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M 170.

Freitag, den 29. Juli.

1887

Altar M Ulin.

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* Coneurse und Vergantungen nehmen gegenwärtig stark überhand. Die Handels­kammer von Eupen hat an den Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, welche den Zweck hat, unter Verhinderung eines Concurfes eine schnelle Einigung zwischen Gläubigern und Schuldnern herbeizuführen. In dem Schriftstücke wird auf die in jedem Exemplare des .Reichsanzeigers' ver­öffentlichten zahllosen Concurserklärungen ' hinge­wiesen, welche mit Macht nach einem Mittel der Abhilfe oder wenigstens der Verminderung drän­gen. Weiter heißt es: Die größte Mehrheit der in Concurs gerathenen Leute besteht aus Klein­gewerbetreibenden. Schneider, Schuhmacher, Bäcker, Spezereihändler sind weitaus mehr darunter ver­treten, als größere Kaufleute. Gegen schlechte Ge­schäfte und falsche Dispositionen wird es nun nie ein Mittel geben; wenn wir uns aber fragen, woher denn häufig bei einem früher für zahlungs- fähig gehaltenen Geschäftsmann die Katastrophe eingetreten ist, so wirb in den meisten Fällen die Antwort lauten, daß, nachdem einige Gläubiger mit dem Eintreiben ihres Guthabens erfolgreich gedrängt haben, der Schuldner die weiteren For­derungen nicht mehr befriedigen konnte, und die Concurserklärung unvermeidlich war. Ein großer Theil der Zahlungseinsiellungen würde vermieden, wenn die betreffenden Gewerbetreibenden von vorn­herein den Muth hätten, ihre Lage offen einzu­gestehen und von den Gläubigen" Stundung zu verlangen, ober mit ihnen ein Abkommen zu treffen. In Belgien besteht schon ein ähnliches Gesetz „con- cordat preventif de la faillite“, welches einem unglücklichen und ehrlichen Schuldner (malheureux et de bonne foi) Schutz und die Aussicht, aus seiner schlimmen Lage herauszukommen, gewährt.

Sehr viele, wenn nicht die meisten der Concurss

Dich eigene Schild.

Roman aus der Handelswelt.

35. Fortsetzung.

Ei» junger Mann begegnete ihm und mit freund­lichem Gruße eilte er auf ihn zu. Es war ein Reisender des Hauses Buchmann. Polenz kannte ihn schon seit Jahren und fast ohne Veranlaffung hatte sich zwischen beiden Männern ein freund­schaftliches Verhältniß gebildet. „Ha, Herr Blume!" rief der Agent, indem er dem jungen Manne die Hand entgegenstreckte. „Sie hier? Ich glaubte Sie auf Reisen."

„Ich bin auch erst feit einigen Tagen zurück- gekehrt," erwiderte der junge Mann, „ich werde in einigen Tagen die Stadt schon wieder ver- lasien."

„So schnell wollen Sie schon wieder fort?" rief der Agent. „Ich hatte mich darauf gefreut, mit Ihnen wieder einmal einen Abend beisammen zu fein. Sie sollten mir von Ihren Reisen erzählen, und Sie wiffen ja, wie gemüthlich wir stets an solchen Abenden gewesen find. Wahrhaftig, mein lieber Herr Blume, ei thut mir sehr leid, daß Sie un» schon so bald wieder verlaffen wollen!"

„Ich bin der Sklave bee Geschäfts," erwiderte Blume, „mein Wille hört auf, wenn mein Prin-

bei uns haben ihre Ursache in der Langsamkeit unserer Zahlungsweise, besonders in höheren Schichten. Man kann die Erfahrung machen, daß der kleine Geschäftsmann im allgemeinen seine Verpflichtungen baldigst zu erledigen sucht, aber große Häuser halten mit ihren Zahlungen mitunter viele Monate zurück; sie haben das Geld dazu vorräthig, legen es aber auf die Bank, ziehen davonZins und der kleinere Geschäfts­mann muß inzwischen, weil seine Ausstände nicht eingehen, selbst auf der Bank gegen hohen Zins Geld leihen, da er doch seine Verpflichtun­gen erfüllen und seine Haushaltung bestreiten muß. Unter der großen Konkurrenz, die gegen­wärtig in allen Gebieten herrscht, ist der Nutzen des Geschäftsmannes sehr gering, muß er dazu noch lange auf seine Einnahmen warten, so wach­sen die Schulden ihm leicht über den Kopf und er wirft um! Diese Gewohnheit, die Zahlungen lange hinauszuziehen, ist ein Hauptgrund der zahl­reichen Concurse. Das kann erst anders werden, wenn im geschäftlichen Leben wieder das Bestreben kommt, seine Verpflichtungen baldigst zu regeln. Das hängt aber zumeist von den größeren Firmen ab, denn diese mit ihrer Kapitalmacht geben dem Geschäftsleben der Kleineren die Rich­tung und biltiren besonders die so wichtigen Zahlungsfristen.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Juli.

* Der Kronprinz von Griechenland ist heute in Berlin eingetroffen.

• In der Berliner Mediz. Gesellschaft hiett gestern Prof. Dr. Vir chow einen Vortrag über Pachy- dermia laryngis (Schleimhautwucherung), woran bekanntlich der Kronprinz litt. Aus dem Vortrage ging hervor, daß beim Kronprinzen die gutartige Form der Wucherung vorgelegen hat, so daß Mi- tere Befürchtungen nicht zu-hegen-siud. f

* Rach der ,Voff. Ztg.' ist vom Kultus­minister den katholischen Bischöfen das Recht zugestanden worden, einseitig, d. h. ohne Zustim­mung der Regierung als Schulaufsichtsbehörde die Trennung eines vereinigten Schul- und Kirchen- Amtes herbeizuführen; dagegen wird auch die Regierung das Recht haben, eine solche Trennung

zipal befiehlt. Ich bliebe gern noch einige Zeit hier, um alle meine Freunde und Bekannte wieder zu sehen. Es geht nicht. Wie wäre es aber, Herr Polenz, wenn Sie mir diesen Abend schenken wollen? Haben Sie Zeit, mir noch ein paar Stunden Gesellschaft zu leisten."

„Ich mache mir Zeit," entgegnete der Agent, „damit Sie erkennen, wie viel Werth ich auf Ihre Gesellschaft lege. Komme» Sie, ich gehe mit Ihne». Aber wohin? Wtssen Sie keinen Ort, wo wir ganz ungestört mit einander plaudern können, denn ich will Sie genießen, lieber Freund, und nicht die Menschen. Menschen habe ich hier immer und frage wahrlich nichts darnach. Wohin gehen wir?"

Der junge Man» schien sich durch diese Worte geschmeichelt zu fühlen. Ein selbstbewußtes Lächeln uckte um seinen Mand. Er schien einen Augen­blick nachzusinnen, dann sprach er:

„Wollen Sie mit in das Gasthaus kommen, in welchem ich logire? Auf meinem Zimmer find wir ganz ungestört, und wir können dort ebenso gut eine Flasche trinken, wie an jedem anderen Orte. Sind Sie hiermit einverstanden?"

„Kommen Sie, ich gehe mit Ihnen," erwiderte Polenz, indem er seine Hand in den Arm des jungen Mannes legte und diesen durch eine schmale

ohne Zustimmung der kirchlichen Aufsichtsbehörde in's Werk zu setzen. Durch welche Beweggründe die kirchliche Aufsichtsbehörde sich bei dem Ver» langen der Trennung leiten läßt, bleibt dem eigenen Ermessen Überlassen. Von Schulaufstchts- wegen soll eine solche Trennung nur dann aus­gesprochen werden, wenn das Schul-Interesse sie dringend erforderlich macht. „In der Natur der Sache liegt es, daß die Besetzung von Stellen, bei welchen Schul- und Kirchen-Amt mit einander vereinigt sind, über die Person des in dem ver­einigten Amt Anzustellenden zwischen dem zur Besetzung des Schul-Amts Berechtigten und dem zur Besetzung des kirchlichen Amts Berechtigten Einvernehmen stattfinden muß." Der Minister vertraut, daß die Bischöfe in Fällen der Amts­trennung wegen der letzter» wie wegen der Moda­litäten der Durchführung zuvor mit der Regierung in’6 Einvernehmen sich setzen werden.

* Nach einem Erlaß des hochw. bischöflichen Generalvikariates wird in Paderborn mit dem Beginn des nächsten Wintersemesters das für Theo- logie-Studirende bestimmte Konvikt wieder eröffnet werden.

* Breslau, 26. Juli. Die ,Kre»zztg.' schreibt: „In einem uns zugehenden Privatbriefe (aus Breslau) heißt es: Dem Vernehmen nach dürste die Pensionirung des Oberregierungsrathes und Abtheilungsdirigenten Schmidt hierselbst in nicht zu ferner Zeit die Verabschiedung des Regie­rungspräsidenten Frhrn. Juncker v. Ober-Conreut folgen. Es soll diese Personalveränderung in ge­wissem Zusammenhänge mit der Wiederbesetz­ung des bischöflichen Stuhles zu Breslau stehen. Ob an dieser gerüchtweise umlaufenden Nachricht etwas Positives ist, mag dahingestellt fein." — Frhr. Juncker v. Ober-Conreut hat be­kanntlich im Kulturkämpfe eine recht scharf aus­geprägte Rolle gespielt. Vielleicht kann er sich in den „Frieden" nicht finden.

* Frankfurt a. M., 26. Juli. Wie aus der Bekanntmachung der deutschen Centralstelle für die Vorbereitung der Sekundizfestfeier vorn April d. I. hervorging, hat das deutsche Komitee umfassende Vorbereitungen getroffen, daß die vatikanische Aus­stellung van Deutschland aus reichlich beschickt und vor allem, daß die aus Deutschland kommenden Gegenstände gut placirt werde» könne». Zu letz-

Seitengasse zu dem Gasthause führte. Er hatte diese Einladung gewünscht, weil es ihm nicht sehr lieb war, wenn er mit dem Reisenden des Hauses Buchmann in einem öffentlichen Orte zusammen gesehen würde. Zugleich hoffte er von dem jungen Manne manches Nähere über Buchmann zu hören, wobei ihm fremde Ohren doppelt hinderlich sein mußten.

Nachdem Sie das Gasthaus erreicht und das Zimmer des jungen Mannes betreten hatten, warf Polenz wieder einen prüfenden Blick in demselben umher und als er sah, daß Blume dies bemerkt hatte, sagte er mit ruhigem Lächeln: „Sie wohnen hier recht angenehm, es ist Alles sauber und nett."

„Nun müssen Sie mir von ihren Reisen er­zählen, mein lieber Herr Blume," fuhr er fort. „Sind Sie für das Reisen immer noch so be­geistert, als das letzte Mal, wo ich Sie sprach? Haben Sie noch immer dasselbe Glück, dessen Sie sich damals erfreuten?"

Blume hatte sich an feiner Seite niedergelassen. „Ich glaubte ganz gute Geschäfte gemacht zu haben, aber wie ich erfahre, ist man doch nicht zufrieden damit und dies ist wohl geeignet, mir alle Lust zum ferneren Reisen zu nehmen."

„Ich verstehe Sie nicht," bemerkte der Agent. „Daß Sie in Ihren Unternehmungen viel Glück