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Mittwoch, den 25. Mai.

M 117.

1887.

Fuldaer W Ititimg.

Die Fuldaer Rettuna' erscheint täalich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., ,ÖU ä 8 mit der belletristischen Wochenkeilage .Sterne und Blumes in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Mit dem 1. Juni eröffnen wir ein Monats - Abonnement auf die „Fuldaer Zeitung" zum Abonnementspreise von 50 Pfg. (ohne Bestellgeld). Bestellungen werden von den Postanstalten und Landbriefträgern sowie von unseren Stadtboten und der Expedition (Butter­markt) entgegen genommen.

% Frankreich vor dem Scheidewege.

Schon seit vielen Wochen war es bekannt, daß es in Paris stark „ministerkrisele", was weiter nicht Wunder nimmt, wenn man die Verhältnisse von „La belle France* kennt. Die Mehrheit der Kammer erklärte: „Wir verweigern jede Steuer­erhöhung und jedes Anleihen!" Allen Respekt vor diesem Sparsamkeits-Grundsatze in der Theorie, leider ist derselbe recht lächerlich in der Praxis. Man vergegenwärtige sich nur, daß dieselbe Kam­mermehrheit dem „Sterne Frankreichs", dem famo­sen General Boulanger, jeden Herzenswunsch in der Form von unbeschränkten Krediten stets erfüllt hat. Wir erinnern ferner an die Melinitoersuche, durch welche allein 50 Millionen pro nihilo ver­pulvert worden sind. Dieselbe Mehrheit der Kam­mer steht auch im dringenden Verdachte, die unge­zählten Millionen für die Probemobilisirung ohne Wimpernzucken genehmigen zu wollen, eine Aus­gabe, die nur den Erfolg haben kann, neue, und angesichts der allgemein gespannten politischen Lage doppelt gefährliche Zwischenfälle zu schaffen. Nun, das mögen aber die französischen Herren unter sich abmachen. Beschäftigen wir uns mit der Thatsache des Sturzes des Ministeriums Goblet! Hier han­delt es sich vom deutschen Standpunkte aus vor Allem darum: „Kommt ein dem Weltfrieden freund­lich gesinntes Ministerium an's Ruder, oder Leute vom Schlage des bisherigen Kriegsministers Bou­langer, seit dessen Amtsthätigkeit ganz Europa nicht zur Ruhe kommen kann." — Ein Theil der französischen Presse, so weit man bis heute beur- theilen kann, wäre froh, wenn Boulanger in der „Ministerversenkung" auf Nimmerwiedersehen ver­schwände, ein anderer Theil betrachtet den Wieder­eintritt der „HoffnungFrankreichs" als eine natio­nale Ehrensache. Sonderbarerweise finden wir auf

Im Hal der Merdirden.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

52. Fortsetzung.

52. Kapitel.

Befreiung.

„Ja, Johanna, ich bin hier. Verlangst du et­was?" Nuala sah Johanna nie als bei den Mahlzeiten, wo sie von ihr bedient wurde, und war deshalb über ihre Erscheinurg erstaunt.

„Eine Dame wünscht Sie zu sehen, Miß."

„Wer ist sie?" forschte Nuala.

„Die Dame hat mir gesagt, ich möchte Ihnen sagen, sie sei ihre Tante," erwiderte Johanna.

„Tante Nanny!" rief das Mädchen, und im Augenblicke flogen Nähzeug, Scheere und Nadeln nach allen Richtungen hin. „Wo ist sie?"

„Im Sprechzimmer, Miß."

Ohne eine weitere Frage rann Nuala aus dem Schulraume durch die Halle in da» Sprechzimmer. Nicht allein ihre Tante war da, sondern auch Robert Thurgood.

„Tante Nanny I" schluchzte das Mädchen, sich in ihre Arme werfend, „warum hast Du meinen Brief nicht beantwortet?"

der Seite der Freunde des Mannes mit dem „tei- \ gig-behäbigen" Namen die Mehrheit der konser­vativen orleanistischen und radikalen Blätter, was wenig wundert, denn beide Parteien erhoffen vom Kriege praktische Erfolge: „Die Anhänger des „Königthums" fpekuliren auf die Niederlage der Republik, um sich dann als Retter des Vaterlan­des rechtzeitig präsentiren zu können, die Radikalen inclusive der Sozialdemokraten aber erstreben den Krieg allein der allgemeinen Durchführung ihrer umstürzlerischen Ideen wegen I" Der Führer der Radikalen, der Pariser Armenarzt Clcmenceau, und der Kompromißkandidat Freycinet haben die meisten Chancen, an die Stelle Goblet'S zu treten. Wie man meldet, gilt im Allgemeinen Freycinet als der Präsident des zukünftigen Ministeriums, wenn auch gemäßigte Blätter meinen, Clemenceau würde sich dem Wiedereintritt Freycinet'S wider­setzen. Die intransigenten Blätter fordern Clemen­ceau auf, die Leitung der Geschäfte zu übernehmen. In opportunistischen Kreisen ist man entschieden gegen die Herübernahme Boulangers in das neue Kabinet. Die Schwierigkeiten der Lage lassen an­nehmen, daß die Ministerkrisis keine unmittelbare Erledigung findet. — Man behauptet sicher nicht zu viel, wenn man sagt: der Wiedereintritt Sou« langers in ein Ministerium, gleichviel welcher Kou- leur, gibt den FriedenShvffnungen den Rest." Selbst die .Franks. Ztg.' welche aus innerer Freundschaft zur französischen Demokratie in jder Regel Alles, was von Paris kommt, roftnfarbig anzu streichen pflegt, muß nach Lage der Sache in ihrer letzten Nummer bekennen:

„Bleibt General Boulanger jetzt Kriegsminister, so werden nicht nur die Straßendemagogen mit Recht be­haupten können, daß sie wie in der „Lohengrin"-Affaire, sondern auch in der Boulanger-Frage das entscheidende Wort in Frankreich zu sprechen haben, sondern auch der General Boulanger selbst wird sich für einen Mann halten dürfen, der über die Wechselfälle des parlamentarischen Lebens, über Gesetze und Verfaffung erhaben ist." . . . Nachdem das Blatt einen Bismarck'schen Ausspruch über das Kabinet Goblet vor der Krisis zitirt, in welchem Bou­langer als für den Frieden gefährlich bezeichnet wird, fällt es folgendes Urtheil über die Lage: „Wird dieser Mann jetzt, nach dem Verschwinden Goblet'S, der feste Punkt der französischen Politik, so sind alle Friedenshoff- nungen Europa's dahin. Der General braucht nicht ge­rade direkt den Frieden zu bedrohen; aber es wird jeden­falls eine stete Beunruhigung und Aufregung herrschen, deren Folgen für Europa gerade so schlimm sind, wie für

Frankreich selbst. Die Franzosen, die nicht gern dem Aus land einen populären Minister opfern, mögen sich drehen, und wenden wie sie wollen: sie haben Boulanger groß werden laffen und wenn sie ihn jetzt, indem sie ihn be­halten, noch größer machen, so machen sie sich des Ver­dachts theilhaftig, der auf dem General selbst lastet. Frankreich ist es nicht Deutschland, sondern sich selbst und dem allgemeinen Frieden schuldig, daß es den General Boulanger jetzt fallen läßt. Thut es dies nicht, so wird man überall wissen, was es zu bedeute» hat."

Gewissen Leuten, welche es lieben, dem Vogel Strauß gleich, den Kopf in den Sand zu stecken, weil man nichts sehen und hören will, was fried­liche Cirkel stören könnte, sind die obigen Aus­lassungen in's Stammbuch geschrieben. Die unab­hängige, insbesondere die katholische Presse aber, hat die Pflicht, Warnungsrufe auszustoßen, wenn Sturm droht. Die .Deutsche Reichs-Zeitung' z. B. hat dieser Tage ven „anderen europäischen Frie­densstörer" — den zukünftigen Verbündeten Frank­reichs, Rußland — in Behandlung genommen und in ihren Ausführungen ebenso gut deutsch, wie deutlich gesagt:

„Als Deutsche und als Katholiken müssen wir wün­schen, daß Milan von Serbien (gegen die russischen Kriegs­versuchungen) fest bleib« und sich vom Russen nicht um­garnen taffe. Wir wünschen es als Deutsche; denn Ruß­land hat unserer Industrie, besonders der in Eisen und Stahl, den Zugang verschlossen und durch wahre Prohi­bitivzölle den Krieg erklärt; vorzüglich die hochentwickelte oberschlesische Industrie empfindet diesen Tatzenschlag em­pfindlich. Fällt vollends der südöstliche Theil Europas in Rußlands Hand, dann ist uns der ganze europäische Osten verschlossen. Wie lange wird sich ui ser Erdtheil vor dem mächtigsten, und dennoch schwächsten Herrscher noch demüthigen?" -*■

Wir fügen hinzu: Auch vor der verrotteten Republick jenseits der Vogesen?

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Mai.

• Der Kronprinz unterzog sich vorgestern einer Halsoperation, welche der englische Arzt Mackenzie vornahm. Der ,Vossischen Zeitung' zufolge wurde auch Prof. Virchow von den behandelnden Aerzten zu Rathe gezogen. Er erklärte indeß, die Krank­heit biete keinen Grund zu Befürchlungen; cs han­delte sich bei der Operation um Beseitigung einer Kehlkopf-Geschwulst.

* Dem .Hamburger Korrespondenten' wird ge­meldet: „Durch die Krankheit des Kronprinzen

„Ich erhielt gar keinen Brief von Dir, mein Kind," sagte die alte Dame, während ihr die Thränen über die eingefallenen Wangen liefen, „noch sonst irgend welche Nachricht. Hast Du diesem guten Manne kein Wort zu sagen, welcher nicht eher ruhte, bis Dein Vater gezwungen war, uns Deine Adresse zu geben."

Nuala streckte scheu ihre Hand aus. „Ich dachte, Sie hätten mich vergessen," sagte sie mit zitternden Lippen, aber in ihrem glühenden An­gesichte war ein Ausdruck, der ihre Worte Lügen zu strafen schien.

„Ich kann kaum glauben, daß Sie das gedacht haben," erwiderte er in seiner gewöhnlichen ernsten Weise. „Mein Schweigen hat mich ohne Zweifel in eine schlimme Stellung Ihnen gegenüber ge­bracht; aber, glauben Sie mir, es sind erst zwei Tage verflossen, nachdem ich Ihrem Vater Ihre Adresse abgezwungen habe. Ich mochte nicht gern allein hierher reifen, deshalb war Miß O'Nell so gütig, mir ihre Begleitung anzubieten."

„Ich hätte mehr als das für Sie gethan, mein lieber Mr. Thurgood," sagte sie t erzüch. „Nuala, mein Kind, ich bin selbst halb verleebt in ihn."

Der Scherz der alten Tarne brachte den ge­wünschten Eindruck hervor. Ein schwaches Lächeln zeigte sich auf Nuala's Gesicht. „Sage mir,

Tante, auf welche Weise mein Vater zur Angabe meiner Adresse bewogen wurde."

„Frage ihn," erwiderte Miß Nanny, auf Mr.

Thurgood zeigend; „er kann Dir alles besser er­

zählen."

Zum ersten Male während dieser Zusammen­kunft erhob Nuala ihre süßen Augen zu Robert Thurgood. „Wollen Sie mir alles erzählen?"

„Ich werde es so kurz als möglich thun," ant­wortete er. „Sie wissen, Ihr Vater konnte das Geld nicht bezahlen, das auf dem Eigenthum von Schloß Garret haftete?"

„3a."

„Nun wohl, ich sah, -daß die Aussichten, es wieder zu erhalten, immer geringer wurden, da die Frau, welche zu heirathen Ihr Vater thöricht genug war, ihn fortwährend zu allerlei Extra­vaganzen bewog. Daher machte ich ihm einen Vorschlag, und das Resultat war, daß er mir Ihre Adresse gab, die volle und freie Einwilligung zu Ihrer Heirath mit mir, und Schloß Garret abtrat al» Ihr nunmehriges Eigenthum."

Nuala erröthete und wandte sich ab. „Sind Sre j tzt wieder in derselben Gemü'.hsverfassung als damals, wo ich Sie zuletzt fach?" fragte er, sich ihr zur Seite im Sopha niedersetzend, während Miß Nanny au der andern Seite saß.