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1887

.HL 148.

Zeitung

fiiliiiicr

Montag, den 4. Juli.

Di- Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonn-m-ntspr°is ohne Bring-rlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf.. ' mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen m Fulda 1 M. 70 Pt-, auswärts 12». 75 Pf.

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Deutsches Reich.

Berlin . 2. $uli.

* Die Mittheilvng des .Observ. frarg.', es stände ein Brief des Papstes an die baye­rischen Bischöfe in Aussicht, hat nirgends beson- deres Vertrauen gefunden. Der .Bayer. Kurier' versichert jetzt aus bester Quelle, daß man von einer solchen Absicht des Papstes nicht das Mindeste weiß und der Mittheilung auch in hohen geistlichen Kreisen keinen Glauben schenkt.

• Wie gemeldet, hat der Bischof von Hi Ides­heim die Theologiestudirenden seiner Diözese an­gewiesen, farbentragenden Studentenverbin­dungen nicht beizutreten, speziell zwei Studirende aufgefordert, aus der katholischen Studentenver­bindung Saxonia in Münster auszutreten. In der .Kreuzzeitung' war dieses Vorgehen dahin ge­deutet worden, als habe der Bischof seinen Theo- logen die „cxtrem-ultramontanen" Studentencor- porationen verbieten wollen. Dieser Deutung tritt ein Brief entgegen, welcher der .Germania' aus Hildesheim von zuständiger Seite zugeht und welcher besagt:

„Von Seiten des General-Vicariates zu Hildesheim ist den Theologie Studirenden der Diözese Hildesheim in Münster in Westfalen der Wunsch zu erkennen gegeben, daß sie farbentragenden Verbindungen nicht als Mitglieder angehören möchten. So sehr alle katholischen Vereine und Verbindungen wegen ihrer segensreichen Wirksamkeit die wärmste Sympathie verdienen, ist doch das General- Vicariat von der Ueberzeugung geleitet, die Kandidaten des Priesterthums durch Fernhalten von einem burschi­kosen Studentenleben für die Seminarbildung bester vor- zubereiten. Es liegt jenem Wunsche weder ein Verkennen der Wirksamkeit dieser Verbindungen, noch irgend welche andere von der gegnerischen Presse vorgebrachte Motive zu Grunde; und es ist die Aeußerung dieses Wunsches um so weniger auffallend, als seitens des Ordinariats zu Münster vor längerer Zeit eine gleiche Anweisung an di« Theologie-Studirenden erfolgt ist, und es der bischöf­lichen Behörde ausschließlich zusteht, die Vorbildung der Kandidaten des Priesterthums zu leiten und zu überwachen."

* Straßburg, 2. Juli. Heute Nachmittag fand die feierliche Einweihung des Denkmals Ludwigs I. von Bayern statt. Die Festrede hielt der Seitatrsekretär der Universität Schlicker. Der frühere Unterstaatrsekretär Mayr übergab das Denkmal der Stadt Straßburg. Die Ueber- nähme drsselben erfolgte durch den Beigeordneten Hochapfel.

* Bonn, 2. Juli. In den Kreisen der hie-

Dutdj eigene Schuld.

Roman aus der Handelswelt.

13. Fortsetzung.

Der Handelsherr schwieg und schien nachzu­sinnen. „Ich wünschte. Herr Kleuser, ich hätte Ihren Kopf auf meinem Geschäfte, ich würde viel darum geben. Ich bin genöthigt, meinen alten Geschäftsführer zu entlasten, weil er seines Alters wegen dieser Stellung nicht mehr gewachsen ist, und ich bin in der That in Verlegenheit um einen Kops wie den Ihrigen, mit Ihren Kenntnissen und Grundsätzen. Ich selber kann mich um mein Haus wenig bekümmern und habe mich obendrein übereilt, indem ich meinen alten Steider seiner Stelle enthoben habe, ehe ich einen Nachfolger für ihn gefunden. Ich möchte fast wünschen, Herr Kleuser, Sie wären unbemittelt, um ihnen diese Stelle antragen zu können, — unter den jetzigen Verhältniflen bleibt er natürlich nur ein frommer Wunsch, der eben nicht erfüllt werden kann."

Kleu'er hatte diese Woite des Handelsherrn nicht ohne Erstaunen gehört. Aber obschon er ihm an Schlauheit nicht das Geringste nachgab, glaubte er ihm doch arglos.

„Weshalb kann dieser Wunsch nicht erfüllt

sigen Theologiestudirenden gilt es als sicher , daß mit Herbst das Convict eröffnet wird. Dieser Glaube stützt sich auf eine diesbezügliche Mitthei­lung, welche Bonner Studenten z. Z. auf dem Generalvicariate gemacht wurde. Ferner heißt cs daß das Recht des Eintritts sich nur auf die äl­teren Semester erstrecke.

♦ Kassel, 2. Juli. Die von einem hiesigen Blatte nach der .Franks. Ztg.' gebrachte Mitthei- lung, daß am Montag, Dienstag und Mittwoch hier in Kastel Vertrauensmänner der Sozialdemo­kratie an« allen Theilen Deutschlands zur Be- rathung versammelt gewesen seien, ist, wie das ,Kast. Tgbl.' bestimmt erfährt, unrichtig.

* Gestern Vormittag ist die oberrheinische Gewerbeausstellung durch deren Protector, den Erbgroßherzog von Baden, in Freiburg im Breisgau feierlich eröffnet worden. An der Eröffnungsfeier nahmen der badische Minister­präsident Turban, sowie die Unterstaatssekretäre von Elsaß-Lothringen, Studt und Back Theil. Die Ausstellung ist von 1400 Ausstellern beschickt.

Ausland.

* Das österreichische Kronprinzenpaar hat eine Reise nach Galizien unternommen und ist in der galizischen Hauptstadt Krakau mit großem Ent- husiasmus empfangen worden. In Rußland scheinen sich an diese Reise allerlei Befürchtungen geknüpft zu haben, denn einmal soll russisch-pol­nischen Edelleuten, die sich nach Krakau begeben wollten, die Reise dorthin untersagt worden sein und zum andern wird berichtet, daß eine Anzahl russischer Geheimpolizisten in Krakau anwesend war.

* Sofia, 1. Juli. Es wird bestimmt ver­sichert, daß die große Sobranje, welche in Tirnowa zusammentrüt, zur Fürstenwahl schreiten wird. Die Wahl wird auf den Prinzen Ferdinand von Koburg, den Sohn der Prinzessin Clementine von Orleans, fallen. Alle Mächte, Rußland und Frankreich ausgenommen, haben die Anerkennung des Fürsten zugesagt.

* Rom, 2. Juli. Die Nachrichten und Deu­tungen über ein Circular des Vatikans an die Nuntien sind dahin zu berichtigen, daß daffelbe einfach besteht aus einer Depesche des Vatikans, worin die Erläuterung der letzten Allokation ge­geben ist mit besonderer Betonung der absoluten werden, Herr Damken?" fragte er lebhaft. „Ich möchte wahrhaftig lieber Geschäftsführer de» Hauses Damken sein, als ein eigenes neues Ge­schäft begründen. Wenn Ihnen mein Kopf ge­nügt, so habe ich nichts dagegen."

„Nein, nein, Herr Kleuser," unterbrach ihn der Handelsherr, „so sehr ich es auch wünsche, so kann doch nie etwas daraus werden. Sie schlagen meine Freundschaft zu Ihnen zu gering an, wenn Sie glauben, ich könnte es verlangen, daß Sie, wenn auch nur dem Namen nach, in ein untergeordnetes Verhältniß zu mir treten. Auch auf Ihre Frau müssen Sie Rücksicht nehmen, sie ist eine Jugendfreundin meiner Tochter. Die scheinbar untergeordnete Stellung, in welche sie dadurch zu Gabriele treten würde, müßte sie ver­letzen. Ich danke Ihnen für diesen Beweis Ihrer Freundschaft — aber ich muß mich mit meinem Wunsche begnügen."

„Ihre Meinung von meinem guten Kopse muß doch nicht außerordentlich sein, H°rr Damken," erwiderte Kleuser, der die Gründe für die Ab­lehnung nicht genügend genug fand und in der That die Stellung al» Geschäftsführer in dem alten und bewährten Handelshause gern ange­nommen haben würde, da sie ihm völlig freie

Nothwendigkeit der territorialen Unabhängigkeit fce8 hl. Stuhles. — Gemäß dem Beispiel Montene gro's führt Serbien gegenwärtig Verhandlungen mit dem hl. Stuhle betr« ffs der Organisation der katholischen Hierarchie; dieselben sind dem Abschluß nahe.

* In Rußland verweist man die durch die deutschen Blätter jüngst gegangene Nachricht, Kat­kow sei in Ungnade beim Zaren gefallen und es fei ihm der Pachtvertrag für die Moskauer Zei­tung' zum Jahreswechsel gekündigt, als Strafe wegen der Veröffentlichung der „Enthüllungen" Tatistschews ins Fabelreich. Und aus Wien meldet die .Post': „Vorliegende Petersburger Be­richte melden, daß Katkow's Position in keiner Weise erschüttert sei. Der Zar habe ihm sogar vor Kurzem, als Katkow durch ein Unwohlsein ans Zimmer gefesselt war, die außerordentliche Ehre erwiesen, ihn zu besuchen."

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 3. Juli.

* Das gestern in unserer festlich dckorirten Stadt abgehaltene Verbandsfest der hessischen Kriegervereine konnte sich bei der herrschen- den sommerlichen Witterung dem Programme gemäß ungehindert entfalten. Dem Feste Glück verheißend brach der gestrige Sonntagmorgen an, der Morgen des 3. Juli, des Tages der Schlacht bei Königgrätz vom Jahre 1866. Jede traurige Erinnerung an den damaligen deutschen Bruder­krieg mußte schwinden bei dem Gedanken, daß Oesterreich heute unser treuester Bundesgenosse ist, wie sich dies ja auch gleichzeitig am selbigen Tage bei dem deutschen Bundesschießen in Frankfurt a. M. in so herrlicher und begeisternder Art bekun­det hat. Doch dies nur nebenbei. Kommen wir nun zum eigentlichen Festbericht. Gegen 6 Uhr des Morgens ertönten die Klänge der Reoeille durch die Straßen der Stadt. Die vielen ange­meldeten Kriegervereine erschienen theils mit den verschiedenen hier des Morgens eintreffenden Bahn- zügen, theils mit Fuhrwerken und wurden von dem hiesigen Verein durch besondere Komitss empfangen. Von der Turnhalle aus wurden die Vereinsfahnen durch besonders gebildete Fahnensekiionen nach dem Festplatz gebracht und in dem weißen Saale des Hand in feinen Lieblingsspekulationen ließ, und auch Gelegenheit bot, feine eigene Zukunft durch gute Verbindungen zu sichern.

„Ich weiß nicht, welchen Beweis ich Ihnen für die Aufrichtigkeit meiner Ueberzeugung von der Trefflichkeit Ihrer Kenntnisse und Grundsätze geben soll," entgegnete der Handelsherr. „Genügt Ihnen da« Geständniß, daß ich Sie mit Freuden zum Kompagnon meines Hauses annehmcn würde, wenn Sie anders dazu geneigt wären — freilich auch diesem Wunsche treten große Schwierigkeiten entgegen." '

Der junge Mann war durch diese Worte auf das Höchste überrascht, aber seine Eitelkeit ver­hinderte ihn, sie ruhig zu überlegen, sonst würde es ihm nicht entgangen sein, daß der Handelsherr ein besonderes Interesse verfolge. Als Kcm- pagnon des Hauses Damken — so weit hatten ihn seine kühnsten Träume und Hoffnungen kaum getragen.

„Was sind denn dies für Schwierigkeiten?" fragte er lebhaft und mit erwartungsvoller Er­regung. Der Handelsherr schwieg einen Augen­blick, “als müßte er sich erst zur Beantwortung dieser Frage entschließen. „Gut, Herr Kleuser," sprach er endlich, „ich will sie Ihnen nennen, da-