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Sonnabend, den 16. Juli.

M 159.

1887

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Zweites Blatt.

* Friedrich Koenen,

Domkapellmeister und Professor am erzbischöflichen Priesterseminar in Köln, Präses der Diözesan-Cäcilienvereine, Ehrenkanonikus von Palestrina, ist vor Kurzem gestorben 1 Diese Trauerbotschaft eilte mit Blitzes­schnelle durch die Gaue Deutschlands und weit über Deutschlands Grenzen hinaus durch die ganze Welt und rief in allen Theilen der musikalischen und spcciell der kirchrnmusikalischen Welt die innigste Theilnahme hervor.

Wegen der großen, weltbekannten Bedeutung de» berühmten Verstorbenen wollen wir, nach der ,Aachener Volkszeitung', unseren Lesern in Folgen­dem eine kurze Lebensbeschreibung desielben geben.

Friedrich Koenen ist geboren zu Rheinbach bei Bonn, wo sein Vater Joseph Koenen Elementar­lehrer war und erhielt von diesem auch in Ge­meinschaft mit seinem älteren Bruder Heinrich Klavier- und Orgelunterricht. Zu seiner Freude erkannte der Vater die nicht gewöhnlichen musi­kalischen Anlagen des kleinen sechsjährigen Friedrich und suchte dieselben mit pädagogischer Weisheit und konsequenter Strenge zur Entfaltung zu bringen. Wohl wäre der muntere Knabe manch­mal lieber zum Spielplätze als zum Klavier ge­gangen, wohl kostete die Ueberwindung der ersten Schwierigkeiten manche Thräne, aber immerhin fügte er sich willig den vernünftigen Anordnungen des Vaters. So hatten die Knaben mehrere Jahr« gearbeitet, als die Vorsehung Herrn Bier­mann, den Sohn des Domkapellmeisters von Paderborn, als Hausgeistlichen in eine adelige Familie nahe bei Rheinbach führte. Dieser freute sich über die musikalische Familie und übernahm für Heinrich den Unterricht auf der Violine und für unseren Fritz den auf dem Cello. Eine neue Welt eröffnete sich unseren Kleinen und bald wurde ein Quartett eingerichtet, in welchem der Vater Bratsche, Biermann die erste, Heinrich die zweite Violine und Friedrich das Cello übernahm. Wohl selten dürfte ein glücklicheres Quartett zusammen gewesen sein und die leidenschaftlichen Spieler führten manchmal bis zur späten Nachtstunde ihre Bogen. Mehrere Jahre hindurch wurden Pleyel, Haydn, Mozart und Beethoven fleißig gespielt, auch dann noch, als durch die Rückberufung Bier- mann'r der Unterricht unterbrochen werden mußte und ein Verwandter die verlaflene erste Violine übernahm. Mittlerweile hatte der Vater Friedrich eine gründliche Kenntniß der Harmonielehre bei­gebracht und wurden in Folge deffen die ununter­brochen fortgesetzten musikalischen Arbeiten dem lernbegierigen Knaben zu einer Fundgrube des reinen vierstimmigen Satzes. Mit 14 Jahren verließ er dar Vaterhaus, um sich den Gymnasial­studien zu Münstereifel zu widmen. An die Stelle von Cello und Geige traten nun für einige Zeit die lateinische und die griechische Grammatik und nahmen des Knaben ganze Zeit in Anspruch.

Bald aber war e» ihm möglich, auch wieder täglich ein Stündchen der geliebten Musik zu widmen. Eine neue GesammtauSgabe der Haydn' schm Sonaten kam zu dieser Zeit in seinen Be­sitz und in Ermangelung eines Instrumente» suchte er sich durch Lesen der Roten in den Geist der herrlichen, seinem sehr empfänglichen Gemüthe be­sonders zusagenden Kompositionen zu vertiefen. Die Frucht dieser Studien war eine Sonate, sein Erstlingswerk. Der damalige Gesanglehrer Mohr, ein vorzüglicher Geiger, hatte aus Schülern der oberen Klaffen ein kleines Orchester gebildet, dem

auch der Direktor, der Religionslehrer und der Geschichtsprofeffor angehörten, da» unter Mohr'S Leitung besonders Haydn'sche Symphonien und an hohen Festtagen auch wohl Meffen mit Orchester­begleitung zur Aufführung brachte. An diesen Musikproduktionen nahm auch Friedrich Komm Theil. Al» Primaner gründete er ein Soloquartett und wurde durch seinen Bruder Heinrich, der bereits in Bonn Theologie studirte, für die Werke de» Palestrina gewonnen. (Heinrich Koenen starb al» Domvikar in Köln am 16. Juni 1865. Er war stets für die Kirchenmusik thätig und als Früchte seines Schaffens sind zu verzeichnen: 1. eine Sammlung von älteren Kirchenliedern, für gemischten Chor bearbeitet und mit kritischen Notizen versehen, 2. eine Messe: „Tota pulchra es,“ für gemischten Chor, eine tüchtige fontra- punktische Arbeit.) In Münster trafen wieder drei Freunde des Soloquartetts zusammen, durch einen neuen Kommilitonen wurde da» Quartett voll­zählig und unterwarf sich mit ausdauemdem Eifer der Pflege der alten Meister. Koenen versuchte sich fleißig in Kompositionen diese» Stile» und die ahnungslosen Freunde sangen dieselben al» Palestrina'sche Werke. Er nahm dort auch an den Aufführungen im Dom und im städtischen Musik­verein Theil. Nach Beendigung der theologischen Studien in Bonn trat er 1853 in das Priester­seminar zu Köln. Gewohnt, keine Gelegenheit zu seiner musikalischen Ausbildung unbenutzt vorüber­gehen zu laffen, wußte er auch hier die orchestrale Kirchenmusik, wie sie zu der Zeit unter dem Dom­kapellmeister Leibl gepflegt wurde, in der richtigen Weise zu beurteilen, zumal ihm durch da» Studium der Liturgie ein tiefere» Verständniß für die Anforderungen einer guten Kirchenmusik ermöglicht ward. Am 4. September 1854 zum Priester geweiht, fand er beim Gesellenvater Kolping zu Köln im Sängerchor de» katholischen Gesellenvereins zuerst Gelegenheit, für die Kirchen­musik thätig zu sein und recht bald machte er die Erfahrung, daß in den Kirchen von den Männer­chören manches Werthlose und Unkirchliche gesun­gen wurde, wa» ihn bewog, die edlen, gemüth- vollen Melodien de» alten deutschen Kirchenliedes für Männerchor zu harmonisiren. Dieses Werk muß den Beifall eines jeden Kenner» kirchlicher Musik und de» Volksgeschmacke» finden. Der Zweck de» kirchlichen Kunstliedes ist doch offenbar der, die Erbauung der Gläubigen und dadurch die Ehre Gottes zu fördern. Erstere» geschieht desto mehr, je mehr das Volk seine alten bekannten Melodien wieder hört und somit förderte er in gleicher Weise die Kunst und den Volksgeschmack.

Im Jahre 1862 wurde Koenen vom Kardinal von Geissel nach Regensburg geschickt, um dort unter der Anleitung von Domkapellmeister SchremS und dem damaligen Seminarprofeffor Witt sich speziell dem Studium der Kirchenmusik zu wid­men. Die Veranlaffung hierzu gab die auf dem Provinzialkonzil zu Köln projektirte Reform der Kirchenmusik. Auf letzterem Gebiete lag damals viele» im Argen, da man sich nicht allgemein zu der Ansicht verstehen wollte, daß die Kirchenmusik nicht al» absolute Kunst, sondern als Dienerin de» Altäre» auftreten und dementsprechend auch von ihren Mitteln keinen schrankenlosen sondern nur einen durch die liturgische Handlung bedingten Gebrauch machen müsse. Zu diesen Reformbestre­bungen hatten außer den Herren Professoren Heimsoeth und Ferrenberg, der Brühler Musik- lehrer Töpler sehr viel beigetrazen. Durch den freundschaftlichen Verkehr mit Schrem» und Witt, durch die gründliche Behandlung der alten Meister­werke, durch eingehende» Selbststudium de» Kontra­punkte» hatte sein Wissen in Regensburg sehr zu­

genommen, so daß er nach seiner Rückkehr im Jahre 1863 als Gesanglehrer im erzbischöflichen Priesterseminar zu Köln und bald darauf auch al» Chordirigent in der Domkirche angestellt wurde. Einen gemischten Chor mit Knabenstimmen ein­richtend — 16 Herren und 50 Knaben — pflegte er in den ersten Jahren seine» Wirken» al» Dom- chordirigent fast ausschließlich die ältere Kirchen­musik Palestrina'» und seiner Zeitgenossen, wandte sich aber nachher neben dieser auch der neuesten, durch den Einfluß de» Cäcilienverein» sich heraus« bildenden Kirchenmusik zu. Binnen Jahresfrist war die Entwicklung des neuen Domchore- so weit ge­diehen, daß an den meisten Sonn- und Festtagen, mit Ausnahme der geschlossenen Zeit, mehrstimmige Messen zur Aufführung gelangten. Wir hatten mehrmals Gelegenheit, auf den Generalversamm­lungen fein tiefes Verständniß alter und neuer Meister zu bewundern; mehrmals sahen wir, mit welch' feinsinniger Meisterschaft er den gregoria­nischen Choral, da« Fundament aller Kirchen« gefange», in den instruktiven Proben durch schöne Uebersetzung und durch eingehende Besprechung und Zergliederung zum richtigen Verständniß der Sänger brachte und dadurch selbstredend einen verständnißinnigen schwungvollen Vortag erzielte. Unter seiner ruhigen und sichenn Leitung gewann eben Alle» Leben und Bewegung. Deßhalb find denn auch die Leistungen seine» Chore» muster- giltig und nur mit Entzücken kann man den herr­lichen Knabenstimmen lauschen. Die» richtig zu würdigen, wissen allerdings nur die größtenteils sehr musikalisch gebildeten Herren de» Domchore», die seit vielen Jahren mit unverbrüchlicher Liebe und Treue ihm folgten. Allerdings wurde er finanziell vom Domkapitel in der freigebigsten Weise unterstützt, so daß er für jede» Hochamt 130—140 M. auslegen konnte. So erklärt e» sich auch, daß die Komponisten sich glücklich schätz­ten, wenn er ihre Werke zur Aufführung brachte. Im Jahre 1869 schloß er sich dem allgemeinen deutschen Cäcilienverein an, wurde in’» Referenten­kollegium ausgenommen und gründete am 19. Mai 1869 einen Diözesanverein für die Erzdiözese Köln, dessen Präsident er seitdem geblieben ist. Auf den anregenden großen Generalversammlungen de» allgemeinen deutschen Cäcilienverein» hörte er die zur Aufführung gelangenden alten und neuen Meister, wodurch selbstredend fein Anschauungskrei» sich sehr erweiterte, da außer den alten Meistern auch die jüngeren Berücksichtigung fanden.

Im Jahre 1873 wurde er auf der General­versammlung des allgemeinen deutschen Cäcilien­vereins zum Vizepräses erwählt und mußte al» solcher wegen Erkrankung de» GeneralpräseS die Generalversammlungen zu Graz, Münster und Mainz leiten. In Anerkennung seiner großen Ver­dienste um die Kirchenmusik wurde er im Jahre 1879 am 2. Februar vom Protektor de» Cäci­lienverein», dem Kardipal de Lucca und Bischof von Palestrina zum Ehren-Domkapitular der dortigen Kathedrale ernannt. Ebenso hoch wie er al« Dirigent des Domchores und als Leiter des Cäcilienvereins stand, ebenso hoch steht er auch als Komponist. Unter seinen Kompositionen, die jetzt op. 54 aufweifen, sind 2 Messen für Männer­chor; fünf Messen für gemischten Chor, teils mit, teils ohne Orgelbegleitung; Psalm 41; Tedeum für gemischten Chor mit Orgelbegleitung; lateinische und deutsche Kirchengesänge für Frauenchor; Samm­lung von Motetten für gemischten Chor und eine Orgelbegleitung zu dem Kölnischen Kyriale. Von außerkirchlichen Kompositionen sind zu nennen eine geistliche Kantate: „Das Heiligtum von Antiochien" für Männerchor; eine Weihnachtskantate für Frauen- 1 chor; die Musik zu verschiedenen Dramen de» be«