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Deutsches Reich.
Berlin, 6. Juli.
* Die neue 3'/zprozentige Reichs anleihe ist siebenfach gezeichnet worden. Bei der Verthei- lung werden die kleinen Zeichner besonders berücksichtigt werden. Die Diskontogesellschaft soll 59, die Deutsche Bank 53, Rothschild in Frankfurt 10, Oppenheim in Köln 8 Millionen gezeichnet haben. Die Anleihe notirte heute 99,25.
• Die Eröffnung des Orientalischen Seminars Mitte Oktober, wird mit nur zwei etatsmäßigen Lehrstühlen erfolgen. Die ,Kreuzzeitung' berichtet des Näheren:
„Dis Bedeutung und weite Verbreitung sowohl des Arabischen wie des Chinesischen war dafür bestimmend, daß diese beiden Sprachen vor den überhaupt in Frage kommenden für die Besetzung der etatsmäßigen Stellen bevorzugt wurden. Vom 1. April 1888 ab ist indeffen Aussicht für die Errichtung weiterer zwei etatsmäßiger Lehrstühle, wenn die Abittel hierzu, welche im nächsten Etat verlangt werden sollen, von den betreffenden gesetzgeberischen Faktoren bewilligt werden. Welche zwei Sprachen für diese neu zu schaffenden definitiven Lehrstühle gewählt werden, darüber finden gegenwärtig noch Erwägungen statt. Man hatte zunächst Indisch und Japanisch im Auge; doch scheint es nicht ausgeschloffen, daß eine uns näher liegende orientalische Sprache den Vorzug erhält. Der für das Arabische Beftnttin »mannt. TV. S"- tm n.« n m.-lcher augenblicklich noch Kanzler-Dragoman in Beirut ist, hat dieses Amt seit etwa acht Jahren inne, nachdem er vorher ungefähr sechs Jahre in Konstantinopel weilte und dort seine Ausbildung als Dolmetscher-Eleve erhielt. In Folge seines langen Aufenthaltes in Konstantinopel beherrscht er neben dem Arabischen auch das Türkische. Der etatsmäßige Lehrstuhl für das Chinesische ist durch den Gesandtschafts-Dolmetscher Arendt, welcher sich in dieser Eigenschaft bereits gegen zehn Jahre in Peking befindet, besetzt worden. Jeder dieser Dozenten wird gleich den Universitäts-Profefforen täglich zwei Stunden Vorlesung halten; ihr etatsmäßiger Gehalt ist mit Einschluß des Wohnungsgeldzuschuffes auf 5700 Mark berechnet; es dürfte aber künftig eine Erhöhung dieses Satzes eintreten. Zur Remunerirung von Lektoren und Lektoren-Assistenten sind im ganzen 22,500 Mark bewilligt worden; die Verwendung dieser Summe wird so erfolgen, daß der Unterricht im Allgemeinen stundenweise remunerirt wird. In Bezug auf die nicht etatsmäßigen Lektoren und Lektoren-
Dich eigene Schn».
Roman aus der Handelswelt.
16. Fortsetzung.
„Damken hat gewußt, daß Du Buchmann Has. fest, und hat Deine Leidenschaft benutzt, um Dich für seine Pläne zu gewinnen," entgegnete Pauline.
„Dies konnte er nicht wissen," rief Kleuser, über den Einspruch seiner Frau unwillig. „Wenn Du Alles mit einem unbegründeten Vorurtheile ansiehst und hinter Jedem eine List oder eine unrechte Absicht vermuthest, kannst Du freilich meine Verbin- düng mit Damken nicht als ein Glück betrachten. Ich hätte nicht qeglaubt, Pauline, daß Du Dich so sehr durch Vorurtheile leiten ließest und mir selbst so wenig Kraft und Scharfblick zutrautest."
„Du verkennst meine Worte, Leopold," erwiderte die Frau mit weicher, versöhnlicher Stimme, in- dem sie die Hand ihres Mannes ergriff. „Ich vertraue Dir so fest, wie nur ein Mensch einem andern vertrauen kann; dennoch vermag ich eine sich mir unbewußt aufdrängende Angst nicht zurück- zuweisen, mir ahnt, daß dieser Schritt Dein Ver- derben sein wird. Suche ihn rückgängig zu machen, Leopold, thue es mir zu Liebe und zur Beruhigung."
„Es geht nicht, Pauline, es geht nicht," rief Kleuser. „Ich habe Damken mein Wort gegeben
Assistenten sind die Verhandlungen mit den betreffenden Persönlichkeiten noch nicht sämmtlich zum Abschlüsse gebracht. Außer dem Dr. Hartmann wird der als Rentier hier lebende frühere Konsul Dr. Wetzstein, der als vorzüglicher Kenner des Arabischen anerkannt ist, in dieser Sprache auch einige Stunden Unterricht ertheilen, während die praktischen Uebungen des Arabischen durch den vom Vice Könige von Aegypten empfohlenen Scheikh und den hier beim Magistrate beschäftigten Araber Herrn Maarbes geleitet werden. Die Aufnahme des Herero-Dialekts unter die zu lehrenden Sprachen ist bisher nicht in's Auge gefaßt."
* Neuerdings soll zwischen sämmtlichen deutschen Bundesstaaten ein förmlicher Vertrag abgeschlossen sein, kraft deffen die politische Polizei für das ganze deutsche Reich eine einheitliche sein soll und von Berlin aus geleitet wird. Aehnliche Vereinbarungen bestanden schon früher zwischen Preußen und verschiedenen, wohl den meisten, Bundesstaaten. Jetzt soll es aber allgemein und perfekt geworden sein.
* Die Meldung von einer Zusammenkunft der sozialdemokratischen Vertrauensmänner in Cassel war irrig. Schuld an dem Jrrthum ist der Korrespondent der ,Franks. Ztg.', welcher die Generalversammlung des Krankenunterstützungsbundes der Schneider für einen sozialdemokratischen Kongreß hielt.
* Seit einiger Zeit ist eine erschreckende Häufung von größeren Unglücksfällen eingetreten. Auf den Brand der Komischen Oper zu Paris folgte der Untergang von gegen 300 Wallfahrern auf der Donau und mehrere größere Eisenbahnunfälle. Vorgestern explodirte in 3)a68'
Ue.vung
oder doch entsetzlich zugerichtet wurden. In Zug versanken gestern Abend plötzlich 17 Häuser rm See, wobei 30 Personen umkamen. Wertere 30 Gebäude drohen noch zu versinken. In Amster- dam explodirten gestern in einer Droguenhandlung große Naphtavorräthe, wobei 10 Personen verunglückten.
* Breslau, 6. Juli. Die zu Breslau tagende Deutsche Rabbinerversammlung hat heute beschlossen, um den Verdächtigungen und Mißdeutungen des Talmud zu begegnen, eine Kommission ernzu- setzen, die eine encyclopädische Behandlung, womöglich eine deutsche Uebersetzung derselben ver- anstalten solle.______________ (fr- W
und ich darf mein offenbare- Glück nicht von der Hand weisen, weil Dich eine Dir selbst unerklär- liche bange Ahnung ergriffen hat. Wohin sollte das führen, Pauline, wenn ein Kaufmann auf Ahnungen Rücksicht nehmen wollte? Jeden andern Wunsch will ich Dir erfüllen, nur diesen nicht. — Sprich indeß zu Niemand hiervon. Unsere Verbindung soll für den Augenblick noch ein Geherm- niß bleiben, es soll den Anschein haben, als ob ich nur als Geschäftsführer in das Haus Damken eingetreten sei." , ,
Pauline erwiderte nichts darauf. Die bange Stimmung, welche sie ergriffen hatte, wich mcht von ihr. Während ihr Mann schon längst schlref, zogen finstere, beängstigende Gestalten vor ihren geschloffenen Augen vorüber. Träume ziehen ja ost Tage lang ängstigend und quälend durch die schwache Menschenbrust hin und alle Tageshelle und alles Sonnenlicht vermag die dunkeln Schattenbilder nicht zu verscheuchen. Wie Dämonen einer höheren Macht treten sie an den Menschen heran und so williger sie seinem Willen unterthan zu machen sind, um so mehr gewinnen sie über ein schwaches Her, das Ü bergewicht.
Noch ein andere» Paar Augen hatte diese stacht durchwacht: das des greifen Steiders. Er hatte sich nicht zur Ruhe gelegt. Auf dem Mel, auf
* Leipzig, 6. Juli. Die Publikation des Urtheils im Schnäbele-Proceß ist auf Freitag Mittag angesetzt.
* Au» Straßburg, 5. Juli, schreibt man der ,Frkf. Zig.': Dem Schnäbele - Prozeß in Leipzig wird hier keine große Aufmerksamkeit gewidmet. Der Hauptangeklagte Klein ist eine durchaus uninteressante, ungebildete und zu jeder Art Verrath bereite Persönlichkeit, wie dies am allerbesten aus seinen Aussagen und aus der Art und Weise hervorgeht, wie er den eigenen Schwager zu belasten sucht. Aus dem Umstande, daß er ein Elsäffer ist, kann gegen das Elsaß kein Kapital geschlagen werden, denn nicht aus politischen Motiven, sondern lediglich zum Gelderwerb hat Klein sein verrätherisches Handwerk getrieben. Wäre er nicht Elsäffer gewesen, so hätte er sich zur Spionage ebenso gut hergegeben, wie er es als Elsäffer that. Aus der Anklageakte und au» den bisherigen Gerichtsdebatten ergibt sich auch, daß die Handlungen Klein's und Genoffen in keinerlei Konnex zu einer Art allgemeiner Verschwörung stehen, wie es unter guten Freunden vielfach zu verstehen gegeben wurde, zur Zeit, als gegen Elsaß-Lothringen die Ruthen einer strengeren Regierungsweise geschnitten wurden. Klein hat eine exemplarische Strafe verdient, die Elsäffer werden aber nicht um ihn trauern, selbst die unversöhnlichsten Protestler nicht. Und vollends steht sein Treiben in Mainz in keinerlei Beziehung zur sogenannten elsaß-lothringischen Frage. Heber- Haupt kann die Pointe dieses Prozesses nicht gegen Elsaß-Lothringen gerichtet werden, wohl aber seine Polizeiorgane an der Grenze uno in ucii Bahnhöfen, d. h. Leute, die lediglich SicherheitS« dienst zu verrichten haben, dazu benützt hat, die Militärspionage im Nachbarland zu organisiren.
* Die badische Regierung hat sich mit dem Vatikan in Verbindung gesetzt, um die kirchen- politische Gesetzgebung zu ändern. Die Verhandlungen nehmen einen regelmäßigen Verlauf.
Ausland.
* Tirnowa, 6. Juli. In der gestrigen Sitzung der Sobranje, deren Präsidium Tont- schew und Stojanow bilden, erstatteten die Dele- dem er am Abend zuvor erschöpft niedergesunken war, saß er noch am frühen Morgen. Fast ohne Leben hatten seine Augen auf den Boden gestarrt, und nur dann und wann hatte ein schwerer Seufzer verrathen, daß das alte Herz noch schlug.
Was er in dieser einen Nacht gedacht und erduldet, welche bange und folternden Schmerzen er ausgestanden, wußte er selbst nicht, denn an sich selbst hatte er am wenigsten gedacht. Er stand allein und verlaffen in der Welt da, alle seine einstigen Bekannten und Freunde waren vor ihm in’« Grab gesunken, nur ein einziges Herz hatte er, das ihm nahe stand: das seines N ffen, aber dieser weilte fern von ihm in Amerika.
Mit fast fieberhafter Hast, verließ er am nächsten Morgen da» Zemmer und eilte dem Geschäfte zu. Zum ersten Male feit langer Zeit war er nicht der Erste, der in die Geschäftszimmer eintrat, und erstaunt ruhten die Augen der Diener auf ihm. Mit stillem Gruße schritt er zwischen ihnen hindurch und trat in da» letzte kleine Zimmer ein. Nicht» war hier verändert, Alle» stanv noch eben so wie es seit langen Jahren gestanden hatte, und doch erschien ihm Alle» anders, weil er selbst ein Anderer geworden war.
Die Worte de» Handelsherrn: „Es bleibt dabei!" tönten ihm jetzt laut und in aller Fri