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1887

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenkeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Anfrage des Abg. Grafen Holstein zum Seeunfall­gesetz erklärte der Direktor im Reichsamt des In­nern, Bothe, daß die Regierung damit beschäftigt sei, Mittel und Wege zu finden, um auch den Seefischern die Wohlthat der Unfallversicherung zu Theil werden zu lassen. Bei der Zuckersteuer­vorlage sagte Staatssekretär Dr. Jacobi auf An­regung des Abg. v. Bennigsen eine Förderung des Zuckerexports durch die fremden Konsulate zu. Er­ledigt wurden schließlich noch die Denkschrift der preußischen Regierung zur Begründung der Ver­hängung des kleinen Belagerungszustandes über Spremberg, sowie eine längere Reihe von Wahl­prüfungen. Präsident v. Wedell - Piesdorff gab dann die übliche Geschäftsübersicht. Das Haus sprach demselben den Dank für die Leitung der Geschäfte aus. Alsdann trug Staatssekretär v. Bötticher die kaiserliche Botschaft vor, welche den Schluß der Session ausspricht. Mit einem vom Präsidenten Wedell begeistert aufgenommenen drei­fachen Hoch auf den Kaiser wurde die Sitzung ge­schloffen.

* Im Prozeß gegen die Patriotenliga verurtheilte das Reich'-Gericht Köchlin, Blech, Schiffmacher und Trapp wegen vorbereitender Handlungen zum Hochverrath und Theilnahme an einer geheimen Verbindung, und zwar Köchlin zu 1 Jahr, Blech und Schiffmachrr zu je 2 Jahren, Trapp zu P/8 Jahren Festung; die anderen An­geklagten wurden frei gesprochen.

* lieber „katholische Socialpolitik" entnehmen wir Folgendes einer Besprechung von „Dr.Wernert's Neuere socialpolitische Anschauungen im Katholicismus innerhalb Deuschlands" durch Profi ffor G. Schmoller in deffen Jahrbuch für 1886, II. Heft, S. 271: „Und wenn zuzugebcn ist, daß diese Ziele (d. h. die praktischen Ziel­punkte der deutschen katholischen Socialpolitik) vielfach nur als Vorwand (?) dienen, um die Herrschaft und den Einfluß der Hierarchie zu stärken, so ist andererseits doch auch nicht zu leugnen, daß dieCharitas der katholischen Kirche auf demselben Baume gewachsen ist, wie unsere protestantische Moral, daß Tausende und Millionen unserer deutschen Mitbürger nicht aus hierarchisch antideutschen Tendenzen den Mittel­stand erhalten, den Arbeiterstand heben wollen, daß seit Jahrzehnten in unsere Kammer katholische

Parteiführer die berechtigten Ziele der Social­reform unterstützt haben. Ich erinnere z. B. an da» Hilsskaflengesetz von 1854, das Reichens­perger und von der Heydt, d. h. ein kath. und ein prot. Eiferer, zusammen gegen die Liberalen durchbrachten, ich erinnere an die neueren deut­schen Gesetze rc., an denen das Centrum mit­wirkte. Und mögen wir den Hetzkaplänen und ihrer demagogischen Presse noch so feind sein, mögen wir ihre Abhängigkeit von einer interna­tionalen antideutschen Geistesmacht noch so sehr beklagen; wenn wir sehen, wie sie von Haus zu Haus, von Hütte zu Hütte an das Kranken- und Sterbebett des kleinen Mannes gehen, wie sie in vielen Gegenden neben dem Arzt die Einzigen sind, die das Elend sehen und lindern, die es schildern und es zu heilen suchen, so müssen wir den Hut vor ihnen abziehen uno die moralischen Kräfte anerkennen, die hier wirken. Wir haben erst dann ein Recht, diese Art praktischer Social­politik zu verwerfen, wenn cs uns gelungen fein wird, sie in der Charitas und dem hingebenden Liebesdienst zu übertreffen, ohne in den Fehler einer gewissen Art von Hierarchie zu verfallen. Erst dann auch wird die politische Macht des Ultramontanismus gebrochen werden."

* Köln, 18. Juni. Eine Versammlung der Geistlichen der Erzdiöcese, welche sich um Ver­eine der arbeitenden Klassen bemühen, findet laut der ,Köln. Vztg.' am 4. Juli, Mor­gens 11 Uhr, im Fränkischen Hofe statt. Haupt­zweck der Versammlung ist die Förderung und der weitere Ausbau des katholischen Vereinslebens. Man will die gemachten Beobachtungen und Er­fahrungen auf diesem verhältnißmäßig neuen Ge­biete der priesterlichen Thätigkeit austauschen, um in allen wichtigern Fragen ein einheitliches Vor­gehen zu erzielen. Rur Geistliche sind zu der Versammlung geladen. Die Arbeiter-Ver­eine stehen allem politischen Parteiwesen fern, und wollen sich einzig mit dem Wohl und Wehe der arbeitenden Bevölkerung befassen.

* Würzburg, 17. Juni. Wegen Hochver- raths und anarchistischer Umtriebe wurde am Montag ein 24jähriger Student Marcuse au» Breslau Hierselbst verhaftet. Marcuse gehörte, einem Geheimbund an, welcher zumeist aus Studirenden bestand und seinen Hauptsitz in Bres-

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auf die

Juldatr Zeitung' für das III. Quartal 1887.

Einziges Tagesorgan der Centrumspartei in der Diözese Fulda und dem Reg.-Bez. Cassel.

Erscheint täglich und kostet pro Quartal nur Mk. 1,50; mit dem illustrirten Sonntagsblatt »Sterne und Blumen', rebigiti von PH. Wasserburg (Laicus), Mk. 1,75 (ohne Bestellgeld).

Die »Fuldaer Zeitung' bringt Leitartikel über alle wich­tigen politischen und sozialen Fragen, kurzgefaßte Ueber- sichtcn über die Landtags- und Reichstagsverhandlungen mit Einschluß hervorragender Parlamentsreden, politische Nachrichten aus dem In- und Ausland, alle wiflenswerthen Nachrichten aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet, ferner Vermischtes, Marktberichte rc. und ein sittlich gutes Feuilleton.

Annoncen finden durch die »Fuldaer Zeitung', welche unter den in Fulda erscheinenden Blättern den größten Leserkreis besitzt, die weiteste Verbreitung. Bei öfterm und wiederholtem Einrücken wird entsprechender Rabatt bewilligt.

Neu hinzutretende Abonnenten erhalten die .Fuldaer Zeitung' bis zum Schluß ds. Mts. unentgeltlich.

Die vor Beginn des neuen Quartals erschienene Fort­setzung des Romans „Durch eigene Schuld" werden auf Verlangen gratis nachgeliefert.

Das Abonnement wolle man recht bald er­neuern, damit keine Unterbrechung in der regelmäßigen Lieferung des Blattes eintritt.

Rrdvllio« und Uerlag drr,Fllid. Zeitung^.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Juni.

* Der Reichstag hielt heute seine letzte Sitzung der ersten Session der 7. Legislaturperiode ab. Nach Erledigung von Rechnungssachen wur­den in dritter Lesung angenommen die Novelle zum Nahrungsmittelgesetz, die Gesetze für Elsaß- Lothringen, das Unfallversicherungsgesetz für See­leute, das Zuckersteuergesktz und die beiden Novel­len zur Gewerbeordnung, durch welche die Befug­nisse der Innungen erweitert werden. Auf eine

Nnnh tigtnt Schild.

Roman aus der Handelswelt.

2. Fortsetzung.

Der Aeltere fuhr fort: „Laß heute den Händ­ler wiederkommen, von dem der Herr das Pferd gekauft hat, und biet' cs ihm wieder an — ich will drei Jahr umsonst dienen, wenn der Mann heute einen Pfennig mehr als 100 Louis d'or für das Thier bietet, für welches er gestern 600 er­halten hat. Der weiß auch, was dahinter steckt und was daran ist, das habe ich aus seinem ver­schmitzten Lächeln gesehen, als er fortging und das Geld in die Tasche gesteckt hatte. Ein Durch- gänger ist es, darauf kannst Du schwören."

„Woher willst Du das wissen? Du hast ja nicht darauf gesessen," warf der Jüngere ein.

„Brauche ich etwa darauf zu sitzen, um zu sehen, wie er den Kopf vorn ausstreckt und die Nase stet» hoch in der Luft hat, als ob er ein Sterngucker wäre? Ein Durchgänger ist es, da­rauf verlaß' Dich, wir werden cs ja sehen. Aber dem Herrn geschieht c» recht, weshalb kauft er Pferde ohne unser einen zu Rathe zu ziehen."

„Du hast Recht," erwiderte der Jüngere, „das Thier trägt die Nase hoch, aber es mag zehnmal ein Durchgänger sein, ich fürchte mich davor nicht.

Mit mir ist noch kein Pferd durchgegangen. Mag es der Don Juan einmal mit mir versuchen," rief er muthig im Gefühle seiner Kraft, „ich will ihn mit den Schenkeln zusammen drücken, daß kein Mund voll Luft in seinen Lungen bleiben soll, und an der Stange will ich ihn halten, daß ihm das Maul bis an die Ohren aufreißt. Er mag es einmal mit mir versuchen, und ich will ihm die Luft für immer vertreiben."

Sein älterer Begleiter warf einen verächtlichen, mitleidigen Blick auf ihn. „Man hört cs Dir an, daß Du noch nicht lange auf dem Pferde sitzest," sagte er nicht ohne ein spöttisches Lächeln. „Du wärest der Erste, der ein Pferd zu halten vermöchte, wenn cs durchgeht. Wie eine Maus sitzest Du dann auf feinem Rücken, wenn Du überhaupt sitzen bleibst. Glaubst Du denn, die Thiere gehorchen dem Zügel oder dem Schenkel, wenn sie einmal durchgehen? Sie fühlen von beiden nicht». Wie auf einem Sägebocke sitzt es sich auf ihnen, so steif machen sie den Rücken, der Hals ist, als ob er au» Eisen gegossen wäre, denn er biegt sich nicht einen Zoll breit und eher könntest Du den stärksten Zaum zerreißen, ehe er nur einen Fmger breit nachgicbt. Ja, wenn die Thiere die Stange im Maul behielten, wie jetzt! Aber sie stecken die Zunge darüber hinweg und beißen mit

den Zähnen darauf, daß sie fest sitzt, als ob sie mit hundert Nägeln an die Wand genagelt wäre. Der Mensch ist wie eine Mücke gegen solch' ein Thier, roenn’8 einmal nach seinem eigenen Kopfe geht!"

Der Jüngere wollte etwas erwidern. Beider Aufmerksamkeit wurde indcß in diesem Augenblicke auf einen Reiter gelenkt, der im gestreckten Galopp die Allee hinab gesprengt kam, jedoch noch zu entfernt war, um von ihnen erkannt zu werden.

„Jetzt erkenne ich ihn," rief der Jüngere, „es ist Herr von Letzingen,, er scheint'» eilig zu haben."

„Um sein Pferd zu Schanden zu reiten," er­gänzte sein Begleiter.

„Weißt Du, weshalb der so oft hierher kommt?" fragte der Jüngere. „Ich hab's längst gemerkt, er hat'» aufs Fräulein abgesehen. Wenn unser einer doch auch so reich wäre."

„Ja wär'," versetzte der Aeltere, mürrisch über den Gedanken, daß er cs nicht war. „Aber der wäre auch nur ein armer Bursche wie wir, wenn er nicht von seiner Tante das Gut und die siebzigtausend Thaler geerbt hätte. Ich hab' ihn noch gekannt, wo ich nicht mit ihm hätte tauschen mögen, denn außer seinen Schulden