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Dienstag, den 19. Juli.
1887
fnlinet W Zeitiiiig.
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hoben mit Genugthuung hervor, die Berichte träten ,er Meinung, als ob „nur Angehörige der jüdischen Religionsgemeinschaft Wucher treiben", be- timmt entgegen. Das war ganz überflüssig, denn ;er mit den Verhältnissen auf dem Lande Vertraute, weiß, daß es leider auch unter den C h r i st e n wucherische Blutsauger gibt. Aber das geben doch auch die Berichte auf mehr als einer Stelle zu, daß der Prozentsatz, in welchem die Juden am Wucher betheiligt sind, ein kolossaler ist. Als Handelsleute mögen sie ja besonders zu diesem unsauberen Geschäfte versucht sein, aber das allein erklärt den großen Prozentsatz der Juden unter )en Wucherern noch keineswegs, vielmehr wird man in dieser Beziehung auf gewisse Grundsätze des Talmud behufs Erklärung zurückgehen müssen. Geht doch selbst ein liberales Blatt so weit, bei Besprechung der Berichte die. Frage aufzuwerfen, „ob nicht zur Beseitigung dieses traurigen Mangels in unserer Volkserziehung von Seiten der jüdischen Religionsgemeinschaft wirksame Maßnahmen ergriffen werden können."
Natürlich erörtern viele Berichte auch die gegen ;en Wucher erforderlichen Schutzmaßregeln. Abgesehen von einer besseren Volkserziehung und >er Beschaffung billigeren Kredits für die Landbevölkerung, sowie landwirthschaftlicher, besonders der Bel.hrung und gegenseitigen Unterstützung rienender Vereine, werden auch legislative Maßnahmen wie: Einführung der Uneinklagbarkeit der Wirthshausschulden, Verpflichtung gewerbsmäßiger Geldverleiher zur Führung amtlich kontrolirter
Jedenfalls aber hat sich der Verein durch Ver- öffentlichung dieser belehrenden Berichte über einen am Marke des Volkes nagenden Krebsschaden em Verdienst erworben.
* Der Wucher auf dem Lande,
in.
Einer sehr dankenswerthen Ausgabe hat sich hinsichtlich der Wucherfrage auch der Verein für Sozialpolitik unterzogen. Von den Schriften dieses Vereins ist der neueste vom Oekonomierath Thiel redigirte Band ausschließlich der Mittheilung der Erhebungen gewidmet, welche der Verein im Frühjahr 1886 über dieses wenig erfreuliche Thema mittelst ausgesandter Fragebogen veranstaltet hat. Es handelte sich darum, über die Ausdehnung und die schädlichen Wirkungen des Wuchers auf dem Lande sowie über die etwaigen Abhilfemittel alles irgend zugängliche Material zu sammeln, um an der Hand desselben zu ermessen, ob und auf welche Weise dem Nebel gründlich, d. h. an der Wurzel abgeholfen werden könne. Es war demgemäß nicht nur die gewöhnliche Art des Wuchers, der Geldoder Kreditwucher in Betracht zu ziehen, sondern die wucherischen Geschäfte aller Art, bei denen es sich irgend um Ausbeutung der Rothlage, des Leichtsinnes, der Unerfahrenheit oder der Unwirth- schastlichkeit handelt. Die Berichte erstrecken sich fast auf alle Staaten Deutschlands resp. auf deren einzelne Provinzen, beschränken sich jedoch auf die bäuerlichen Verhältnisse, ziehen also die Lage des Großgrundbesitzes nicht in Rechnung, obwohl manche Berichte durchblicken lassen, daß der Wucher auch im mittleren und größeren Grundbesitz sein Unwesen treibt.
Aus den Berichten ergibt sich nun, daß der Wucher nach wie vor existirt, indessen will uns scheinen, daß die Berichte den Umfang dieses Uebels etwas zu optimistisch beurtheilen. Für eine ganze Reihe von preußischen Provinzen, wie Ost- und Westpreußen, Pommern, Brandenburg, Schlesien, Hannover, Sachsen, ferner für das Königreich Sachsen, Braunschweig, Mecklenburg wird behauptet, daß dort ein im Wucher begründeter land- wirthschaftlicher R o t h st a n d nicht existrrt. Sicher waren die Berichterstatter bemüht, der Wahrheit gemäß zu berichten, aber wer da weiß, wie angst- lich der Bauer bemüht ist, fremde Blicke in ferne Lage zu verhindern, und wie er oft den nichts- nutziqen Wucherer noch deckt, der fein Unglück verschuldet, der wird sich nicht wundern, daß der
Dach eigene Schn!).
Roman aus der Handels weit.
26. Fortsetzung.
Und dann erblickte sie wieder Hermann, wie er träumend dastand, seine großen lieben Augen mit einem stillen Vorwurf auf sie gerichttt, er sprach kein Wort zu ihr, aber aus seinem Blicke las sie seine Gedanken, seine Worte: „Du hast. mich namenlos elend gemacht, Du hast das schönste Lebensglück, dem ich mich schon so nahe glaubte, mit frevelhafter Hand von mir gerissen, Du hast Dein und mein Leben vernichtet." Immer wildere und finstere Bilder tauchten in ihrer Phantasie auf, immer weniger war sie im Stande, diese verworrenen Gedanken und Bilder von sich zu bannen. Der ganze Park, selbst die Villa schienen in diesen wilden Taumel mit hingerissen zu werden. Sie wogten vor ihren Augen hin und her, sie wankten unter ihr. Endlich schien Alles um sie zusammen zu sinken und übereinander zu stürzen, die Bäume, die Villa, der ganze Park - Alles, Aller. , , .
Bewußtlos sank Gabriele zurück auf einen Stuhl. Ihre Wangen waren erbleicht, ihre Augen geschlossen, und ihr Herz, welcher soeben noch so aufgeregt, fast krampfhaft geschlagen hatte, pochte
Wucher verhältnißmäßig selten zur allgemeineren Kenntniß gelangt.
Daß der Wucher im Südwesten Deutschlands sehr stark verbreitet ist, das geht aus Spezialberichten aus Bayern, Hessen-Nassau, Trier u. s. w. zweifellos hervor. Mehreren katholischen Blättern gebührt das Verdienst spezielle Arten des Wuchers unter dm Bauern, z. B. den Viehwucher, aufgedeckt und Mittel dagegen angeregt zu haben. Schon aus diesem Grunde wird die Behauptung, der Wucher sei als Kalamität auf dem Lande nicht mehr vorhanden, vielfach Kopf- schütteln erregen. Wenn der Wucher oft im Dunkeln unmdeckt bleibt, so rührt das daher, daß er sich selten an das bäuerliche Grundstück anklammert, daß er vielmehr im Kleinen: bei Ankauf von Vieh, Kleidern, Saatkorn getrieben wird. Ist dann die Schuld hinreichend gewachsen, so läßt sich der Wucherer eipen Gesammtschuldschein ausstellen, in welchem dann die Spuren der vorhergegangenen Wuchereien sorgfältig verdeckt werden.
Sehr lehrreiche Angaben enthalten die Berichte über die Ursachen des Uebels sowohl was die Bewucherten wie die Wucherer angeht. Mangel an Bildung, an Vorsorglichkeit, Fleiß und Sparsamkeit, besonders aber die Sucht, wohlhabender zu scheinen, als der Bauer es in Wirklichkeit ist, öffnen dem Wucherer das Haus, während die Furcht, zum Dorfgespräch zu werden, den Bauer abhält, erfahrenen Rath einzuholen, oder sich an Kreditinstitute zu wenden. Was die saubere Sippe der mit Grundsätzen, die an moralischer Gemeinheit hinter dem ärgsten Verbrecherthum nicht zurück- stehen. Was ihr Treiben so widerwärtig und so gefährlich macht, das ist die kalte herzlose Art, mit der sie ihr Opfer erst vorsichtig einfangen, dann sorglos machen, immer tiefer in's Garn locken, bis dann der von Anfang an in s Auge gefaßte Moment gekommen erscheint, um ihm die um den Hals gelegte Schlinge fest anzuziehen. Ihnen fehlt jede Spur von Moral, für sie ist der eigene Gewinn alles. Liberaler- seit» werden nun ehrliche Geschäftsleute aufgefordert, gegen diese Schandflecke ihres Standes vorzugehen. Aber Über das „wie" bleibt der Liberalismus die Antwort schuldig. Jüdische Blätter jetzt nur noch leise, unhörbar, kaum stark genug, um den Lebensstrom, welcher durch dasselbe hindurchpulste, im Gange zu erhalten.
Als sie nach einiger Zeit wieder zu sich kam, war es ihr, als ob sie au» einem langen und schweren Traum erwacht sei. Sie fuhr mit der Hand Über die Stirn, um die letzten Schattengestalten zu verscheuchen und helle, klare Wirklich- lichkeit zurückzurufen.
Allmählig kehrte die Erinnerung an da» Vor- gefallene in sie zurück, aber ruhiger, weniger ungestüm. Die erste Heftigkeit ihre» Schmerzes hatte sich gebrochen, sie weinte, und Thränen lindern ja immer den Schmerz. Sie lösen die fast erdrückende und fast beängstigende Last desselben, welche sich auf da» Herz gewälzt hat. Sie ver- geistigen und erklären ihn, wie die Sonnenstrahlen da» Äasser in Dunst auflösen, der dann zum Himmel emporsteigt und, zu Wolken verdichtet, dahin zieht. Mögen diese Wolken auch oft den heiteren Sonnenblick verdecken, mögen sie als Regen zur Erde zurückkehren — sie kommen nur tropfenweise. . , „ n , .. .
Sie fühlte jetzt, daß sie stark genug sei, Alle» für diese Liebe zu wagen und zu ertragen. Sie dachte ruhiger an Letzingen - Niemand konnte sie ja zwingen, ihr Leben an diesen Mann zu
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Juli.
• Der Kaiser hat heute Mittag die Insel Mainau verlassen und sich zunächst per Dampfer nach Bregenz begeben, woselbst die Zusammenkunft mit dem Prinzregenten Luitpold von Bayern erfolgte. „ ....
• Der Reichskanzler Fürst Bismarck trifft dem Vernehmen nach am 2. August in Kifsingen ein. binden. Die Hoffnung kehrte in ihr Herz zurück: Hermann kam ja bald, dann mußte ihr Vater chn kennen lernen, mußte ihn hören, und alle feine edlen Eigenschaften, welche ihr Herz und ihre Liebe so schnell gewonnen hatten, mußten ihn auch ihm lieb und werth machen. m , t .
Das ist das große und schöne Vorrecht der Jugend, daß ihr Herz noch leicht der Hoffnung zugänglich ist, und sie auf diefe Hoffnung baut und vertraut, als ob sie der festeste Grund war^ der nie erschüttert werden könnte. Es hofft auch das Alter noch, selbst der Greis, dessen Fuß schon über dem Grabe steht, in welches bald alle Erden- Hoffnungen hineingesenktwerden, aber inMHoffnung des Alters mischt fich zugleich die bittere Erfahrung und Erinnerung an so manche Tau- ^Wobl keiner litt unter den Verhältnissen, welche in dem alten Hause Damken vorgegangen waren, schwerer als der alte Steider. Er lannte die Kräfte des Geschäftes zu genau, um nicht zu wissen, welche Anstrengungen e» machen konnte, ohne Gefahr zu laufen, unter ^en zusammen zubrechen; er wußte, daß der ernzig mögliche Weg, es zu retten, der war, es streng nach den Prinzivien fortzuführen, denen e» ^eme Wohlfahrt, seine Größe und seinen Ruhm verdankte, und die