1887
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* Abermaliger Protest des irländischen Episkopates gegen das irländische Zwangsgesetz.
Der irländische Episkopat, welcher zu Mainooth versammelt war, hat nab Erledigung der religiö- sen Angelegenheiten des Landes neuerdings folgende Resolutionen berathen und beschlossen.
Nach Erledigung der kirchlichen Angelegenheiten, für welche wir hier versammelt sind, können wir uns nicht trennen, ohne im Verein mit allen unseren ehrwürdigen Brüdern des irländischen Klerus zu protestiren gegen das Zwangsgesetz, welches am vergangenen Sonnabend das Unterhaus in zweiter Lesung passirt hat. Im Einklang mit unseren Vaterlandsgenossen betrachten wir mit tiefer Entrüstung diesen Versuch, welcher gemacht ist, um unser Land seiner Rechte und seiner konstitutionellen Freiheiten zu berauben und es der Gnade feindseliger, der Regierung unverantwortlicher Beamten zu überliefern.
Wir kennen unsere Diözesen und unsere diesbezüglichen Provinzen ganz genau und versichern mit vollem Vertrauen, daß, abgeseheu von der be- klagenswerthen Ausnahme einiger weniger Bezirke von geringer Ausdehnung, Irland vorzugsweise frei ist von Verbrechen und schweren Vergehen, und sogar auch von gewöhnlichen Gesetzesübertretungen. Um diese unsere Versicherung noch zu kräftigen, können wir uns berufen auf das Z:ug- niß der Richter Ihrer Majestät, sowie darauf, daß dieses aus ihren Sitzungsreden bei den letzten Assi- sen hervorgeht. Daher halten wir es für unsere Pflicht, die Anklage, welche man unserem Volke beständig in's Geficht schleudert und im Jnteresie der Partei in der gegnerischen Preffe von England und Irland systematisch verbreitet, daß es die Gesetze verletze und Verbrechen begehe, als jeder Grundlage entbehrend zu bezeichnen. Die Zwangsgesetze, welche heute von der Negierung Ihrer Majestät für Irland verlangt werden, find also durch keine Thatsachen gerechtfertigt und müssen folgerichtig, da ihnen jede Ursache und jede Berechtigung abgeht, verworfen werden.
Nach unserem reiflich überlegten Urtheil wird die Anwendung der geplanten Zwangsmaßregeln die Verbrechen und Schmähungen in dem begrenzten Kreise, in welchem fie jetzt vorkommen, nicht
Aimh eigene Sdjulö.
Roman aus der Handelsioett.
14. Fortsetzung.
„Ich danke Ihnen, Herr Kleuser," sprach er endlich. „Sie denken vielleicht zu edel von mir und halten mich für zu uneigennützig. Ich habe noch einen andern Grund, weßhalb ich Ihre Theilnahme an meinem Geschäft wünschte, aber ich wage kaum, Ihnen diesen zu nennen, weil Sie mich leicht mißverstehen können."
„Gewiß nicht," rief Kleuser lebhaft.
„Sehen Sie," erwiderte der Handelsherr, „ich will Ihnen offen gestehen, daß es mich im Stillen bitter kränkt, daß Buchmann, dessen Geschäft noch ein junges und, ich kann wohl sagen, nicht fest gegründet ist, meiner alten Firma den Rang abläuft. Buchmann hat Glück in seinen Spekulationen, hat aber auch seine Zeit begriffen. Bleibt ihm da» Glück nur noch kurze Zeit, so hat er das Haus Damken überflügelt, und das hat er in einer Gesellschaft kürzlich ausgesprochen. Das kränkt mich, das rüttelt an meiner eigenen Ehre, und wenn ich auch mit Buchmann äußerlich scheinbar befreundet bin, da ich häufig mit ihm zu- sammen komme, so gönne ich ihm doch diesen Triumph nicht. Rur dadurch, daß mein Geschäft
vermindern; aber diese Maßregeln werden Gegner da erwecken, wo bisher der Friede und die Ordnung die Oberhand hatten, sie werden die Unzufriedenen auf geheime Bahnen drängen, an die Stelle der offenen und konstitutionellen Thätigkeit wird die traurige Arbeit der geheimen Gesellschaft ten treten. Mißtrauen und Feindseligkeit, hervorgerufen durch den Zwangszustand, werden sich jeder Gesetzgebung gegenüber geltend machen, welche aus derselben Quelle stammt; diese Stimmung wird die Beziehungen, welche zwischen der Klasse der den Zwangsmaßregeln huldigenden Landlords und ihren Pächtern bestehen, noch mehr verbittern und die ruhigen und freundschaftlichen Unterhandlungen, ohne weiche niemals eine rasche und befriedigende Regelung der Agrarfrage auf dem Boden der Auslösung möglich sein wird, unausführbar machen.
So heiß unser Volk diese Regelung auch ersehnt, so kann es doch nur mit Mißtrauen und Argwohn die versprochene Reform betrach'.en, eine Reform, welche mit ZwangSgesetzen oder ähnlichen scharfen Maßregeln begleitet oder eingeleitet wird. Die agrarischen Maßnahmen der Regierung begegnen außerdem auch noch vielen Zweifeln in Anbetracht des Widerstrebens (um nicht zu sagen bösen Willens), welches die Minister gezeigt haben bei der Annahme der so nachdrücklich befürworteten Vorschläge der jüngsten Agrar-Kommission, welche dazu noch von den Ministern selbst gewählt worden war.
Nicht dadurch, daß die Bank-rotte in diesen Bezirken zur ständigen Einrichtung werden, sondern dadurch, daß man die Pächte herabsetzt und sie nach den Erzeugnissen des Bodens berechnet — eine Maßregel, welche die königliche Agrar-Kom- Mission für dringlich erklärt hatte — können unsere Pächter dahin gelangen, daß sie den gerechten Forderungen ihrer Gutsherren nachkommen, und kann eine billige Grundlage gefunden werden für den Verkauf und die Erwerbung von Ländereien. Wir fordern also dringend als einen wesentlichen Bestandtheil der verbesserten Agrar-Gesetzgebung die schnelle und allgemeine Einführung eines ehr- lichen Systems in der Herabsetzung des Pachtzinses. Wir wiederholen die Forderungen, welche wir so dringend aber vergeblich geltend machten, als da» Agrargesetz von 1881 in Frage stand, welches die Miether und Besitzer von großen Gütern begünstigt, sich aber gegen das System richtet, daß nach denselben Handelsprinzipien, welche er befolgt, geführt wird, nur dadurch kann ich es ihm unmöglich machen, daß er mir zuvorkommt. Ich kenne aber weiter Niemand als Sie, dessen Kopf dem meines Rivalen gewachsen ist und der dessen Handelsprinzipien so gründlich kennt. Ich weiß, daß Sie das von meiner Seite als Neid, als Mißgunst auffaflen können; aber es gehört ein edlerer und stärkerer Charakter, als ich besitze, dazu, um es mit Gleichmuth anzusehen, daß ein so altes Haus, wie das meinige, von einem jungen Geschäft überflügelt wird."
„Nehmen Sie meinen Vorschlag an, Herr Damken," rief der junge Kaufmann drängend, indem er ihm die Hand darreichte. „Schon dieser eine Punkt hätte mich ganz für Sie gewinnen können. Sie wissen nicht, daß ich Buchmann hasse" — der Handelsherr wußte es sehr wohl und hatte diesen Haß zur Erreichung seines Planes als einen Hauptfaktor angesehen und berechnet. — „Ec war in demselben Geschäfte, in dem ich gelernt, Buchführer. Ich bin noch mit ihm zusammen gewesen und jetzt, da er Glück gehabt hat und reich geworden ist, kennt er mich nicht mehr. Sein überwiegender Einfluß ist mir bei mehreren Spekulationen, welche für mich glücklich abgelaufen wären, sehr nachtheilig geworden, und ich habe mir ge-
die Verbesserungen, welche die Pächter vornehmen, bei der Festsetzung des Pachtzinses in Anschlag zu bringen seien.
lieber „Home Rule" und andere Fragen, über welche wir noch jüngst öffentlich unsere Meinung ausgesprochen haben, wollen wir nichts weiter sagen; aber wir können es nicht unterlassen, dem gegenwärtigen Parlament in dringendster Weise unsere Forderungen, welche wir auf Abstellung unserer Beschränkung bezüglich des Unterrichts gestellt haben, in's Gedächtniß zurückzurufen, eine Beschränkung, gegen welche unser gesammter Episkopat so oft protestirt hat. In den drei Abtheilungen des öffentlichen Unterrichts fordern wir vollständige Gleichheit mit unseren nichtkatholischen Mitbürgern bezüglich der Geldbewilligung. Wir werden nie mit weniger zufrieden sein. Und wir fordern als wesentliche Bedingung der religiösen Freiheit, daß wir den Religionsunterricht mit dem weltlichen Unterricht in unseren Schulen vereinigen können.
Abschriften dieser Resolution sollen gesandt werden an den Ministerpräsident Salisbury, an Gladstone und Parnell.
(Es folgen die Unterschriften von 23 Erzbischöfen und Bischöfen. Sechs Bischöfe, welche verhindert waren, der Mainoother Bischofs-Konferenz beizuwohnen, haben nachträglich ihre Zustimmung zu vorstehender Resolution gegeben.)
Deutsches Reich.
Berlin, 4. Juli.
* Der Kaiser reist heute Abend 10 Uhr nach Bad Ems ab, woselbst er morgen vom Prinzen Wilhelm begrüßt wird. Der Letztere stattete gestern I. M. der Kaiserin einen Besuch ab. Wie aus München gemeldet wird, wird S. M. der Kaiser auf der Reise nach Gastein mit dem Pcinzregenten Luitpold von Bayern zusammentreffen. Falls der Kaiser einen Aufenthalt in München nicht nimmt, wird ihm der Pcinzregent auf bayerischem Gebiete entgegenfahren.
* Das Honorar Dr. Mackenzie's für die Behandlung des Kronprinzen beträgt, wie dem ,Berl. Tageblatt' mitgetheilt wird, 20,000 Mk. Neber- dies erhält der Doktor noch besondere Vergütung für Reisekosten und Zeitversäumniß, so oft er nach Berlin berufen wird.
schworen, diese Scharte an ihm auszuwetzen. Nehmen Sie meinen Vrschlag an, schlagen Sie ein und ich schwöre Ihnen, daß ich Buchmann demüthigen will! Ich will es und ich kann es, wenn mir der Kredit Ihres Hauses zur Seite steht. Schlagen Sie ein!"
Der Handelsherr nahm die dargebotene Hand an, aber mit einer Miene, als ob er es mehr Ihne, um der Bitte des jungen Mannes nachzukommen, als seinen eigenen Wunsch erfüllt zu sehen. „Gut, Herr Kleuser," sprach er mit ruhiger Stimme, „ich nehme Ihren Vorschlag an. Sie sind von heute ab mein Kompagnon, wenn auch zuerst nur im Geheimen."'
„Es wird sich wohl eine Gelegenheit finden," fuhr Damken fort, um der Firma meines Hauses Ihren Namen hinzuzufügen. Sobald mein Geschäft durch Sie einen neuen Aufschwung erhalten wird, erkläre ich Sie öffentlich als meinen Kompagnon. Sind Sie damit einverstanden?"
„Ich bin es," rief der junge Mann erfreut und drückte dankbar die Hand des Handelsherrn.
„Ihre Frau wird mir freilich zürnen," rief der Handelsherr lächelnd, „weil ich Ihre Flitterwochen so beendet habe, denn e6 thut mir leid, mein lieber Kleuser, daß ich Ihnen keine Stunde mehr vergönnen kann. Morgen tritt der alte