Einzelbild herunterladen
 

1887

Donnerstag, den 14. Juli.

HL 157.

fulbaer

Di- .Fuldaer Zeitung- -rsch-mt täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Ab°nnem-ntspr-is ohne Bnngerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf, *ü ° B mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' m Fulda 1 M. 70 Pf - -uswarts IM. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf, bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Juli.

* Für die Marienkirche in Hannover — Ehren­geschenk für Dr. Windthorst — sind bis jetzt 65.000 Mark eingegangen. Möge das Hundert­tausend bald voll werden!

• Unter dem Protektorat des Kronprinzen wird demnächst ein Verein zur Verbesserung der Arbeiterwohnungen in Berlin ins Leben ge­rufen.

* In den Monaten August 1886 bis Juni 1887 betrug die in Deutschland zur Zuckersteuer her­angezogene Rüb^enmenge über 83 Millionen Doppelcentnek gegen 70,7 Millionen Dopp lcentner in demselben Zeitraum des Vorjahres. Die Aus- fuhr stellte sich in dem angegebenen Zeiträume wie folgt: Robzucker 470,6 Millionen Kilogramm (gegen 363,5 Millionen Kilogramm im Vorjahre) und Zucker anderer Art 155,3 Mill. Kilogramm (gegen 87,2 Mill. Kilogr. im Vorjahre).

* Ems, 12. Juli. Windhorst ist gestern hier eingetroffen, wie gewöhnlich nach der Abreise des Kaisers.

* Sigmaringen, 12. Juli. Die Genehmigung von Seiten des königl. Ministeriums zur Wieder­beziehung des Klosters Beuron ist ertheilt. Voraussichtlich wird die Wiedereröffnung der Benediktiner-Abtei noch in diesem Monat statt­finden.

• Awgsburg, 12. Juli. Aus Anlaß des >m DAi zwischen Czechen und deutschen Arbeitern in der Buntweberei Pfersee ausgebrochenen ExceffeS wurden fünf Czechen aus Bayern ausgewiesen.

• Der Niederländisch -Amerikanischen Dampfschifffahrtsgesellschaft in Rotterdam wurde der Geschäftsbetrieb in und für Bayern durch das kgl. Staatsministerium untersagt.

* Mainz, 11. Juli. Der Landtagsabgeord- nete Racke erstattete gestern in Gaualgesheim seinen Wählern Bericht über die abgelaufene Session des hessischen Landtags. In nahezu zwei- stündiger Rede verbreitete derselbe sich über die Hauptgegenstände und Gesetzesvorlagen, und hier­bei widmete er nach der .Köln. Volksztg.' den größten Theil seiner Ausführungen dem Damm- baugesetz, der Weinsteuervorlage und dem neuen Kirchengesetz. Namentlich bei dem letzteren

Dttch kigene Schild.

Roman aus der Handelswelt.

22. Fortsetzung.

Er erzählte nun, wie er den Handelsherrn am Abend zuvor belauscht hatte, und der Gutsbesitzer ward nachdenklicher und nachdenklicher. Er hieß seinen Vertrauten hinausgehen und schritt dann selbst mit raschen Schritten im Zimmer auf und ab. Es war nicht Unruhe, die ihn dazu trieb, denn es gehörte viel dazu, ihn aus seiner über- legenden und berechnenden Ruhe zu bringen; son­dern es war vielmehr die unangenehme Heber- raschung, daß ein Anderer denselben Plan auf des Handelsherrn Tochter wie er zu verfolgen schien. Denn er vermochte sich nicht zu denken, daß Jemand Gabrielens Liebe ihrem Vater ent- decken werde, wenn er nicht besonderes Jntereffe habe, und er selbst kannte ja kein anderes Interesse, als sein eigenes.

An Gabrielens Liebhaber dachte er kaum wieder. Er schien ihm nicht im Geringsten im Wege zu stehen, sondern im Gegentheil seine Wünsche noch zu befördern, denn er kannte den Handelsherrn sehr gut; er wußte, wie abgeneigt er dem Kauf­mannsstande war, und glaubte au» früheren Aeußerungen erkannt zu haben, daß er seine

Gegenstände gab der Redner einige interessante Aufschlüsse über den Entwickelungsgang, welchen die Kulturkampfgesetz-Revision in Hessen genom­men. Wir heben hier nur hervor, daß außer der Thätigkeit der Ccntrums-Fraktion in der Kammer diese Fraktion durch einzelne ihrer Mitglieder wiederholt Konferenzen und Pourparlers mit dem Ministerium pflog, die sich zumeist auf die Be­setzung des bischöflichen Stuhles bezogen. Des­gleichen setzten die Herren sich bereits im Jahre 1884 mit Rom in Verbindung, wo sie nament­lich in dem verstorbenen Kardinal Franzelin einen eifrigen Förderer des Friedenswerkes hatten. In Bezug auf das Gesetz selbst betonte der Abgeord­nete die Hnzulänglichkeit der Revision und die schwierige Lage der Fraktion einem solchen Gesetze gegenüber. Er persönlich sei sich darüber bald im Klaren gewesen, daß nicht nur nichts unternommen werden dürfe, was das Scheitern des Gesetzes herbei­führen könne, sondern daß im Gegentheil dahin gewirkt werden müsse, daß diejenige Majorität der Kammer, welche den Kulturkampf inscenirt, auch durch Annahme dieses Gesetzes den ersten Schritt zur Beseitigung deßelben thue. Eine andere sehr schwierige Frage sei aber die gewesen, ob die katholischen Abgeordneten — vorausgesetzt, daß nicht der Nothfall eintrete, daß von ihren Stimmen die Entscheidung abhänge —. positiv für ein Gesetz stimmen könnten, welches immerhin eine ganze Reihe der Bestimmungen enthielte, die gegen das Recht und die Ehre der Kirche gingen. Die Erklärung des Abg. Frank, welche dieser schwierigen Situation Rechnung zu tragen suchte, sei bekannt. Der Kulturkampf ist nicht beendet, erklärt der Redner, der erste Schritt ist gethan; ob der zweite und dritte gethan werde, das hänge wiederum von dem Volke und dem Klerus ab, die jetzt zu zeigen hätten, ob sie nach ihrer glänzenden Haltung in der offenen Schlacht Charakter und Muth besäßen, den schwieriger zu bewältigenden Versuchungen, welche namentlich für den Klerus in der Anzeigepflicht lägen, die Stirne zu bieten. Der schwerste Theil der Auf­gabe beginne erst jetzt, und darum müsse bei den Wahlen das Centrum mehr wie je unterstützt werden, damit wir keinen Scheinfrieden, sondern den wirklichen auf der Anerkennung deö Rechtes beruhenden Frieden erhielten.

Tochter lieber einem unbegüterten Edelmann, als dem reichsten Kaufmann zur Frau geben werde. Ebensowenig dachte er an Gabrielens Selbst­ständigkeit und Festigkeit. Ec war ja gewöhnt, die Frauen als durchaus unselbständig und von dem Willen ihrer Männer oder Väter abhängig avzusehen. Er hatte keine Ahnung von der be­geisternden und heilenden Kraft wahrer und inniger Liebe, weil er dies Gefühl nie in seiner Brust empfunden. Seine sämmtlichen Empfindungen, Wünsche und Leidenschaften wurzelten auf einem durchaus realistischen Boden.

Ec prüfte alle Umstände in feiner scharfen und ruhigen Weise, und nach reiflicher Ueberlegung hielt er keinen Zeitpunkt geeigneter, dem Herrn Damken seine Absichten auf Gabrielens Hand mit- zutheilen, als den jetzigen. Der Handelsherr mußte durch die Entdeckung, daß seine Tochter einen weit unter ihr stehenden Mann liebte, nothwendig zu dem Wunsche getrieben werden, sie an einen für sie und ihren Reichthum würdigen Mann zu ver­mählen, um allen ferneren und weiteren Thor- heiten ihrer Herzens einen Damm entgegen- zusetzen. t

Al» dieser Entschluß in dem Kopfe des Guts­besitzer« zur völligen Reife gelangt war, zeigte sein Gesicht eine zuversichtliche Heiterkeit. Denn

* Con stanz, 9. Juli. Für die XL General­versammlung des allgemeinen deutschen Cäcilien­verein« werden folgende Karten ausgegeben:

I. Legitimationskarten für Mitglieder: Preis 2 Mk. Diese berechtigen zu der Anwesenheit bei allen Fest- und Mitglieder-Versammlungen, geselligen Unterhaltungen und reservirten Kirchenplätzen.

Diese Karte berechtigt ferner: 1. zu folgenden Fahr­vergünstigungen: a) das vom 19.—20. August gelöste Retourbillet gilt 10 Tage auf den großh. badischen, kgl. württembergischen und k. k. österreichischen Staatseisen­bahnen, ferner auf der linksrheinischen Pfälzer-, Appen­zeller- und Main-Neckar-Bahn; b) das in der Richtung nach Konstanz gelöste Retourbillet gilt auf den königl. bayerischen Staatseisenbahnen, sowie auf der großh. Hess. Eisenbahn für die Zeit vom 20. bis 29. August ein­schließlich. 2. Zum freien Eintritt zu den Sehenswürdig­keiten der Stadt. 3. Zum Anspruch auf die Fürsorge des Comitös für entsprechendes Quartier (d. h. auf Bestellung beim Comits hin). 4. Zum Empfang eines „Führers durch Konstanz" (Neue Auflage) zu ermäßigtem Preis.

Anmerkung: Das Bureau (vom 22.-24. August) be­findet sich im Conciliumsgebäude eine Stiege hoch. Man bittet nicht zu übersehen, daß man jetzt für eine Rund­reise von 200 Kilometern zu sehr ermäßigtem Preis ein sog. kombinirtes Billet haben kann.

II. Legitimationskarten für Th eilnehm er: Preis 3 Mark. Diese berechtigen zu denselben Vergünstigungen, wie die Mitgliederkarten. Ausgenommen sind die Mit­gliederversammlungen, an welchen sich nur die Mitglieder des allgemeinen deutschen Cäcilienvereins betheiligen können.

Die Vereinsmitglieder beziehen ihre Karten durch ihren Diözesan-Präsides, resp. (da, wo kein Diözesancäcilien­verein besteht) durch die Pfarroereinsprästdenten; so auch in der Erzdiözese Freiburg. Man bittet Bestellungen durch die Herren Präsidenten baldmöglichst machen zu wollen.

Die Theilnehmer (Nichtmitglieder) und diejenigen Mit­glieder, welche weder einem Pfarr- noch Diözesancäcilien­verein angehören, beziehen ihre Karten direkt von Konstanz.

Alle Bestellungen sind bei Herrn Private Simon Deggel- mann, Salmansweilergasie 34 in Konstanz zu machen.

Einzahlungen geschehen per Post oder in deutschen Reichspostmarken. Frankirte Zusendung der Karten erfolgt nur dann, wenn der Besteller eine zur Frankatur be­stimmte Freimarke (10 resp. 20 Pf.) beilegt.

Zugleich mit den Karten können Programme (ä 25 Pf.) bezogen werden.

Die Theilnehmer an der Generalversammlung werden gebeten, Anfragen in Betreff der Logis frühzeitig an Herrn Deggelmann richten zu wollen.

NB. Nur Diejenigen, welche bis längstens am 15. August angemeldet haben, können mit Bestimmtheit auf Be­rücksichtigung in Betreff der Quartiere rechnen.

Ausland.

* Aus Rom meldet man nach Wien, die Kurie beabsichtige demnächst das Rundschreiben wenn er auch zu Zeiten befürchtet hatte, daß der Handelsherr aus Rücksicht auf feine Tochter feine Bewerbung ablehnen könne, so hatte er doch auf der anderen Seite von feiner persönlichen Liebens­würdigkeit und der blendenden Pracht seines Adels eine zu gute Meinung, um irgend eine weitere Zaghaftigkeit in feiner Brust aufkommen zu lassen.

Nachdem er diesen Entschluß nun einmal gefaßt hatte, zögerte er auch nicht lange mit dessen Ausführung. Ec ließ fein Pferd satteln und ritt langsam der Villa des reichen Handels- Herrn zu.

Damk-n saß in seinem Zimmer, welche» mit ast' dem Luxus, den ihm fein Reichthum möglich gemacht hatte, ausgestattet war. Halb auf einem äußerst prachtvollen Divan ausgestreckt, hielt er ein Zeitungsblatt in der Hand, aber die Hand war niedergefunken und feine Augen blickten über das Blatt hinweg und hafteten nachdenkend auf dem Boden. Auf feinem Gesicht war nichts von der sorglosen Heiterkeit, welche er in Gesell­schaften zeigte, bemerkbar. Seine Stirn war finster zusammengezogen und feine Lippen zuckten dann und wann leise, gleichsam al» ob sie die Gedanken, die ihn so ernst stimmten, ausspcechen wollten.