Dienstag, den 14. Juni.
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1887
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Deutsches Reich.
Berlin, 13. Juni.
♦ Der Kaiser empfing heute Mittag den Besuch des Kronprinzen und der Kronprinzessin, welche fich vor ihrer Abreise nach London vom Kaiser verabschiedeten. Die Abreise der Kron- pnnzlichen Familie erfolgt heute Abend von Spandau ab. Die Reise geht über Hannover, Dort- mund, Wesel nach Vliessingen, woselbst die Ankunft morgen Mittag erfolgt. In Vliessingen steht die königliche Yacht „Victoria and Albert" bereit, um die Kronprinzliche Familie nach Queenborough überzusühren. Von. dort erfolgt die Weiterreise ohne Aufenthalt mittelst Extrazugs nach London.
* Der Reichstag nahm heute zunächst die erste Lesung des Gesetzentwurfs für Elsaß-Lothrin- gen, betreffend die Anwendung abgeänderter Reichs- gefetze auf landesgesetzliche Angelegenheiten vor. Die Vorlage wurde vom Abg. Grad (Eis.) und noch mehr vom Abg. Dr. Windthorst bekämpft und von denUnterstaatssekretären von Eisaß-Lothringen, Back und v. Putlkamer, vertheidigt. Ein Antrag auf Kommissionsverweisung wurde abgelehnt, die zweite Lesung wird somit direkt im Plenum stattfinden. Alsdann wurde in die zweite Berathung des Branntweinsteuergesetzes eingetreten. Abg. Rickert (fif.) bekämpfte die Vorlage als eine un-' berechtigte Begünstigung agrarischer Inten ssen. Ein Bedürfniß zur Beschaffung vermehrter Einnahmen in dem Umfange, wie es die Vorlage wolle, sei nicht nachgewiesen. Redner befürwortete eventuell die Aufnahme einer Bestimmung, wonach der Kaffeezoll vom 1. April 1888 ab aufgehoben werden soll. Abg. Frhr. v. Mirbach bestritt, daß die Vorlage agrarischen Jntereffen diene. Abg. Spahn befürwortete die Ermäßigung der von der Kommission vorgeschlagenen Konsumsteuer um 15 Pfennige. Abg. Dr. Miquel erklärte trotz mancher Bedenken im Einzeln das Gesetz nicht scheitern (affen zu können. Abg. Kräcker motivirte die ablehnende Haltung der Sozialdemokraten zu der Vorlage, die vorwiegend den Arbeiter belaste. Nachdem noch Abg. v. Huene (Centr.) und Finanzminister v. Schulz für die Annahme der Kommissionsvorlage eingetreten, wurde § 1 unter Ablehnung aller Amendements in der Fassung der Kommission mit 212 gegen 78 Stimmen angenommen. Mit „Ja" stimmten die Konservativen, die Reichspartei, die
a Sine Frih«leilh«li»sfeikr
während des dreißigjährigen Krieges.
(Schluß.)
Da richtete der greise Prior ernst seine Augen auf sie und laut sagte er: „Knie nieder, denn dein Schöpfer und Erlöser naht, in Brodrgestalt verhüllt."
Frau Jngeborg aber rührte sich nicht, denn ein finsterer Trotz wallte in ihr auf. Was hatte ihr dieser katholische Mönch vorzuschreiben? Doch der Prior schritt nicht weiter von der Stelle. Mit zitternden Händen hob er das Sanktissimum und rief: „Weib, du mußt die Kniee beugen — es ist dein Gott und dein Richter!"
Und wie ein Schauer der die Gegenwart Gottes fühlte, überlief es Frau Jngeborg — und wie ein Blitzstrahl fuhr es in ihre Seele. Sie fiel in die Knie, und die stolze Stirne senkend, betete sie das Sakrament der Seligkeit an.
Lange, lange kniete sie so in der Karmeliten- kirche, und al» sie dieselbe endlich verließ, da war chr geheime» inneres Weh gestillt, da» doch ein Heimweh gewesen war.
Und sie trat vor ihren Gatten und erklärte ihm mit der unerschütterlichen Festigkeit, die er
Nationalliberalen, die Polen und ein Theil des Centrums. Mit „Nein" stimmten die Freisinnigen, die Sozialdemokraten, die liberalen „Wilden", die Welfen und ein Theil des Centrums mit Dr. Windthorst; ferner der Antisemit Böckel. Fortsetzung der Berathung morgen.
* Der .Kurier Pozn.' erfährt aus Berlin, die bischöfiichen Ordinariate Deutschlands seien überein- gekommen, nicht die geistlichen Behörden zunächst, sondern die Mitglieder der aufgelösten Kongregationen sollten bei der Regierung die Gestattung der Wiederkehr und die Besitznahme früherer Klöster beantragen.
• Nach der dem Reichstage zugegangenen Statistik der Krankenversicherung der Arbeiter bestanden im Deutschen Reich am Schluffe des Jahres 1885 überhaupt 18,776 Krankenkassen, in denen zusammen mehr als 4 Mill. (4,294,173) Arbeiter versichert waren. Es waren versichert in der Gemeinde-Krankenversicherung 586,584, in den Orts-Krankenkassen 1,534,888, in den Betriebs- Krankenkassen 1,261,200, in den Bau-Krankenkassen 12,115, in den Innungs-Krankenkassen 24,879, in den eingeschriebenen Hilfskaffen 730,722 und in den landesrechtlichen Hilfskaffen 143,785 Personen. Dazu kommen noch 215 Knappschaft! - vereine bezw. Krankenkassen mit 371,745 Mitgliedern, die in obiger Gesammtziffer nicht eingerechnet sind.
• Vor dem Reichsgericht zu Leipzig hat die Verhandlung in dem Hochverrathsprozeß gegen acht Mitglieder der französischen Patriotenliga aus dem Reichslande begonnen. Die Angeklagten konnten nicht leugnen, Mitglieder der Liga gewesen zu sein, stellten aber in Abrede, daß die Patriotenliga die Tendenz einer gewaltsamen Lostrennung Elsaß-Lothringens von Deutschland verfolge.
* Aachen, 11. Juni. Das officiöse Telegraphenbureau beeilt sich, eine Nachricht der .Aachener Volksztg.' weiter zu verbreiten, laut welcher die bischöfliche Behörde gegen ein Centrumsblatt wegen Beleidigung des Papstes und des Coadjutors des Bischofs von Straßburg in der Wahlperiode vorgehen wird. Näheres bleibt ab- zuwarlen.
* Karlsruhe, 11. Juni. Nach dem ,Bad. Beob.' haben die Mitglieder der kathol. Fraktion bereits mehrere Besprechungen abgehalten über die an ihr kannte, daß sie gesonnen sei, in die katho- lische Kirche zurückzukehren, denn diese sei die wahre Braut Christi. Herr Erich Lundquist aber fluchte und tobte wie ein Unsinniger, als er solches vernahm, und in grimmem Zorne verstieß er sein Weib.
Einige Tage darnach klopfte eines Abends ein Karthäufermönch Namens Pater Erhard an die Pforte des Reuererkloster«. Er verlangte unverzüglich den Prior in einer sehr wichtigen Sache zu sprechen. Vor Pater Arnold geführt, theilte er diesem mit, daß er hierher gesandt fei, um ihn zu warnen: — Ein schwedischer Hauptmann habe ihm und seinen Ordensbrüdern den Tod geschworen, aus Rache, weil sein Weib zum katholischen Glauben zurückgekehrt sei; — die von den Neuerern veranstaltete Frohnleichnamsfeier aber sei es gewesen, die diese wunderbare Wirkung in der Seele der Schwedin hervorgerusen habe. Nun möchten sich die Mönche schleunigst flüchten oder an einem gesicherten Zufluchtsorte verbergen, denn in der Nacht noch werde ein Soldatenhausen dar Kloster überfallen. Der Prior dankte mit bewunderungswürdiger Gelassenheit dem Karthäuser für die Warnung und berief sogleich seine Brüder um sich.
Lage und Aufgabe der nächsten Zukunft. Der Vorsitzende (Lender) ist beauftragt, noch innerhalb dieses Monats den Landes ausschuß einzuberufen.
* Darmstadt, 12. Juni. Die kirchen- politische Vorlage wird am 16. d. M. in der Zweiten Kammer zur Verhandlung kommen. Der Ausschuß hat bereits das Gesetz in der Hauptsache angenommen. Sobald die Zweite Kammer ihre Berathung der Vorlage zu Ende geführt haben wird, wird die Erste Kammer sich versammeln und man spricht davon, daß vielleicht noch im Monat Juni das Gesetz in Kraft treten werde.
Ausland.
* Die bulgarische Regierung hat der Pforte den Fürsten Alexander und den Prinzen von Coburg als ihre Thronkandidaten bezeichnet. Bei der bekannten Haltung Rußlands hat aber vorläufig keiner der beiden Candidaten Ausficht.
* Rom, 12. Juni. Der hl. Vater hielt eine wichtige Ansprache an die deutschen Jerusalempilger. Ec ermahnte die deutschen Katholiken zum Vertrauen; er versprach den vollständigen kirchenpolitischen Frieden. Der Papst wird gelegentlich seines Jubiläums den Pilgern in der Peterrkirche bei verschlossenen Thüren Audienz ertheilen.
— Ruffo-Scilla, der neue Nuntius in München, ist nach London abgereist, um den heiligen Vater bei den Jubiläumsfest lichkeiten zu Ehren der Königin Victoria zu vertreten. Er wird aber erst gegen den 20. ds. in London eintreffen, um zunächst einige Tage in Genua, dann bei der fürstlichen Familie Ruffo in Paris zu verweilen. — Der heilige Vater hat dem Fürsten Isen bürg -Bir - stein die Insignien des päpstlichen Christusorden» zu verleihen geruht. Dieselben waren von einem Schreiben begleitet, welches für die Bemühungen in Angelegenheit des mit Hessen abzuschließenden kirchenpolitischen Friedens Dank sagt. — Nach dem Moniteur de Rome' hat der Papst den Kardinal Hergenröther zum Protektor des deutschen Instituts von St. Maria-Anima ernannt; es ist dies eine der durch den Tod des Kardinals Jakobini freigewordenen Stellen.
• Wie aus Livorno (Italien) gemeldet wird, sammelte sich daselbst vor der San Sebastiankirche
Mit edler Ruhe und Fassung nahm er jetzt das Wort und sprach von den verhängnißvollen Folgen der Prozession.
„Ihr wißt, meine Brüder, welche» Schicksal uns bevorsteht," sagte er mit feierlichem Ernste. „Wollt Ihr Euch demselben entziehen, dann darf keine Minute de» Aufschub» die Flucht verzögern."
Pater Arnold machte hier eine Pause und blickte im Kreise herum; doch Keiner der Mönche regte sich. „Wollt Ihr aber gefaßt und ergeben erwarten, was uns der Herr schickt," fuhr er nach einer Weile mit gehobener Stimme fort, „bann lasset e» uns preisen al» die höchste Gnade, um Jesu willen den Tod leiden zu dürfen. Nun wählet, wa» wollt Ihr: die Flucht oder einen glückseligen Marlyrtod?"
„Einen glückseligen Martyrtod!" riefen Alle begeistert wie au» einem Munde, und der tobe»« muthige Entschluß verklärte leuchtend die ernsten, arcetischen Gesichter.
„Wohlan, so wollen wir un» stärken nut dem hochheiligen Sakramente, welches heute unsere gemeinsame Wegzehrung werden soll!" ruf Pater Arnold.
In gedoppelten Rechen und mit gemessenem Schritt wie immer zogen die Mönche j>tzt in die