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JH 165.

Sonnabend, den 23. Juli.

1887

Mikl Ä

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Erstes Blatt.

* Der „Attkatholizisrrms"

geht im Skandal unter. Was war das für ein Leben zu Anfang der 70er Jahre, da Döllinger mit der ganzen hochmütigen Verblendung, die den deutschen Katheder-Doktrinär kennzeichnet, rief „Tausende im Klerus denken wie ich", als dann die Huber, Michelis, Friedrich u. s. w. herum­reisten und alles, was schon vorher im Glauben abgestanden war, sowie eine Handvoll gutmüthigex Verführter sammelten zu einer „altkatholischen deutschen Nationalkirche". Wie schien die Sache aufzublühen unter dem Jubel der „Kulturkämpfer", unter dem Beifall des Liberalismus, unter der Unterstützung der Regierungen I Am weitesten ging man hierin in der Schweiz, wo besonders in den Kantonen Bern und Genf sich die liberale Staatsgewalt mit aller Kraft und Brutalität der Vernichtung der katholischen und ihrer Ersetzung durch eine „altkatholische" Kirche widmete. Dort fanden sich auch die meisten Priester, die zur neuen Kirche überliefen und dem Volke mit Gendarmerie und Büttel aufgedrängt wurden. In der Schweiz brach der hohle Bau aber auch zuerst zusammen und zwar sowohl am Widerstande des gläubigen Volkes, wie an der Korruption der altkatholischen Geistlichkeit. Zumeist war es ja der Abschaum der Priesterschaft Deutschlands und der Schweiz, der sich der neuen Kirche angeschlossen hatte, und bald begann man sich die skandalösesten Geschichten über das sittliche Leben dieser Säulen und Pioniere des „Altkatholizismus" zu erzählen. Die meisten hatten ein Weib genommen, waren aber dann oft durch ein skandalöses Eheleben noch mehr der öffentlichen Verachtung anheimgefallen. In Deutsch­land ging es nicht viel besser, wenn der Schmutz auch lange nicht so hoch sich anschichtete, wie in der Schweiz. Die wenigen befferen Elemente im „altkatholischen" Priesterstand, die sich in bester Absicht hatten mitreißen und verführen laffen, zogen sich angesichts solcher Zustände bald beschämt zurück und machten wieder ihren Frieden mit der kath. Kirche. Die anderen enden im Skandal und Sumpf. So ist aus Baden kürzlich wieder einer verschwunden, der altkatholische Watterich. Er hat seine Frau schnöde verlasien, Bücher und Werth-

Derch eigene Schn».

Roman aus der Handelswelt.

30. Fortsetzung.

Letzingen schwieg, er schien den Worten des Handelsherrn noch nicht volles Vertrauen zu schenken und stand in Gedanken versunken da. Um ihn aus dieser trüben Stimmung zu reißen und für den Augenblick jeden ferneren Gedanken abzuschneiden, legte der Handelsherr die Hand in seinen Arm und zog ihn mit sich fort.

„Kommen Sie, kommen Sie," rief er heiter, »Sie nehmen sich die Sache wahrhaftig mehr zu Herzen, als es Roth thut. Laffen Sie uns einen Spazierritt machen, das ist das beste Mittel, um alle trüben Gedanken zu verscheuchen. Kommen ^ie, Sie sollen auch auf Ihrem alten Fuchs reiten. Derselbe hat Sie schon mehr als einmal glücklich Ihrem Ziele entgegengetragen und Sie zum Sieger gemacht. Ha, eine glückliche Vorbedeutung! Sie "üflen den Fuchs reiten, kommen Sie!"

Das Haus Damken in der Stadt, das alte grüne Gebäude, das von jeher so ernst und würdig "agestanden, hatte ein ganz anderes Aussehen be- Wohl herrschte jetzt ein lauteres, regere» "ben in dem alten Gebäude und laute Stimmen krschallten jetzt auf dem Hausflur und auf dem

fachen mitgenommen und nachdem er fort war, mußte die verlaffene und betrogene Gattin noch 16,000 M. Schulden für ihn bezahlen. Schließ­lich bleiben Döllinger und Reinkens allein übrig und spielen „altkatholische Kirche" miteinander. Das ist das Ende der ganzen Herrlichkeit, die sich einst vermaß, Rom zu stürzen und die deutschen Katholiken in eine Nationalkirche zu locken.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Juli.

* Die kronprinzliche Familie beabsichtigt auch dieses Jahr einen mehrwöchentlichen Aufent­halt in Italien zu nehmen. Dem Vernehmen nach begiebt sich das kronprinzliche Paar mit den Prin­zessinnen Töchtern nach Venedig.

* Zur kirchenpolitischen Lage in Preußen hat das Augsburger .Pastoralblatt' jüngst einen intereffanten Artikel gebracht, dessen Schluß lautet: „Es bedarf keines Beweises dafür, daß es der feste entschiedenste Wille de» Papstes ist, daß das Prinzip der Freiheit der Kirche aufrecht erhal­ten werde. Wenn nun Leo XIII. gewiffe Konj- zessionen bis zur Grenze des „tolerari posse“ an den Staat gemacht, so konnte ihn dabei nur ein großes Vertrauen leiten, das er auf den sturmerprobten Klerus der Diözesen Preu­ßens hegt. Es ist wahr, es ist große Gefahr, daß Hunderts von Logengeist angekränkelte oder durchwehte protestantisch; Staatsbeamte das Denk­barste aufbieten werden, um die kirchliche Gesin­nung des Klerus auf die niedrigste Stufe zu drücken, und da der Staat seine Hand weit in die Besetzung der Kanonikate und Bischofs- stühle hineinstecken kann, so ist die Gefahr einer langsamen aber tiefgehenden Demoralisation des Klerus, von den Priester - Seminarien ange­fangen, eine ernstliche, aber es ist doch nicht eine absolute Nothwendigkeit, daß diese Demoralisation kommen muß, und zwar deshalb nicht, weil ein echter priesterlicher Corps­geist des Klerus alle gegnerischen Bestrebungen illusorisch machen könnte. In die Hand der Priester selbst ist es gelegt, ob die Anzeigepflicht und das Einspruchsrecht vom Staats auf die Länge der Zeit als etwas Wichtiges oder al» ziemlich Bedeutungsloses angesehen wird. Die Preußen

Hofe wie in den Waarenlagern, und doch lag über dem Ganzen eine schwüle drückende Luft. Es kamen noch Waaren an und wurden wieder fort­geschafft, aber es fehlte in Allem die strenge, ge­wohnte Ordnung. Das Meiste geschah mit viel Geräusch und vielen Worten, während früher Alles ruhig und geregelt seinen Gang ging.

Der Abend rückte heran, die Stunde, welche die Arbeitszeit beendete, schlug und stiller und stiller wurde cs in dem alten Hause. Die Ar- beiter und Diener eilten heim das alte, mächtige Thor wurde geschloffen und wie ausgestorben stand das große Gebäude nun da. Nur in dem kleinen Zimmer des Geschäftsführers war es noch nicht still geworden. Mit raschen Schritten ging Kleuser darin auf und ab. Er hatte die Arme auf den Rücken gelegt und seine Srirn war in finstere Falten gezogen. Dann und wann blieb er vor den großen und alten Handelsbüchern, welche auf dem Schreibtische aufgeschlagen lagen, stehen und warf einen Blick in dieselben, er hatte indeß nicht Ruhe genug, darin weiter zu lesen, denn gleich darauf trat er seine Wanderung wieder an.

„Ha, nur Geduld, Herr Damken," brach Kleu­ser, zu sich selbst redend, das Schweigen," nur Geduld, die Zeit kommt auch, wo ich Ihnen

sind in der Wiege schon Soldaten. Sie lieben Strammheit, haben Sinn für Disciplin und Neigung zu gemeinsamem Vorgehen. Wenn der preußische Klerus wie ein Mann fest und stramm an den Grundsätzen der Kirche hält, so daß der „Streb e r" unter ihnen wie ein „w e i ß e r R a b e" sich ausnimmt und wie am Pranger steht vor dem Klerus und dem Volke, dann wird die Sache so schlimm nicht gehen. Denn es werden dann bald mehrere sich zur Ansicht Bismarck's, hin­neigen: es ist eigentlich auch das Einspruchsrecht etwas „Brimborium", es ist verlorene Liebesmüh bei Jedem von ihnen, die dreißig Silber- liinge will sich doch keiner verdienen. Es ist Schade um die Fragebogen, die man aus­gegeben, ein Bogen hätte für Alle genügt, denn cs ist Einer wie der Andere."

* Auf Basentin bei Gollnow starb am 19. d. Mts. einer der größten pommerschen Grundbesitzer, der Erblandmarschall im Herzogthum Pommern und Fürstenlhum Cammin, von Flemming. Er war am 3. November 1802 zu Stettin geboren, stand also im 85. Lebensjahre. Seit 1860 ge­hörte er dem Herrenhause an.

* Köln, 21. Juli. Die .Kölnische Volkszeitung' schreibt: „Wir können die gestrige telegraphische Meldung aus Fulda, gemäß welcher die nächste Konferenz der preußischen Bischöfe dortselbst am 10. August stattfinden wird, insofern bestäti­gen, als diese Zusammenkunft noch einmal am Grabe des h. Bonifatius abgehalten werden soll. Für die weitern Konferenzen ist Köln als der Ort der Zusammenkunft bestimmt, wie in unserer Breslauer Korrespondenz in Nr. 196, II. Bl., für die bevorstehende bereits als „wahrscheinlich bezeichnet wurde."

* In Betreff der badischen kirchenpoli­tischen Verhältniffe verlautet, daß die Regierung mit Rom Unterhandlungen pflege, und daß sie mit Ausarbeitung eines bezüglichen Gesetzentwurfs beschäftigt sei. Zur Erlaffung eines Gesetzes be­darf die Regierung aber der Zustimmung der Kammern. Nun hat dis ,Bad. Lanbesztg.' ge­schrieben, daß die national-liberale Fraktion ge­legentlich des außerordentlichen Landtages „ein­stimmig" beschlossen habe, jeder kirchenpolitischen Vorlage die Zustimmung zu verweigern. Sei dem, wie ihm wolle, jedenfalls haben die kirchentreuen

heimzahlen werde für die Liebe, mit der Sie mich bereitwillig zu Ihrem Compagnon ange­nommen haben! O, ich Thor, daß ich mich auch nur einen Augenblick habe blenden und täuschen lassen! Ich muß mich mühen und quälen, für mich allein ist alle Arbeit und Sorge während er im Nichtsthun Tausende vergeudet. O, er hat es schlau berechnet, er weiß, daß ich auch das Meinige verlieren würde, wenn ich nicht zu retten suche, wenn ich nicht arbeite Tag und Nacht. Er glaubt mich unzertrennlich fest an sich gekettet zu haben, aber nur Geduld! Mit Gewalt will ich die Kette zerreißen; ich will die Kette zer­reißen; ich will den Lohn für meine Mühe ver­schaffen, mag er darüber zu Grunde gehen oder stürzen — mir gilt es gleich! Ja, nur noch kurze Zeit Geduld und auch mein Plan ist reif. Dann halten wir Abrechnung, Herr Damken; dann wollen wir die Conti unserer Bücher auf­schlagen und unser Soll und Haben ausgleichen. Nur eine kurze Zeit noch Geduld."

Er setzte seine Wanderung wieder fort, nur dann und wann blieb er lauschend vor der Thüre stehen. Es war Alles still in dem alten Gebäude. Dann trat ein Mann ein.

Es war eine kleine schmächtige Gestalt. Die gelbe fast braune Farbe seines Gesichts, das