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Donnerstag, den 23. Juni.

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Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

* Der Bundesrath hält morgen eine Sitzung ab. Zur Berathung stehen u. A. eine Reihe Reichs- tagSadschlüsse, namentlich über die Branntweinsteuer und das Kunstbuttergesttz. Ferner die Vorlage über das Ergebniß der Enquete über die Sonn­tagsruhe.

* Nach offiziöser Meldung beabsichtigt der Herr Finanzminister die Provinzial-Steüerdirek- to ren hierher zu berufen, um sich mit ihnen über die Modalitäten der Ausführung des Bcanntwein- steusrgesetzes zu besprechen.

* Der .Reichsanzeiger' publicirt die Ernennung des bisherigen Gesandten in Madrid, Grafen zu SolmS-Sonnewalde zum außerordent­lichen und bevollmächtigten Botschafter am italie­nischen Hofe.

* Im Gegensatz zu der in mehreren Provinzial­blättern ausgesprochenen Hoffnung, daß der in der eben verflossenen Session des Reichstags unter die Bank gerathene Gesetzentwurf in Betreff einer Ermäßigung der Gerichtskosten und An­waltsgebühren in der nächsten Session des Reichstags, welche voraussichtlich erst nach Weih­nachten beginnen dürfte, auf die Tagesordnung kommen werde, glaubt die ,Kceuz;tg.' auf das Be­stimmteste versichern zu können, daß dazu keinerlei Aussicht vorhanden. Solle in dieser Angelegenheit überhaupt etwas einigermaßen Ersprießliches ge­schehen, so müsse vor allen Dingen erst eine Re­form der Prozeßordnung erfolgen, wie sich dies auch die Mehrheit der Parlamentsmitglieder durch­aus nicht verhehlt habe. Einer solchen Reform aber würden kaum schwerwiegende Bedenken ent­gegenstehen und man sei regierungsseitig auf da­hin abzielende Anträge nicht unvorbereitet.

* Das deutsche Schutzgebiet von Kamerun ist dem Weltpostverein beigetreten. Für den Briefoerkehr mit Kamerun kommen daher allgemein die Veremsportosätze zur Anwendung.

* Wie die ,Kreuzzeitung' hört, ist der bekannte „freisinnige" Agitator und ehemalige Reichstags­abgeordnete, Major a. D. Hinze, zuletzt im 1. Hessischen Jnfanterie-Regiment Nr. 81, in Folge ehrengerichtlichen Spruches des Rechtes, die M-li- tärUmform zu tragen und den Offiziers-Titel zu führen, für verlustig erklärt worden.

* Der zweite deutsche Schlossertag in Dresden hat in seiner zweiten Sitzung seinen

Vorstand beauftragt, die nöthigen Schritte zu thun, daß das heutige Submissionsverfahren eine Ab­änderung dahin ei fahre, daß die Arbeiten nicht mehr dem Billigsten übertragen werden dürfen, daß ferner die Abnahme der fertig gestellten Arbeiten nur durch eine Kommission von Sach­verständigen erfolgen darf, welche aus Mitgliedern bestehender Innungen gewählt werden muß. Die­selbe hat die Arbeiten auf ihre Güte und sachge­mäße' Ausführung zu prüfen. Dann wurde die Lehrlingsfrage behandelt und beschlossen, der Mass.mausbildung von Lehrlingen dadurch entgegen- zutreten, daß die Zahl der von Meistern der V.rbands- innungen auszudildenden Lehrlinge auf ein be- ftimmtes Maß beschränkt werde und eventuell ein nicht zu niedrig bemeflenes Lehrgeld zu fordern fei-

* Köln, 21. Juni. Sicherem Vernehmen der „Köln. Volksztg." nach wird nm 30. d. die Feier der Einweihung dec Kais er g locke durch den hochwürdigsten Herrn Erzbischof statt finden.

* Arnstadt (Thüringen), 22. Juni. Die Schrift­stellerin Eugenie Marlitt (E. John) ist heute früh ge­storben. (Eugenie Marlitt war in Arnstadt am 5. De- cembe: 1825 geboren, bis 1863 Vorleserin der Fürstin Schwarzburg-Sondershausen. Unter dem Pseudonym Marlitt schrieb sie Romane für die .Gartenlaube' (Gold- clse, das Geheimniß der alten Mamsell, Reichsgräfin Gi­sela, das Haidenprinzeßchen, die zweite Frau u. s. w.) Sie huldigte dem Materialismus, den sie in der ein­schmeichelndsten und gefährlichsten Weise vertrat. Der Haß gegen den Katholicismus ging damit Hand in Hand. Dabei gleichen ihre Werke der sittlichen Tendenz nach Göthe's anrüchigen „Wahlverwandtschaften". Ihre Ro­mane ähnelten einander sehr; sodaß bezeichnend ist das in literarischen Kreisen gebrauchte Scherzwort: Wenn zwei Romane einem dritten gleichen, dann sind sie alle von der Marlitt.)

Ausland.

* Der zweite socialpolitische Congreß der belgischen Katholiken wird in diesem Jahre vom 4. bis zum 7. September (einschließlich) wiederum in Lüttich tagen.

* Das Regierungsjubtläum der Königin von England ist glänzend und ohne jede Störung der Ordnung verlaufen, obgleich sich Hunderttau­sends in der Via triumphalis drängten, um den Festzug zu sehen. Ohne Unfälle ist es freilich nicht abgegangen, insbesondere kamen mehrere Fälle von Sonnenstich vor. Auch von Gerüsten und Tribünen sind einige Personen gestürzt und zu

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Einladung zum Abonnement

auf die

Iuldaer Zeitung'

für das III. Quartal 1887.

Einziges Tagesorgan der Centrumspartei in der Diözese Fulda und dem Reg.-Bez. Cassel.

Erscheint täglich und kostet pro Quartal nur Mk. 1,50; mit dem illustrirten Sonntagsblatt »Sterne und Blumen', redigirt von Ph. Wafferburg (Laicus), Mk. 1,75 (ohne Bestellgeld).

Die »Fuldaer Zeitung' bringt Leitartikel über alle wich­tigen politischen und sozialen Fragen, kurzgefaßte Ue ber­eichten über die Landtags- und Reichstagsverhandlungen mit Einschluß hervorragender Parlamentsreden, politische Nachrichten aus dem In-und Ausland, alle wissenswerthen Nachrichten aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet, ferner Bermischtes, Meteorologische Beobachtungen, Marktberichte ic. und ein sittlich gutes Feuilleton.

Annoncen finden durch die »Fuldaer Zeitung', welche unter den in Fulda erscheinenden Blättern den größten Leserkreis besitzt, die weiteste Verbreitung. Bei Jtftetm und wiederholtem Einrücken wird entsprechender Rabatt bewilligt.

Neu hinzutretende Abonnenten erhalten die ,Fuldaer Zeitung' bis zum Schluß ds. Mts. unentgeltlich.

Die vor Beginn des neuen Quartals erschienenen Fort­setzungen des Romans „Durch eigene Schuld" werden auf Verlangen.gratis nachgeliefert.

Das Abyn'nement wolle man recht bald er­neuern, damit feine Unterbrechung in der regelmäßigen Lieferung des Blattes eintritt.

Redaktion u»> Verlag der »Fald. Zeitung'.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Juni.

* Mit Rücksicht auf den leidenden Zustand des Reichskanzlers Fürsten v. Bismarck ist dem- selben ärztlicherseits thunlichste Enthaltung von den (V rasten vorgeschrieben worden. Dem Fürste fin daher während seiner Abwesenheit von B < keine Schriftstücke vorgelegt oder nach- o/'ö’iwerden, so daß auf eine Beantwortung d; n nicht zu rechnen ist. — Allzu streng n>.» diese Anordnung in der Regel nicht ge- handhabt.

Durch eigene Schild.

Roman aus der Handelswelt.

4 4. Fortsetzung.

„Sie scheinen fich durch meine Fragen beleidigt zu nchlen?" fragte Herr von Letzingen mit ruhiger, fast weicher Stimme, denn es kam ihm darauf an, 'das Mädchen freundlich zu stimmen.

„Bleidigt? Nein, gewiß nicht, Herr von Letzin- gen. Ich bin über Ihre Frage nur erstaunt, weil sie eine größere Vertraulichkeit vorauSsetzt, als zwischen uns je stattgefunden hat," gab Gabriele ruhig zur Antwort. Aber in ihrer Stimme lag eine solche abweisende Kälte, sie stellte sich ihm so fremd gegenüber, daß er alle Hoffnung aufgab, in diesem Augenblick seinen Wünschen auch nur einen Schritt näher zu k mmen.

Ec grüßte höflich und fitzte seinen Weg weiter fort. In ihm stand der Entschluß fest, Alles auf- zuvi-ten. um das Geheimniß Gabriele's zu ent­decken, denn eine innere Ahnung sagte ihm, daß er nicht eher auf die Erfüllung seiner Wünsche hoffen dürfe, als bis er das Hinderniß dieses Gehe'mnffsrs aus dem Wege geräumt.

Gabriele, welche in ihren Träumen, denen sie sich denn Lesen des Biief.s hingegeben, auf eine so unangenehme Weise gestört wac, verbarg den

Brief in ihrem Kleide und kehrte langsam nach der Villa zurück.

Erst jetzt konnte man ihre schöne Gestalt un­gehindert wahrnehmen. Sie war schlank gewachsen, und ihr ganzer Körper hatte eine elastische Bieg­samkeit. Sie schritt mit einer Leichtigkeit über den Rasen dahin, als ob ihre Füße ihn kaum berühr­ten. Lange dunkelbraune Locken fielen auf die Schultern und Nacken herab. Die Augen waren groß und dunkel und erhielten durch die langen, sie beschattenden Wimpern einen schwärmerischen Ausdruck. Auf dem Gesicht war eine frische Lieb­lichkeit ausgeprägt, es war mehr anmuthig als reizend zu nennen, denn für Schönheit waren die einzelnen Züge nicht regelmäßig genug.

Gabriele war 18 Jahre alt. Als einzige Tochter des reichen Handelsherrn war sie schon früh in Gesellschaft und auf Bällen eingeführt, und die Herren hatten es an Aufmerksamkeit und Huldi­gungen nicht fehlen laffen, aber trotzdem hatte sie ihre natürliche Einfachheit und Anspruchslosigkeit bewahrt, die freilich mit ihrer ganzen Umgebung in auffallendem Kontraste stand. Sie war reich an Geist und Gemüth und würde gern aüf allen äußeren Glan; und Reichthum, auf alle Gesell­schaften und Bälle verzichtet haben, hätte nicht ihr Vater ihre Teilnahme gewünscht.

Sie liebte ihren Vater zärtlich. Unter seinen Augen und seiner Sorgfalt war sie aufgewachsen, da ihre Mutter früh gestorben war, und Damken schien alle Liebe und Zärtlichkeit, deren sein Herz fähig war, für dieses eine Kind vereint zu Haden. Er war Gabriele gar rucht entgangen, daß ihr Vater in manchen Stunden und Tagen mit der qanzen W-lt zerfallen war, daß das Leben keinen Reiz für ihn zu Haden und sein Herz leer zu sein schien. Sie hielt dies für die Wirkung des Schmerzes über den Tod ihrer Mutter, welche ihr Vater innig geliebt hatte und schloß sich deß- halb um so zärtlicher an ihfi an. Daß ihr Vater wirklich lebenrüberdrüsstg war, weil er alle Freu­den des Lebens zu rasch uno in einem stürmischen Laufe genoffen und ausgekostet hatte, davon hatte sie keine Ahnung und ebenso wenig kannte sie den Fluch des R.ichlhums, der das Herz aus einer Freude und einem Rausch zum andern drängt, bi* es zuletzt freudenlos in sich verkümmert.

Gabriele hatte keine von den vielen Schwächen und F hlern ihres Vaters bemerkt, weil sie nie daran gedacht hatte, daß er Fehler haben konnte, und wüt sie seine unverkennbar guten Etgenschaften zu hoch anschlug.

Ais der Herr von Letzingen auf seinem ®uf e