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M U6. Dienstag, den 24. Mai. 1887.

Jfilher W 3tilng.

---Die Fuldaer Reituna' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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AM- Mit dem 1. Juni eröffnen wir ein Monats - Abonnement auf die „Fuldaer Zeitung" zum Abonnementspreise von 50 Pfg. (ohne Bestellgeld). Bestellungen werden von den Postanstalten und Landbriesträgern sowie von unseren Stadtboten und der Expedition (Butter- markt) entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. Mai.

♦ Der Kaiser begab sich heute Vormittag nach Potsdam und besichtigte daselbst auf dem Born­stedter Felde im Beisein der königlichen Prinzen und einer zahlreichen Generalität die kombinirte erste Garde-Jnfanteriebrigade, bestehend aus dem 1. Garderegiment z. F„ dem Garde-Jägerbataillon, der Unterosftzierschule und dem Lehrinfanterie-Ba- taillon unter Befehl des Generalmajors v.Kißmann.

• Der Berliner Korrespondent des .Daily Telegr.' hat erfahren, daß cs beschloffene Sache ist, daß Fürst Bismarck und Graf Kalnoky im Juli eine Zusammenkunft in Kiflingen haben werden. Die Kaiser Wilhelm und Franz Joseph würden keine Begegnung in diesem Jahre haben.

* Prinz Wilhelm, der gestern von Potsdam nach Berlin kam, verweilte längere Zeit beim Reichs­kanzler Fürsten Bismarck.

• DerReichStag nahm heute in dritter Lesung die internationale Literarkonvention und in zweiter Lesung das Telegraphenkabelschutzgesetz an. Ferner fand in zweiter Berathung die Novelle zum Quar­tierleistungsgesetz Annahme. Die Novelle zum Nah­rungsmittelgesetz wurde in erster Lesung erledigt, die zweite Lesung derselben findet ohne vorherige kommiffarische direkt im Plenum statt. Endlich wurden Wahlprüfungen vorgenommen. Die Wahl des Abg. Dr. Reinhold (3. Arnsberg) wurde beanstandet, 13 andere Wahlen für gültig erklärt. Morgen: Unfallversicherung der Bauarbeiter. Die erste Lesung des Zuckersteuergesetzes findet Mitt­woch statt.

-Die Branntweinsteuerkommission des Reichstags hat heute die erste Berathung bis auf die Bestimmungen über die Nachsteuer beendet.

Im g|«l der Mnbirtm.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburn e.

51. Fortsetzung.

51. Kapitel.

Nualas Aussichten.

Der Frühling war gekommen und gegangen; die Primel, die älteste Tochter des Frühlings, hatte geblüht und war vergangen. Auch Der blätter­reiche Juni war vorüber, und die Julisonne schickte ihre brennenden Strahlen über das Land. Der Juli ist oft ein nasser Monat, aber heute, am 19. Tage desselben, war ein so heißer Som­mertag, wie ihn die Einwohner Irlands jemals erlebt hatten.

Bier Monate früher hatte Garret O'Donnel feine Tochter nach Dublin gebracht und fie der Schule von Mrs. Butler übergeben, der Dame, an welche er den früher erwähnten Brus geschrie­ben hatte. Mrs. Butter war eine kiäfuge, hübsche Frau mit einer Adlernase, einem grünen Seiden­kleide und einer mit schwarzer Sp.tzc besetzten Sammekjacke.

„Und während der Feiertage, meine theure Madame, werden Sie dieselbe mütterliche Ueber-

Ueber die letzteren wird erst nach den Pfingst- ferien verhandelt werden. Die von der Subkom­mission beantragte Bestimmung betreffend den denaturirten Spiritus im Kleinhandel wurde ab­gelehnt. Morgen beginnt die zweite Lesung.

• Dr. Karl Peters, der Vorsitzende der deut­schen ostafrikanischen Gesellschaft, ist mit seiner Expedition in Zanzibar angekommen. — Ein in Spandau verbreitetes Gerücht will wissen, der im Dienst der Neu-Guinea-Kompagnie stehende Haupt­mann Dreger sei auf Forfchungsfahrten mit seinem Schiff zu Grunde gegangen.

♦ Während die Ausrüstung einer Expedition von Reichswegen nach Kamerun in Vorbereitung ist, welche im Hinterlande de» deutschen Schutz­gebietes eine wissenschaftliche Station unter Führung de» bereits al» Afrikaforscher bewährten Premier­lieutenants Kund errichten soll, befindet sich der Gouverneur Frhr. v. Soden bereits unterwegs, um einen längeren Urlaub in Deutschland zu ver­bringen. Er dürfte binnen Kurzem hier eintreffen. — Wie es heißt, würde sich auch Lieutenant Tappenbeck, welcher mit Premierlieutenant Kund zusammen den Jkatta, einen südlichen Zufluß des Cassri und des Congo entdeckte, der Kamerun- Expedition ebenfalls anfchließen, fo daß vier Europäer daran theilnehmen würden. Auch ein Arzt und ein Naturforscher sollen die Expedition begleiten.

-Darmstadt, 21. Mai. Der .Germania' gehen über die hessische Kirchen-Vorlage nach­folgende Mittheilungen von ihrem Korrespondenten in Rom zu: „Fürst Ysenburg - Birstein hat am Montag Abend nach zwölstägigem Aufenthalt wie- der Rom verlassen. Er war bekanntlich im Auf­trage feiner Regierung hierhergekommen, um mit Dem hl. Stuhle betreff« der Revision der hessischen Kirchengesetze zu verhandeln. Gutem Vernehmen nach soll in vielen Punkten ein Einvernehmen er« zielt worden fein. Der Fürst konferirte vorzüglich mit Monsignore Mocenni, dem Vertreter des Staatsfekretariatr, und mit Monsignore Agliardi, dem neuen Sekretär der außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten. Er wurde wiederum eine beson­dere Kommission von Kardinälen berufen, welche die Vorschläge Hessen» prüfen sollte; sie bestand aus den Kardinälen Laurenzi, Parrochi, Bartolini, Czacki und LedochowSki. Dieselben Kardinäle, mit wachung über mein lieber Kind ausülen," sagte Garret O'Donnel beim Abschiede.

„Gewiß! das liebe Mädchen wird immer unter meinen eigenen Augen fein. Verlassen Sie sich auf mich! Sie können Ihr liebes Kind meiner Sorgfalt mit vollkommenem Vertrauen überlassen."

„Das hoffe ich," fügte Garret O'Donnel, ihre Hand drückend und sich die größte Mühe gebend, eine Th-äne hervor zu pressen. „Lebe wohl, Nuala; Gott segne Dich, mein liebes Kind!" sagte er mit einer rührenden Feierlichkeit, würdig des „einfältigen Vater»", in einem Schauspiele; und nachdem er das Mädchen umarmt hatte, die wie eine Bildsäule da stand, verließ er das Zimmer.

Es war eine Schule zweiter Klasse, worin die Schülerinnen zusammengepfercht waren, und wo die schwächste fast unmittelbar an der Mauer saß. Die Lehrerinnen waren ziemlich unwissend und ebensowenig gewissenhaft. Sie berathschlagten unter einander, wie die Eltern ihrer Schülerinnen hinter- gangen werden konnten, und dar in Gegenwart ihrer Kinder. Die Folge davon war, daß nicht eine die rvthiae Achtung vor ihnen hatte. Alle Schülerinnen, Nuala ausgenommen, gingen in den freien Tagen nach Hause. Die Lehrerinnen folg« len ihnen; die Dienerinnen mit Ausnahme eines „Mädchens für Alle«" wurden entlassen; und MrS.

Ausnahme des letzteren, waren bekanntlich auch eingeladen worden, über da» letzte preußische Kir« chengesetz ihr Gutachten abzugebrn. Mehrere wich­tige Punkte der kirchenpolitischen Gesetzgebung Hes­sens hat man vorläufig unerledigt gelass.n, so die Ordensfrage und die Bestimmungen über den f»ge­nannten Mißbrauch der kirchlichen Amtsgewalt. Die hessische Regierung hat jedoch versprochen, bei gün­stiger Gelegenheit in Verhandlungen darüber ein­zutreten und man erwartet hier, daß bis dahin in der Praxis Toleranz und Entgegenkommen geübt wird. Die demnächst in Hessen vorzunehmende Re­vision wird daher nach sehr unvollständig bleiben, immerhin wird sie aber gleich der preußischen Re­vision eine Annäherung zum Frieden genannt wer­den können. Man versichert, der Großherzog von Hessen habe selbst großes Interesse daran gezeigt, daß den Beschwerden seiner katholischen Untertanen abgeholfen werde, und er habe sich darum persön­lich bemüht, daß ein Einvernehmen mit dem heil. Stuhle erzielt werde.

Ausland.

* Die französische Ministerkrifi« ist noch immer nicht beigelegt. Der Vorsitzende bet Budgetkom- miffion Rouvier, den Präsident Gcevy aufgefordert hatte, aus der Budgetkommission, welche da» Ministerium Goblet zu Fall gebracht hatte, die Elemente eines neuen Kabinet» zu entnehmen, hat dieser Aufgabe nicht zu entsprechen vermocht. Jetzt ist der Kammerpräsident Floquet berufen worden, ein neues Ministerium zu schaffen. Die radikale Presse setzt Floquet zu, diese Aufgabe zu über­nehmen, da in einem Ministerim Floquet dem bisherigen Kriegsminister Boulanger seine Stellung erhalten bleiben würde. Au» der Thatsache, daß bei der gestern in Paris vollzogenen Deputaten- Nachwahl 38,500 Stimmen auf Boulanger ent­fielen, obgleich Dessen Kandidatur gar nicht auf­gestellt war, wird geschlossen, daß seine Popularität eher im Steigen als im Fallen begriffen sei.

• Paris, 21. Mai. Der .Figaro' bringt eine im gegenwärtigen Augenblick vermutlich hier bösc» Blut machende diplomatische Korrespondenz au» dem Jahre 1875 zwischen dem damaligen Minister des Aeußern, Herzog Decazes, und dem General Lcflo, dem damaligen französischen Botschafter in Petersburg, über die angebliche russische Inter-

Butler, ihr Gemahl — der, nebenbei gesagt, Schreiber bei einem Advokaten war — und ihre drei Kinder gingen, um sechs Wochen in Bray zuzubringen.

Vier Monate waren verflossen und Nuala hatte kein Wort weder von ihrer Tante Nanny noch von Robert Thurgood gehört. Beständige Ueberwachung der Briefe war die einzige Regel, welche in der Schule strenge eingehalten wurde. Mrs. Butler kam es nicht in den Sinn, etwaige Klagen zu den Ohren der Eltern gelangen zu lassen, und so hatte Nuala kein Verbindungsmittel.

Sie schrieb ihrer Tante einen Brief, wußte je­doch nicht, daß et ihr nicht zugesandt worden war, weil Garret O'Donnel besonders verboten hatte, Nuala zu erlauben, an ihre Tante Nanny zu schreiben.

Das Mädchen war sehr unglücklich, keine Ant­wort zu erhalten, und in mancher schlaflosen Nacht benetzte sie ihr Kissen mit Thränen, weil sie so gänzlich von aller Verbindung mit denen, die fie liebte, abgeschlossen war. Sie versuchte ernstlich zu studiren, war aber sehr verzagt, wenn sie sah, daß Mädchen, die viel jünger waren, fie hierin vollständig aurstachen. Nicht einen Brief erhielt fie, und keine der Schülerinnen machte sie zu ihrer Busenfreundin. Und als die freien Tage kamen