1887
Mittwoch, den 13. Juli
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Schlesiens lauten Wieverhall finden. Ihre Energie bürgt auch für die Ausführung derselben.
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Durch eigene Schuld.
Roman aus der Handels weit.
21. Fortsetzung.
„Ha, das ist schön!" rief der. junge Mann mit unverhohlener Freude. „Ich habe es mir zwar denken können, aber im Geheimen befürchtete ich doch, Dein Fräulein könnte sich durch den Adel meines Herrn blenden lasten."
„Das ist schön?" fragte Emma erstaunt. „Du freust Dich, daß mein Fräulein den Herrn von Setzingen nicht leiden mag? Aber sie wird ihn auch nicht zum Manne nehmen."
„Das soll sie auch nicht, das wäre gegen meine Wünsche und Pläne," gestand der junge Mann offen. „Mein Herr soll nicht heirathen, denn hätte er eine Frau, so würde ich den größten Theil meines Einflusses auf ihn verlieren. Ich will keine Frau im Hause, weil ich nicht der Diener einer gnädigen Frau sein mag. Wozu soll mein Herr auch heirathen? Er ist reich genug ohne Dem Frau- lein und er kann hundertmal angenehmer und sorgenloser ohne Frau leben."
„So," rief das Mädchen unwillig und beleidigt. „Du meinst, es lebt sich für einen Mann also an- genehmer ohne Frau? Weshalb willst Du mich denn heirathen, weshalb denn?"
* Die Generalversammlung der Katholiken Schlesiens,
welche in voriger Woche zu Neiffe tagte, hat wiederum ein glänzendes Zeugniß abgelegt für die katholische Einigkeit, die katholische Festigkeit und für die unentwegte Treue der schlesischen Katho- iken gegen den hl. Stuhl und die kirchliche Au- torität. Neisse, das „schlesische Rom", sah die schlesische General-Versammlung zuerst 1875 tn feinen Mauern tagen, in den zwölf Jahren ist in Vielem ein gewaltiger Wechsel eingetreten, nur nicht in der ruhmwürdigen Haltung der schlesischen Katholiken. Drei Dinge machten die diesjährige Generalversammlung besonders wichtig: 1. hatten die Katholiken Stellung zu nehmen zu der neuen kirchenpolitischen Lage; 2. tritt die Schulfrage immer mehr in ein aktuelles Stadium und 3. war angesichts der gegnerischen Spekulation auf den Zerfall der Centrumsfraktion Zeugniß abzulegen für deren ungeschwächte Einigkeit in allen grundlegenden Fragen. Diese drei Aufgaben, zu der dann noch die Arbeiterfrage sich gesellte, sind von der Versammlung glänzend gelöst worden. Die Reden der Reichstagsabgeordncten Dr. Porsch und Dr. Franz wie die des Pfarrers Engel gehörten zu den Glanzpunkten der Versammlung und ihre Verbreitung im stenographischen Bericht wird hier Licht und Belehrung verbreiten, dort zu reger Arbeit anspornen, überall aber den Entschluß festigen, getreu dem Centrumsprogramm wie bisher muthig für die Freiheit der Kirche bi» zu ihrer vollen Zurückeroberung zu kämpfen, die Rechte der Kirche auf die Schule zu wahren, zur Lösung der sozialen Frage nach Kräften beizutragen und zur Erreichung aller dieser Zwecke unsere einzige parlamentarische Schutz- und Kampfwaffe: das Centrum wie bisher ungeschwächt zu erhalten und es nach Möglichkeit wieder zur ausschlaggebenden Partei zu machen. Die Rede des Abgeordneten Dr. Porsch über die Gestaltung der kirchenpoli- tischen Lage im Allgemeinen und die Anzeige, deren Bedeutung und Folgen und die Mittel zu ihrer Unschädlichmachung im Besonderen war ein Muster klarer volksthürnlicher Beredtsarnkeit. Redner machte aus dem Widerwillen der Katholiken gegen die Anzeige kein Hehl, er wies unverblümt auf ihre Gefahren hin, erörterte dann aber, nachdem
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Juli.
• Die bereits vor längerer Zeit signalisirte Begegnung des Kaisers mit dem Prinzregenten Luitpold von Bayern wird der Münchener .Allg. Zig-' zufolge in Lindau stattfinden, welche» der Kaiser auf dem Wege von der Mainau nach Gastein passirt. In Verbindung mit dieser Begegnung wird die angeblich bestehende Absicht der definitiven Uebertragung der bayerischen König»- Krone auf den Prinzregenten Luitpold gebracht.
* Der Reichskanzler ist gestern Abend hier eingetroffen, nachdem erst kurz vorher Staatssekretär von Bötticher, sowie Staatssekretär Graf Bismarck in Friedrichsruh gewesen und mit dem Kanzler konferirt hatten. Die Hierherkunft de» Reichskanzlers dürfte sowohl mit Fragen der äußeren und inneren Politik zusammenhängen. Nachdem die bulgarische S branje den Prinzen von Coburg zum Fürsten gewählt und dieser sich zur Annahme bereit erklärte, tritt an die Mächte die Nothwen- digkeit heran, zu diesen Thatsachen Stellung zu nehmen. Zu diesem Ende scheinen sich persönliche Verhandlungen des deutschen Reichskanzlers mit den Vertretern der Mächte als wünschenswerth ergeben zu haben. Was die innere Politik anlangt, so handelt es sich, wie man annimmt, um die Einweisung eines hervorragenden Mitgliedes der nationalliberalen Partei in das Staatsministerium. Es würde dabei der Posten des Handelsministeriums in Frage stehen, für den Herr Dr. Miquel in Aussicht genommen fein soll. Der Aufenthalt des Fürsten Bismarck ist übrigens kurz bemeffen. Von hier begiebt sich der Reichskanzler zunächst nach Varzin und später nach Kissingen.
* Trier, 10. Juli. Da fast jede» Jahr die Zahl der Theilnehmer der katholischen Generalversammlungen sich vermehrt, so hat das hiesige vorbereitende Komitee der bevorstehenden Generalversammlung bekanntlich beschlossen, eine große Festhalle zu bauen. Dieselbe wird im Garten de» katholischen Bürger-Vereins errichtet und 10,000 Mark kosten. Es ist vorgeschlagen, dieselbe mit elektrischem Lichte zu beleuchten; ob
Die Beiden trennten sich. Langsam schritt der Diener durch den Park hin, unwillig über das Mißgeschick, welches ihn seit mehreren Tagen verfolgte und seine Pläne zu vereiteln drohte. Nur das Eine erfreute ihn: die Abneigung Gabrielen s gegen feinen Herrn, weil er auf sie neue Pläne bauen konnte. ~ , . _ ..
Früh am andern Morgen trat Karl in Letzin- gen's Zimmer. Ec traf ihn in einer heiteren Laune und da er wußte, daß er in solchen Augenblicken für eine gute Nachricht seine außerordentliche Sparsamkeit tn etwas vergessen konnte, war er schnell entschloffen, diesen Zeitpunkt zu benutzen.
„Jcht endlich ist e» mir Hellingen, über die geheime Siebe des Fräulein Darnken ein Nähere» zu erfahren," sprach er. „Es hat mich außerordent- lich viel Mühe gekostet, denn da» Fräulern ist sehr geheim damit, und hätte ich ihr Kammermädchen nicht bestochen, es wäre mir nicht gelungen."
Nun?" fragte der Gutsbesitzer gespannt, al» er schwieg. „Ha, ich merke, Du willst erst den Lohn für Deine Bemühungen empfangen. Hier! Ich weiß ja, daß Dein Gedächtniß ohne Geld nicht gut beschaffen ist." _ . . _
Ec gab chrn bei diesen Worten einige Geldstücke. Mit einem schlauen Lächeln ließ sie der Diener in seine Tasche gleiten. „JH verlange nicht« für
er ausdrücklich die willige Unterwerfung unter Roni's Entscheidung konstatirt, welche Pflichten dem Klerus angesichts des staatlichen Einspruchs oblägen und verbreitete sich sodann des Längeren über die Pflichten, welche die neue Lage allen katholischen Staatsbürgern zudiktire. Lauter Bei- fall begleitete besonders die Stelle, in welcher Redner zu dauernder Treue gegen das Cent rum ermahnte, und dieser Beifall wird den Mittelpar- teitern zeigen, daß sie von dem katholischen Schlesien für ihre Ziele nichts zu hoffen haben. Nicht minder glanzvoll und belehrend war die Rede des Domkapitulars Dr. Franz, der als sozialer Apostel Schlesiens binnen kurzer Zeit, allerdings unter großen Opfern und Mühen, in Breslau blühende Vereine und Hospize für Arbeiter und Arbeiterinnen geschaffen hat. Seine Rede galt der sozialen Frage. In kurzen aber lichtvollen Ausführungen verbreitete er sich über die bisherigen sozialen Reformen, die Nothwendigkeit eines beschleunigten Arbeiterschutzes, um sodann, unter Betonung der Nothwendigkeit kirchlicher Mitwirkung an dem Werk, für die Gründung von Arbeitervereinen einzutreten. Ein Heller Lichtpunkt in dieser be> deutungsvollen Rede war besonders der Satz: „die Kirche aber, welche der Willkür der staatlichen Gewalt unterworfen ist, wird bei dem arbeitenden Volke an Autorität und damit an sozialer Kraft verlieren." Damit ist die Vorbedingung einer gedeihlichen, uns vor Katastrophen sichernden Sozialreform deutlich angegeben. Es ist das die Freiheit der Kirche. Pfarrer Engel erörterte in eindringlicher Rede die immer brennender werdende Schulfrage, besonders auch mit Rücksicht auf die polnischen Theile Schlesiens. Seine jedem Katholiken aus der Seele gesprochene Rede gipfelte in einer Resolution, welche für die Kirche und die Priester unbehinderte Ausübung des Rechts zur Ertheilung und Leitung des Religionsunterrichtes forderte, das Mitaufsichtsrecht der Kirche über die Schule wahrte, die Beseitigung der noch bestehenden Simultanschulen beanspruchte, katholische Aufsichtsbeamte für die katholischen Schulen verlangte und den Religionsunterricht nur in der Muttersprache der Kinder ertheilt wiffen will. Die Generalversammlung zu Neiffe kann sich allen früheren würdig an die Seite stellen. Ihre Be- schlüffe werden in den Herzen aller Katholiken
„Du verstehst mich falsch, Emma," erwiderte Karl, indem er sie mit dem Arm zärtlich umfaßte. „Was ich gesagt habe, gilt nur für reiche Männer."
„Du hast mir aber mehr als einmal gesagt," warf Emma ein, „daß es Dein ganzes Streben sei, auch ein reicher Mann zu werden, dann wür- dest Du mich also auch nicht brauchen?"
Der schlaue Diener schien durch diese Worte wirklich in einige Verlegenheit gebracht zu werden, aber er war klug und besonnen genug, sie zu verbergen. „Ja, das wünsche ich," rief er lächelnd, „aber so reich wie mein Herr werde ich nie, ha, ha, dazu gehören reiche Tanten ober dergleichen. So ein vornehmer Herr hat so viel Passionen im Kopfe, daß er keiner Frau bedarf. Mit mir ist das etwas Andere» und außerdem habe ich Dich lieb und freue mich auf den Tag, an dem wir vereint werden." L
Er hatte durch diese Worte jede fernere Einrede Emma's abgeschnitten, aber sie fühlte doch, daß er über ihre baldige Verheirathung anders als sie dachte, und die» berührte sie unangenehm.
Karl bemerkte es. Er gab dem Gespräche schnell eine andere Wendung, indem er ihr mittheilte, daß er nun seinem Herrn das Geheimniß von Ga- brielen's Siebe entdecken werde, da keine weitere Aussicht vorhanden sei, daraus Nutzen zu ziehen.