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M 175.

Donnerstag, den 4. August.

1887

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Die .Fuldaer Rettung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts I M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. August.

* Der neueste französische Gewalt' streich gegen das Deutschthum, die plötzliche Schließung der seit 6 Jahren in Embermenin bei Luneville bestehenden Pappenfabrik von Gebrüder Weißbach hat, wie nicht anders erwartet werden konnte, hier böses Blut gemacht. Die ,Kreuzztg.' erklärt, daß, da die französische Regierung nicht in der Lage zu sein scheine, den Hetzereien energisch Halt zu gebieten, so werde man in Deutschland bestimmen müflen, wenn der Augenblick gekommen ist, den französischen Chauvinismus vor ein un­zweideutiges „Entweder-Oder" zu stellen.

• Auch von Seiten des kgl. preußischen Meteorologischen Instituts sind anläßlich der bevorstehenden totalen Sonnenfinster- niß am 19. August umfangreiche Vorbereitungen getroffen worden, um das bevorstehende seltene Naturereigniß nicht ungenutzt vorübergehen zu laffen. Es handelt sich dabei einerseits um me­teorologische Beobachtungen im engeren Sinne des Wortes, d. h. um Entscheidung der Frage, in welchem Umfange sich die Verfinsterung auf den Gang des Luftdruckes, der Temperatur und der Bewölkung geltend macht, andererseits um atmo­sphärisch optische Erscheinungen, die sich diesmal in ganz ungewöhnlicher Weise bemerkbar machen müssen. Nach beiden Richtungen hin sind ein­gehende Anleitungen zur Anstellung verschärfter Beobachtungen ausgearbeitet worden.

* Außer in den Kreisen Torgau und Meppen ist das Vorhandensein des Koloradokäfers neuer­dings auch in RHonsdorf (Rheinprovinz) ton« statirt worden. Die zur Vertilgung des Schäd- lings erforderlichen Maßnahmen sind sofort ge­troffen worden.

* Breslau, 30. Juli. Der Handelsmann Hermann Lewkowicz, Vater von sechs Kindern, hat die Ordre erhalten, bis zum 1. August Bres- lau und das preußische Gebiet zu verlassen. Hr. Lewkowicz ist Pole und hat, wie die .Breslauer VolkSst? erfährt, bereits 15 Jahre seinen Wohnsitz in Preußen. Zwei Jahre hat derselbe in Kempen, wo er eine deutsche Frau heirathete, und dann 13 Jahre in Breslau gewohnt. Rach den dem Blatte gewordenen Mittheilungen lebte L. mit feiner

Durch rigtnt Schuld.

Roman <us der Handelswelt.

39. Fortsetzung.

Daß er gegen Damken noch einen Plan im Sinne hatte, hatte er verborgen, er wußte ja außerdem noch nicht ob er gelingen werde. Von seiner Frau erfuhr er, daß Setzingen um Ga- brielens Hand angehalten und daß der Handels­herr ihm dieselbe zugesichert hatte. Er wußte gleich- falls, daß Gabriele dem Gutsbesitzer abgeneigt war, allein das war nach seiner Ansicht noch kein Hinderniß, das sich nicht beseitigen und überwin- den ließe.

Eine Verbindung mit dem reichen Gutsbesitzer hatte aber außerordentlich viel für sich. Es wurde dadurch eine neue Geldquelle eröffnet, welche er zu seinem eigenen Nutzen auszubeuten hoffte. Sollte dies indeß geschehen, so durfte er keine Zeit verlieren. Ec mußte Herrn Damken bewegen, auf jede Weise die Verbindung Gabrielen- mit Setzingen zu Stande zu bringen, und als da» ge­eignetste Mittel erschien ihm, wenn er dem Handels­herrn die bedrängte Lage seines Hauses schildere und dessen Rettung allein von Unterstützung ab- hängig mache.

Um das zu erreichen, beschloß er, am anderen

Familie Hierselbst in den ärmlichsten Verhältnissen. Derselbe will wieder in Polen seinen Wohnsitz nehmen.

* Mainz, 2. August. Von den heute statt­gehabten Ergänzung«wählen zu der Zweiten hessischen Kammer sind bis jetzt folgende Resultate bekannt: Racke (Centr.) in GaualgeS- heim, Möhn (deutschfr.) Laubenheim, Maas (nat.- lib.) Pfungstadt, Michel (deutschfr.) Neu-Bamberg, Friedrich (nat.-lib.) Bessungen, Kugler (nat.-lib.) Langen, Stephan (nat.-lib.) Osthofen, Müller (nat.-lib.) Nidda, Theobald (nat.-lib.) Lich, Römer (nat.-lib.) Alzey, Dr. Gutfleisch im Landbezirk Gießen, Graf Oriola in Vilbel, Schade in Rom­rod, Pachter Westernadler in Büdingen-Altenstadt, Matthäi in Wörrstadt, Osann in Groß-Gerau, Wolz in Babenhausen-Seligenstadt, Vörg in Beer­felden, Hermann in Lindenfels-Reichelsheim und Hsinzerling (nat.-lib.) Bensheim.

Ausland.

* Wien, 2. Aug. Zwei der russischen Spionage verdächtige Individuen, ein Franzose Namens Adolf Carabet und ein Russe, Josef Salowiet, wurden gestern in der Lemberger Vor- stadt Hohosko verhaftet. Sie kamen vor drei Monaten nach Holosko, wo sie eine Mühle und Aecker pachteten und Ausflüge in die Umgegend machten; die Polizei überwachte sie zwei Wochen hindurch.

* Wenn berichtet worden war, Prinz Ferdi­nand von Sachsen-Koburg habe seine Reise nach Bulgarien nach einer Rücksprache mit den Bot­schaftern Deutschlands, Englands und der Türkei verschoben, so scheint das nicht zuzutreffen; wenig- stens wird heute berichtet, der Prinz sei nach Bul- gatten abgereist, nachdem der türkische Botschafter umsonst seinen Einfluß aufgeboten habe, ihn von der Abreise abzuhalten. Die Abreise soll möglichst geheim bewerkstelligt worden sein. Die Nachricht läßt sich um so weniger kontroliren, als der Prinz in letzter Zeit wiederholt Reisen, unbekannt wohin, unternommen hat. Wenn die bulgarische Thron­frage vorwärts kommen soll, dann bleibt dem Prin­zen allerdings nichts anderes übrig, als auf fein eigenes Risiko ein fait accompli zu schaffen. Wenn er auf die russische Zustimmung warten will, so wird er lange und vergeblich warten müssen. Den

Morgen zur Villa hinauszufahren. Er theilte, als er heimkam, seiner Frau diesen Plan mit, und sie bat ihn, mit ihm fahren zu dürfen, um Ga­briele zu besuchen. Kleuser war hiermit einver- sianden. Sein Besuch erhielt hierdurch einen freundschaftlichen Schein und das streng Geschäft­liche, das diesmal obendrein mit so großer Un­annehmlichkeit verbunden war, trat nicht so scharf und offen hervor. Der Handelsherr war ja ohne­hin allem Geschäftlichen abgeneigt, während er Gastfreundschaft jeder Zeit gern und äußerst zu­vorkommend übte.

Es war ein wundervoll schöner Morgen, als Kleuser an der Seite seiner jungen Frau zum Thore der Stadt hinausfuhr. Es lag in der an­genehmen Kühle des Morgens fo viel Erfrischendes und unwillkürlich Erheiterndes, daß dieser Einfluß sich auf die Gemüther der beiden jungen Gatten geltend machte.

Kleuser war heiterer, als er seit langer Zeit ge- wesen war, und welches junge Weib würde wohl nicht von einer solchen Stimmung ihres Gatten angesteckt?

Es giebt ein russisches Sprichwort, welcher lautet: „Im ersten Jahre ist ein Weib wie seu- riger Most, im zweiten entscheidet es sich, ob Wein daraus wird ober Essig." Pauline stand noch in

Mächten aber ist nicht wohl zuzumuthen, daß sie unter Gefährdung ihrer eigenen Interessen dem jungen Prinzen die Kastanien aus dem Feuer holen. Die Vereinigung Ostrumeliens mit Bulgarien war ein größeres Wagniß, als es unter den gegebenen Umständen die Uebernahme der bulgarischen Für« stenwürde durch den Prinzen von Koburg ist. Fürst Alexander riskirte damit einen Thron, den er be­reits inne hatte. Als das fait accompli aber ein­mal geschaffen war, wurden, abgesehen von der unglücklichen serbischen Kampagne, keine ernsten Versuche gemacht, es mit Gewalt wieder rückgän­gig zu machen. (Die Nachrichten von der Abreise des Prinzen von Koburg wird inzwischen vom Wie­ner offiziösen Fremdenblatt entschieden dementirt.)

* Paris, 2. Aug. Die Blätter aller Par­teien widmen Katkow überaus sympathische Nachrufe; einige ermangeln nicht, die Verdächtig­ung auszusprechen, Katkow wäre gleich Skobeleff von den Deutschen vergiftet worden. — Die Unterhandlungen der Zeugen von Ferry und Boulanger scheiterten an der Forderung der Vertreter des Letzteren, ausschließlich die Beding­ungen des Zweikampfes zu bittiren. — Laur kündigt an, er werde Caflagnac nach deffen Weigerung ein Duell anzunehmen, gerichtlich ver­folgen. — Eine offiziöse Note versichert, daß durch das Nichteinberufen der Landwehr der Waaren« verkehr in der Gegend der Mobilmachung wenig, der Personenverkehr gar nicht gestört werde.

* Warschau, 2. Aug. Die russische Re­gierung verweigerte allen ehemaligen pr eußisch en Militärpersonen das Bürgerrecht.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 4. August.

4- Im Monat Juli d. I. wurden im hiesigen Schlachthause von den Metzgern geschlachtet: 41 Ochsen, 10 Bullen, 36 Stiere, 22 Kühe, 57 Kalbinnen, 561 Kälber, 290 Schweine und 109 Hammel und Schafe in einem Gesammtgewichte von 75,982 Kilogramm. Von den Privaten wurden geschlachtet: 1 Ochs, 2 Kühe, 4 Kälber, 3 Schweine und 2 Schafe in einem Gesammtge­wichte von 843 Kilogramm. Außerdem wurden in hiesige Stadt 2403 Kilogramm Fleisch und dieser Mostperiode des Weibes, ihre Gefühle hatten sich noch nicht vollständig aufgeklärt, son­dern gehörten noch ganz ihrem Gatten an. Ihre Seele war noch ein Spiegelbild der feinigen, in der Freude und Schmerz stets einen Widerglanz fanden.

„Das ist das erste Mal feit Wochen, daß ich Dich wieder heiter sehe", sprach sie, indem sie die Hand ihres Gatten ergriff.

„Muß ich nicht heiter sein, wenn ich an einem solchen schönen Morgen an Deiner Seite in die frische, schöne Natur hinausfahre?" erwiderte Kleuser lächelnd. „Ich würde glücklicher fein, wenn ich öfter im Stande wäre, es zu thun, aber ich bin einmal ein Sklave des Geschäfts."

„Du hättest es nicht nöthig gehabt, Leopold", warf die junge Frau ein. „Wir hätten glücklich und sorgenlos leben können. Mit Freuden würde ich mich in jeder Beziehung eingeschränkt haben, wenn ich Dich nur heiter und zufrieden gesehen hätte. Es ist von jeher mein sehnlichster Wunsch gewesen, einmal still und einfach auf dem Lande zu leben. Glaube mir, da schließen sich die Herzen auch wärmer und inniger an einander an."

„Ist das wirklich Dein Wunsch, Pauline?" fragte Kleuser nicht ohne heimliche Ueberraschnng. „Würdest Du dem rauschenden Leben der Stabt