135. Freitag, den 17. Juni. 1887
®te .Fuldaer Zeitung erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf mit der belletristischen Wochenteilage ,Sterne und Sturnen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf. '
Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Chamar«, über den sich die beiden konservativen
obere Verwaltungsbehörde den Innungen das
gerade Lindenallee führte.
der Pechkränze in dem Teiche wieder. Röthliche
Die Natur hatte die Anlage des Parkes durch Bäche und Teiche günstig unterstützt, und so waren durch Baumgruppen, kleine schattigen Laubenhaine, durch Buschwerk und große Rasenplätze, durch zierliche Brücken, schattige Laubgänge und zierliche Pavillons genug Abwechselungen in demselben her« vorgerufen. Längs den breiten, mit gelbem Kies bedeckten Wegen waren hier und dort Blumenbeete angebracht, und auf dem großen, runden Rasenplatz vor der Villa standen ringsum aus Stein gemeißelte Statuen, deren Häupter oder emporgcstreckte Arme dazu dienten, Pechfackeln ober Pechkränze aafzunehmen, wenn es der Laune des reichen Besitzers gefiel, Abends diesen Platz erleuchtet zu sehen. Und Derjenige, der diese Anlage ausgeführt, hatte in der That einen feinen Schönheitssinn gehabt und mit malerischem Auge die einzelnen Effekte berechnet, denn wenn Abends dieser Platz in der angedeuteten Weise erleuchtet war, glaubte man unwillkürlich in ein Zauberland versitzt zu sein.
Wie ein Feenpalast trat dann die weiße, hell erleuchtete Faxade der Villa aus dem dunkeln Grün ter Kastanim hervor. Die grüne Raievfläche er»
Innung vertretenes Gewerbe selbstständig betreiben, derselben angehören, wird mit 156 gegen 122 Stimmen angenommen. — Heute Abend 8 Uhr: Gesetzentwürfe für Elsaß-Lothringen, Gesetzentwurf betr. die unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt- findenden Gerichtsverhandlungen.
* Der Bundesrath stimmte der Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes für Leipzig zu.
einer einigen Seite aus bemerkt werden konnten, glänzte in einem röthlichen Schimmer und hundert- nämlich von der Rückseite, zu der eine lange, fach spiegelten sich die hoch aufloiernden Flammen
welches dem Kaiser die Befugniß giebt, die RechtS- verhältniffe an unbeweglichen Sachen in den Schutzgebieten zu regeln. Dann wurden in zweiter Lesung das Giftfarbengesetz und das Gesetz betr. die Unfallversicherung der Seeleute im Wesentlichen nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen. — In seiner heutigen Sitzung erledigte der Reichs-
An die Rückseite waren Wirthschaftsgebäude, geräumige Pferdeställe und Gewächshäuser gelehnt, aber durch geschickt angepflanzte Baumgruppen und durch Buschwerk so ma^kirt, daß sie nur von einer einzigen Seite aus bemerkt werden konnten,
der Einrichtungen für Herbergswesen, Gesellen« Arbeitsnachweis, Fachschulen und Gewerbeschieds» gerichte heranzuziehen. Die Kommission hatte den Innungen dieses Recht ohne Weiteres geben wollen, sobald der Innung mehr als die Hälfte der Arbeitgeber, die ein in der Innung vertretenes Gewerbe selbstständig betreiben, beigetreten sind. Für die Kommissionsfaffung traten die Abgg. Ackermann, Hitze und v. Kleist-Rttzow ein, während sich die Abgg. Duvigneau (nl.), v. Rheinbaben (Rchsp.) und Dr. Baumbach, zowie die BundeS- kommiffäre Geh. Rath Lohmann und Direktor Söffe dagegen erklärten. Ein von der Kommission vorgeschlagener neuer Gesetzentwurf, wonach den Innungen die Vorrechte des § lOOe (Lehrlings- wesen betr.) zu Theil werden sollen, wenn mehr als die Hälfte der Handwerker, welche ein in der
tag zunächst Rechnungssachen und nahm dann die zweite Lesung der Zuckersteuervorlage vor. An-
Paiteien, die Nationalliberalen und das Centrum verständigt hatten. Danach beträgt die Material» steuer 80 Pfennig vom Doppelzentner Rüden und die Verbrauchsabgabe 12 Mark vom Doppelzentner Zucker, während die Steuervergütung für Rohzucker und Raffinade mit 8,50 Mk., für Candis und Zucker in Broden mit 10,65 Mk. und für alle übrigen harten Zucker rc. mit 10 Mk. bemessen wird. Dieser Antrag wurde außer vom Antragsteller von den Abgeordneten von Kardorff, von Bennigsen und von Rauchhaupt, sowie dem StaatS'Sekretär Dr. Jacobi befürwortet, während Abg. Schrader die völlige Beseitigung der Materialsteuer und Abg. Witte die Herabsetzung der Exportvergütung forderte. Dann wurde noch die Novelle zum Jnnungsgesetz in zweiter Berathung in der Faffung der Regierungsvorlage angenommen. Danach kann die
van der ©trauten, im Alter von 68 Jahren. Als Bürgermeister der kleinen Stadt Germsheim bei Düsseldorf vertrat er von 1862—67 ununterbrochen den Stadt« und Landkreis Düsseldorf im Abgeordnetenhause. Er war ein Anhänger der Fortschrittspartei, jetzt ist die Partei in seinem alten Wahlbezirke so gut wie ausgestorben.
* Der Bischof von Hildesheim hat mittelst Erlaß des Generalvikariats den in der Akademie in Münster studirenden Theologen feiner Diözese den Beitritt zu den bestehenden farbentragenden katholischen Studentenverbindungen untersagt und die Mitglieder der katholischen Studentenverbindung Saxonia, welche dem Hildesheimer Sprengel angehören, auffordern lassen, aus der farbentragen- Verbindung auszutieten.
* Darmstadt, 16. Juni. Zur kirchpolitischen Vorlage bemerkt der Staatsminister in __________ . ....... „„„ der Zweiten Kammer laut der ,Fr. Z.' ein» Recht geben, Nichtinnungsmitglieder zu den Kosten ! ^tenb, die Vorlage bezwecke ein Friedenswerk, ~ ' - ----- welches hoffentlich bte Gemüther beruhigen und
ein Zusammengehen zwischen Staat und Kirche
Deutsches Reich.
Berlin, 16. Juni.
* Der Reichstag hat in seiner gestrigen Abend-Sitzung ein Colonialgesetz angenommen,
Dich eigene Sdjelh.
Roman aus bet Handelswelt.
(Nachdruck verboten.)
I.
Ungefähr eine Stunde von der Handelsstadt H. entfernt erhob sich, auf einem prächtigen Hügel erbaut, eine prächtige Villa. Ihr Stil war leicht und geschmackvoll, aber trotzdem ließ sich eine solide Bauart, die nur das Gebäude und nicht zugleich die Kosten im Auge gehabt hatte, nicht verkennen. Ringsum erstreckte sich ein großartig angelegter, mit Sorgfalt angelegter Park, dessen duftig grüne Rasenplätze und malerische Baumgruppen der Villa erst den vollen Reiz verliehen. Sie stand halb zwischen den Kastanienbäumen versteckt, ohne von ihnen verdeckt zu werden, denn die Vorderseite lag frei und bot eine reizende Aussicht auf grüne Wiesenflächen, einen Teich und in der Ferne auf die Thürme der Stadt dar.
£ der Zuckersteuervorlage vor An» * JnKöln starb ein parlamentarischer Veteran Mme fand der Compromißantrag des Grafen der preußischen Konfliktsperiode, Herr Edmund
* Der Münchener Nuntius Ruffo Scilla über die römische Frage.
Monsignore Ruffo Scilla, der sich als Vertreter des Papstes zum Jubiläum der Königin Viktoria nach London begibt, hat sich zur Frage der Ver- söhnung des Papstes mit dem italienischen Königthum in Paris, wie schon in unserem gestrigen Blatte kurz erwähnt wurde, folgender- maßen geäußert:
Die vom Papste bei der letzten Mokution gesprochenen Worte hätten keinen andern Zweck gehabt, als zu beweisen, daß der Papst nicht, wie man glaube, der Feind Italiens, daß er vielmehr als Italiener und als Vater der Gläubigen seinem Vaterlande, das er groß und ruhmreich sehen wolle, die Arme zu öffnen bereit sei. Dies schließe nicht ein, daß er den gegenwärtigen Stand der Dinge anerkenne und auf seine weltliche Souveräne- tät verzichte, die allein die Unabhängigkeit und Freiheit des Papstthums sichern könne.
„Bei meinem letzten Besuche" — so betonte Ruffo Scilla — „sagte mir der Papst":
„Ich sage Ihnen und Sie können es wiederholen, damit die ganze Welt es weiß, baß der heil. Vater niemals auf Rom verzichten wird. Wir werdenesso lange re kl a mir en, bis es uns zurückgegeben wird!" „Danach" — so fuhr Ruffo Scilla fort — „sind alle Gerüchte, der Papst begnüge sich mit Abtretung der leonischen Stadt ober eines bis an das Meer gehenden Gebietsstreifens, leere Erfindungen. Rom muß den Päpsten wiedergegeben werden, diese Nothwendigkeit wird über alle Hindernisse triumphiren, die sich vorläufig entgegenstellen. Es ist bereits ein großer Schritt vorwärts, daß die Frage diskutirt wird; vor einem Jahre noch erschien dies absurd. Das Gebäude der italienischen Einheit wird erst gekrönt sein, wenn der Papst von der Höhe des Vatikans fein in den Schooß der Kirche zurückgekehrtes Italien segnet."
ermöglichen werde. Frank erklärte Namens seiner I Parteigenossen, dem Gesetze zuzustimmen, wenngleich sie nicht mit allen Bestimmungen einver» standen seien. Schröder und Friedrich stellen Abänderungsanträge in Aussicht, Möhn bittet im Interesse des Zustandekommens des Gesetzes, hiervon abzustehen.
Ausland.
* Bukarest, 16. Juni. Nach hier eingegangenen amtlichen Meldungen über eine große FenerS- ! brunst in der Stadt Botoschani beträgt die Zahl der eingeäscherten Häuser 800. Sieben Personen sollen umgekommen sein. Das Feuer ist noch nicht völlig bewältigt.
Rauchwolken zogen wogend und drängend zum Himmel empor, und die entfernteren Baumgruppen traten, nur in ihren Konturen erkennbar, gespenster- hast aus dem Dunkel der Nacht empor, während die weißen, grell erleuchteten Statuen diesen Eindruck noch erhöhten.
Die Großartigkeit aller dieser Anlagen, die Sorgfalt, mit der sie erhalten waren, riefen unwillkürlich bei dem Beschauer in Gedanken eine Schätzung hervor, wie bedeutend das Vermögen ihres Besitzers sein mußte, da er solche Summen, welche allein dieser Park gekostet hatte und jährlich zu seiner Erhaltung erforderte, zu verschwenden vermochte. Der Begriff diese» Reichthums steigerte sich aber noch, wenn man in den geräumigen, sauberen Pferbestall trat und die große Anzahl ber herrlichsten Racepferde erblickte, ober in dem Gewächshause in den langen Reihen der Üppigsten Orangenbäume einherging und das Auge über die Fülle der ausländischen Pflanzen unb Blumen schweifen ließ. Glaubte man dach, sich in einem Feengarten zu befinden, wo Alles vereint war, um jedem Sinne zu schmeicheln. Man brauchte nur die Hand auszustreckiN, um die herrlichsten Früchte des Südens frisch von den Orangenbäumen zu pflücken, bas Auge war fast geblendet von ber außerordentlichen Blüthenpracht; lieblicher,