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J2 167. Dienstag, den 26. Juli. 1887

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* Rundschreiben des Kardinal- Staatssekretärs Rampolla an die Nuntien in Sachen der weltlichen Herrschaft des Papstes.

(Schluß.)

Wie könnte auch jemals Gerechtigkeit werden, wenn der Papst nicht wieder eingesetzt würde in seine unveräußerlichen Rechte der weltlichen Herr- ' schäft, Rechte, gegründet auf die legitimsten und heiligsten Titel? Denn kein Fürst könnte so wie der Papst seine weltliche Souveränetät nachweisen durch einen Besitz von mehr als 12 Jahrhunder­ten, begründet auf den freiwilligen Verzicht ver- lasiener Völker, auf Geschenke frommer Fürsten, auf fortgesetzte Geltendmachung, immer anerkannt durch Verträge als ein heiliges und unantastbares Recht der Kirche, unter Zustimmung aller Staaten und aller Nationen, welche die weltliche Herrschaft der römischen Päpste stets betrachtet haben als ein nothwendiaes Bollwerk der Unabhängigkeit des Apo­stolischen Stuhles, für die freie Ausbreitung seiner Lehren und volle Ausübung seines Hirtenamtes, gegen die Vergewaltigung und Unterdrückung irgend welcher Art; gegründet endlich auf Dienste, nicht allein Italien, sondern mehr noch anderen Rationen geleistet, welche in erster Linie dem Papstthum die Stufe der Civilisation verdanken, welche sie er­reicht haben, und ihre Befreiung von zahlreichen Ueberfluthungen der Barbaren.

Diese Titel und noch andere, welche man an- rufen könnte, um das Recht zu beweisen, mit wel­chem der Papst in seiner Allokution seinen Appell erläßt, sind so klar, daß sie nicht angegriffen und noch weniger hinfällig gemacht werden können durch das gewohnheitsmäßige Argument eines vorgescho-

Dich tigtut Schuld.

Roman aus der Handelswelt.

32. Fortsetzung.

„Welche Absicht sollte Buchmann dabei haben?" fragte Kleuser, dessen Gedanken sich durch die vielfach unerwarteten Aufschlüffe immer mehr und mehr zu verwirren anfingen. „Buchmann steht mit unserem Hause nur in einer sehr geringen Geschäftsverbindung. Es ist vielleicht nur Zufall, daß ihm mehrere auf uns lautende Wechsel in die Hände gefallen sind."

„Zufall?" wiederholte der Agent fragend, in­dem er den jungen Kaufmann mit einem fast ver­ächtlichen Lächeln ansah. „Ich habe geglaubt, Sie kennten den Charakter Buchmanns bester und wüßten, daß er in solchen Beziehungen sich nicht vom Zufall leiten läßt. Er ist ein ebenso feiner und gewandter, wie schlauer Geschäftsmann; was er thut, thut er nach reiflicher Ueberlegung, und was er einmal in Ueberlegung gezogen hat, muß auch dazu dienen, fein Interests zu fördern, oder seine Pläne in Ausführung zu bringen. Ja, ich bin fest überzeugt, daß er nichts unternimmt und thut, ohne einen ganz bestimmten Plan dabei im Auge zu haben. Errathen Sie noch nicht, welchen Plan er durch das Aufkäufen dieser Wechsel ver­folgt?"

denen nationalen Rechtes. Denn dieses sogenannte Recht der Nationalitäten ist nicht nur vollständig unbekannt dem positiven Recht, welches die gegen­seitigen Beziehungen der Nationen regelt, sondern es würde auch, wenn man es anwenden wollte auf die bestehenden Staaten, eine Ursache allgemeiner Verwirrungen werden, es würde wieder eröffnen die Eroberungen der Barbaren, ausgeführt unter der ausschließlichen Herrschaft der materiellen Ge­walt, mit Hülfe welcher der heil. Stuhl in einem Augenblicke beraubt wurde, wo Europa schweren Verwickelungen preisgegeben war. Es ist unrichtig, daß die Unabhängigkeit für die freie Negierung der Kirche und die Würde des römischen Papstes, so wie sie nothwendig ist, sicher gestellt würde ohne die allein wirksame Garantie der weltlichen Sou­veränetät.

Es bedarf keines großen Scharfblickes, um ein- zufehcn, daß der Papst, so lange er seiner wahren und eigentlichen weltlichen Souveränetät beraubt ist, auf seinem Sitze der Unterthan und der Gast einer andern ausschließlich und an erster Stelle souveränen Macht ist, und daß folgeweise, welcher Schatten von Freiheit und Unabhängigkeit ihm auch durch diese Macht in irgend einer Horm ein­geräumt werden möchte, jene Freiheit und Unab­hängigkeit stets thatsächlich verletzt und unwirksam gemacht werden könnte, abgesehen davon, daß die­jenige Macht, welche sie verliehen, rechtlich in der Lage wäre, dieselbe zurückzunehmen. Man würde also nicht den Zweck erreichen, im Hinblick auf welchen die Unabhängigkeit des Papstes als noth­wendig anerkannt ist, und der kein anderer ist, als seine geistliche Macht nicht nur in sich, sondern auch der Welt gegenüber frei und derart unge­bunden zu machen, daß sie vor aller Einmischung und jedem materiellen wie moralischen Druck von Seiten jeder andern Macht gesichert ist.

Endlich könnte der Papst bei der hohen Würde, mit welcher er bekleidet ist, seine geistliche Gewalt über mehr als 200 Millionen Unterthanen jeder Race und jeder Klaffe, von denen einige in sou- verainer Stellung sich befinden, nicht in ersprieß­licher Weise ausüben, ohne mit jenem äußern Glanze umgeben zu sein, welchen die Vorsehung ihm verliehen hat zu der Zeit, wo auf den Trüm­mern des römischen Reiches die verschiedenen

Mit einem fast verwirrten Auge blickte Kleuser den Agenten an. Er wußte nichts und errieth auch nichts, ja er kam sich diesem Manne gegen­über wie ein unwiffendes Kind vor, und dennoch hatte er sich etwas auf feine Gefchäftskenntniffe und auf fein vorsichtiges, schlaues Handeln ein­gebildet.

„Errathen Sie nicht, Herr Kleuser?" wieder­holte Polenz, als er keine Antwort erhielt, und mit einer fast gleichgültigen Stimme erwiderte dieser: „Nein."

Wieder ruhte des Agenten Auge mit dem stol­zen und selbstbewußten Lächeln, daß er weit über ihm stehe an Erfahrung, Klugheit und Scharfsinn, auf ihm. „Sie sind zu sorglos, Herr Kleuser," sprach er, „Sie trauen Andern zu wenig Scharf­blick zu und dies würde Sie vernichtet haben. Gottlob, daß ich Buchmanns Pläne noch früh ge­nug durchschaut habe. Ich will sie Ihnen nennen: er beabsichtigt, Ihr Haus, Sie und Herrn Dam- ken zu stürzen."

Vor Kleusers Augen begann e» zu schwindeln, doch raffte er sich mit aller Gewalt zusammen, um sich nicht noch größere Blöße zu geben.

„Sehen Sie," fuhr Polenz fort, „deshalb kauft er alle auf Sie lautende Wechsel auf, mit ihnen allen zugleich will er Sie bestürmen und vernich­ten; er weiß bereits, daß Sie nicht im Stande

Nationen und Königreiche aus dem Schooße der Christenheit hervorgingen. Der Papst würde, wenn ihm die Souverainetät auf seinem Sitze fehlt, fortgesetzt demüthigenden und in mehrfacher Be­ziehung der Erhabenheit seiner Stellung unwür­digen Berührungen sich ausgesetzt sehen. Er würde außerdem genöthigt sein, als Angehörige seines Hofstaates, als Rathgeber und Mitarbeiter jeder Art, wie die Ausübung des apostolischen Amtes sie erfordert, Personen zu haben, welche der Autorität eines anderen Fürsten unterworfen sind.

Aus dem Vorgesagten ergibt sich leicht die Folgerung, daß weder die Gerechtigkeit noch die Unabhängigkeit noch selbst die Würde des Papstes sichergestellt wären, wenn Italien darauf bestände, die zu grobem Schaden des Apostolischen Stuhles geraubte weltliche Herrschaft festzuhalten. Danach braucht kaum auf die Unhaltbarkeit und Windig- keit der von den gedachten Ministern im italieni­schen Parlament abgegebenen Erklärungen hinge­wiesen zu werden. Indem man behauptet, daß in Italien nirgendwo das Bedürfniß hervorgetreten sei, mit dem Papste sich auszusöhnen, setzt man sich in offenbaren Widerspruch mit dem allgemeinen Gefühl der Italiener, welches in der Preffe aller Richtungen und Parteien dahin zum Ausdruck gelangt ist, daß dem unnatürlichen und verhäng- nißvollen Kampfe ein Ende gemacht werden müffe.

Niemand kann in der That verkennen, daß Italien durch Unterdrückung der Kirche und des Papstes der stärksten moralischen Stütze sich be­raubt hat, welche jeder Regierung, vor allen aber der italienischen in ihrer selbstverschuldeten traurigen Lage unentbehrlich ist, um das Volk auf dem Wege der Pflicht zu erhalten, die heute sie er­schütterten Grundsätze der Autorität und Ordnung aufrecht zu erhalten, die grundlegenden Einrich­tungen des Staates vor Vernichtung zu schützen und um nicht immer über dem Haupte der Nation eine der ernstesten Fragen ungelöst schweben zu lassen, welche die religiösen und moralischen In­teressen der ganzen Welt berührt und Jedermann ein Recht der Einmischung und des Verlangens nach einer angemessenen Lösung gestattet, da die von Italien selbst gegebenen Gesetze nicht geeignet sind, die Gewissen zu beruhigen.

Wenn trotz aller dieser Gründe die italienische

sein werden, sie zu zahlen. Ha, ich glaube der Plan Buchmanns ist fein und herrlich angelegt, aber doch nicht fein genug, um ihm selbst nicht eine Falle daraus bauen zu können. Ich hoffe, daß es gelingen wird, und dann habe ich den Wunsch erreicht, den ich schon seit Jahren ver­folge. Sie sehen, Herr Kleuser, daß es sich bei mir diesmal nicht um Gewinn oder Verlust han­delt, es ist eine Rache oder eine That der Wieder­vergeltung, die ich an Buchmann üben will. Sie wissen, daß ich nicht immer Agent gewesen bin; auch ich habe ein eigenes Geschäft, ein eigenes Haus gehabt, von dem ich hoffen durfte, daß ich ihm mit der Zeit einen guten, weitverbreiteten Namen verschaffen werde. Wenige Jahre später als ich hatte Buchmann seine kaufmännische Lauf­bahn begonnen, unter meiner Leitung und ich kann wohl sagen, unter meinem Schutze. Das Glück hat ihn begünstigt und rasch emporgehoben, er hat glückliche Spekulationen gemacht und ist durch sie reich geworden: da — hat er seinen Reichthum benutzt, um mich zu stürzen, und es ist ihm ge­glückt. Ich durfte mich wohl rühmen, ein ebenso tüchtiger Kaufmann wie er zu sein und an Stars- blick und Klugheit mich ihm zur Seite stellen zu können, aber er hatte Glück und ich nicht, er stand reich und hoch da, ich suchte mich mit besten Kräften emporzuarbeiten. Er hat mich gestürzt,