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JE 164.

Freitag, den 22. Juli.

1887

Jilhft Ä 3tilm.

Die.Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Deutsches Reich.

Berlin, 21. Juli.

• Das Kunstbuttergesetz hat unter dem 12. dieses die kaiserliche Sanktion erhalten und wird jetzt ebenso wie das Gesetz, betreffend die Unfallversicherung der Seeleute amtlich veröffentlicht.

* Die demnächst beginnende Uebungsreise der Offiziere des Großen Generalstabes unter Leitung des Generalquartiermeisters Grafen von Waldersee wird sich, wie das .Deutsche Tage­blatt' vernimmt, nach der Pfalz erstrecken.

* Posen, 18. Juli. Der .Kuryer Pozn.' weist darauf hin, daß die Krieger-Vereine, welche bekanntlich der Ansiedelungs-Commis­sion in patriotischer Begeisterung ihre Dienste angeboten haben, statutenmäßig politische und religiöse Angelegenheiten aus ihren Bestrebungen : ausgeschlossen haben, und meint es stehe mit dieser Bestimmung in Widerspruch, daß jetzt Mit­glieder von Krieger-Vereinen zu Ansiedelungs- [ zwecken verwendet werden sollten. Man möge nicht vergessen daß diesen Vereinen in den Provinzen Posen und Westpreußen und in Ober- schlesten sehr viele polnische Mitglieder angehörten, und daß Letztere nun ruhig zusehen sollten, wie der Central-Vorstand des Kriegerbundes mit der Ansiedelungs-Commision in Verbindung trete, um die Ziele dieser Commision durch Mitglieder von Krieger-Vereinen fördern zu helfen. Das Land solle nicht nur germanifirt werden, sondern es würden auch neue Stätten für den Protestantis­mus geschaffen. Das polnische Blatt spricht des­halb sein Erstaunen aus, daß man die ange­tragenen Dienste des Vorstandes angenommen habe; schon deshalb habe man dieselben zurück­weisen müssen, weil sehr viele Mitglieder der Krieger-Vereine katholisch seien und die Gefühle dieser geschont werden sollten.

* Frauenburg, 18. Juli. Herr Sie. Joh. Wichert ist zum Regens des erml. Priesterseminars ernannt worden.

* Breslau, 19. Juli. Zum kirchenpolitischen „Frieden" berichtet die ,Schles. Volksztg.': „Die Lokalschulinspektion über die katholische Schule in : Schönwalde bei Silberberg ist nicht dem Orts- ' Pfarrer, sondern laut amtlicher Bekanntmachung

M eigene Schul».

Roman aus der Handelswelt.

29. Fortsetzung.

Setzingen verbiß das Bittere und Schneidende dieser Worte. Er wußte nicht, wie er sie wider­legen sollte, ohne sich noch größere Blöße zu Sebeti. „Ich begreife, Fräulein Damken," er­widerte er, „daß es Ihnen schwer werden muß, gegen andere Männer gerecht zu werden, da ein Rann, der Ihnen näher steht, Ihr Urtheil be­sangen hält. Unwillkürlich werden Sie immer eine Vergleichung mit diesem anstellen und," sägte er mit einem spöttischen Sticheln hinzu, „die Siebe macht ja mehr oder weniger blind, zum wenigsten blind gegen Andere."

Gabiele erröthete. Sie hatte nicht geahnt, daß auch dieser Mann in da» Geheimniß ihrer Siebe | ^ngeweiht war. Sollte ihr Vater ihm das Ge- | heimniß verrathen haben? Sie zweifelte daran, I m wußte, wie er darüber dachte. Die unzarte Waise, in welcher der Gutsbesitzer da» Geheim- s>iß berührte, erbitterte sie. „Herr von Setzingen," sprach sie ernst, indem sie stehen blieb und ihn Wit ihren großen dunklen Augen offen anblickte, "Wh glaube Ihnen noch keinen Bewei» gegeben itt haben, daß mein Urtheil über irgend einen

dem dortigen Gemeindevorsteher und Gutsbesitzer Herrn Rosenberger übertragen worden. In Schön­walde befindet sich nicht etwa ein Pfarr-Admini­strator oder Hilfsseelsorger, sondern die Pfarrei ist regelrecht kanonisch besetzt, ohne daß seitens des Oberpräsidenten Einspruch erhoben worden wäre."

* „Mehrere Frankfurter, Patrioten, aber keine Zeloten", wenden sich im .Frankfurter Volks­blatt' in Sachen des Aufrufs der 39 Unter­zeichner zur konstituirenden Versammlung des „Evangelischen Bundes" an die Bewohner Frankfurts mit folgenden Worten:

Der in Lokalblättern veröffentlichte Aufruf zur Theil- nahme an der Festfeier des „Evangelischen Bundes" ist wie für ganz Deutschland, so insbesondere für die fried­lich neben einander lebenden Bewohner Frankfurts ein Ereigniß von großer Bedeutung und Tragweite, welches mit vollem Ernste zu prüfen ernsten Männern wohl ge­ziemte. Die Katholiken finden in diesem Aktenstücks, trotz aller versuchten Bemäntelung, eine geplante Mobilmachung gegen die katholische Kirche. Wenn „Roms Macht" als Schreckmittel ins Treffen geführt wird, wozu die Ver­sicherung, daß gegen die katholische Kirche nicht gerüstet werde? Oder sollten wir nicht die Phrase verstehen, wem „die Befreiung von Aberglauben und Menschenknechtschaft" zugedacht ist? Was kann ein vernünftig denkender Mensch unter den Tiraden „einer Weltherrschaft in Deutsch­land, die immer angestrebt werde"; „eines jesuitischen Ultramontanismus, welcher den Haß der Konfessionen schüre", oder „der eine Gefahr für den Protestantismus bilde", sich wohl vorstellen? Sind das nicht Ausgeburten einer vorurtheilsvollen Phantasie, die man dem Ver­folgungswahnsinn an die Seite stellen kann? Aehnelt dieses nicht dem früheren unseligen Hexenglauben, dem Tausende von Unschuldigen zum Opfer fielen?

Wo ist derjenige, welcher in Deutschland, dem Lande mit zwei Millionen Bajonetten, eine Weltherrschaft auf­richten will? Ist nicht Kaiser Wilhelm der Beschützen der evangelischen Konfession? Man beschuldigt den Ultra­montanismus und den Jesuitismus. Wir verstehen dies. Man schlägt auf den „Ultramontanismus" und meint die katholische Kirche.

Wir haben einen Papst, dem die ganze Welt das Zeugniß der Friedensliebe gibt; Bischöfe, deren friedliche Gesinnung ebenfalls weltbekannt ist; einen Klerus, der unter den Härten eines fünfzehnjährigen Kulturkampfes seine Friedensliebe erpropt hat; vom katholischen Volke nicht zu reden, das sich in derselben Zeit trotz aller Auf­regung musterhaft gehalten hat. Wo sind die Beweise für die angeblich „bedrohten Güter des Protestantismus?" That- sachen, Thatsachen, würde ein Richter sprechen, nur keine Redensarten. Als einzig wahren Grund dieser Mani­festation muß das Bedürfniß nach größerer Einheit unter den Parteien des Protestantismus angesehen werden. Zum Reifantreiben schreiten die Küfer, wenn das Faß beginnt leck zu werden und die Dauben auseinanderfallen wollen; dann gilt's, von außen die Reife anzutreiben. Der eiserne

Menschen befangen oder ungerecht ist. Habe ich mir je ein Urtheil über einen Menschen erlaubt, so habe ich es streng und ehrlich nach seinem Charakter und dem Grade, in welchem ich ihn achten kann, abgemessen. — Doch kommen Sie; ich habe Sie schon zu lange von dem Besuche bei meinem Vater abgehalten."

Sie wandte sich um und schlug dann den Weg zur Villa ein.

Zum zweiten Male fühlte sich der Gutsbesitzer verletzt und doch mochte er es nicht merken lassen, weil er die Hoffnung noch nicht aufgegeben hatte, Gabrielen« Hand zu erringen. Auf ihr Herz wagte er nicht zu hoffen, und der Reichthum des Handelsherrn war ja auch nicht an das Herz, sondern an die Hand seiner Tochter geknüpft. So schwer es ihm auch wurde, entschloß er sich den­noch, von seiner Absicht zu sprechen, vielleicht glückte ihm dieser Weg, Gabriele günstiger gegen sich zu stimmen.

Schweigend schritt er eine Zeit lang an ihrer Seite der Villa zu. Ec überlegte, auf welche Weise er seinen Entschluß' am besten ausführte. Endlich begann er: „Fräulein Damken, ich habe vor einigen Tagen Ihrem Vater gegenüber einen Wunsch und eine Hoffnung ausgesprochen, von deren Erfüllung das Glück meine« ganzen Sebens

Reif, welcher die divergirenden Parteien des Protestantis­mus zusammenhält, scheint der Haß gegen Rom zu sein. Statt diesen anzutreiben, gebe man dem Faffe den rich­tigen Inhalt und es wird nicht leck werden.

Ganz Deutschland sehnte sich nach dem Ende des Kultur- kampfes im Interesse des Vaterlandes und des Christen- thums. Nur eine Partei innerhalb des Protestantismus scheint das Ende desselben mit Mißbehagen zu erfüllen; nach ihr sollen sich die Katholiken Deutschlands des kirch­lichen Friedens nicht mehr erfreuen. Auf den ersten Kultur­kampf, den von Oben, soll ein zweiter folgen von Unten. Jener Aufruf gibt das Signal dazu; nein, er ist kein „Friedenswerk", sondern eine Kriegserklärung.

Spurlos war der erste Kulturkampf an Frankfurt vor­übergezogen, Dank dem gesunden Sinne der Frankfurter und der taktvollen Haltung unserer Presse. Soll dieser rühmliche Sinn von der Bildfläche unserer Vaterstadt ver­schwinden, zumal nach den schönen und friedlichen Tagen des deutschen Schützenfestes? Sollen die Tage der Union und Liga von 1608 und 10 zurückkehren angesichts der feindlichen Bedrohung der Ost- und Westgrenze? Sind denn nicht 39 Männer zu finden, welche mit Namens­unterschrift diese falschen Insinuationen zurückweisen und die Bürgerschaft über den unsinnigen Verfolgungswahn aufklären, welcher jenem Bunde zu Gevatter steht? Ein solches deutsches Manneswort würde in der That ein „Friedenswerk" sein, weil es den Kampf verhindert. Unser Vertrauen setzen wir auf Gottes Vorsehung und in den gesunden Sinn des deutschen Volkes, dem jeder versuchte Import von Zelotismus und Konfessionshaß in der tiefsten Seele zuwider ist.

Was kann der „Evangelische Bund" auf diese ausgezeichnete und schlagfertige Abweisung seines Angriffes erwidern?

Ausland.

* Rom, 20. Juli. Seo XIII. beschäftigt sich augenblicklich angelegentlich mit der Reorganisation der Missionen in China. Das apostolische Vi­kariat in der Provinz Chen-St, welches von italienischen Franziskanern geleitet wird, ist in 2 besondere Territorien getheilt worden. Eines der­selben behalten die Franziskaner, da« zweite wird den Priestern des Seminars St. Peter und Paul, welches von Pius IX. für auswärtige Missionen gegründet worden, überlassen werden. — Die goldene Rose, welche im vorigen Jahre be­kanntlich der Königin-Regentin von Spanien über­schickt wurde, erhielt diesmal Fräulein Caidwell zu Waddington in den Vereinigten Staaten, die zur Gründung einer katholischen Universität in der Union 1,500,000 Dollars gespendet hatte. Es ist jetzt das zweite Mal, daß eine Bürgerliche die goldene Rose erhält; die erste Bürgerliche war die Gattin des General Sherman.

abhängt. Ihr Vater hat mir sein Wort gegeben, Alles was in seinen Kräften steht zu thun, um mich diesen Wunsch erreichen zu lassen. Aber sein Wort allein genügt noch nicht, wenn Sie es nicht bestätigen, denn von Ihnen, Fräulein, von Ihnen allein hängt es ab, ob ich dieses Glück erreichen werde oder nicht."

Mit ruhiger Bestimmtheit blickte Gabriele ihn an.

„Sie verstehen mich wahrscheinlich nicht, Sie ahnen nicht, wie nahe mein Wunsch Sie angeht," fuhr Setzingen mit milder und eindringlicher Stimme fort. Ja, Sie ahnen nicht, daß mein höchstes Glück oder Unglück in Ihrer Hand steht."

„Doch, Herr von Setzingen, ich verstehe Sie," unterbrach ihn Gabriele. Mein Vater hat mir Ihren Wunsch mitgetheilt, und es wäre unrecht von mir, wenn ich Ihnen Hoffnung machen oder nur lassen würde, welche nie — nie erfüllt wer­den könnte."

„Fräulein Damken," rief der Gutsbesitzer lei­denschaftlich, „sprechen Sie das Wort noch nicht aus, da» mein Glück für immer unmöglich macht. Sie kennen mich noch zu wenig, um jetzt schon einen Entschluß fassen zu können; geben Sie mir nur Gelegenheit, mich Ihnen zu zeigen, so wie ich bin, nicht schlechter und nicht besser, und dann, dann mögen Sie sich entscheiden — nicht eher."