M 153.
Sonnabend, den 9. Juli.
1887
filhtr W Zeitunz.
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Zweites Blatt.
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IV.
Eine kleine Auswahl dieser Namen soll hier gegeben werden und zwar wählen wir nur solche, welche in unserer Gegend urkundlich üblich waren, womöglich mit Angabe des Ortes und der Zeit.
Freiberacht anno 795 in der Gegend von Kerzell.
Helpracht und Frau Vuonrocht und Sohn Adelher in Flieden.
Sinperacht und sein Sclave Hunsuvind in Schweben-, die Frau heißt Vuasahilt.
Hejo, Hugerat, Helfrat, Vualdger, Eburolf, Herirat in Schweben.
Pörano, Adalperacht (Albrecht, Adalbert, Albert d. i. der durch Adel prächtige), Helidgart, Frau Alazeiz, Ratpracht, R> ginpracht (Reimbrecht), Bernger, Huntolf, Reginher (Reiner), Gerhart, Baltrich, Hughrat, Hunger, Hartuwin, Managolt, Werinhart, Matto, Salumann, Gabuvin, Gabuhold, Jring, Hindag, Vuasager, Richpracht, Suvaberacht, alle in Schweben.
Frau Perahilt anno 807 in Schweben, Rich- fried daselbst.
Diese mögen genügen; Tausende von altdeutschen, jetzt meist ungebräuchlichen Taufnamen, von denen manche Familiennamen geworden sind, könnten noch aufgeführt werden, was zur Erfüllung unserer Aufgabe jedoch unnöthig ist. Es werden so schon bei Vornahme der einzelnen hier aufgeführten Ortsnamen, zu welcher Aufführung wir nunmehr übergehen wollen, noch manche vorkommen.
Wir ordnen die Namen der Orte am besten nach den Bezirken, in welchen die Orte liegen, suchen sie zu erklären und fügen für die Geschichte der Orte intereffante Notizen bei.
I. Im Amtsgerichtsbezirk Fulda:
1. Almus, anno 1093 Almuntes-(hus), d. h. (Haus) „des Almunt".
2. Bernhards, Bernhartes-(hus),d.h.(Haus) „des Bernhard".
3. Besges, Baswines-(hus), d.h. (Haus) „des Baswin". Anno 1239 heißt der Ort Bese- wines, ebenso 1243, 1257 und 1269. Nach ihm nannte sich ein Eselgeschlecht, jedenfalls die Nachkommen feines Gründers, Namengebers und ersten Besitzers.
4. Bökels, wohl von Bucelines herstammend, d. h. „des Bucelin" (hier ist, wie stets im Folgenden, das Wort „Haus" zu ergänzen).
L5. Dipperz, DietbrechteS, DietbrachteS, Theodperachtes, d. h. „des Dieprecht", des durch Menge an Gesinde Ausgezeichneten. 1261 heißt der Ort Diprechtes. 1525 war Johannes Schweitzer aus Dipperz (der sog. Dipperzer Hannes), im Bauernkrieg ein berüchtigter Anführer; er verbrannte mit seinen wilden Horden das Kloster auf dem Frauenberg bei Fulda.
6. Dirlos, DierolfeS, im 14. Jahrhundert TyrrolfeS geschrieben, d.h. „des Dierolf".
7. Egelmes, wohl von Egilmunte» oder von Engelman», d. h. „des Egilmunt" oder „der Engelmann".
8. Elters, wohl von Eltrichs, d. h. „des Eltrich".
9. Engelhelms, wohl von Engelhelmer, d.h. „des Engelhelm".
| 10. Harmerz, 1264 Harmundes geschrieben, d. h. des Harmund. Hier saß damals ein Edelgeschlecht gleichen Namens.
11. Keulos und Külos, wohl von Chadolfes, d. h. „des Chadolf".
12. Lehnerz, wohl von Lentrichs, d. h. „des Lentrich".
13. Melters, wohl von Adalrichs mit erhalten gebliebenem, vorgesetztem m, also ursprünglich zem Adalricheshusa, d. h. zum Haus des Adalrich", des an Adel reichen Mannes.
14. Memlos, Mimolfes, d. h. „des Mimolf". 15. Reinhards, anno 1116 R.ginheres, d.h.
„des Reginher".
16. Rex, 1158 Riggozes, 1336 Ryckoz, dann Rihgoz, Rcx geschrieben, also „des Rihgoz". — Der Ort war ursprünglich ein Hof, dessen Nutznießung dem Förster des königlichen Wildbannforstes Bramforst zustand. Dieser Bramforst dehnte sich von der Fulda bis zu den Höhen der Rhön aus, sein Hauptrest ist der Schillwald.
17. Rodges, Rodegastes d. h. „das Rodegast". Dieser Name Rodegast ist ein slavischer Name; Kriegsgefangene au» dem Volksstamm der Slaven faßen vielfach als Leibeigene, (daher das Wort Sclave), in Ful- daifchen Ortschaften, z. B. in Großenlüder, Bieber, Arzell, Soisdorf u. s. w.
18. Sickels, 1197 Sibigildes d. h. „das Sibigilt."
19. Welkers, 1166 Welgeres, wohl von Waltger, also „das Waltger".
20. WisselS,980VuizilaheSgeschrieben. 1235 und 1261 kommt ein Edelgeschlecht vor, das sich nach diesem seinem Sitze nennt. Der Gründer hat also Vuizilach geheißen. (Ist unser Familienname Witzel davon abzuleiten? Wahrscheinlich, denn später kommt der Taufname Wezilo, Wizilo oft vor.)
21. Wittges, wohl von Wittichos, „das Wittichs". Der Name Wittich existirt noch als Familienname.
Nicht dürfen wir uns verleiten lassen, die Namen H o r a s (Horaha mit nachträglich angeschlichenem s), Stöckels(Stockehes), Steens(Steinehes), Wolferts (1012 Wolfeshart geschrieben, 824 und 840 schon Uolfeshard) zu unserer Namensgruppe zuzählen zu wollen. Diese Namen bedeuten „Schmutzbach", „Gestöck", „Gestein" oder „Steinicht", „Wolfs wald". Wohl aber finden sich in unserem Bezirk um Fulda Ortschaften, die wieder verschwunden sind oder als Feldfluren figuriren, deren Namen hierher gehören oder zu gehören scheinen.
Es sind dies die Ortschaften Alpehohhes (1308) beim Florenberg, 1469 schon verschwunden, Ermbrechts (1480) bei Pilzerzell, Tuge- leres (1270 mit Hain Schlagberg genannt) zwischen Fulda und Vogelsberg, Gerharts (1335, 1441, aber 1525 schon verschwunden), wohl an Stelle der Gerhardsmühle, Gospharts (1363) nahe Bieberstein, Gottrams (1363) ebendaselbst, Hamundir (1284 und 1288), jetzt Forstort Hahnenbalz bei Nonnenrod, Landeslahes (1230), jetzt Lanneshof, Liprades (1348,1357, 1361, Vorwerk des Schlosses zu Steinau), Mus> Hundes (1165 Mushundes, 1349 Mushunde», 1399 zum Schloß Steinau gehöriges Vorwerk), von Muotsuvintes, „das Muotsuvint", abzuleiten, jetzt die in die Gemarkung von Dietershan gehörige an der Geishccke gelegene Feldflur Maushund, ein Beispiel von starker Veränderung des alten Namens, wie wenig andere ausgeführt werden können; Rudhards (ca. 1000 RuothardeS, 1311 Ruthartz, 1444 und 1449 Rothardes,
Neuthards bei Dipperz), S nopp es (die Flur Noppen bei Keulos), Suanaprachtes (1165 in der Cent Fulda), Werthers (1326 bei Heimbach). Dagegen mag Erles (wohl an Stelle der j tzigen Erlesmühle) und Lindes mit Hilfe des althochdeutschen ahi, mittelhochdeutsch ehe, jetzt icht, i g gebildet sein, welches eine Menge von gleichartigen Dingen, also hier Erlen und Linden bedeutet. —Die Erklärung der Namen der aufgezählten verwüsteten Ortschaften mag Jedermann nun an der Hand des früher Gesagten selbst versuchen, die Verwandlung von HamundiS in Hahnenbalz und Muotsuvintes in Mausehund zeigt, wie sehr manche Ortsnamen mit der Zeit sich ändern, das sie verarbeitende Volk jedoch bestebt ist, die unverständlich gewordenen Wortform wieder so zu gestalten, daß es sich darunter etwa» denken kann.
II. Im Amtsgerichtsbezirk Großenlüder.
1. Brandlos. 1170 heißt der Ort Hada- brandes, d. h. „das Hadebrand". Hadu- brand heißt soviel wie der von Streitlust Brennende. Hier ist merkwürdiger Weise außer dem Endwort hu» auch der erste Theil des Namens Hadubrand, das Wort hadu (-Streit) weggefallen.
2. Malkes. 1180 Malcgozes, 1235 Malcoz, 1268 MalkoziSvilla, (villa lat. — Dorf), 1324 Malkos, 1336 Malcoz, 1395 wieder Malkos geschrieben. Der Name bedeutet Ciedelung, Haus oder Hof des Adalgoz und zwar tritt hier das erhalten gebliebene m des zum wieder auf, man sagte also ursprünglich: zem Adalgozes-husa, „zum Hause des Adalgoz". Das Dorf war im Mittel- alter der Sitz des gleichnamigen Edelgeschlechtes, aus dem der Abt Conrad der Dritte von Fulda stammte, der von 1222 bi» 1249 regierte und durch seine ritterlichen Kämpfe mit dem Würzburger Bischof wegen der Weiden auf dem DammerSfeld sich auszeichnete.
Ausgegangen sind das 1338 und 1410 genannte Rüdinges und das 1269 in der Nähe von Blankenau vorkommende Zuvivels.
Vermischtes.
* Di« stärkste Tanne ganz Thüringens, wahrscheinlich auch ganz Deutschlands, schreibt der „Stadtilmer Anzeiger", ist kürzlich von 2 Stadtilm er in Bezug auf ihren Stammesumfang gemeffen worden. 7 Meter und 60 (Zentimeter beträgt ihr Umfang. Sie gehört zu den ca. 150 Riesentannen des Wurzelberges, die bis 50 Meter hoch, über 300 Jahre alt sein mögen und als Ueberbleibsel des Urwaldes sorgsam geschont werden. Dieselben führen die Namen berühmter Forstmänner und Naturforscher: König, Cotta, Humboldt, Pfeil, Hartig, Burgdorf rc. Jeder dieser Riesenbäume würde gefällt 22 bis 34 Klafter Holz liefern. — Auf dem Lindig, unweit des Wurzelberges, stand eine Tanne, die 52 Meter hoch war, 1849 aber vom Sturm zerbrochen wurde. Sie gab 35 Klafter Holz. Der Stumpf, von einem Schindeldach bedeckt und mit einer Thür verschloffen, nimmt 8 Personen in der Höhlung auf.
[$tuf dem Kasernenhofe) Lieutenant zu einem Einjährigen: „Herr, Sie stehen schon wieder zu weit vor; treten Sie um einen Gedanken zurück und nehmen Sie Richtung." — Einjähriger tritt einen Schritt zurück. — Lieutenant: „Herr, nennen Sie das einen Gedanken? Einen Gedanken habe ich gesagt, nicht einen Schritt!" — Einjähriger: „Bei mir bedeutet ein Gedanke so viel." — Lieutenant: „So? Herr, bei mir bedeutet ein Gedanke so viel wie gar nichts! Verstanden?"
sAus der Jnstructionsstunde.j Unteroffizier Brennecke: „Grünes Getreide, Kartoffeln und Gemüse, worin werden diese gefüttert, Meier?" Meier: „In der Krippe." Unteroffizier Brenneck:: „Falsch. — Schmidt?" Schmidt: „In-'a—Stalleimer," Unteroffizier Brennecke: „Ganz dumm I Keiner weiß es! Da habt Ihr wieder en Exempel von Eure grenzenlosen Unbefangenheit in wissenschaftliche Angelegenheiten. Ich will es euch sagen: „Nur im Nothfalle!"
sGipfel der Hochachtung) Bursche meldet: „Der rechte Sttefel des Herrn Hauptmann sind entzwei.""