M 173. Dienstag, den 2. August. 1887
Jnliner Ä Zeit«».
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Deutsches Reich.
Berlin, 1. August.
* Der Kaiser von Oesterreich trifft nächsten Sonnabend Nachmittag zum Besuche unseres Kaisers in Gast ein ein und wird bereits Sonntag Abend Gastein wieder verloffen.
* Der Reichskanzler trifft heute oder morgen hier ein und reist nach ein oder zweitägigem Aufenthalt Hierselbst zum Kurgebrauch nach Kissin- gen weiter.
* Die französische Regierung ist der,flöht. Ztg.' zufolge offiziös benachrichtigt worden, daß die von der französischen Gesellschaft für Beförderung der Wissenschaften sonst nach Elsaß Lothringen unternommenen Ausflüge in diesem Jahre verboten würden.
* Dem .Westpr. Volksbl.' wird berichtet, daß in Russisch-Polen zahlreiche neue Ausweisungen Deutscher und zwar zunächst solcher bevorstehen, die auf Grund eines nur einjährigen Passes sich daselbst aufhalten.
* Der Centralverein deutscher Zahnärzte trat Lier zu seiner 26. Jahresversammlung zusammen. Es hatten sich circa 100 Theilnehmer eingefunden. Die heutigen Verhandlungen betrafen ausschließlich technische Gegenstände. Die Vereins- angelegenheiten kommen erst am dritten Tage zur Erledigung.
• Die Arbeiten zur Vertilgung des Kartoffel, käfers in der Gemeinde Lohe bei Meppen sind, schon seit einigen Tagen ununterbrochen in vollem Gange. Von Seiten des Ministers für Landwirthfchaft ist bekanntlich auf Grund der eingesandten Eier, Larven und Käfer die zweifellose Echtheit des kosen amerikanischen Insekts ausdrücklich konstatirt worden. Der Kreis-Deputirte, Hr. Hauptmann Sckoningh, begibt sich täglich an Ort und Stelle, um die cngerische Ausführung der getroffenen Anordnungen zu fördern und zu überwachen.
* Breslau, 31. Juli. Herr Dompropst Dr. Kayser aus Breslau weilte auf der Rückkehr von seiner Badereise einige Tage in Berlin. Wie man der ,Germ.' von in der Regel gut unter- richteter Seite mittheilt, wäre derselbe in zwei wick Ligen Fragen thätig gewesen, nämlich in Angelegenheiten unserer der Regulierung sehr bedürf-
Dmch eigene Schuld.
Roman aus der Handelswelt.
38. Fortsetzung.
„Herr Günther, der sie aus Gefälligkeit gegen da» Haus Damken angenommen hat," erwiderte der Agent mit ruhigem Lächeln, „hat mich gebeten, sie zu verkaufen und ich brauche Ihnen wohl kaum zu sagen, weshalb ich diesen Auftrag gern übernommen habe — ich werde sie in die Hände Buchmanns gelangen lassen. Es ist mir lieb, daß Sie meinen neulichen Rath in Betreff Günther und Compagnon befolgt und auch diese Wechsel auf Anfang November ausgestellt haben. Nun, Herr Kleuser," fuhr er in vertraulichem Tone fort, „wollen Sie es mir noch geheim halten, daß Sie jetzt nur für Ihr eigene» Interesse arbeiten, daß Sie zu retten suchen, was noch zu retten ist, ehe das Haus zusammenbricht, daß Sie mit einer Summe, welche Ihr Leben sicher stellt, fliehen wollen, ehe der Konkurs de» Geschäft» ausbricht?"
Kleuser ging mit hastigen Schritten im Zimmer auf und ab. Seine Wangen warm geiöthet, seine Stirn mit Schweiß bedeckt. Er sah sich verrathen, alle seine Bemühungen glaubte er verloren, er er- blickte sich ganz in den Händen eine» Manne», ö0T dem e» eine Thorheit erschien, ein Geheim niß
tigen Militärseelsorge und in der Frage, wie der Delegaturbezirk (Berlin, Brandenburg und Pommern) von dem Bisthum Breslau losgelöst und zu einem seblstständigen apostolischen Vikariate erhoben werden könnte.
Ausland.
* Wien, 1. Aug. Die Blätter kommen erneut daraus zurück, daß die Abreise des Prinzen von Koburg nach Bulgarien unmittelbar bcvorstehe und die Eidesleistung Donnerstag in Tirnowa stattfinden solle.
* Petersburg, 1. Aug. Katkow ist heute Nachmittag 4 Uhr auf seinem Gute Snamensky gestorben.
* New-Dork, 26. Juli. „Die erfreulichste Erscheinung in den Vereinigten Staaten," so schreibt die ,Baltim. Vztg.' in einem längeren interessanten Aufsatze, „ist das wunderbare Auf- blühen der katholischen Kirche. Ganz auf sich und den Opfermuth der Gläubigen gestellt, ohne jede staatliche Unterstützung, umgeben von Sekten aller Art, ist die kath. Kirche aus einem zarten Stämmchen zu einem mächtigen Baum gediehen, über dem sichtlich Gottes Hand schützend und segnend ruht. Mit jedem Jahr gewinnt die Kirche an Ausdehnung; es mehren sich die Diözesen, Kirchen und Kapellen, die Klöster und Schulen. Den aus Europa verdrängten Orden verdanken wir viel. Obwohl der Kirche jeder staatliche Schutz fehlt, genießt sie fast eine größere Autorität als in Europa, und sie ist auch weniger Verfolgungen und Heimsuchungen ausgesetzt. Das katholische Vereinswesen ist weitverzweigt; die katholischen Schulen erfreuen sich glänzender Fort- schritte und leisten Tüchtiges. Wir sind nicht blind gegen die vielen Schattenseiten der amerikanischen Zustände; aber sie bieten auch Vortheile, um die man uns beneiden könnte."
Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, 2. August.
♦ Zu der Nachricht, daß die Konferenzen der preußischen Bischöfe vom nächsten Jahre ab nicht mehr in Fulda, sondern in Köln stattfinden sollen, schreibt der .Bonifatiusbote':
verbergen zu wollen. Er kam sich in diesem Augenblicke wie ein Kind vor, das im Bewußtsein seiner Schuld nicht die Augen zu seinem Vater emporzuheben wagt.
„Sie verkennen mich, Herr Kleuser," fuhr Polen; fort, „wenn Sie glauben, daß ich Ihrem Entschlüsse irgendwie hindernd in den Weg treten weide. Ja, ich mißbillige ihn nicht einmal und verdenke es Ihnen wahrlich nicht. Damken hat sich nicht gescheut, Sie seinem Leichtsinn und seiner thörichten Verschwendungslust zum Opfer bringen zu wollen. — Sie bezahlen mit gleicher Münze. Nicht einmal mit gleicher, denn er würde verloren sein, auch wenn Sie zugleich mit ihm untergingen. Sie können jetzt Ihr Haus nicht mehr retten auch wenn Sie ihren letzten Pfennig daran setzen woll- ten. E» ist da» Klügste, daß Sie Damken allein dem Verderben überliefern, welches er allein verschuldet hat."
„Ja, er soll untergeheu!" rief Kleuser, der jetzt einsah, daß er ihm nicht mehr möglich sei, feinen so geheim gehaltenen Plan vor den Augen de» Agenten zu verbergen. „Er soll untergehen, denn er hat mich schändlich betrogen I Ich will e« Ihnen g stehen, daß ich entschlossen bin, wein Verträgen zu retten und damit zu fliehen, ehe der Konkurs ausbricht, für dm ich durch den Kontrakt al»
„Die , Kölnische Volkszeitung' will wissen, daß die Bischöfe Preußens in diesem Jahre zum letzten Male in Fulda zu gemeinsamer Berathung sich versammeln; für die Zukunft sei Köln als Ort der Zusammenkunft ausersehen. Es fehlt uns jeder äußere Anhaltspunkt, um für oder gegen die Richtigkeit dieser Nachricht etwas sagen zu können; aber unwahrscheinlich erscheint uns dieselbe aus inneren Gründen. Was die Kirchenfürsten seither nach Fulda führte, war das Grab des hl. Bonifatius. Hier bei den sterblichen Ueberresten des großen Apostels der Deutschen hofften sie jenen Muth zu schöpfen, jene Erleuchtung von oben zu erhalten, die ihnen zur Ausübung ihres erhabenen Oberhirtenamtes in der Gegenwart so nothwcndig. Ihr Vertrauen ist nicht getäuscht worden. Wenn die preußischen Katholiken im Kampfs für ihre heiligsten Güter so eimuüthig zusammengestanden und durch diese Einmüthigkeit alle Angriffs ihrer Gegner siegreich zurückgeschlagen haben, so war dies nicht zum geringsten Theil die Frucht der Berathungen ihrer Bischöfe am'Mrabe des hl. Bonifatius. Hörten wir doch einmal selbst einen liberalen Staatsmann das Geständ« niß ablegen, daß an dem Mißlingen des Kulturkampfes Fulda allein Schuld sei, weil hier die Bischöfe zu einem so geschlossenen und einmüthi- gen Vorgehen sich geeinigt hätten. Aber der Kulturkampf ist noch lange nicht vorüber. Der hl. Vater Papst Leo XIII. sieht in den seitherigen Zugeständnissen nur einen „Zugang zum Frieden." Wer aber erst am Eingang eines Hauses steht, ist von dessen Besitzergreifung noch weit entfernt, zumal wenn ihm der Eintritt gewaltsam verwehrt wird. Die Waffen des Kampfes liegen nicht nur nicht auf dem Fechtboden, sondern werden zum Theil noch recht ernstlich gehandhabt. Der Faden des Zwistes ist noch nicht zerrissen, er wird nur, um wiederum mit dem Fürsten Bismarck zu reden, in einer anderen Nummer weiter gesponnen. Au» dem offenen Kulturkampf sind wir in den schleichenden eingetreten, der umso gefährlicher ist, je geheimer und feiner er geführt wird. Wir sind also noch sehr fern von jenem Frieden, den der Hochselige Bischof Freiherr v. Ketteler im Auge hatte, als er bei der Bischofskonferenz vor dem Ausbruch der Kampfes 1871 sagte: „Wenn wir unsere Rechte zurückerobert haben, dann wollen wir wieder nach
Kompagnon für mich daraus entst hen, was will. Helfen Sie mir dabei, Herr Polenz, stehen Sie mir bei, es soll Ihr Schaden wahrhaftig nicht sein. Sprechen Sie die Bedingung aus, unter denen Sie es thun wollen."
Der Agent lächelte. „Es ist freilich meine Ab- sicht nicht gewesen, einen'Gewinn daraus zu ziehen," erwiderte er, „aber ich müßte ja eben kein Kaufmann sein, um ein solches Anerbieten von der Hand zu weisen. Gut, Herr Kleuser, hier haben Sie meine Hand, ich meine es ehrlich mit Ihnen, ich will Ihnen beistehen. Die Bedingungen werden wir schon festsetzen, denn ich weiß, daß Sie mich nicht täuschen werden. Aber zwei Verlangen muß ich von vornherein an Sir stellen. Erstens müssen Sie in Allem, was diese Angelegenheit betrifft, meinen Rath folgen. Es ist nicht Mißtrauen betreff» Ihrer Klugheit und Gewandtheit, was mich dies verlangen läßt, denn ich schätze Sie al» klugen und feinen Kopf; da indeß Ihre ganze Existenz auf dem Spiele steht, da es für Sie eine Lebensfrage ist, können Sie unmöglich Alles mit einem so ruhigen und berechnenden Auge betrachten, wie es mir möglich ist. Eine Unvorsichtigkeit oder Uebereilung könnte Alles veroerben. Sodann daif ich mir, ohne Ihnen nahe treten zu wollen, wohl anmaßen, daß ich in solchen Fällen