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Sonnabend, den 18. Juni.

.HL 136.

188?

filbicr W 3tihing.

Die »Fuldaer Zeitung erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenkeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Erstes Blatt.

An unsere Leser

richten wir anläßlich deS wiederum bevorstehenden OuartalSwechselS die Bitte, ihre oft bewährte Treue durch zeitige Erneuerung des Abonnements und durch Anwerbung neu er Freunde abermals bethätigen zu wollen. Die .Fuldaer Zeitung' auf dem Boden des Centrums» Programmes stehend, ist als entschieden katholisches und zugleich in echt deutschem Sinne allseitig gehaltenes, volksthümlicheS Blatt während ihres fünfzehnjährigen Erscheinens genugsam bekannt geworden, so daß es weiterer Worte nicht bedarf. Die .Fuldaer Zeitung' ist ein Glied in jener großen Kette von Zeitungen und Zeitschriften, die unter dem Namen „katholische Presse" zu einer im gegnerischen Lager gefürchteten Großmacht geworden sind, und die wir künftighin um so weniger entbehren können, als sie das freie Wort und den unge­hinderten Mahnruf des der staatlichen Anzeigepflicht und dem Einspruchsrecht unterworfenen CleruS vielfach werden ersetzen muffen. Daß das Centrum zu einem unüber­windlichen Thurm wurde, ist zu einem großen Theile das Verdienst der katholischen Preffe, und daß uns das Cen­trum als solcher auch für die Zukunft erhalten bleibt, dafür zu sorgen, wird ihre Aufgabe sein. Die katholische Preffe war es, welche die Katholiken über ihre religiösen und politischen Jntereffen auf klärte und als treuer Wächter diesen Jntereffen drohende Gefahren signalisirte. Die katholische Preffe war es, welche verlorene Rechte stets unentwegt reklamirte und dem Volke Mittel und Wege zeigte, dieselben auf gesetzlichem Wege zurückzusor- dern. Die katholische Preffe war es, welche das Volk aufforderte, entschieden in den Wahlkampf einzutreten, welche den Kampfesmuth all' die Jahre hindurch trotz aller Machinationen der Gegner stärkte und den Sieg sicherte. Die katholische Preffe war es endlich, welche die deutschen Katholiken zu den großartigen Opfern werkthätiger Liebe veranlaßte, so daß die Wirkungen des unseligen Culturkampfes wenigstens einigermaßen gemildert wurden. — Der Wahrheit gehört die Zukunft, aber damit sie zum Siege gelange, bedarf sie der Mitwirkung mensch­licher Kräfte. Im Kampfe für die Wahrheit und zur Ver- theidigung derselben hat die katholische Preffe Großes ge­leistet. Während den Gegnern alle Kampfesmittel zu Ge­bot standen, sie selbst Verleumdung und Fälschung nicht ver-

Durch eigene Schild.

Roman aus der Handelswelt.

1. Fortsetzung.

Diese alten, grauen, massiven Mauern, diese alten, hohen und dunklen Fenster mit den schweren, seidenen Vorhängen dahinter, diese« alte und hohe Dach mit den zahlreichen Böden und der alten Winde im Elker, die seit Jahrhunderten de« Hau­se« Größe gleichsam gewogen und gehoben, ein Wahrzeichen seiner alten Solidität — und der feste eichene Thorweg mit dem schweren, messin­genen Löwenkopfe al« Klopfer daran — dies Alle« reichte viele Jahre zurück, wie der Ruhm und die Größe diese« Geschäftes selbst.

Fast ohne Spuren zurückzulaffen, war die Zeit an diesem alten Gebäude vorübergeschritten, keine Besserung, keine Neuerung und keinen Luxu« nahm da« Auge daran wahr. Schon bei seiner Grün­dung schien e« auf Jahrhunderte berechnet zu ff in, und Jahrhunderte hatte es auch schon gestanden, fest und unverändert. Und noch konnten Jahre auf Jahre dahin rinnen, ehe e« wankte und in seinen Grundfesten erschüttert wurde.

E« machte einen ernsten, fast finstern Eindruck, Und ernst war e« von jeher gewesen, ernst waren auch seine Besitzer, die in ihm gewohnt.

Trat man durch da« eichene Thor in da« In-

abscheuten und für ihre Ausdrucksweiseanscheinend gar keine Grenzen kannten, unterlag die katholische Preffe der schärfsten Censur. Wehe dem katholischen Redakteur, der in der Hitze des Kampfes durch perfide Manipulation der gegnerischen Preffe in Entrüstung gerathen, in ge­rechtem Zorne einenSchritt zu weit ging. Wollte man die Opfer, welche die katholische Preffe hat bringen müssen an Geldstrafen, Gerichtskosten und in sonstiger pekuniärer Beziehung zusammenzählen, man würde eine Summe erhalten, welche hinreichte, manchem Staatsan- walte zu gestatten, seinen Posten zu quittiren und von diesem (Selbe zu leben. Ebenso interessant würde es sein» die Gefängnißstrafen, zu denen katholische Redatteure ver- urtheilt wurden, aneinander gereiht zu sehen. Aber alle diese geforderten Opfer konnten die Männer von der Feder nicht veranlassen, im Kampfe für die gute Sache zu er­lahmen. Die beste Anerkennung, welche wir zollen können, besteht darin, daß wir die katholische Presse un­terstützen. Bisher ist das nicht immer und nicht überall in dem möglichen Maße geschehen. Nicht Jeder, den Gott mit der nöthigen Ausrüstung versehen und dessen Verhält­nisse es gestatteten, hat Beiträge geliefert. Der hochselige Pius IX. schenkte dem verstorbenen Redakteur des Pariser .Univers', Vemllot, eine goldene Feder mit den Worten: »Ihre Feder gilt mir 100,000 Mann!" Nicht Jeder kann ein Veuillot sein, wohl aber kann Mancher schreiben, der es bisher sehr wenig oder gar nicht gethan. Die beste Unterstützung aber, welche wir nuferer Preffe an- gedeihen laffen können, besteht im Abonnement, und diese kann fast Jeder leisten. Jeder, dem es eben möglich ist, unterstütze unsere Eentrumsp reffe und zolle ihr auf diese Weise den Dank, den sie sich um unsere Sache verdient hat.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Juni.

* Der Kaiser hat in der vergangenen Nacht ziemlich gut geschlafen. Der Schnupfen ist ge- wichen, jedoch besteht ein größeres Ruhebedürfniß noch immer fort. Heute Nachmittag hat der Katser auf eilige Stunden das Bett wieder ver­lassen und empfing später den Staatssekretär des Auswärtigen Grafen Bismarck. Die Besserung macht, wie man hört, andauernd ganz erfreuliche Fortschritte. — Die gestrige Abreise des F ü r st e n Bismarck nach Fciedrichsruh wird allgemein als

nere des Hauses, so empfing einen auch hier die­selbe würdevolle und ernste Stimmung. Unten waren die Geschäftszimmer, finstere, von Alter und Rauch gebräunte Räume, in denen de» Hauses Reichthum gegründet und erarbeitet war. Auch hier schien die Zeit vocübergegangen zu sein, ohne irgend eine Veränderung hervorgerusen zu haben. Da standen noch die alten Pulte fest und unver­rückbar, die schon vor mehreren Menschenaltern dort gestanden, und wie einst saßen die Diener diese« Hauses darin und arbeiteten still und schwei- gend. Sie wechselten freilich wohl von Jahr zu Jahr, aber sie gehörten ja auch dem Haufe Dam- ken nicht an, sie waren wie die Waare, die täglich kam und wieder ging, um den Reichthum zu ver­mehren. Und wie still war es in diesen Zimmern. Selbst die alten dicken Handlungsbücher, welche schon geraume Zeit auf dem Regale an der Wand standen und deren Zahl von Jahr zu Jahr sich ver­mehrte, so daß sie schon bi« an die hohe Decke emporreichten, selbst sie würden, wenn sie sprechen könnten, nicht» weiter zu erzählen haben, al»: „So ist c» immer gewesen, wie e« heute ist, still und ernst. Die in un« geschrieben haben, sind ge­gangen, Andere gekommen — doch, was gehen un» die an, sie gehören ja nicht zum Hause Dam- ken, denn das verändert sich nicht."

Nur einer von ihnen gehörte ihm an und war

ein beruhigende» Symptom für da» Befinden Sr. Majestät aufgefaßt.

* Der Reichstag hat gestern Abend die beiden Gesetzentwürfe für Eisaß-Lothringen be­treffend die Ernennung und Besoldung der Bürger­meister und Beigeordneten und betreffend die An­wendung abgeänderter Reichsgesetze auf landes­gesetzliche Angelegenheiten nach lebhaften Debatten angenommen. — In seiner heutigen Sitzung nahm der Reichstag die Novellen zum Post­dampfergesetz und zum Gesetz über die Rechtsver­hältnisse in den deutschen Schutzgebieten, die Brannt­weinsteuervorlage, das Kunstbuttergesetz und da» Arbeiterschutzgesetz (Beschränkuug der Frauen- und Kinderarbeit) in dritter Berathung, also definitiv, an. Die Annahme des Branntweinsteuergesetzes erfolgte mit 233 gegen 80 Stimmen. Bei dem Kunstbuttergefetz sprach sich der Staatssekretär v. Bötticher gegen die in der zweiten Berathung ausgenommene Bestimmung, welche die Herstellung und den Verkauf von Mischbutter verbietet, als undurchführbar au». Dieselbe wurde indeß trotz­dem aufrecht erhalten. Morgen: dritte Berathungen der Nahrungsmittelnovelle, Gesetze für Elsaß-Loth- ringen, Zuckersteuer, Unfallversicherung der See­leute, Gewerbenovelle (Innungen) rc.

* Die Vorarbeiten für die Alters- und Jn- validen-Fürsorge sind vollständig abge­schlossen.

* Auf Grund des Artikels 2 der kirchenpo­litischen Novelle vom 21. Mai 1886 ist durch königliche Ordre die Wiedereröffnung de« zur wissenschaftlichen Vorbildung der Geistlichen be­stimmten Seminars für die Diözese Kulm ge­nehmigt worden.

* Darmstadt, 17. Juni. Die Zweite Kam­mer hat die kirchenpolitische Vorlage mit einigen redaktionellen Aenderunzen laut Privat­telegramm der,Frkf. Ztg.' einstimmig angenommen.

Ausland.

* Haag, 17. Juni. Der König begnadigte die anläßlich der Ruhestörungen in Amsterdam im Juli 1886 Verurtheilten.

* Bern, 17. Juni. Der Nationalrath erhöhte mit ansehnlicher Mehrheit den Zoll auf Wein-

davon unzertrennbar, wie die alte Winde unter dem Erkerdache, wie der Löwenkopf an der Thür, wie sein Reichthum, sein Kredit und seine Ehre. Da« war der greise Geschäftsführer dort in dem letzten Zimmer, wo er allein saß an einem großen Schreibpulte, allein mit den alten Hauptbüchern und dem alten, mit Leder überzogene» Sopha. Er war schon über 50 Jahre in diesem Hause und war damit verwachsen, fest und unzertrennbar. Er wußte e« auch nicht anders.

Schritt man über die langen und geräumigen Diele, wo Kisten, Ballen und Fässer zu beiden Seiten ausgethürmt waren, so daß den Wagen, die täglich, ja stündlich Maaren brachten und wie­der fortschaffien, kaum Raum genug übrig gelassen war, so gelangte man zu den geräumigen Speichern und Waarenlagern, die sich zu beiden Seiten de« Hofes an die Hintere Seite des Haufe« anlehnten. Hier in diesem mit Maaren überfüllten Räumen bekam der Laie erst den rechten Begriff von der Größe und Bedeutung dieses Handlungrhause», denn diese Maaren schienen ausreichend für eine Stadt, ja für ein ganzes Land.

Stiller noch, als in Gefängnißzimmern, war es in den Räumen des ersten und zweiten Stockwer­kes. Auch hier wehte der ernste und würdige Hauch, auch hier hatte die Zeit keine Veränderungen her­vorgerufen. Da standen noch dieselben alterthüm-