Montag, den 1. August.
Jeitnng.
.HL 172.
Altar
1887
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Weßhalb verlaffen? Aus eitlen menschlichen Rücksichten? Um ein Lächeln der Befriedigung in den Zügen des Herrn Raths zu erringen? In der unwürdigen Hoffnung, die Einkünfte um einige hundert Mark zu erhöhen, irgendwo eine Sinekure zu erhalten?
Nein! Dies haben wir unseres Erachtens nicht zu befürchten. Wir kennen Geistliche, welche über zwanzig Jahre mit unermüdlichem Eifer in armen Pfarreien gearbeitet haben, welchen die geistliche Behörde beffere Pfründen anbot und die trotzdem dieselben nicht annahmen und die ablehnende Antwort damit motivirten: „Wir haben genug zu unserem Unterhalte, und da wir keinen anderen Grund haben, die Pfarrei zu verlaffen, so befürchten wir, die Gläubigen könnten den Verdacht hegens wir verlaffen sie einzig, um ein einträgliches Benfficium zu erhalten."
Solche Geistliche werden ihre Schritte und Handlungen nicht der wechselnden Meinung der Beamten anpaffen, solche werden nicht nach der Gunst der Behörden jagen, welche sehr wankelmüthig ist, solche werden nicht zurückweichen, nicht die heiligen Grundsätze der Kirche und ihre eigenen Ueberzeugungen, welche sie liebgewonnen haben, preisgeben, da sie, indem sie an denselben festhalten, den Willen Gottes und den Willen der Kirche erfüllen.
Lasten wir deßhalb den Muth nicht sinken, und halten wir den Kopf hoch I Gewiß, wie überall, so wird es auch hier Ausnahmen geben, es werden sich Stellenjäger finden, welche an dem Regierungstische das suchen werden, was sie anderwärts nicht haben finden können. Doch für diese hat schon der Bischof von Paderborn das richtige Mittel gefunden. Hoffen wir zu Gott, daß solche nur in geringer Zahl vorhanden sein werden — und daß die Gesammtheit der Geistlichkeit, vor allem der unsrigen, die Richtigkeit der Annahme Vismarck's bestätigen wird, welcher bei der Berathung über die letzte kirchenpolitische Novelle erklärt hat, daß er der Anzeigepflicht keine große Bedeutung bei- meffe, weil auch diese (staatlichen) Cautelen an dem unverwüstlichen Panzer des einmüthigen Auftretens, der Festigkeit des Charakters und der Würde der katholischen Geistlichkeit zerschellen könnte«.
Jenen Ausnahmen wird dasselbe Los beschieden sein, welches dem Verräther der Grundsätze der Kirche vor dem Tribunal der hirtenamtlichen und öffentlichen Meinung zu Theil geworden ist. — Die Gesammtheü wird männlich Stand halten unter dem Banner der Pflicht.
Durch kigeuk Schul).
Roman aus der Handelswelt.
37. Fortsetzung.
Als der Agent die jetzt stille und menschenleere Straße erreicht hatte, rieb er sich vergnügt die Hände, denn er hatte über Buchmann Aufschlüffe erhalten, welche die Ausführung seines Planes wesentlich fördern mußten. Er hätte diesen Mann, den er so unversöhnlich haßte, gern gestürzt, aber soweit reichte sein Plan und seine Macht nicht. Buchmann galt für außerordentlich reich und wußte er auch daß dieser Reichthum nicht so bedeutend war, als er erschien und wie die Leute glaubten, so war er doch zu groß, um selbst durch erhebliche Verluste vernichtet zu werden.
Es war spät geworden und doch fand er, als er seine Wohnung erreicht hatte, noch keine Ruhe. Auch ihn halte der genoffene Wein etwas aufgeregt, mehr indcffen noch die für seine Pläne so wichtigen und günstigen Nachrichten. Unruhig schritt er im Zimmer auf und ab. Er hatte jetzt nicht nöthig, seinen Mienen irgend einen Zwang aufzu- erlegen und offen spiegelten sie seine Stimmung ab.
„Ja, ja, Herr Buchmann," sprach er, vor sich hinlächelnd, ,,e» ist der arme Agent Polenz, der Ihnen einen schweren Schlag versetzen will. Ich
„Lassen wir den Muth nicht finken!"
Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht der ,Kur. Pozn/ folgenden bezeichnenden Artikel, welcher die Geistlichkeit der Diözese Gnesen-Posen und deren Stellung zum Einspruchsrechte des Staates betrifft:
Ueberall hört man besonders über die kirchlichen Zustände bei uns Klagen erheben. Auf diesem Gebiete droht thatsächlich so manche Gefahr, und in vielfacher Hinsicht müssen wir wachen, um nicht in Versuchung zu fallen, wenngleich wir noch nicht Ursache haben, den Muth sinken zu lasten und zu verzweifeln.
Sehr richtig hat ein bayerisches Blatt bemerkt, daß der h. Vater, indem er der preußischen Regierung ziemlich weitgehende Zugeständniste machte, die durch das bekannte „Tolerari posse“ in dem an den Erzbischof von Köln gerichteten Briefe bezeichnet wurden, der katholischen Geistlichkeit in den Diözesen des preußischen Staates einen großen Beweis seines Vertrauens gegeben hat. Er gab sich hierbei der Hoffnung hin, daß es der Geistlichkeit bei jenen schwierigen Zeitverhältnisten möglich sein werde, den Standpunkt zu behaupten, welchen innezuhalten die priesterlichen Pflichten und die den heiligen Grundsätzen und Vorschriften der Kirche zugeschworene Treue zur Pflicht machen.
Niemand wird in Abrede stellen, daß der h. Vat-r, der Vertreter Christi, der geborene Hüter und Vertheidiger der h. Rechte der Kirche, niemals diese Rechte unbedachter Weise der Macht von Kreisen und Behörden anheimgeben könnte, welche der Kirche feindlich gesinnt sind. Wenn aber der h. Vater thatsächlich gewiffe Zugeständniffe gemacht hat, so können ihn hierzu nur höchst wichtige und dringende Gründe veranlaßt haben. Inmitten der Schwierigkeiten, in welchen er sich befand, und die ihn zu Zuge- ständnißen zwangen, hat er zweifelsohne seinen väterlichen Blick !?nd sein vertrauensvolles Auge auf. die treuen Schaaren und die Reihen der katholischen Geistlichkeit gerichtet, die in den letzten Jahren so viele Beweise einer hohen Auffaffung ihrer Pflichten gegeben haben — und er sagte sich: da ich einen solchen Klerus besitze, so kann ich mich auf denselben verlaffen und gewiß sein, daß nach so vielen Jahren des Kampfes er auch in dieser schwierigen Lage, in welcher er sich unter den kirchenpolitischen Abmachungen besinden wird, fest bleibt.
Das Einspruchsrecht, welches der preußischen Regierung in den letzten kirchenpolitischen Verhandlungen bei der Besetzung der Pfarrstellen zugestanden worden ist, ist nicht genau definirt, giebt aber der Regierung die kautschukartige Möglichkeit, Protest zu erheben gegen Kandidaten die ihr nicht genehm sind. Dies ist aber für die kirchlichen Verhältnisse ganz gewiß sehr gefährlich. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein großer Beamtenapparat, wenn er den Geist und die Grundsätze der katholischen Kirche nicht kennt, von dem Geiste des „Protestantenvereins" oder „Evangelischen Bundes" beseelt ist, oder endlich im Dienst: von Freimaurerlogen, deren Bestrebungen allgemein bekannt sind, steht, bemüht sein wird, auf die Geist-
Deirtfches Reich.
Berlin, 30. Juli.
* Im großen Ehrensaale d. Landes-Ausstellung-» Palastes fand heute Mittag 12 Uhr die feierliche Eröffnung der großen akademischen Kunstausstellung statt. Nach einem einleitenden Be« richte des Sekretärs der Akademie, Geh. Regierungsrath Zöllner, erklärte Kultusminister von Goßler nach einer kurzen Ansprache die Ausstell- treffen werde. Sie sollen erzittern, wenn Sie künftighin den Namen Polenz hören. Sie kennen mich nicht mehr, denn ich stehe bereits niedrig genug, aber ich kann Sie hinabstürzen von der unsicheren Höhe Ihres Geldthrones, und ich will es. Noch ist Geld und Spekulationsgeist nicht der einzige Beherrscher der Welt, es giebt noch einen Rivalen desselben, das ist der Scharfblick des Geistes, die Erfahrung, die Schlauheit und der Witz, mit denen ein armer Teufel sich durch die Welt helfen muß."
Ec schien die innere Aufregung durch diese» Selbstgespräch beruhigt zu haben, denn er legte sich schlafen und in wenigen, Minuten sah er im Traume seinen Feind bereits ged'emüthigt und gestürzt.
Ja, Polenz war in seiner Art ein ausgezeichneter Mann. Ec verstand es, jeden Augenblick seiner Zeit auszuvutzen. Man konnte fast nie sagen, daß, wenn er wachte, er irgend einen Augenblick unthätig war; hatte er sich aber einmal zur Ruhe niedergelegt, so nutzte er auch diese Zeit gründlich au», denn er verstand das Geheimniß, sofort einzuschlafen. r , _.
Einige Abende darauf trat Polen;, als die Diener de» Hause» Damken sich entfernt hatten, wieder still und heimlich in das Zimmer des Ge- fchäftsführers ein. Wieder schien ihn Kleuser in einer ungeduldigen und unruhigen Stimmung er-
lichkeit in dem Sinne einzuwirken, daß diese sich von der jeweiligen von oben kommenden Strömung leiten kaffe; es ist wahr, daß auf diese Weise es nicht an Bemühungen fehlen wird, auf friedlichem Wege ohne ostentativen und lauten Kampf das zu erreichen, was sich im Kulturkämpfe nicht erreichen ließ; es ist wahr, daß, wenn unsere heilige Kirche einzig auf eine natürliche Grundlage sich stützen sollte, wir Ursache hätten, die Verschiebung des richtigen Verhältniffes zwischen Staat und Kirche, und die Ueber- lieferung dieser Kirche unter die Allgewalt des Staates zu befürchten — indessen müssen denn diese Befürchtungen mit Not hwendigkeit thatsächlich eintreffen?
Zuerst in der Hand Gottes und dann in der Hand der Geistlichkeit und unseres Volkes liegt es, daß diese Befürchtungen nicht eintreffen, daß die schwer ernste Lage nicht giftige Früchte und verderbliche Folgen hervorbringe.
Vierzehn Jahre hindurch hat unsere Geistlichkeit es verstanden, den Sturm des Kulturkampfes auszuhalten, die Verbannung, das Gefängniß und Geldstrafen über sich ergehen zu lassen, wofür sie auch als Lohn sich der Anerkennung der höchsten geistlichen Behörden, der Achtung und Liebe ihrer Mitbürger zu erfreuen hatte.
Wo giebt es eine zweite Nation, welche jene ihrer Mitbürger, die sich dem Dienste Gottes geweiht haben, ihre Gebete zu dem Herrn der Heerscharen für das zeitliche und ewige Wohl ihres Volkes erheben und Glück und Unglück mit ihm theilen, in gleicher Weise ehrt und liebt? Woher kommt nun diese Achtung und diese Liebe? Sie ist darin begründet, daß die Geistlichkeit ihre Pflicht gethan hat und stets mit Entschiedenheit für die Grundsätze der Kirche eingetreten ist. Man verzieh wohl einzelne menschlichen Schwächen und Sünden — niemals aber hat die öffentliche Meinung einen Verrath an der Kirche verziehen.
Von einer Geistlichkeit, welche durch eine solche Erfahrung erprobt worden ist, konnte und kann der h. Vater dreist annehmen, daß sie auch in schwierigsten Verhältnissen die priesterlicheWürde hochzuhalten und allen offenen wie versteckten, direkten wie indirekten Versuchungen ohne Menschenfurcht, wirksam und muthig die Stirn zu bieten verstehen wird.
Diese unsere Geistlichkeit war nicht durch scharfe und harte Urtheilssprüche, nicht durch ungeheuere Geldstrafen, durch Verbannung und Gefängniß zu erschüttern; sie war bereit, Alles zu opfern und im Besitz eines einzigen Priestergewandes sich der missionärischen Thätigkeit hinzugeben — und sie hat standhaft an ihrer rechtmäßigen Obrigkeit festgehalten, an ihrem Oberhirten, ohne sich daran zu kehren, was hieraus für sie erwachsen konnte. Die innere Befriedigung, welche die Folge des erfüllten Pflichtbewußtseins war, war für sie Belohnung genug.
Heut gilt es, dieselben Grundsätze, dieselben' heiligen Rechte der Kirche zu bewahren und zu erhalten.
Wir würden unserer ehrwürdigen Geistlichkeit Unrecht thun, wenn wir uns den Zweisel erlaubten, sie könne die Fahne, unter der sie groß geworden, ruhmreich gekämpft, gelitten und für die Kirche sich Verdienste erworben hat, verlassen.
weiß, daß Sie verächtlich auf ihn herabblicken, weil er ein armer Teufel ist, ein Agent, und weil das Glück Sie zum reichen und angesehenen Manne gemacht hat. Sie halten sich für unübertrefflich schlau und klug, Sie sind mein Schüler, aber Sie vergessen, daß der Meister auch immer etwas vor seinen Schülern voraus hat, und wäre es auch nur die reichere Lebenserfahrung und ein durch häufigere Täuschungen schärferer Blick. Sie haben noch wenige Täuschungen erfahren. Ja, cs ist Ihnen fast Alle» geglückt, was Sie unternommen haben. Aber gerade Ihr Glück wird auch Ihr Unglück, denn es hat Sie verblendet. Ja, e« hat Sie blind gemacht. Die Lage des Hauses Damken haben Sie erkannt und wollen es stürzen, weil sein eitler thörichter Besitzer Ihrer eigenen Eitelkeit und Thorheit im Wege zu stehen scheint. Es wird Ihnen gelingen, diese» ehrwürdige Hau» zum Falle zu bringen - aber Geduld, Herr Buchmann, dieser Fall soll Ihre eigene Grundmauer erschüttern. Sie kaufen Wechsel auf da» Hau» Damken auf, aber Sie prüfen nicht genau, ob diese Wechsel auch die genügende Sicherheit für Sie haben, ob die, welche die Wechsel girirt haben, im Stande sein werden, zu zahlen, wenn sich da» Haus Damken insolvent erklären muß. Ha, das prüfen Sie nicht und das ist Ihre Achillesverse, an der ich Sie