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TM 134.

Donnerstag, den 16. Juni.

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X Das Centrum und seine Wider­sacher.*)

Der hl. Vater hat in jüngster Zeit keine Ge­legenheit vorübergehen lassen, ohne den Verdiensten des Centrums und seiner Führer um die Sache der Kirche die höchste Anerkennung zu zollen und gleichzeitig die Nothwendigkeit des Fortbestandes einer kräftigen, einigen parlamentarischen Vertretung der Katholiken zu betonen. Die bezüglichen Akten­stücke — zweiter Jakobinr'scher Brief, Breve an den Erzbischof von Köln, Allokution vom 23. Mai — sind noch in Aller Erinnerung. Trotz diesen unwiderleglichen Beweisen setzt ein großer Theil unserer Gegner die Versuche fort, das Centrum und seine Presse dadurch zu bekämpfen und beim katholischen Volke in Mißkredit zu bringen, daß sie das „intransigente" Centrum zum versöhnlichen Papste in Gegensatz stellen. Diese Versuche werden vergeblich bleiben, das katholische Volk steht fest und unentwegt zu der in Kämpfen und Nöthen treu bewährten Vertretung seiner kirchlichen und bürgerlichen Rechte und Freiheiten; cs wird nie­mals die Verdienste der Männer vergessen, welche ohne Unterlaß in engstem Anschluß an Papst und. Bischöfe dem Kulturkampf Trotz geboten und schließlich auch ein allmähliges ZUrückweichen der Kampfesgesctzgebung erreicht haben. Und was die Zukunft anbetrifft, so ist man ja allerseits eifrig an der Arbeit, um dem katholischen Volke den mit Händen greifbaren Beweis zu erbringen, daß die parlamentarische Schutzwehr der kirchlichen und bürgerlichen Freiheit ungeschwächt fortbestehen muß, soll nicht schon bald der ganze Jammer des vollendeten StaatSkirchenthums oder ein neuer heftiger Kulturkampf über Deutschland herein- brechen.

Das nachträgliche Einschreiten der Regierung gegen Geistliche, welche vor der letzten Reichtags­wahl „gegen die Regierung", d. h. für das Cen­trum, agitirt haben, im Zusammenhang mit ge­wissen in Rom versuchten Einwirkungen in ähn­licher Richtung, sind fürwahr geeignet, auch die Vertrauensseligsten zur Wachsamkeit zu mahnen, damit nicht die Anfänge des kirchlichen Friedens uns gleichzeitig den Beginn einer unwürdigen Ab-

*) Nachdruck verboten.

Der DSrgemeißkr m WMaWl.

Ein Histörchen aus alter Zeit.

(Schluß.)

Das Abzählen der Erbsen wurde jedoch mehr und mehr mühsam und langwierig, und als bei dem elften Bohrer schon 1024 Erbsen gezählt werden mußten, da kraute sich der Herr Bürger­meister hinter dem Ohr und seufzte: „Das ist ja eine verwünscht langweilige Geschichte. Herr Stadtkämmerer, zählt Ihr jetzt weiter, ich bin schon ganz erschöpft, und wir sind doch erst beim elften."

Der Stadtkämmerer aber war ein guter Rechen­meister, er hatte unterdessen schon ein wenig voraus gerechnet und seine Miene war ernst und bedenk­lich dabei geworden.

„Mit Verlaub, Herr Bürgermeister", sagte er unterwüifig, „die Rechnung ist nicht so einfach, als wie sie auf den ersten Blick aurfieht. Ich glaube, es ist besser, wir gehen auf das Rathhaus und rechnen dort die Summe erst im ganzen aus, dann aber zählen wir die Erbsen ab."

„Es fei", nickte der Bürgermeister, und sie be­gaben sich in den Rathhaursaal, wohin auch der Lehrer des Städtchens gerufen wurde, um bei dem großen Rechnungsturnier mitzuthun.

hängigkeit der Geistlichen von der jeweils herr­schenden Regierungsströmung bringen. Damit wäre der „Eingang zum Frieden" allzutheuer erkauft, denn es ist eine Ehrenpflicht, daß wir nicht nur für uns selbst, sondern auch für die Zukunft sorgen. Wie aber sollte die künftige Generation einen neuen „Kulturkampf" bestehen können, wenn der Klerus nicht im Stande wäre, jederzeit, wenn die Roth es erheischt, zur Vertheidigung der Rechte der Kirche auf dem Plane zu erscheinen und in Ausübung seiner verfassungsmäßigen Bürgerrechte kirchenfeindliche Angriffe zurückzuweisen? Wir waren bisher stolz auf unseren unabhängigen deutschen Klerus, der seine Wurzeln im Volke hat und mit dem Volke die innigste Beziehung unter­hält, wir haben mit Bedauern auf die Zustände in manchen anderen Ländern hingeblickt, wo der Klerus weder denselben Einfluß, noch dieselbe Anhänglichkeit im Volke genießt, wie in Deutsch­land. Deßhalb muß allen Versuchen, unsere deut­schen Zustände in dieser Hinsicht zu verschlechtern, von Anfang an kräftig begegnet werden. So lange das Centrum in der bisherigen Stärke und im bisherigen festen Zusammenhang fortbesteht, und so lange die katholische Presse allezeit auf der Wacht steht und das Volk über alles, was vor­geht, in der richtigen Weise, offen und freimüthig aufklärt, hat's damit keine Roth.

Unsere Widersacher beginnen bereits einzu­sehen, daß dem Centrum in seiner Eigenschaft als Vertreterin der kirchlichen Rechte und Interessen nicht gut beizukommen ist, am allerwenigsten durch den Papst selbst, der bisher noch jedes­mal die dessallsigen Bemühungen der zudringlichen Centrumsfeinde durch Lobeserhebungen auf das Centrum beantwortet hat. In dieser Beziehung ist es auch nicht unbemerkt geblieben, daß der .Moniteur de Rome', welcher eine Zeit lang höchst bedauerliche Ausfälle gegen das Centrum und die Centrumsprefle brachte, seit Kurzem — augenscheinlich auf direkte höhere Weisungen — jede Gelegenheit ergreift, um dem Centrum, der „bedeutendsten und großartigsten parlamentarischen Partei Europas" den Tribut der Anerkennung zu zollen. Man scheint eben in Rom nachgerade immer mehr einzusehen, daß die schönen papst­freundlichen Worte, welche aus kulturkämpferischem Munde stellenweise hervorgebracht werden, nicht

Und da saßen sie nun und rechneten, und rech­neten, und rechneten, und schrieben ein Blatt nach dem anderen voll Ziffern, und es schien, als sollten sie nimmermehr fertig werden.

Dem Bürgermeister wurde es ganz schwarz vor den Augen, als die Zahlen so ungeheuer wuchsen, es deuchte ihm, als ob er doch einen etwas un­überlegten Handel eingegangen habe.

„Will denn die Rechnung noch immer kein Ende nehmen", brummte er verdrießlich. „Wie wär's, lieber Mann, wenn wir die Sache etwa» abkürzten. Ich, der Bürgermeister von Wald­kappel, biete Euch einen Vergleich an."

Der Eisenkrämer schüttelte gelassen mit dem Kopfe. „Kein Vergleich, Herr Bürgermeister. Wie der Handel ausbedungen ist, so muß cs bleiben, ich hab' Euer Wort darauf."

„Ra dann meinetwegen, rechnet bis morgen früh; ich aber will deshalb die Nachtruhe nicht entbehren. Gute Nacht!"

Und dröhnenden Schrittes ging er nach Haus und legte sich zu Bett, wo er in tiefem Schlafe bald den fatalen Handel vergaß.

Am anderen Morgen hatte er sich kaum vom Lager erhoben, als der Stadtdiener eiligst herein­trat und meldete, der Herr Bürgermeister möge doch auf dem Rathhaufe erscheinen, soeben seien

durchweg als haare Münze betrachtet werden dürfen. Am meisten scheinen zu dieser Erkenntniß die letzten öffentlichen Kundgebungen der Prote- stantenvereinler beigetragen zu haben, welche deut­lich beweisen, daß die ablehnende Haltung, welche die nationalliberale Partei und ein Theil der kon­servativen, der sreikonseroativen und der deutsch- freisinnigen Partei gegenüber dem neuen preu­ßischen Kirchengesetz beobachtet haben, ihren tiefsten Grund in dem konfessionellen Haß gegen das Papstthum selbst und gegen die von ihm reprä- sentirte katholische Kirche hat. ,Der hl. Vater hat sich ja auch, wie das der Wortlaut der zweiten Jacobinischen Note beweist, keinen Augenblick ver­hehlt, daß „in einer Nation, in welcher die kon- ftffionellen Verhältniffe gemischt sind, sich Veran­lassungen zu religiösen Reibungen finden können, bei denen die Katholiken berufen sind, ihre In­teressen in gesetzlicher Weise zu vertheidigen oder ihren Einfluß zur Besserung ihrer eigenen Lage geltend zu machen". Alle die erwähnten Gründe und noch manche andere weisen darauf hin, daß die Hoffnung unserer Gegner, durch den „kirch­lichen Friedenszustand" sei die Existenz und Fort­dauer der Centrumspartei überflüssig geworden, durchaus illusorisch gewesen ist, — vorausgesetzt, daß die Partei selbst und ihre Presse durch Ein­tracht, Standhaftigkeit und Freimuth sich auch fernerhin des Vertrauens und der Verehrung der katholischen Wählerschaft würdig macht.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Juni.

* Aus Rom wird der „Germ." mitgetheilt, daß die Verhandlungen über die Form der preußischen Anzeigepflicht noch immer fort­dauern.

* Zufolge Antrags des Grafen Charnar« ist gestern zwischen den Vertretern der konservativen, der nationalliberalen und der Cent!umspartei eine Vereinbarung über die Zuckerbesteuerung wie folgt herbeigeführt worden: Rübensteuer 80 Pf., Verbrauchsabgabe 12 Mk., Exportvergütung für Rohzucker Mk. 8.50, für Raffinaden 1. Klasse Mk. 10.65, 2. Klasse Mk. 10.

* Der Reichstag, dem eine Darstellung der Ergebnisse der Enquete über die Sonntags-

die Rechenmeister mit ihrer Aufgabe fertig ge­worden.

„Jetzt erst? Haben denn die Kerls die ganze Nacht damit zu thun gehabt?" entfuhr es er­schrocken dem Munde des Bürgermeisters, und nichts Gutes ahnend begab er sich auf das Rath- haus.

Der Stadtkämmerer, der Lehrer und die Schrei­ber machten seltsame Gesichter, als der Herr Bür­germeister eintrat. Nur der Eisenkrämer blickte ihm so ruhig und gelassen entgegen wie gestern.

„Nun, wie steht's?" herrschte barsch das Ober­haupt der Stadt seine Untergebenen an.

„Das ist ein seltsamer Fall, Herr Bürgermei­ster," stotterte verlegen der Stattkämmerer, der ganz bleich von der gewaltigen Anstrengung war. „Eure Schuld ist zu einer so unermeßlichen Höhe angewachsen, daß kein Mensch sie wird bezahlen können."

„Das ist nicht möglich — für ein Häufchen lumpiger B ihrer — kann höchstens ein paar Metzen Erbsen ausmachen, und ich, der Bürgermeister von Waldkapp-l, habe davon ja genug," entgegnete gepreßt der Bürgermeister.

Der Stadikämmerer und die Schreiber blickten ihn seltsam an, als ob sie vergeblich nach Worten suchten.