i i
1887
Sonnabend, den 11. Juni.
JK 130.
3citiin$
fuliuer
Erstes Blatt
erg 6
sik ist [1114 2 Uhr
vart»
lNg.
ss.
en
'377.
Ida.
er.:
AIN.
er.,
Aktions-Programms für die Zukunft. Hier kommt der hl. Vater auf eine seiner Lieblingsideen zurück, auf die Idee der hierarchischen Einigkeit, der gemeinschaftlichen und konzentrirten Aktion. Wie in der Vergangenheit Papst, Bischöfe und Centrum ihre Kräfte und ihre Einsicht vereinigt haben, um ein Resultat herbeizuführen, so muß auch m der Zukunft diese Harmome des Willens und des Geistes die gegenwärtige Lage verbessern. Dieser Hinweis hat einen besonders werthvollen Charakter für die katholischen Abgeordneten, „diese Männer, welche sich in der besten Sache so stand- haft erwiesen haben, aus deren Ausdauer und Em- tracht die Kirche so vielen Nutzen gezogen hat und weiteren für die 'Zukunft erwartet." Diese Anerkennung für das Centrum hebt sich deutlich ab von dem Programm-Entwurf. Niemals hat das Centrum, die erste parlamentarische Partei Europas, eine solche autoritative und voll- kommens Sanktion erhalten. Das, was es m der Vergangenheit für die Vertheidigung der Kirche war, wird es auch in der Zukunft sein. Es handelt stch weder um Scheidungen, noch um Austo- fung, noch um Modifikationen. Bleiben muß die Einigkeit, die Disziplin, die Wachsamkeit, da» Zu- rücktreten aller rein politischen Jnterefien gegemüier der Vertheidigung der religiösen und moralischen Interessen. Diejenigen, welche schon eme Trennung des Centrums voraussahen, dessen rechter Flügel sich mit der protestantischen konservativen Partei verschmelzen würde, haben eine wenig zu- trcffende Rechnung gemacht. Wozu dienen m unseren Tagen rein volitische Programme? Wer begeistert sich noch für die konstitutionellen Methoden oder hervorragenden Fragen? Was die Basis einer besieren Zukunft abgibt, ist die Erhaltung aller moralischen, religiösen und sozialen Elemente zu einer Wiedergeburt der Menschheit. Das ist das Ideal, das Programm von Menschen, welche ein Herz besitzen. Das Heil beruht nicht auf politischen Einnahmen, es liegt höher in der reineren Regwn der Geister und Gewissen. Also: die Wachsamkeit der Vergangenheit bewahren, um die Zukunst zu bessern, hoch und strahlend das Programm der Einheit und der Disziplin halten, welche es bis dahin so herrlich machte. Acht geben, wie der Papst in einem andern Dokument sagte, auf die loyale und vollständige Anwendung
* Der »Moniteur de Rome' über das Centrum.
Wie wir bereits vor einigen Tagen in einem telegraphischen Auszugs meldeten bespricht der Moniteur de Rome' in einem besonderen Artikel den Passus der neuesten päpstlichen Allokution, welcher von den kirchlichen Verhältnissen in Preußen handelt, und führt dabei aus, der lllavst habe damit klärend auf die Debatte, welche über das neue kirchenpolitische Gesetz entstanden sei gewirkt. Leo XIII. habe die Frage abgeschlos- en durch seine Rede, welche mehr einer Allgemein- Erklärung, als einem diplomatischen .Dokument gleiche. Seit dem 29. April, dem Tage der Publikation, habe die Erörterung geschwebt, ob dasGe- setz der Abschluß des Kulturkampfes fei. Der Papst habe den gordifchen Knoten gelöst, indem er das Gesetz nach einer Richtung hin als „Ende des er- bitterten'Kampfes" bezeichne, aber beifüge, daß an mehreren Punkten man den berechtigten Wünschen der Katholiken noch nachkommen müsie." Der Papst hofft, die Lage werde sich noch bessern. Nach ihm sagt der ,Mon. d. R.', hat die Lage stch gebessert, ohne vollständig gut gewor- bin zu sein. „Schließlich erhält das Centrum das glorreiche Mandat, der Kirche ähnliche Dienste wie in der Vergangenheit zu leisten. Vier Hauptpunkte habe der heilige Vater aufgestellt. 1) Der Konflikt als solcher ist im Prinzip beendet. Die beiden Gewalten stehen sich nicht mehr in der Haltung als Kämpfer gegenüber, sondern haben sich genähert und verständigt. 2) Trotz dieser Uebereinkunft bleiben aber noch Punkte zu regeln. 3) Diesem Werke der Vervollständigung gegenüber hat das Cent rum seine wachsame und moden- rende Haltung beizubehalten. 4) Die Verhandlungen, weit entfernt, beendet zu sein, werden fortgesetzt werden, um die Lage der Kirche in Preußen noch zu verbesiern. Dann heißt es weiter: „Leo XIII. fällt kein absolutes Urtheil; er ana- lysirt und unterscheidet, setzt den Schatten neben das Licht auf dem Bilde. Ec zählt mit Freuden die erreichten Resultate auf, ohne ein Urtheil über das vollendetere Werk der Zukunft zu fällen. So- dann gibt er in seiner Ansprache den Umriß eines
gab in etwas beklommenem Tone die Ansicht kund, es möchte wohl besser sein, sich vor der Hand nicht weiter durch erneute Erzählungen des Unfalls auszuregen, sondern vor Allem Ruhe zu suchen und die Mittheilungen auf den folgenden Tag zu ver- schieben. Tante Dorette war noch viel zu schlaf- trunken, um sich zu erinnern, daß man dem groß- müthigen Helfer wohl ein Quartier für den Rest der Nacht anbieten müsie, und Nelly schien em Interesse daran zu haben, ihn so schnell als möglich zu verabschieden. m r
Sie sah hier in dem hell erleuchteten Vestibüle des Herrenhauses noch ungleich reizender aus, al» vorhin in dem Dämmerlicht von.Mutter Konrad Küche; ihre schönen Augen leuchteten ganz eigenthümllch und ihre Wangen waren mit einem ganz eigcnthumlichen Roth überzogen, das ihr sehr lieblich stand. Der Doktor hatte indessen nur einmal fluchtig seinen Blick zu ihrem Antlitz zu erheben gewagt, und er, der sonst jedem Menschen frei und offen ms Auge sah, schaute in dem drückenden Bewußtsein seiner schweren Versündigung verlegen und befangen zur Erde. Tante Dorette war mit einem fluchtigen Danke und mit einem noch flüchtigeren Gutenachtgruß die Treppe emporgerauscht. Nelly aber zögerte ein wenig, und ohne sich um die Gegenwart des Dieners zu kümmern, reichte sie, al» die
gleichsam zur besieren Bekräftigung machte er den Versuch, ihre Hand an seine Lippen zu ziehen.
Ob er nun aber dabei vielleicht etwas gar zu stürmisch zu Werke gegangen war, oder aber wie- der ein im Wege liegender Stein nntgewirkt hatte — kurzum, seine Lippen berührten statt der Hand ihre Wange für eine einzige flüchtige Sekunde.
Daß die beiden Nachbarn nach diesem ebenso unerwarteten als unerhörten Ereigniß auseinander- fuhren, und daß sich Jeder noch ängstlicher als zuvor in seine Ecke drückte, bedarf wohl kaum einer besonderen Versicherung, und Nellys sonst so klare und Helle Stimme hatte ein ganz eigen- thümliches Zittern angenommen, als sie sich mit einem Male sehr angelegentlich bemüht zeigte, die Tante zu erwecken. Das gelang ihr denn auch insoweit, daß die alte Dame bei der Ausfahrt vor das Herrenhaus wieder einigermaßen zur Herr chasl ihrer Sinne gelangt war und in erneute Wehklagen über die Ereignisse dieser schicksalsreichen Nacht ausbrechen konnte.
Der alte Diener, welcher allein zum Empfange der Damen wach geblieben war, erstaunte natürlich nicht wenig über den seltsamen Aufzug, m welchem dieselben erschienen. Er wollte sich sofort anschicken, die Herrschaft zu ermuntern; aber dagegen vrote. flirte Nelly ganz entschieden und auch der Doktor
Di< ,Fuld«r Halt*. ’S'“«' ÄsmTÄ“
des Friedenswerkes, die Rückkehr der antireligiösen Leidenschaften verhindern, zu gleicher Zeit Wache und Vorposten der Bischöfe und des hl. Stuhles sein in der Vertheidigung seiner Rechte und der Jntereffen der Kirche, das ist die Rolle de» Centrums, das war sie in der Vergangenheit, da» wird sie in der Zukunft sein"
So der Moniteur de Rome' als Interpret der Worte des Papstes. Sind jemals schönere und begeisterte Worte über das Centrum vernommen worden?
Deutsches Reich.
Berlin, 10. Juni.
♦ Die Encyklika des h. Vaters über die sociale Frage wird, wie der,Germ.' aus Rom berichtet wird, im September erwartet. Papst Leo XIII. hat von vielen Publicisten Me- moranda über die socialen Verhältnisie ihrer Länder sich einsenden lasien.
* Einen Wendepunkt für die Stellungnahme zu den Arbeiter-Organisationen auch auf Seite der deutschen Katholiken nennt eine so eben erschienene Broschüre: „Die Ritter der Arbeit und das Votum der Kardinale Gibbons und Manning." (Augsburg, Huttler.) Zunächst gibt dieselbe das Programm dieses großartigen, gegen 2 Millionen Mitglieder zählenden amen- kanischen Arbeiterbundes. In 15 Punkten werden dis Forderungen gegenüber der „in erschreckemier Weise zunehmenden Konzentration der Ka- p i t a l m a s s e n" zusammengefaßt, die der „Ver- armung und Erniedrigung des arbeitenden Volkes entqegenarbeiten sollen. Der Zweck des Ordens ist ein rein wirthschaftlicher, und bis Exekutive desielben ist gehalten, dafür zu sorgen, daß nichts in den Gesetzen und der Wirksamkeit des Ordens zu Tage tritt, was mit den religiösen Anschauungen irgend eines Mitgliedes in Widerspruch treten könnte. Trotzdem wurde der Orden von den Bischöfen Kanadas als eine geheime, revolutionäre, von der Encyklika Humanum genus ver- botene Arbeiter - Vereinigung verurtheilt. Die Ordensritter wandten sich nun an den Episkopat der Vereinigten Staaten, und nach länger» Be- rathungen arbeitete Kardinal Gibbons em den
Nell»'» ®etlobnng.
Eine nächtliche Geschichte von Reinholv Ortmann.
8. Fortsetzung.
Als sie wieder eine kleine Unebenheit pasiirten, wagte er cs sogar, die zierlichen Finger, die so leicht in seiner Hand lagen, mit einem kräftigen Druck zu umschließen, und dabei durchrieselte ihn ein so seltsames, beglückendes Gefühl, daß er nicht mehr zu begreifen vermochte, wie er vorhin diese nämlichen zarten Finger, als sie sich ihm dargeboten hatten, mit der Miene des Arztes hatte betrachten können. Er glaubte, daß das junge Mädchen eingeschlafen sei, und er wagte kein Glied zu rühren, um sie nicht aus ihrem vermeintlichen Schlummer zu wecken. Wie seltsam durchzuckte es ihn darum, als eine sanfte Stimme ganz nahe an seinem Ohr flüst rte:
.Nicht wahr, Sie halten mich Nicht mehr für ein thörichtes, undankbares Geschöpf? — Sie haben nicht eine so schlechte Meinung von mir, wie jene alte Frau, die nicht einmal mein kleines Geschenk annehmen wollte. — Ich bm wirklich nicht so herzlos, als es vielleicht den Anschein batte *"
9 Sie — herzlos? — Nein, Fräulein Nelly, das" habe ich niemals geglaubt!" sagte er, und
[1099 ct«er» er.
n:
, ei« ispän- ütziger
[1080 dkmstk. \
welcher | lrbeitSl.
-Hilfe.
8m.