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j|£ 166. Montag, den 25. Juli. 1887

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* Rundschreiben des Kardinal- Staatssekretärs Rampolla an die Nuntien in Sachen der weltlichen Herrschast des Papstes.

Seiner Zeit wurde Ihnen der Text der im Kon­sistorium vom 23. Mai gehaltenen Allokution über­mittelt. In dieser Allokution hat der hl. Vater, nachdem er dem hl. Kollegium seine hohe Genug- thuung über den Verlauf der seit längerer Zeit zur Herstellung des religiösen ^Friedens in Deutsch­land gepflogenen Unterhandlungen ausgedrückt hatte, in der väterlichen Liebe seines Herzens, welche alle Nationen umfaßt, vor Allem edle Worte an Ita­lien gerichtet, Worte, welche eingegeben waren durch apostolische Sorge und ernstlichen Friedenswunsch. Er sprach dieselben in der Hoffnung aus, daß sie in irgend einer Weise die Gemüther derjenigen er­schüttern möchten, welche sich weigern, den Weg einer gerechten und legitimen Versöhnung zu be­treten, in Italien noch einen heftigen Kampf mit dem Papstthum unterhalten unv so das Land des wohlthätigen Einflusies deffelben berauben.

Die erhabene Stimme des Oberhauptes der Kirche hat, wie sich nicht anders erwarten ließ, auf die Gemüther in Italien einen tiefen Eindruck hervor­gebracht, überall die Gefühle der Dankbarkeit und den Wunsch nach Beendigung eines unerträglichen Zustandes wachgerufen. Dieser Zustand ist für Alle ein trauriger und gewährt nur denjenigen Menschen Genugthuung, welche, von Haß gegen die Kirche erfüllt, den Papst als den unversöhn­lichen Feind Italiens erklären, des Landes, das im Papstthum stets den besten Förderer seiner weltlichen Wohlfahrt und den mächtigsten und sichersten Bürgen seiner Sicherheit gefunden hat.

Feinde des Friedens sind diejenigen, welche

Durch eigene Schild.

Roman aus der Handelswelt.

31. Fortsetzung.

„Sie wollen mir etwas mittheilen," fuhr Kleuser fort, „und haben deßhalb gewünscht, mich hier ganz allein und im Geheimen zu sprechen."

Der Agent nickte zustimmend mit dem Kopfe.

„Das ist meine Abstcht," sprach er. „Zuvor möchte ich indeß eine Frage an Sie richten, und Io bitte ich noch, mir dieselbe wahr und offen zu beantworten. Sie werden nachher einsehen, daß Ich nicht ohne Grund gefragt habe und daß eine offene Beantwortung in Ihrem eigenen Jntereffe Hegt. Wollen Sie offen antworten?"

„Es ist eine eigenthümliche Zumuthung, Herr Polenz, die Sie mir stellen", erwiderte Kleuser. »Ehe ich die Frage nicht kenne, kann ich Ihnen ^chts versprechen."

„Nun gut, Sie sollen dieselbe Hören," entgegnete ber Agent. „Sagen Sie mir aufrichtig, ist es begründet, daß sich ihr Haus einer sehr gefähr­lichen Krisis nähert?"

Kleuser fuhr überrascht und erschrocken zurück. »Herr Polenz, ich begreife nicht," rief er. „Wie kommen Sie zu dieser Frage?"

Der Agent lächelte ruhig. Ein einziger Blick

unter Verleugnung der Geschichte und Tradition auf den Ruinen des Papstthums ein nationales Gebäude errichten zu können wähnen. Sie haben nicht bedacht, daß dieses Gebäude, nicht errichtet auf den natürlichen Grundlagen, früher oder später einstürzen muß. Um die Wirkung der päpstlichen Allokution abzuschwächen, haben sie sich bemüht, die Tragweite derselben zu vermindern, als wenn die freundliche Einladung des Papstes, Italien möchte die Verletzung der Gerechtigkeit und die gegen die Unabhängigkeit und Würde des heil. Stuhles gerichteten Angriffe wieder gut machen, einen Verzicht des Papstes auf höchste Güter be­deute, welche weder er noch einer seiner Nachkom­men wieder zu fordern jemals unterlaßen kann.

Auch im italienischen Parlamente wurde, wie Sie aus den Blättern ersehen haben, letzthin eine Anfrage durch den Deputirten Bovio gestellt, die bezweckte, jeden Gedanken einer Annäherung an den heil. Stuhl auszuschließen. Die Minister der Krone, Zanardelli und Crispi, haben, wenn auch in gemäßigter und feiner Sprache, in lieberem- stimmung mit ihm versichert, daß Italien kein Be- dürfniß nach einer Versöhnung mit dem Papstthum empfinde, da ihm die Beobachtung der bestehenden Gesetze genüge, und daß es nicht gewillt wäre, eine Annäherung zuzulassen unter Preis gebung der Rechte der Nation und unter Intervention fremder Mächte.

Um solche unsinnige Kommentare in's rechte Licht zu setzen und so haltlosen Behauptungen angesichts des erhabenen Wortes des Papstes entgegenzutre­ten, sowie damit die öffentliche Meinung, nament­lich die des Auslandes? wo es schwer ist, alle Kunstgriffe, welche die Gegner des hl. Stuhles be­nutzen, um ihre Abstcht zu verbergen, zu erkennen, nicht irre geführt werde, habe ich es für angezeigt erachtet, die Aufmerksamkeit Ew. Excellenz auf fol­gende Punkte zu lenken, welche Sie dem Herrn Minister für die Auswärtigen Angelegenheiten un­terbreiten wollen. In erster Linie ist es kaum möglich, zu begreifen, daß es Leute geben kann, welche ernsthaft meinen, der Papst habe, indem er den Wunsch ausdrückte, der unheilvolle Zwist mit dem römischen Papstthum möge schwinden, die In- tereffen der Gerechtigkeit wie die Würde und Un­abhängigkeit des apostolischen Stuhles möchten ge­schützt werden, irgend eine geheime Absicht durch­blicken lassen können, auf die Forderung der weit-

auf das erschrockene Gesicht Kleusers hatte ihm schon die Antwort auf seine Frage gegeben. „Wie ich zu dieser Frage komme, Herr Kleuser," er­widerte er, „werden Sie nachher einsehen. Daß ich aber eine solche Lage Ihres Hauses vermuthe, kann Ihnen bei genauerem Nachdenken wenig auf­fallen. Ooer glauben Sie, daß ein erfahrenes kaufmännisches Auge nicht ungefähr zu überschauen und nachzurechnen vermag, was Herr Damken jährlich verbraucht und was sein Haus verdient hat? Ich habe es nachgerechnet, Herr Kleuser, und ich weiß, daß dies Hans nur durch die an­gestrengtesten Bemühungen im Stande gewesen ist, das von seinem Herrn verschwendete Geld zu schaffen. Plötzlich entfernt Herr Damken feinen alten Geschäftsführer, von dessen Tüchtigkeit er ebenso gut überzeugt war wie ich, aus seinem Geschäft und nimmt Sie als stillen Kompag­non an".

„Woher mißen Sie das? Wer hat Ihnen das gesagt?" unterbrach ihn Kleuser.

Der Agent lächelte wohlgefällig listig.

„Bitte, Herr Kleuser, lassen Sie mich ruhig ausreden," fuhr er fort. „Uebrigens gebe ich Ihnen die Versicherung, daß es mir Niemand verrathen hat. Es war nur eine Vermuthung von mir, die ich aus mehreren Anzeichen geschloßen hatte. Ich 1

lichen Gewalt, deren er durch Gewaltthätigkeit und durch das Werk geheimer Gesellschaften beraubt wurde, zu verzichten, und zwar einzig deshalb, weil er in dem kurzen Paßus feiner Allokution, in welchem er von Italien spricht, nicht ausdrücklich diese Forderung erwähnt hat.

Um den päpstlichen Worten eine solche unsinnige Auslegung zu geben, muß man nicht nur vergeßen die früheren Akt« und selbst neuere eben dieses Papstes, welche in der klarsten und unzweideutig­sten Form die mit Füßen getretenen Rechte des heil. Stuhles auf Rom und auf den Kirchenstaat wiederforderten, sondern man muß auch vergeßen die feierliche Erklärung des ganzen Episkopates, welche die einmüthige Stimme der ganzen katho­lischen Kirche wiedergab und besagt, daß unter den gegenwärtigen Umständen die weltliche Herrschaft des Papstes eine unerläßliche Bedingung für die freie Ausübung des Apostolischen Amtes ist. Auf der andern Seite muß man die Aufmerksamkeit daraus lenken, daß die Bedingungen, unter welchen der Papst die gewünschte Versöhnung anstrebt, aus­drücklich die Wiederherstellung der verletzten Ge­rechtigkeit fordern, sowie die zur Unabhängigkeit und Würde des Apostolischen Stuhles nothweudigen Mittel. Durch diese Einschränkung fordert er in der wirksamsten Weise sein Recht auf die weltliche Herrschaft. (Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Juli.

* Dem Bundesrath ist ein Gesetzentwurf wegen Unterstützung von F a m i I i e n in den D i e n st eingetreter Mannschaften zugegangen.

• Kultusminister Dr. v. Goßler begiebt sich am 6. August in Begleitung des Unterstaatssekre­tärs Dr. Lucanus nach Göttingen, um den Jubiläumsfestlichkeiten der dortigen Universität bei­zuwohnen.

* Die Verdrängung des kleinen Be­sitzes durch den großen vollzieht sich theilweise auch durch die automatischen Vorrichtungen, die sich allmählig bei uns ein- zubürgern beginnen. Wie die automatischen Wagen, so tauchen jetzt, nachdem England voran­gegangen ist, bei uns auch ähnliche Maschinen auf, die für lo Pfennige, welche hineingeworfen werden,

sprach sie offen aus und Ihre Frage hat sie mir bereits bestätigt. — Gut, laßen sie mich nun nach meinen eigenen Vermnthnngen weiter schließen. Wie Sie wißen, ist Herr Damken sehr stolz und neben seinem Stolze zugleich sehr schlau. Sie selbst haben, so viel ich weiß, mit ihm bis dahin in nicht sehr naher Verbindung gestanden. Sie waren eigentlich nur durch Gesellschaften mit ihm bekannt! Ich weiß nun zwar nicht, auf welche Weise Herr Damken Sie für sich gewonnen hat, aber aus dem von mir Berührten hätten Sie schließen können, welche Absicht Herr Damken verfolgte, — er wollte vorläufig Ihr Geld für sein Geschäft haben. Ich glaube nicht, daß er Ihnen die Lage seines Hauses offen mitgetheilt hat. Gestehen Sie es nur ein, Sie haben sich von ihm täuschen gleichsam überrumpeln lassen, und das finde ich von Ihnen ganz natürlich. Sie kannten Herrn Damken und den Stand seines Hauses zu wenig, Ihnen schwebte der alte, ehren­volle Name: „Haus Damken" vor — das hat Sie gefangen. Ihre gewagten und hastigen Speku­lationen an der Börse haben aber meine Vermuth- ungen bestätigt und den jetzigen gefährlichen Stand des Hauses errathen. Sie sehen, daß ich so ziem­lich mit dem Stande Ihres Geschäftes vertraut

1 bin, aber ich wünsche doch Ihre Bestätigung meiner