Einzelbild herunterladen
 

1887.

■■

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenkeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Mai.

• Der Kaiser hält morgen 11 Uhr auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin die große Frühjahrs­parade ab.

* Wie die ,Nat.-Ztg.' hört, hat Dr. Mackenzie, der englische Spezialist, welcher zur Consultation über das Befinden des Kronprinzen hierher be­rufen worden, seinen Aufenthalt in Berlin ver­längert. Es ist daraus zu schließen, daß das Er- gebniß der bisherigen Untersuchung nicht als ent­scheidend betrachtet wird.

* Der Großherzog von Toskana, Erz­herzog von Oesterreich, ist heute früh hier ringe- troffen und wurde im Auftrage des Kaisers vom Prinzen Wilhelm auf dem Bahnhofe begrüßt.

* Die .Kreuzzeitung, hält die Nachricht des .Ber­liner Tageblatt' über eine energische Reklama­tion seitens des deutschen Botschafters in Petersburg gegen die Beschuldigungen pansla- vistischer Blätter, daß in Rußland deutsche Spio­nage getrieben werde, für falsch und bemerkt dazu: „Es existirt überhaupt keine gegen Rußland gerich­tete deutsche Spionage, das weiß man in den rus­sischen maßgebenden Kreisen ebenso gut wie hier." Damit würde sich doch gerade die behauptete Re­klamation rechtfertigen.

* Ter Bundesrath hält morgen eine Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stehen Vorlagen, be­treffend die Bildung von Berufsgenoffenschaften der land- und forstwirthschaftlichen Betriebe auf Grund des Unfallversicherungsgesktz-s und betr. ff. die Ein­führung der Gewerbeordnung in Elsaß-Lothringen.

* Der Reichstag hielt heute die letzte Sitzung vor den Ferien ab. Tie Deklaration zum inter­nationalen Kabelschutzvertrag, sowie das Kabel­schutzgesetz wurden in dritter Lesung unverändert angenommen. Eben fand die Novelle zum Quartierleistungsgesetz in dritter Lesung nach den Beschlüffen der zweiten Lesung Annahme. Dann wurde in die erste Berathung der Zuckersteuer­vorlage eingetreten. Staatssekretär Dr. Jacobi begründete die Vorlage, insbesondere die vorge­schlagene Verbindung von Fabrikat- und Consum­steuer. Die Abgg. Witte und Dr. Barth (freis.) bekämpften die Vorlage wegen der Beibe­haltung der Fabrikaifleuer und der Beibehaltung

Im 81)11 der Mndirtm.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

53. Fortsetzung.

53. Kapitel.

Ein anderer Weihnachtsabend.

Fünf Wochen später wurde in einer Pfarrei­kirche von Dublin eine stille Hochzeit gefeiert, wo­bei Nuala O'Donnel und Robert Thurgood Mann und Frau wurden. Der Honigmonat wurde nicht allzu lang, da Nuala und ihr Gatte nicht wünsch­ten, Miß Nanny gar zu lange mit Betty Neal allein zu laffen.

Niemals hatte die Sonne auf eine hübschere Braut herabgeschienen, wie Nuala O'Donnel in ihrem kostbaren, weißen seidenen Kleide und wallen­den Tüllschleier war, und niemals hat ein Bräu­tigam so stolz und glücklich ausgesehen, wie Robert Thurgood that, al» er die kleine, wilde, irische Blume an sein Herz legte, welche unter so unstünftigen Umständen dennoch so hübsch und rein ausgewachsen war.

Ueber Garret O'Donnel und sein Weib bleibt wenig zu sagen. Sie waren Höflichkeitshalber zur Hochzeit eingeladen, kamen aber nicht. Da» Eigen- thum von Schloß Garret ging vollständig in die

der Ausfuhrprämie. Abg. v. Puttkamer- Plaulh (cons.) betonte insbesondere die Noth- wendigkeit der Aufrechterhaltung der Prämie und hielt die in der Vorlage festgesetzte Prämie für nicht ausreichend. Abg. v. Bennigsen befür­wortete die Vorlage mit besonderer Wärme als einen zweckmäßigen Ausgleich der verschiedenen wiederstreitenden Interessen. Abg. Nobbe (Rchsp.) erklärte sich im Prinzip für die reine Consumsteuer, erachtete aber den von der Vorlage gewählten Weg als Uebergang für zweckmäßig. Die Vorlage wurde schließlich an eine 28er Com­mission verwiesen, die sich nach Schluß der Sitzung konstituirte und den Abg. v. Bennigsen zum ersten, den Abg. v. Kardorff zum stellver­tretenden Vorsitzenden wählte. Endlich wurde noch die erste Berathung der Novelle zum Postdampfer- gesitz begonnen. Auf eine Anfrage des Abg. Bormann (Rchsp.) erklärte sich Staatssekretär v. Boetticher außer Stande, anzugeben, ob Ant­werpen als Anlaufshafen beidehalten werde. Drin wurde Vertagung beantragt; bei der Ab­stimmung hierüber stellte sich Beschlußunfähigkeit heraus, worauf der Präsident die nächste Sitzung auf Dienstag, den 7. Juni, festsetzte.

* Die Branntweinsteuerkommission des Reichstags hat heute die zweite Lesung der Vor­lage beendet. Nur über die Nachsteuer soll erst nach Pfingsten Beschluß gefaßt und demnach auch die Abstimmung über die Gesammtvorlage bis dahin ausgesitzt bleiben. § 39 erhielt folgende Einschaltung: „Bei solchen gewerblichen Brenner­eien, welche vor dem 1. April 1887 bereits be­standen haben und in Zukunft nicht mehr als 10 000 Liter Bottichraum an einem Tage be- maischen, tritt für den Umfang des bisherigen Betriebe», nach näherer Bestimmung des Bundcs- raths, eine Ermäßigung des Zuschlages um 0,04 Mark für das Liter reinen Alkohols ein; bei der­gleichen Brennereien, welche in Zukunft zwar mehr als 10,000 Liter aber nicht mehr 20,000 Liter Bottichraum bemaischen, beträgt diese Ermäßigung 0,02 Mk. Auf Preßhcfenbrennereien findet diese Bestimmung keine Anwendung." Bei § 41 wurde der Zoll für in Fässern eingehenden Arac, Cognac und Rum cuf 125 Mk. für 100 Kilogramm, von allem übrigen Branntwein auf 180 Mk. für 100 Kilogramm festgesetzt. Endlich wurde folgende

Hände Mr. Thurgoods über, der dem letzten Eigenthümer zweihundert Pfund jährlich aursetzte, da ihn Nuala überzeugt hatte, daß sie schuldig seien, für den Vater zu sorgen. Mit diesem be­scheidenen Einkommen lebten Garret O'Donnel und sein verschlagenes Weib in einer kleinen Provinzialstadt de» Kontinents, bis man zuletzt hörte, daß sie Eigenthümer eine» Spielsalons geworden seien. Mrs. O'Donnel hatte vollständig die Herrschaft über ihren Gatten gewonnen, und er lebte in einem Zustande schmählicher Unter­werfung. Einige Jahre schleppte er sich bei dieser elenden Existenz noch weiter, und sechs Monate nach seinem Tode heirathete Mary einen italieni­schen Grafen und wurde die Leiterin einer sehr zweifelhaften Gesellschaftsklasse.

Ein strenger Winter trat rin. Die vorhergehende Kartoffelernte hatte durch das ungünstige Wetter sehr gelitten, und da die ärmere Landbevölkerung kaum etwas andere» hatte, wovon sie leben konnte, so vereinigten sich dec harte Winter und die un­gesunde Nahrung, um ihr tödttrche» Werk zu voll­bringen, und da» Fieber, — oder wie es bei der Landbevölkerung gewöhnlich genannt wurde — „die Krankheit" brach a.S und verwüstete manchen Herd. Während dieser schrecklichen Zeit kam Robert Thurgood'« Herzensgüte zur gebührenden Wür-

vom Abg. Woermann eingebrachte Resolution ein­stimmig angenommen: Die verbündeten Regierun­gen zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, ob und inwieweit den Preßhefefabriken bei der Ausfuhr ihrer Fabrikate eine Rückvergütung des von ihnen verausgabten Zolles auf inländisches Getreide ge­währt oder in anderer Weise die Aufrechterhaltung ihres Exportes ermöglicht werden könne. Die Kom­mission tritt am 7. Juni wieder zusammen.

* Trier, 21. Mai. Der Central-Vorstand des vorbereitenden Komitö's der nächsten General­versammlung der Kalholiken Deutschland hielt gestern eine Sitzung ab, der u. A. auch Fürst Löwenstein beiwohnte. Die Verhandlungen bezogen sich auf die Themata zu den Reden, welche in der Versammlung gehalten werden sollen. Im Ganzen sind b's jetzt 14 Vorträge vorgesehen. Exc-llenz Windthorst hat bereits sein Erscheinen zugesagt.

Ausland.

* Die französische Ministerkrisis ist ihrer Lösung immer noch nicht näher. Floquet, welcher den Versuch gemacht hatte, ein Ministerium zu bilden, hat sich mit den Opportunisten nicht zu verstän­digen vermocht und deshalb dem Präsidenten Grevy angezeigt, daß er das Mandat zur Neu­bildung des Kabinets ablehnen müsse. Die Oppor­tunisten, sowie die Rechte hatten übrigens beim Präsidenten Grevy gegen ein Ministerium Floquet Protest erhoben, weil ein solches Unzuträglich­keiten in den auswärtigen Beziehungen Frankreichs zur Folge haben würde.

* Paris, 25. Mai. Floquet, Boulanger, Lock- roy, Granet und Berthelot konferirten von 10 bi» 2 Uhr Morgens mit Rouvier, ohne eine be­stimmte Zusage zu erlangen. Das .Petit Journal' sagt, mau dürfe die Annahme RouvierS für sicher halten. ,Just«'ce' sagt, wenn Rouvier ablehne, sei cs leicht, ihm in 24 Stunden einen Ersatzmann zu finden. Im Leitartikel erklärt Pelletan, die Kammer dürfe cs sich nicht mehr gefallen lassen, daß man ihr unter neuem Namen immer das gleiche Ministerium Vorsitze. Die ,Röp. Franc.' enthält einen heftigen Ausfall gegen die Rolle, die Boulanger in der inneren Politik spiele. .Lanterne' und .Radical' feiern ein Ministerium Floquet-Boulanger al» einen Sieg.über den Oppor­tunismus. Floquet wird nicht vor heute Abend

digung. Nuala verdankte er sicherlich viel, denn sie half ihm, das irische Temperament verstehen zu lernen, und selten mehr machte er noch einen Schnitzer. Nicht einer seines Besitzthum» blieb ver­gessen, und Nahrung und Kleidung wurde frei­gebig ausgetheilt, und auf diese Weise manches Leben gerettet, da» sonst aus Mangel des Noth- wendigen elend zu Grunde gegangen wäre.

Es war Weihnachtsabend, und Finsterniß schien über dem Thale der silbernen Birken zu hangen. In dem bequemen Studirzimmer zu Glinmore saß Robert Thurgood; Nuala saß neben dem warmen, weißen Kamine, ihr Haupt auf die Knie ihre» Gatten gelegt. Auf ihrem lieblichen Ange­sichte war ein Ausdruck äußerster Zufriedenheit; und ihre hübschen, sorgfältig verfertigten Kleider erhöhten den Reiz ihrer wohlgebildeten, schlanken Figur.

Jetzt wurde die Thürr geöffnet und Betty Neal trat in die Bibliothek.

„Wenn's gefällig ist, Miß Nuala" (denn man konnte es B.lty Neal noch gar nicht deibringen, daß ihre junge Gebieterin jetzt anders angeredet werden mußte). „Hier ist Jakob Drake, der Sie zu sprechen wünscht."

Jakob war jetzt in den Diensten der Miß Nanny.