jemand."
„Daran zweifle ich nicht," gab Damken zur Antwort. „Um Ihr eigene» Interesse au da» Geschäft zu knüpfen, bat ich Sie, al» Kompagnon in dasselbe einzutreten. Ich werde versuchen, da»
Banner entrollen, sie werden den Wünschen und Anträgen des Erzbischöflichen Stuhles, die selbstredend auch die Wünsche Roms sind, zunächst ein starres „Nein" entgegensetzen. Man sagt uns nun: wenn die Großherzogliche Regierung eine entsprechende, mit Rom vereinbarte Vorlage vor die Stände bringe, so werde sich schon ein aus* reichender Theil der nationalliberalen Partei bereit finden lassen, das Placet zu ertheilen. Wir können diesen Satz nur mit einem wichtigen V o r- behalt unterschreiben. Und dieser Vorbehalt betrifft die Stärke der katholischen Volkspartei und ihrer Fraktion in der Kammer. Denn nicht nur wird die Regierung zum Durchbringen einer Kirchenvorlage auf die Stimmen einer ziemlich erheblichen katholischen Fraktion angewiesen sein, sondern die bei der Wahl in Zahlen zum Ausdruck kommende Stimmung der katholischen Wählerschaft (der bisherigen Centrumswählerschaft) wird geradezu bestimmend und ausschlaggebend auf eine solche Kirchenvorlage, auf ihren Inhalt und Umfang, und nicht zuletzt auf die Entschließung der gemäßigteren nationalliberalen Richtung einwirken. Darum rufen wir der katholischen Volkspartei und allen ihren Führern und Hauptleuten zu: Ihr seid jetzt selbst eueres Glückes Schmied, in euerer Hand liegt jetzt wesentlich die Entscheidung, ob überhaupt in nächster Zeit ein gesetzgeberischer Schritt zur Verbesserung der Lage der katholischen Kirche geschehen wird, ober nicht.
lieber das Programm für die nächsten Wahlen braucht man sich unseres Erachtens nicht so sehr den Kopf zu zerbrechen. Wir werden von unserem alten bewährten Programm, von unseren alten, berechtigten Forderungen nichts nachlassen, ebensowenig wie der wegen seiner außerordentlichen Friedfertigkeit gerühmte hl. Vater Leo XLH. auch nur mit einer Silbe auf die ideale Forderung der vollen, unbeschränkten Freiheit der Kirche Verzicht geleistet hat. Die bedeutsame Denkschrift, welche der hl. Vater an den Kardinal-Staatssekretär gerichtet hat, sollte in dieser Hinsicht für Alle ein Fingerzeig sein.
Wir sind auch weder berufen noch berechtigt, dem Staate Konzessionen zu machen, auf die Ausübung dieses oder jenes kirchlichen Rechtes zu Gunsten des Staates zeitweilig zu verzichten. Dieses Recht steht lediglich und allein dem päpstlichen
Geld zu bekommen, fest zusichern kann ich es Ihnen aber nicht."
„Ich muß es haben," rief Kleufer. „Ich habe mich durch Wechsel zu retten versucht — da» geht nicht mehr, ohne das Geld sind wir ver- loren. Kommen Sie selbst in die Stadt, Herr Damken, nehmen Sie Einsicht in die Bücher und überzeugen sie sich von der bedrängten Lage."
Damken schritt unruhig und überlegend im Zimmer auf und ab. Auf Letzingen hatte er in seinen Gedanken längst gerechnet für den Fall, daß sein Hau» von einem Unglück betroffen werden sollte. Aber nicht für, das Haus wollte er da» Geld in Anspruch nehmen, sondern für sich selbst, denn in der letzten Z-it war er mehr und mehr zu der Ueberzeugung gelangt, daß sein Geschäft später doch einmal fallen werde. Ehe er Letzingen ansprechen wollte, sollte derselbe für immer mit feiner Tochter verbunden fein, um jeden Rückschritt unmöglich zu machen. Jetzt sah er sich in die unangenehme Sage gedrängt, vorher Geld von ihm zu erlangen, um fein Hau» zu halten, denn fiel die«, so konnte er mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß Letzingen sich zurückziehen merbe. — I tzt stellten sich ihm hoppelte Schwierigkeiten entgegen, um Letzingen zu einem Darlehn zu bewegen, benn er durfte ihn die bedrängte